Ingeborg ist Vorstandsmitglied im Förderverein des Frankfurter Museums Wendevogel. Als sich die Möglichkeit für einen Neubau ergibt, ist die Begeisterung groß – allerdings muss der Förderverein dafür selbst 500.000 Euro aufbringen. Der neue Gebäudeteil soll dem Werk eines einzigen Künstlers gewidmet werden: dem berühmten KD Pratz.
Der lebt zurückgezogen auf einer Burg am Rhein, hat sich weitgehend aus dem Kunstbetrieb verabschiedet und gilt nicht gerade als umgänglich. Trotzdem macht sich eine Delegation des Fördervereins auf den Weg zu ihm. Mit dabei ist auch Ingeborgs Sohn Constantin Marx. Was als Besuch bei einem verehrten Künstler beginnt, entwickelt sich zunehmend anders als erwartet.
Kristof Magnusson nimmt in Ein Mann der Kunst den Kulturbetrieb genüsslich auf die Schippe. In den teilweise herrlich komischen Dialogen geht es um den Wert von Kunst, um Geld und gesellschaftliches Ansehen, aber auch um die Frage, warum Menschen überhaupt am Kulturbetrieb teilnehmen. Besonders schön fand ich, wie schnell dabei die sorgfältig gepflegten Vorstellungen der Besucher über Kunst und Künstler ins Wanken geraten.
Magnussons Sprache ist leicht und sehr gut lesbar, seine Figuren konnte ich mir sofort vorstellen, und einige Dialoge haben mich wirklich amüsiert.
Gegen Ende war mir die Geschichte allerdings etwas zu viel des Guten. Dass sich zwischen dem zurückgezogen lebenden Künstler und dem jüngeren Constantin plötzlich eine besondere Nähe entwickelt, konnte ich noch hinnehmen. Weniger überzeugt hat mich, wie bereitwillig KD Pratz schließlich sogar sein eigenes Werk beschädigt, um das Spiel des Kunstbetriebs weiterzutreiben – und damit ausgerechnet das Gegenteil dessen erreicht, was er beabsichtigt. Zusammen mit dem spektakulären, viral gehenden Finale war mir das eine Wendung zu viel.
So habe ich das Buch gern gelesen und mich über viele der Dialoge amüsiert, ohne dass es bei mir nachhaltig Eindruck hinterlassen hat. Ein zweites Mal werde ich es vermutlich nicht lesen – was ich fast ein bisschen schade finde, denn allein den Einband würde ich gerne noch öfter aus dem Regal ziehen.
Von mir gibt es knappe vier Sterne.
Kristof Magnusson

Lebenslauf
Neue Bücher
Ein Mann der Kunst (Sonderausgabe Ein Buch für die Stadt Köln 2026)
Apokalypse Miau / In bester Lage
Alle Bücher von Kristof Magnusson
Das war ich nicht
Die Reise ans Ende der Geschichte
Ein Mann der Kunst
Arztroman
Gebrauchsanweisung für Island
Zuhause
Dänen lügen nicht
Männerhort
Videos
Neue Rezensionen zu Kristof Magnusson
Es war die Zeit, in der die Welt wie aufgeatmet wirkte. Natürlich gab es Probleme. Wie immer. Und hier und da wirtschaftliche Schwächen. Und hohe Kosten, den „eisernen Vorhang“ möglichst gut zu überwinden (was in Gänze im Rückblick nicht wirklich gelang).
Aber doch Optimismus allenthalben.
Der kalte Krieg Geschichte, die ehemalige Sowjetunion im Trudeln und sich neu finden, erfinden müssen. Die Mauer niedergerissen. Die Hasardeure umgehend für „gute Geschäfte“ (natürlich nur für und in die eigene Tasche) im östlichen „Eldorado“ unterwegs.
Frieden. Ein friedlich herbeigeführter Friede. Der vermeintliche Sieg des Kapitalismus für eine nun Schritt für Schritt „schöne neue Welt“.
Eine Zeit, in der Jakob Dreiser, Literat und Künstler, Höhen erlebt. Sein Oeuvre wird gefeiert, vor allem in Rom und auch auf hohem, diplomatischem Parkett ist er ein gern gesehener Gast.
Aber schon der Beginn des Romans zeigt, manches in der Hoffnung auf nun nur noch gute Zeiten trügt von Beginn an.
Dieter Germeshausen, Spion (nicht nur für eine Seite), „merkte nicht sofort, dass man ihn vergiftet hatte….ihm wurde vielleicht ein kleines bisschen wärmer, als er gewohnt war“.
Was ihm 1995 in Kasachstan an der Hotelbar als Schicksal ereilt. Wo er, nicht unbedingt zufällig, er kann sich nur nicht recht erinnern, mit jenem Jakob Dreiser zusammensitzt.
Er, der „Held, der Pechvogel, der biedere Beamte, der unbekannte Spion“.
Da aber Magnusson mit viel Humor, einer Mischung aus stiller, wunderbarer Heiterkeit bis hin zur handfesten Komödie erzählt, ist in diesem Moment vielleicht noch nicht aller Tage Abend. Auch nicht für den Spion und Doppelagenten Germeshausen.
