Kurt Oesterle

 4 Sterne bei 14 Bewertungen

Alle Bücher von Kurt Oesterle

Sortieren:
Buchformat:
Kurt OesterleStammheim
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Stammheim
Stammheim
 (8)
Erschienen am 31.08.2007
Kurt OesterleDer Fernsehgast oder Wie ich lernte die Welt zu sehen
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Der Fernsehgast oder Wie ich lernte die Welt zu sehen
Kurt OesterleDer Wunschbruder
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Der Wunschbruder
Der Wunschbruder
 (2)
Erschienen am 14.04.2014
Kurt OesterleMartha und ihre Söhne
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Martha und ihre Söhne
Martha und ihre Söhne
 (1)
Erschienen am 22.02.2016
Kurt OesterleZwei Puppenspieler
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Zwei Puppenspieler
Zwei Puppenspieler
 (0)
Erschienen am 01.07.2014
Kurt OesterleRichard Gölz
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Richard Gölz
Richard Gölz
 (0)
Erschienen am 01.05.2011
Kurt OesterleMordwand und Todeskurve
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Mordwand und Todeskurve
Mordwand und Todeskurve
 (0)
Erschienen am 25.08.2008
Kurt OesterleNordwand und Todeskurve
Bei diesen Partnern bestellen
Amazon
Nordwand und Todeskurve
Nordwand und Todeskurve
 (0)
Erschienen am 01.01.1995

