Kurt Palm

 3,2 Sterne bei 96 Bewertungen
Autorenbild von Kurt Palm (© Michaela Mandel)

Lebenslauf

Kurt Palm, Jahrgang 1955, studierte Germanistik und Publizistik in Salzburg und promovierte über Bertolt Brecht. Er ist seit 1983 als Autor und Regisseur tätig, verfasste Bücher über Stifter, Joyce, Mozart und Fußball, schrieb wöchentliche Kolumnen in der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“, drehte einige Kinofilme und inszenierte zahlreiche Opern und Theaterstücke. Wenn Kurt Palm nicht auf Reisen ist, lebt er in Wien und Litzlberg am Attersee.

Alle Bücher von Kurt Palm

Cover des Buches Bad Fucking (ISBN: 9783499256530)

Bad Fucking

(33)
Erschienen am 01.07.2011
Cover des Buches Strandbadrevolution (ISBN: 9783552063372)

Strandbadrevolution

(16)
Erschienen am 20.02.2017
Cover des Buches Bringt mir die Nudel von Gioachino Rossini (ISBN: 9783701716043)

Bringt mir die Nudel von Gioachino Rossini

(18)
Erschienen am 14.01.2014
Cover des Buches Die Besucher (ISBN: 9783701715879)

Die Besucher

(9)
Erschienen am 24.01.2012
Cover des Buches Der Hai im System (ISBN: 9783701182398)

Der Hai im System

(7)
Erschienen am 13.08.2022
Cover des Buches Monster (ISBN: 9783552063945)

Monster

(5)
Erschienen am 13.05.2019
Cover des Buches Trockenes Feld (ISBN: 9783701183432)

Trockenes Feld

(4)
Erschienen am 17.08.2024

Neue Rezensionen zu Kurt Palm

Cover des Buches Trockenes Feld (ISBN: 9783701183432)
holzmair_evas avatar

Rezension zu "Trockenes Feld" von Kurt Palm

holzmair_eva
Dunkle Flecken in der Familiengeschichte

Wenn die Eltern weggestorben sind, halten deren erwachsene Kinder zuweilen Rückschau. So auch Kurt Palm. Durchsetzt mit Tagebucheintragungen und Selbstbefragungen, sinniert er über seine Herkunft, versucht Widersprüche aufzulösen zwischen dem, was ihm erzählt wurde, und dem, was in Dokumenten steht. Auch ein Besuch im slawonischen Suhopolje, dem Herkunftsort seiner Eltern, der übersetzt „Trockenes Feld“ bedeutet, wirft mehr Fragen auf, als er Antworten bringt. War der Vater als Mitglied einer SS-Polizeitruppe an dortigen Verbrechen beteiligt? Wo war er überhaupt, dieser Vater, während des Zweiten Weltkriegs? Frankreich ist gesichert, aber die Umstände vage.

Den Weg der Mutter mit einem Flüchtlingstreck aus der zu Suhopolje gehörenden Siedlung Kapan kann Palm etwas klarer nachzeichnen, die späteren Anfeindungen, denen die Eltern in der oberösterreichischen Provinz ausgesetzt waren, ebenso. „Generell hatte Österreich kein besonderes Interesse an einer Eingliederung der Flüchtlinge, wofür man in erster Linie wirtschaftliche und soziale Gründe anführte.“ Das kommt einem bekannt vor, wie auch die Tatsache, dass diese Flüchtlinge sich im Niedrigstlohnbereich (damals als Knechte, Waldarbeiter, Mädge etc.) verdingen mussten, weil andere – bessere – Arbeit ihnen nicht offenstand. 

Schikanen ohne Ende. Wie sollte ein Vertriebener Nachweise darüber erbringen, dass dieses Stück Land oder jenes Haus im nur einige hundert Kilometer entfernten Suhopolje einmal ihm gehört hatte? Das kommunistische Jugoslawien hatte kein Interesse daran, und der österreichische Staat verlangte Kaufverträge, Schenkungsurkunden, Grundbuchsauszüge und Quittungen, die von den Vertriebenen natürlich nicht vorgelegt werden konnten. So war beiden Seiten, dem österreichischen und dem jugoslawischen Staat, gedient.

Trotz dieser Umstände fühlte sich Palm „allerdings nicht als Kind von Flüchtlingen, sondern als Kind ganz normaler Eltern“, der eine für die damalige Zeit (Palm ist Jahrgang 1955) auch recht normale Entwicklung nahm: ein bisschen langhaariger Protestler inklusive Mitgliedschaft in der kommunistischen Partei, ein bisschen Weltenbummler, schließlich doch Studienabschluss und nach einigen Umwegen sogar mit einem Einkommen versehen, das die besorgten Eltern, die sich für ihren Sohn immer wieder geniert hatten, beruhigte.

