... schwarz und weiß und die Welt verliert ihre Farben. Zumindest scheint es so, wenn die Depression zuschlägt und die eigene Wahrnehmung so sehr verfälscht, dass die niedergeschlagene und verzweifelte Innenweilt sich auf das Außen überträgt.
Kurt Krömer, einer der bekanntesten Komiker Deutschlands, nutzt seine Stimme und erzählt seine eigene Geschichte: Sein Kampf raus einer jahrelangen Depression über eine verzweifelte Ärzteodyssee bis hin zur ersehnten Heilung. Im Vordergrund steht dabei sein Wunsch, sich nicht länger zu verstecken und Mut zu machen, gegen die Dämonen dieser tiefgreifenden Krankheit zu kämpfen.
Tief beeindruckt hat mich seine Ehrlichkeit und sein Mut, seine verletzliche Seite zu zeigen und von weniger glanzvollen Auftritten als denen auf der Bühne zu berichten. Er beginnt mit seiner Alkoholsucht und seinem Entzug, der Therapie danach und der anschließenden Erkenntnis, dass eine Depression seinen Blick verschleiert. Schnell ist er bereit, auch gegen diese Krankheit zu kämpfen, will gesund werden und für seine vier Kinder, die er allein erzieht, der Vater sein, den er ihnen wünscht.
Seine Schilderungen eines anstrengenden und entbehrungsreichen Alltags vollgepackt mit privaten und beruflichen Verpflichtungen und Terminen dürften vielen bekannt vorkommen und ebenso der Wunsch, sich manchmal einfach nur zu verkriechen und Ruhe zu haben. Wenn dieses aber zum Dauerzustand wird und die kleinsten alltäglichen Aufgaben zum fast unüberwindbaren Hindernis werden, sollten Alarmglocken schrillen. Sich diesem zu stellen und sich Hilfe zu suchen, ist Teil einer großen Stärke und einmal mehr habe ich verstanden, dass dieses eben genau das ist: Eigene innere Stärke, die Stolz auf sich hervorrufen darf und ein erster Schritt auf dem richtigen Weg ist.
Trotz der tiefen Täler, durch die Krömer gegangen ist, war seine Kunst immer ein Ventil. Eine kurze Möglichkeit, alles – auch die Depression – hinter sich zu lassen und den Moment des kreativen Aktes zu (er)leben und genießen. Er ist in der Hinsicht privilegiert, wie er selbst erklärt, auch wenn die Depression nach dem Auftritt sofort wieder zugeschlagen hat.
Er hat es geschafft: Nach Klinikaufenthalten, die ihn haben loslassen lassen und die ihn aus den Tälern geholt haben ebenso wie seine Therapiesitzungen, kann er sein Leben wieder genießen, nimmt die Farben und Nuancen einer bunten Welt wieder wahr.
Vielen Dank für diese ehrliche und mutige Schilderung, für das Gefühl, dass so viele erleben dürfen, mit ihrer Krankheit und der Suche nach Hilfe nicht allein zu sein. Für den Zuspruch, sich eben diese zu holen, sich Gleichgesinnten zu öffnen und anzuvertrauen und das Brechen eines Tabus, dass es leider immer noch ist!