Neue Rezensionen zu Kurt Oesterle

Neu
Buecherschmauss avatar

Rezension zu "Martha und ihre Söhne" von Kurt Oesterle

Martha im Nachkriegsdeutschland
Buecherschmausvor 2 Jahren

Literatur über die unmittelbare Nachkriegszeit erzählt meist aus männlicher oder kindlicher Sicht. Es sind die heimkehrenden Männer, die sich in der sogenannten „Trümmerliteratur“ ihren Platz ins Leben zurückschreiben wollen, es sind die Schriftsteller, die sich an ihre Kindheit in jenen Jahren erinnern. Zudem gibt es eine deutliche Überzahl derjenigen Romane, die sich mit der Zeit des Nationalsozialismus, besonders auch der Verfolgung und Ermordung der Juden und anderer Bevölkerungsgruppen oder dem grausamen Kriegsgeschehen beschäftigen. Zumindest mir sind relativ wenige, zumal neuere literarische Werke bekannt, die sich intensiv mit der Zeit unmittelbar nach 1945 beschäftigen. Und dann noch die Perspektive einer jungen Frau, deren Sozialisation nahezu vollständig im Dritten Reich erfolgte, einnehmen.
Martha war nicht nur Mitläuferin des NS-Regimes. Sie war eine der jungen Frauen, deren begeisterte Ausbrüche man in Dokumentarfilmen über diese Zeit staunend wahrnimmt und die denen junger Beatles-Fans in Nichts nachstanden. Hitler-Deutschland war ihr nicht nur räumlich, sondern vor allem emotional und ideell Heimat. Auch nach dem Zusammenbruch lässt sich eine solche tief empfundene Verbundenheit nicht einfach lösen.
„Sie war nur der stets zweifelsfreien Ansicht gewesen, dass alles, was ringsum geschah, richtig und großartig sei. Und dass ihr Volk, wenn sie ehrlich mit sich war, andere Völker versklaven und ausrotten dürfe.“
Nun kam im Mai 1945 „die Rache der Sieger, (…) die Strafe, ihr Richtspruch über die Besiegten: die Eingliederung ihres Volkes in die große Völkerherde.“
Angst beherrscht Martha nun, aber pragmatisch wie sie ist, lässt sie sich zunächst einmal schwängern, im Glauben, als Mutter vor der Wut des Siegers besser geschützt zu sein.
Doch bald muss Martha erkennen, dass auch die Sieger anders sind als von ihr gekannt.
„Vor Siegern, die nicht zupacken und Zwang ausüben konnten, sondern nur appellieren, aufwecken und überzeugen wollten, empfand sie keinerlei Achtung und noch weniger Furcht.“
So verläuft die sogenannte „Entnazifizierung“ durch die Amerikaner für Martha und etliche wie sie nahezu folgenlos. Aber es ist die bekannte Mär von der „Stunde Null“, dem Neuanfang, der aus Millionen treuer Nationalsozialisten plötzlich Demokraten machte.
Kurt Oesterle schildert beeindruckend, dass und warum das nicht funktionieren konnte. Beschreibt aber auch auf eindrucksvolle Art und Weise die teils naiven, immer aber humanitären Bemühungen der Besatzer. Appelle wie
„Nützt die kostbare Zeit, euch zu bilden, aber nicht allein, um im Beruf voranzukommen, sondern vor allem um euch zu schützen gegen politische Verdummung und Verführung.“ Und
„Ihr, die kleinen Leute, seid nämlich die Hauptnutznießer der Demokratie. Keine andere Staatsform bietet euch so viele Vorteile. In Diktaturen seid ihr nur als Mittäter, Beifallspender…“
sind heute, gerade heute wieder, so aktuell wie damals. Wie schwer und langwierig die Erziehung zu demokratischem Denken ist, dürften wir Westdeutsche wissen und müssten auch die Vorgänge in anderen Landesteilen und überall auf der Welt verstehen, die erneut gemachten Versäumnisse erkennen. Demokratisches Verständnis kann nicht einfach „übergestülpt“, sondern muss mühsam erarbeitet und erfühlt werden.
Kurt Oesterle schafft mit „Magda und ihre Söhne“ somit nicht nur ein beeindruckendes Porträt der unmittelbaren Nachkriegszeit aus der Sicht einer Durchschnittsfrau, sondern schafft auch frappierende Parallelen zum Heute. Ist Marthas Gefühl der „Behütetheit“ im alten Regime, der „Geborgenheit in wohliger Unmündigkeit“ und schließlich ihr „Heimweh nach der alten, Wut auf die neue Zeit“ durchaus auch ein heute in ähnlicher Form anzutreffendes Phänomen.
Kurt Oesterles Bestreben, die geschilderten Dinge bis in tiefe Schichten zu durchleuchten und zu erklären, verhindert vielleicht die große emotionale Nähe zu seinen Personen, sein klarer, nüchterner, analytischer Stil geht in dieselbe Richtung. Fabulierlust ist das nicht. Dafür hat er ein sehr aufschlussreiches, nachdenklich machendes und wichtiges Stück Literatur geschaffen.

Kommentare: 1
71
Teilen
bananen-hugos avatar

Rezension zu "Der Fernsehgast oder wie ich lernte die Welt zu sehen" von Kurt Oesterle

Rezension zu "Der Fernsehgast oder wie ich lernte die Welt zu sehen" von Kurt Oesterle
bananen-hugovor 9 Jahren

Dieses Buch führt uns zurück in eine Zeit, in der ein Fernsehapparat noch nicht selbstverständlich zur Ausstattung eines Wohnzimmers gehörte. Eine Zeit in der Fernsehen noch etwas besonderes war, wofür man sich Zeit nahm. Fernseher, die uns im Hintergrund den ganzen Tag berieseln, undenkbar. Und nicht zuletzt in die Zeit von Testbild und Sendeschluß, etwas, das die jüngeren unter uns kaum mehr erlebt haben dürften. Das Buch führt uns aber auch zurück in das Landleben der frühen 60er Jahre mit all seiner Beschränktheit, aber auch Geborgenheit, in der sich das Leben zumeist um den eigenen Kirchtum herum drehte, und schon das Überschreiten der eigenen Gemarkung ein Schritt in die große, weite Welt war.
Das alles wird von Kurt Oesterle liebevoll erzählt, allerdings auch nicht mehr. Ohne größere Höhepunkte plätschert die Geschichte ein wenig dahin, so wie das Leben auf dem Dorf im Schwäbischen.

Kommentieren0
2
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 29 Bibliotheken

auf 2 Wunschlisten

von 1 Lesern aktuell gelesen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks