Kristopher Jansma Die Flecken des Leoparden

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Inhaltsangabe zu „Die Flecken des Leoparden“ von Kristopher Jansma

Ein geistreiches Vexierspiel, ein großer Lesespaß und die Entdeckung eines fulminanten neuen Erzählers: Gebeutelt von künstlerischen und amourösen Versagensängsten macht sich der angehende Schriftsteller Walter Hartwright alias Pinkerton auf eine Reise um die Welt und zu sich selbst. Alles begann mit einer goldenen Armbanduhr … Mit einem Augenzwinkern nimmt uns der Ich-Erzähler mit auf eine Reise um die Welt, die in seiner Kindheit beginnt in der Provinzstadt Raleigh (wo er in einem Wiener Kaffeehaus „Ludwig’s Coffeeshop“ jobbt) und über New York City schließlich nach, Ghana, Sri Lanka, Island und wieder zurück führt. Mit von der Partie: der beste Freund und Alter Ego des Erzählers, der sehr talentierte, aber von Selbstzweifeln geplagte Schriftsteller Julian McGann, und die schöne Schauspielerin Evelyn Demont, die Frau, die beide lieben … In der selbstironischen Schilderung der Nöte des Autors, der Grenzen des Erzählens, der Eifersüchteleien unter Schriftstellern, des Größenwahns und der Versagensängste erinnert das Buch an die besten seiner Art.

Gute Story für die, die sich damit identifizieren können. Gut und anspruchsvoll geschrieben, aber nichts für jedermann.

— sandraivy
sandraivy

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  • "Ein Buch muss die Axt sein für das gefrorene Meer in uns."