Es ist ein sehr persönliches Buch, in dem auch der Selbstmord des Bruders nicht ausgespart wird, denn, so Kurt Palm, jede „Familie hat ihr Lebensthema. Bei der einen Familie ist es die Arbeit, bei der anderen der Alkohol, bei der dritten der Suizid, bei der vierten der Verlust. In meiner Familie war von allem etwas dabei.“ 

Cover des Buches Der Hai im System (ISBN: 9783701182398)
Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Der Hai im System" von Kurt Palm

Gwhynwhyfar
«Die Liebe zur Wurstverkäuferin war nicht schön.»

Der erste Satz: «Die Liebe zur Wurstverkäuferin war nicht schön.»


Die Lehrerin Franziska Steinbrenner schlägt sich lustlos mit ihren schwierigen Schüler:innen in einer Brennpunktschule herum. Der Polizist Philip Hoffmann wird von seiner Geliebten erpresst, mit der er Schluss machen will. Er muss verhindern, dass ihm diese Liaison nicht um die Ohren fliegt, denn er wird im nächsten Monat Vater. Ein frustrierter Mann hat sich in seiner Wohnung verbarrikadiert und sinnt nach Rache an der Gesellschaft. Neben ihm lehnt ein Sturmgewehr mit 42 Kugeln im Magazin. Drei Menschen, deren Leben miteinander verwoben sind. Sie kennen einander nicht, aber ihre Wege werden sich auf fatale Weise kreuzen.


«Die gegenseitigen Vorurteile scheinen derart tief im kollektiven Gedächtnis verankert zu sein, dass sie als Streitschlichterin auf verlorenem Posten steht.»


Toxische Männlichkeit, ein Leitthema – menschliche Abgründe. Die Lehrerin Franziska Steinbrenner unterrichtet in einer Hauptschulklasse und steht dem täglichen Stress in einer multikulturellen Klasse mit rivalisierenden Nationen fast machtlos gegenüber. Kleine Männer, die sich Tag für Tag anstänkern, ein wiederholendender Appell an die Wichtigkeit der Bildung läuft im Leerlauf. Lediglich ein fleißiges Mädchen sticht heraus, aber auch damit kann die Lehrerin nicht umgehen. Philip Hoffmann hat sich auf ein kurzes Sexabenteuer eingelassen, das er beenden will – er möchte ein guter Familienvater sein. Doch diese toxische Geliebte hat Gefallen an ihm gefunden und droht ihm, der Ehefrau den Mailverkehr weiterzuleiten, wenn er die Beziehung beendet. Der Amokläufer ist ein namenloser frustrierter Wutbürger und Verschwörungstheoretiker, der unter Geräuschen leidet – kleinste Töne jeder Art machen ihn wahnsinnig, ein Erbe aus seiner schrecklichen Kindheit. «Ist doch egal, ob ich mit vierzig oder sechzig abkratze. Wen kümmert’s? Aber wenigstens bekomme ich noch ein paar schöne Schlagzeilen.» Frauenfeindlich, rassistisch, ein echter Widerling.


«Mein Herz klopft wie verrückt und mein Körper ist von Schweiß bedeckt. Mich ekelt vor mir selbst und ich hasse mich. Fettsack. Fette Sau. Aber es gibt kein Zurück mehr. Was geschehen ist, ist geschehen. Der Tod kann mich am A... lecken.»


Ein fieser Plot, besetzt mit unsympathischem Personal – aber in der Summe recht realitätsnah. Von Anfang an ist klar: Das hier läuft auf ein Drama hinaus. Aufgebaut wie ein Filmmanuskript, nimmt dieser Thriller drei Hauptpersonen und ein paar Nebenfiguren heraus und zoomt abwechselnd in ihr Leben, in ihre Gedanken. Am Ende werden sich ihre Wege im Amoklauf kreuzen. Prosa – voll ins Klischee gefasst mit den Dialogen, aber sie wirken sie trotzdem verstörend echt. Kids ohne Hoffnung, eine Lehrerin, die eigentlich schon aufgegeben hat, ein Bulle auf dem Alkoholtripp mit Tötungsfantasien, um den sich eine Venusfalle schließt, ein Kotzbrocken, der sich in seiner Wut suhlt; Fischfutter im Aquarium ... Ein spannender Plot, nichts für feine Ohren und und zarte Gemüter. Ein Noir-Thriller mit Ekelpotential – der Schauer, der beim Lesen über den Rücken läuft: Wer weiß, welche Typen vor meiner Haustür herumlaufen ... Feine Kriminalliteratur, Empfehlung!


Kurt Palm, 1955 in Vöcklabruck geboren, lebt als Autor und Regisseur in Wien. Palm wurde mit der gefeierten TV-Produktion »Phettbergs Nette Leit Show« (1994-96) bekannt. Sein Bestseller »Bad Fucking« (Residenz 2010) wurde 2011 mit dem Friedrich Glauser-Preis für den besten deutschsprachigen Krimi des Jahres ausgezeichnet und war auch als Film erfolgreich.


Cover des Buches Der Hai im System (ISBN: 9783701182398)
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Rezension zu "Der Hai im System" von Kurt Palm

awogfli
Blutrausch, Oida*!