Der hektisch daran denkt und arbeitet, wie er aus dem Schlamassel, der sich vor ihm auftürmt, mit Hilfe des Dichters wohl herauskommen könnte.
Der, wer konnte das denn ahnen, mit echter Begeisterung und Hingabe, aber nicht mit sonderlich viel Geschick, die Welt der Spione als Abenteuer des Lebens angeht.
Eine gemeinsame Geschichte bis hin zu jenem Militärgelände und jenem Vizadmiral, die den Rahmen für das Finale des Romans bereitstellen. Ein Ende, das wie ein Anfang daherkommt und doch viel Geschichte bereits erlebt hat.
An deren Ausgang Francesca, Italienerin, Fremdsprachenlehrerin. Und mit gewissen Kontakten versehen, sehr mitwirken wird.
Wobei die Geschichte selbst vielleicht gar nicht so wichtig ist für das Erleben dieses Romans.
Die fein gezeichneten Figuren, die präzise Authentizität der Zeit, die auch in den Personen wirkt.
Der Roman hätte allerdings allgemein mehr Tempo und, tatsächlich, mehr Action verdient gehabt, um ihn zu einem echten Pageturner zu gestalten.
So bleibt er zwar mit Stil bestens erzählt, es ist nicht einfach, im Ablauf der Ereignissen die Spannung aufrechtzuerhalten.
Dennoch eine lesenswerte Lektüre.
Dieter Germeshausen, 55, BND-Agent, mürrisch, hasst Small-Talk und fühlt sich in seinem Spionagetalent verkannt. Er ist nach 27 Berufsjahren quasi auf dem Abstellgleis gelandet und arbeitet offiziell für die UN in Rom. Inoffiziell plant er sein Verschwinden. Wir schreiben das Jahr 1995 und der Kalte Krieg und somit die alte Weltordnung ist Geschichte. Früher gab es Ost gegen West, Germeshausen mischte auf beiden Seiten mit. Jetzt hat er Angst, dass er als Doppelagent enttarnt wird. Dem will er zuvor kommen. Und dafür braucht er einen wortgewandten, kulturbeflissenen Mitarbeiter, der ihm hilft. Jakob Dreiser scheint der perfekte Kandidat zu sein. Dichter, weltoffen, ein begnadeter Kommunikator, erst 25 Jahre alt und Russisch sprechend.
Auf der Gartenparty der russischen Botschaft in Rom werden die beiden einander vorgestellt. Jakob Dreiser findet sein Party- und Jetsetleben zwar angenehm, spannend ist es aber nicht. Als Mitarbeiter von Germeshausen winkt Jakob Dreiser ein aufregendes Agentenleben, das ihn von Rom nach Kasachstan, Deutschland und schließlich nach Sankt Petersburg führt. Das Ende des Romans hat mich überrascht. Hat Jakob Dreiser wirklich die Aufgabe erfüllt, für die er rekrutiert wurde oder wurde hier ein viel größeres Ding gedreht und er war die Marionette?
Meinung:
Ich hatte großen Spaß an diesem Abenteuerroman und an den teilweise überzeichneten Hauptfiguren Dieter Germeshausen, Jakob Dreiser, Francesca Aquatone und Dominique Fishbowl. Ich fühlte mich beim Lesen der Gartenparty-Szene zurückversetzt zu meinem Botschaftspraktikum während meines Politikstudiums. Da gab es auch etliche Empfänge in der Botschaft und Veranstaltungen im Goethe-Institut, bei denen ich mich am Small-Talk mit wortgewandten DiplomatInnen versucht habe. Und hinter der geheimen Tür ohne Türschild saßen die BND-Beamten :-).
Spannend fand ich bei Kristof Magnussons Roman die
Entwicklung der Geschichte und der Charaktere. Ich hatte ein vorgefertigtes Bild über den BND-Beamten Dieter Germeshausen im Kopf und musste feststellen, dass der Autor ihn doch vielschichtiger gezeichnet hat als ich dachte.
Ich kann das Buch jedem empfehlen, der etwas mit Spionageromanen, dem Kalten Krieg und Diplomatenflair anfangen kann.
Von mir gibt es eine Leseempfehlung!
Gespräche aus der Community

Anfang der 90er Jahre scheint es mit dem Weltfrieden einigermaßen zu klappen, sogar Russland macht dabei mit. Nur einer ist alles andere als glücklich mit diesem Verlauf der Geschichte: Dieter Germeshausen, Geheimdienstmitarbeiter und Doppelagent. Jetzt muss er sich etwas überlegen, um ungeschoren davonzukommen. Dafür braucht er den jungen Dichter Jakob Dreiser, der gerade mit seinem Werk Furore macht. "Die Reise ans Ende der Geschichte" von Kristof Magnusson, unser neuer Titel im Literatursalon, ist eine wunderbare und unvergleichliche Verwechslungskomödie. Neugierig geworden?
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Kristof Magnusson wurde am 03. März 1976 in Hamburg (Deutschland) geboren.
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