    Die Flecken des Leoparden
    HeikeG

    HeikeG

    02. August 2015 um 14:30

    "Die besten Romanciers lassen einen beim Lesen glauben, ihre Geschichten seien wirklich. Man hält den Atem an, wenn Raskolnikow sich seiner Nachbarin mit gezückter Axt nähert. Man weint, wenn niemand zu Gatsbys Beerdigung kommt. Und wenn man erkennt, wie geschickt man reingelegt wurde, liebt man den Autor umso mehr." Schriftsteller verzaubern, begeistern, entführen den Leser in andere Welten oder enttäuschen. Es gibt einfache Texte und komplizierte. Manche sagen in einem Satz alles, wieder andere gestalten ihre Erzählung ausufernd-opulent. Der eine Roman quillt über "von in den Text gewobenen postmodernen Rätseln, die die Intellektuellen bei der Stange hielten", ein anderer wiederum punktet mit "herzerwärmenden Albernheiten für die einfachen Leser". Und dann gibt es die ganz besonderen Bücher, die all dies geschickt miteinander verweben, wo man "ab der ersten Zeile (...) sein Herz anders schlagen [spürt], und wenn es ausgelesen ist, möchte man von vorn beginnen." Doch von den Beweggründen, den Belangen und Antriebsfedern des Autors, seinen "Wort-Kämpfen" und schlaflosen Nächten, seinen Ängsten und Schreibblockaden, dem schweren und steinigen Weg bis zur erfolgreichen Geburt seines geistigen Kindes, davon bekommt der Leser nichts mit. Bestenfalls kann er es nur vage erahnen. Kristopher Jansma, hat in seinem Debütwerk den Versuch unternommen, dies auf ungewöhnliche Art und Weise darzustellen. Die amerikanische Lyrikerin Emily Dickinson hat dies vielleicht in ihrer unnachahmlichen Art perfekt interpretiert: "Im Umweg liegt Gewinn: Zu licht ist unsrer trüben Sicht der Wahrheit Wundersinn. Wie Blitz, durch mildes Wort erklärt, vertrauter wird dem Kind, muss Wahrheit blenden nach und nach, sonst würde jeder blind." Schon mit seinem ersten Satz nimmt er den Leser gefangen und lässt ihn doch stets auf eine gewisse Art im Vagen: "Wenn Sie glauben, dass Sie der Autor dieses Buches sind, nehmen Sie bitte schnellstmöglich Kontakt auf mit dem Verlag Haslett & Grouse, New York, New York". Und weiter: "Ich habe jedes Buch verloren, das ich je geschrieben habe." Jansma erweist sich über reichlich 300 Seiten als "perfekter Lieferant des Scheins". Irgendwo im leeren Raum zwischen den Erfindungen seiner Protagonisten liegt das wahre Wesen des Autors verborgen, der Konstrukt seiner Gedanken und Empfindungen: sein Ich. Was erwartet den Leser? Der Text, geschrieben in der Ich-Form, erzählt von einem jungen Mann auf seinem Werdegang zum Schriftsteller. Man begegnet ihm das erste Mal als vaterlosen, kleinen Jungen einer Stewardess in Terminal B eines Flughafens, verwöhnt von den Kolleginnen seiner Mutter: "Es war eine wunderbare Zeit in meinem Leben - bevor ich Schriftsteller wurde." Bereits damals verfasst er seine erste Geschichte. Im Folgenden begleitet der Leser Jansmas Protagonisten in größeren Sprüngen durch sein unstetes Leben als werdender Autor. Er zieht mit Julian, seinem Zimmergenossen aus Studienzeiten, nach Manhattan und verliert allmählich alles: "Sein epischer erster Roman versinkt in einem See; seine einzige wahre Liebe heiratet einen indischen Prinzen; Julian boxt ihm am Grand Canyon ins Gesicht und so weiter und so fort." Die Handlungsschauplätze sind in unterschiedlichsten Regionen der Welt angesiedelt. New York, Dubai, ein Panoramawaggon im damals noch bürgerkriegsgepeitschten Sri Lanka, eine stickige Bar in Afrika, um letztendlich wieder an den Ausgangsort des Geschehens, den Flughafenterminal, zurückführen. "Zehn Jahre lang wollte ich ein anderer sein, bin durch die Welt gereist, habe die Liebe einer guten Frau verloren und bin fast gestorben - und hatte gedacht, nach all dem sei ich irgendwo angekommen." "Die Flecken des Leoparden" erweist sich als Buch wie "ein Garten sich verzweigender Wege." Kristopher Jansma überrascht mit einer äußerst unkonventionellen Erzählkunst. Sie ist fiktional, anspruchsvoll, herausfordernd, intelligent und interessant und hat der Andreas Heckmann einen kongenialen Übersetzer gefunden. Er erzählt nicht linear, sondern wechselt Ebenen und Personen. Der Amerikaner setzt an vielen Stellen des Romans gezielt und in voller Absicht Kunstgriffe ein. Ob das, was er erlebt wahr ist oder einfach nur erfunden, weiß wohl nicht einmal sein Autor so ganz wirklich. Denn wie stellt sein Protagonist treffend fest: "Was ist das einzig Nützliche auf der Welt? Die Fähigkeit zu lügen. (...) Unser Wertempfinden legt uns noch nahe, allzu offensichtliche Lügen zu verurteilen, aber der Wahrheit gehen wir genauso leidenschaftlich aus dem Weg. Am liebsten halten wir uns im grauen Zwischenreich des Halbglaubens auf." Oder frei nach dem Motto: "Sag alles wahr, doch sag es schräg." Jansmas Charaktere sind dabei nicht immer die allersympathischsten. Vielleicht auch, weil sie sie sich selbst kaum trauen und mitunter als die Umkehrversion ihrer selbst daherkommen. Aber immerhin faszinieren sie derart, dass man ihnen auf ihrer weltumspannenden Reise folgen wird. Auf eine Reise in den Kreißsaal der Literaten. Fazit: "Er fürchtet, falsche Worte verwendet zu haben, und das auch noch in der falschen Reihenfolge. Und diejenigen, die sie lesen, werden nicht in der Lage sein, zu erkennen, was sie erkennen sollen.", teilt der Ich-Erzähler seine Bedenken mit. Doch auch hier kann als Einschätzung ein Satz Kristopher Jansmas herangezogen werden: In "jedem Wort, an jedem Ort spürte ich ein sich entfaltendes Universum von Geschichten, die nur darauf warteten, dass ich sie Wirklichkeit werden ließ." Kein einfaches Buch und sicher auch nicht eben mal so nebenher zu konsumieren, wenn man die "wahren" Schichten tatsächlich ausschürfen möchte. Jansmas Roman ist elegant, modern, stilisiert und auch witzig. Er ist einfallsreich, mitunter exzentrisch, ausgeklügelt und komplex. Ein äußerst einfallsreiches, kluges und interessantes Buch, auch wenn es mir persönlich zuweilen doch einen Tick zu konstruiert erscheint.

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