Kurt Gossweiler

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Kapital, Reichswehr und NSDAP

Kapital, Reichswehr und NSDAP

 (1)
Erschienen am 01.11.2011
Wider den Revisionismus

Wider den Revisionismus

 (0)
Erschienen am 01.01.1997

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Rezension zu "Kapital, Reichswehr und NSDAP" von Kurt Gossweiler

Rezension zu "Kapital, Reichswehr und NSDAP" von Kurt Gossweiler
Heike110566vor 7 Jahren

Der PapyRossa Verlag hat dieses 30 Jahre alte Buch jetzt als Reprint veröffentlicht, weil es nach wie vor inhaltlich hochaktuell ist.
In dem Buch wird nachgewiesen, dass die Legenden der bürgerlichen Geschichtsschreibung, wie zB: der Nationalsozialismus war maßgeblich ein Produkt Hitlers und die Machtergreifung kam aufgrund des Machtwillens und des besonderen Charismas Hitlers, das die Menschen hypnotisierte, zustande, nur eben Legenden sind, die mit den tatsächlichen Hintergründen wenig bis gar nichts zu tun haben.
Es wird anhand von dokumentierten Fakten bewiesen, dass die DAP, und auch dann in NSDAP umbenannte Partei, ein Geschöpf von Reichswehr-Offizieren, dem Alldeutschen Verband und des deutschen Finanz- und Großkapitals war. Entscheidende Finanziers waren nicht die Parteimitglieder, sondern das deutsche Kapital wie Stinnes, Siemens, Thyssen, Allianz, MAN, Mannesmann usw und auch ganze Wirtschaftsverbände bzw gutbegüterte Reichswehroffiziere und deren Verbände. Und es wird durch dokumentierte Fakten nachgewiesen, dass die Reichswehr und starke bayrische konservative Kräfte die schützende Hand über die Faschisten hielten.
Und was auch gezeigt wird: Nicht Hitler war entscheidend, sondern eigentlich nur eine kleine Marionette der Reichswehr und des Kapitals, die diesen Mann, wegen seiner Rednergabe, die eine große Wirkung auf die Zuhörer hatte, bewusst aufbaute und zu dem machte, was er nachher war: Ein Mann, der im Namen des Kapitals für das Kapital die gewünschten Ziele erreichen sollte. - Er besaß weder den angeblichen Machtwillen noch war er selber geistig fähig, ein solches System zu errichten, wie es der deutsche Faschismus war. Was er aber konnte: die Anweisungen des deutschen Kapitals entsprechend auszuführen und umzusetzen.
Damit wird deutlich, dass der Nationalsozialismus eben nicht vom Sein Hitlers abhing, sondern: wäre nicht gerade Hitler mit seiner Begabung zum einlullenden Bequatschen der Menschen gewesen, dann wäre ein anderer entsprechend aufgebaut worden.
Es wird in der bürgerlichen Geschichtsschreibung immer wieder darauf hingewiesen, was sogar richtig ist, dass die NSDAP sehr stark von Arbeitern und den einfachen Menschen getragen wurde. Und daraus wird dann gefolgert, was aber falsch ist, wie dieses Buch zeigt, dass die Ziele der Partei im Sinne der einfachen Menschen damals waren und eben nicht des Kapitals, dass ja sogar von der DAP/NSDAP angegriffen wurde.
Richtig ist, dass die Faschisten sich als arbeiterfreundlich und antikapitalistisch präsentierten (was sie übrigens auch heute noch tun). Aber: diese Punkte wurden aufgenommen, weil das Kapital erkannte, dass man diese Gruppe, die Arbeiter, hinter sich bringen muss, damit eine Diktaturerrichtung von unten erfolgen kann. Die Option Militärputsch zur Machtergreifung hätte unweigerlich den Widerstand der Massen herausgefordert, wie der Kapp-Putsch zeigte. Hitler war der damals geeignete Mann, um die Arbeiter für die NSDAP zu gewinnen und so die nötige Massenbasis für das Kapital zu schaffen. Nur deswegen wurde Hitler vom Kapital erwählt und gepäppelt.

Aber dieses Buch ist nicht nur wegen seiner historischen Betrachtungen interessant, sondern auch hochaktuell. Beim Lesen wird einem bewusst, wie nahe wir heute wieder dem Faschismus sind. Dies ist keine Panikmache oder Verschwörungstheorie, sondern ein Resultat von Faktenbetrachtung.
Auch heute ist die faschistische Grundauffassung vom Rassenkampf (die sie dem marxistischen Klassenkampf entgegenstellte) Grundlage der deutschen und imperialistischen Politik. Der Bürger Griechenlands wird uns als faul, über seine verhältnisse lebend, kriminell (Steuerbetrüger, Sozialleistungserschleicher usw) präsentiert und gefordert, dass deutsche Werte den Griechen beigebracht werden sollen.
Ebenso, wie in den 1920er bzw 1930er Jahren, leben wir in einer Zeit der extremen Krise; wir haben, wie damals, die Entschlossenheit des Kapitals offen die politische Führung zu übernehmen (die gewählten Regierungen reagieren doch nur noch auf Forderungen der Banken und Konzerne); eine massive Unterstützung rechter Kräfte durch den Staat (siehe das Verhätscheln der NSU und NPD durch Verfassungsschutz und andere Behörden) usw.
Das einzige, was noch fehlt, ist die Verankerung in der Masse, denn ein Militärputsch ist auch heute keine Option für die BRD. Aber je mehr die Krisensituation zunimmt, immer mehr Teile der Werktätigen und des Mittelstandes auf der Strecke bleiben, desto mehr ist die Chance Menschen für die reaktionären, faschistischen Positionen zu gewinnen, da.
Und entscheidend sind dabei nicht nur die Radaufaschisten, wie die NPD oder kameradschaften, sondern reaktionäre Leute, die wir in den sogenannten demokratischen Parteien finden. Ich nenne da mal Erika Steinbach, Wolfgang Bosbach oder Thilo Sarrazin als Beispiele.
Die Faschisierung der BRD steigt stetig. Es ist, wenn man die deutschen Faschisten und als Demokraten getarnten faschistoiden Kräfte sowie das reaktionäre Kapital nicht radikal stoppt, im Grunde eine Frage der Zeit bis der Faschismus in der BRD die Macht wieder übernimmt. - Leider kommt immer wieder das Argument: "Das ist doch Übertreibung, die BRD ist eine stabile Demokratie, anders als die Weomarer Republik." Dem kann ich nur entgegnen: Auch die Menschen in der Weimarer Republik wollten nicht die drohende Gefahr wahrhaben, redeten sie klein. Genau wie viele der sogenannten Demokraten heute.
Das Fatale: Die linken Kräfte sind, wie damals, nach wie vor gespalten.

Das Buch kann man als reinen historischen Abriss betrachten und lesen, aber auch nutzen, um die Merkmale der historischen Situation 1919 bis 1924 mit der heutigen zu vergleichen.
Und es ist ist allgemein verständlich geschrieben und alles behauptete wird durch überprüfbare Fakten belegt, d. h. Angaben zu den Dokumenten und Quellen werden stets gegeben.

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