Wenn Victor dachte, dass mit der abenteuerlichen Reise zum magischen Kristall, den er nach schwierigen Prüfungen schließlich erringen konnte, weil er seinem Herzen folgte anstatt sich auf seinen sehr ausgeprägten Verstand zu verlassen, ein Ende hätte, musste er jedoch bald feststellen, dass da noch ein weiteres Geheimnis aufzudecken war, bevor er wieder zurück in die längst liebgewonnene Klosterschule Auf der Tann und ein ersehntes Wiedersehen mit seiner Freundin Lilly, von der er schon viel zu lange getrennt gewesen war, feiern konnte.
Da gab es nämlich noch die namenlose Fee, die unendlich lange Jahre im Zauberreich Magica in der Verbannung gelebt hatte, bevor sie gemeinsam mit dem Kristall von Victor aufgefunden wurde, was gleichzeitig ihre Erlösung bedeutete. Und da sie untrennbar verbunden war mit dem kostbaren Kristallherz, oblag es dem tapferen Jungen mit dem Herzen auf dem rechten Fleck, wie man so schön sagt, eine Reise anzutreten mit der winzigen Fee, an deren Ende sie dann ein weiteres großes Geheimnis enthüllen würden, das Geheimnis nach der Herkunft des zauberhaften kleinen Wesens.
Und um genau diese Reise geht es in vorliegendem dritten Buch der Lilly Flunker Saga, an dessen phantastischen und märchenhaften Vorgängerbänden, die mit so berauschenden Bildern und unvergesslichen Charakteren ausgestattet sind, sich die Leser erfreuen durften. Nicht minder Zauberhaftes ereignet sich in Das magische Pferd, nicht minder mitreißend und herzerwärmend ist es geschrieben! Und auch seiner Geschichte möchte ich unter vielen anderen Attributen vor allem das der Weisheit verleihen, wie sie auch die Vorgängerbände auszeichnet. Mehr als einen wunderschön geschriebenen Fantasyroman mit Tiefgang zu ersinnen beschäftigt sich die Autorin nämlich erneut mit grundsätzlichen Wahrheiten des Lebens, mit menschlichen Werten, die zu den hehrsten gehören und über die es nicht nur nachzudenken sondern die es auch anzustreben gilt. Der Junge Victor ist jemand, der sich um besagte Werte - Freundschaft, Verlässlichkeit, unbedingte Treue, Güte, Hilfsbereitschaft - nicht bemühen muss, er besitzt si in hohem Maße. Lernen musste er freilich, auf sein Herz zu vertrauen - und diesen Lernprozess konnten wir Leser im zweiten Band der Saga auf berührende Weise mitverfolgen.
In der dritten Geschichte nun profitiert Victor von seinen Erfahrungen, lässt sich trotz aller immer wiederkehrender Zweifel nicht abbringen von dem Weg des Herzens. Auch jetzt muss er Prüfungen bestehen, muss er vor allem anderen lernen, mit der Einsamkeit zurechtzukommen, auf die er während seiner Reise durch die Bretagne immer wieder zurückgeworfen wird, die sein ständiger Begleiter geworden ist. Besagte Einsamkeit könnte man gar als eine Art Leitmotiv des dritten Bandes verstehen, denn so viele der Wesen, die uns hier begegnen, verspüren dieses Alleinsein, das scheinbare Verlassensein - und das aus den unterschiedlichsten Gründen! Bei einem neuen Charakter, der jungen Amelié Montaud, einer zentralen Figur hier, resultiert die Einsamkeit zum Beispiel aus einem immer stärker werdenden Gefühl des Andersseins, das sie vor ihrer Familie, so spürt sie, verbergen muss. Ein Trollkönig hingegen ist ganz prosaisch einsam, nachdem ihn seine Gemahlin, nach der er sich vor Sehnsucht geradezu verzehrt, vor einiger Zeit verlassen hat - obschon dieses vermeintliche Verlassenwerden auf einem simplen Missverständnis beruhte.
Victor obliegt es, mit der Hilfe seiner Begleiter, diesmal neben der Elfe Amaryllis dem weißen Hirsch Elayson und eben jener namenlosen Fee, zusammenzubringen, was zusammen gehört. Es obliegt ihm ganz selbstverständlich, ohne dass er diese Aufgabe explizit zugewiesen bekommen hätte. Er ist prädestiniert dazu, denen zu helfen, die das Glück haben, ihm zu begegnen, er überlässt niemanden seinem Schicksal, schaut nie weg, wenn er ein Wesen in Not sieht, denn er ist derjenige mit dem reinen Herzen, derjenige, dem im zweiten Band etwas gelang, an dem so viele vor ihm gescheitert waren, weil sie das Wesentliche nicht verstanden und schon gar nicht verinnerlicht hatten.
Dass Victor und seine Reisegefährten schließlich an ihrem lange so ungewissen Ziel ankommen, darf angenommen werden - und da wird der Leser durchaus überrascht sein! Doch beginnt direkt am Ziel etwas ganz Neues und man stellt fest, dass das Ende gleichzeitig auch ein Anfang ist! Der Anfang einer ganz wundersamen Geschichte, wie vermutet werden kann - und auf die man sich mit Sicherheit in einem weiteren Band freuen darf!



