In Kurt Palms Universum, Fans nennen es auch Palmistan, sind fast alle Protagonisten ordentlich kaputt. Drei voneinander getrennte Handlungsstränge werden gepflegt und in einem blutigen Finale zusammengeklöppelt.

Da ist zuerst die schnapselnde Lehrerin Franziska Steinbrenner, die in einen Rosenkrieg mit dem depressiven KV (Amtssprech für Kindesvater) verwickelt ist und sich im Rahmen ihres Berufes mit ziemlich üblen Unterschichtsfratzen*, die meisten mit Migrationshintergrund, herumschlagen muss. Zur Nervenberuhigung genehmigt sich Franziska des Öfteren heimlich ein kleines Schlückchen aus ihrem Flachmann im Lehrerzimmer. Ansonsten versucht die überforderte Franziska, ihr schwieriges Leben zu meistern, den Exmann unter Kontrolle zu bringen und den Kampf um die Tochter und die Besuchsrechte möglichst friktionsfrei über die Bühne zu bringen, den Schülern nicht nur Lehrerin, sondern auch Sozialarbeiterin, Therapeutin, Freundin und Motivationstrainerin zu sein.

Polizist Philipp Hoffmann hat sich in eine verhängnisvolle Affäre, sehr ähnlich der zwischen Glenn Close und Michael Douglas im gleichnamigen Film begeben. Er weiß selbst nicht, warum er seine hochschwangere Frau mit Lena, einer Zeugin, die er auf einer Hundewiese kennengelernt hat, betrogen hat. Er kommt aber nicht mehr los von der jungen Verführerin, die ihn sexuell extrem antörnt, ihm nun zu allem Überfluss auch noch die Pistole auf die Brust setzt und ihn zu einer richtigen Beziehung erpressen will. Lena hat auch genügend Munition und Druckmittel für die Erpressung, da Philipp sehr viele Beweise in Form von Dick-Pics und Dirty Talks auf ihrem Handy hinterlassen hat.

Im dritten Handlungsstrang sitzt ein unidentifizierter Mann in seiner Wohnung und sinnt in Gedanken nach Rache, an denen die Leserschaft teilhaben darf. Er ist der Paradetyp der toxischen Männlichkeit, abgelehnt und verlassen von mehreren Frauen, weil er zu Gewalt neigt, alkoholkrank, pornosüchtig, paranoid, narzisstisch, arbeitslos, kleinkriminell, im Krieg mit allen Nachbarn und extrem empfindlich gegen Lärm. Dieser wütende Verrückte plant mit einem Sturmgewehr, das er beim Bundesheer mitgehen lassen hat, eine Karriere als Amokläufer an der benachbarten Schule.

Wie die Handlungsstränge ineinandergleiten werden, ist in dieser Geschichte bedauerlicherweise sehr bald klar und auch total vorhersehbar, wobei mich der Autor schon noch mit dem kreativen Selbstmord des depressiven Exmanns von Lehrerin Franziska überrascht hat. Letztendlich gipfelt alles im absehbaren Massaker an der Schule, in dem der toxische Typ, die Lehrerin, die Schüler und der Polizist zwangsläufig in einem blutigen Finale zusammenkommen müssen, was dem Plot ein bisschen die Spannung nimmt.

Die Protagonisten sind wie schon eingangs erwähnt allesamt ziemlich kaputt, jede tiefer beschriebene Hauptfigur hat irgendwo einen ordentlichen Schaden und nahezu alle sind sehr unsymphatisch. Bei der Konzeption der Charaktere spart Palm auch überhaupt nicht mit Klischees. So sind zum Beispiel die Problemschüler mit Migrationshintergrund in Franziska Steinbrenners Klasse ganz typisch und holzschnittartig mit all den gängigen Ressentiments gezeichnet.

Fazit: Nichts für Zartbesaitete, gewaltätig, toxisch, derb, verdorben und blutrünstig. Ich war jetzt nicht gerade hellauf begeistert von der Geschichte, aber gelangweilt oder genervt hat sie mich auch durchaus nicht. Lovelybooks Leser Nil hat es in einem Satz kurz und knackig in einer Analogie auf den Punkt gebracht, weshalb ich sein Zitat verwenden werde. „Wer Quentin Tarantino schaut, kann auch Kurt Palm lesen.“ Ich muss an dieser Stelle gestehen, dass ich nur hin und wieder Lust auf die Blutorgien von Tarantino habe und mich dieser Roman vielleicht wirklich zum falschen Zeitpunkt, in der falschen Stimmung abgeholt hat. Schlecht ist er auf jeden Fall überhaupt nicht.

P.S.: Eine kleine Anmerkung möchte ich letztendlich noch machen. Ich würde sehr gerne einen Roman über die traumatisierte Sophia Steinbrenner, die Tochter der Lehrerin lesen, denn was der Herr Palm diesem fiktiven Kind an Traumata zugemutet hat, wäre eine Herausforderung für hundert Therapeuten und könnte mehrere Romane füllen. ;-)

*Oida …. Alter, Kumpel und noch viele andere Bedeutungen je nachdem wie das Wort ausgesprochen wird.
*Fratz ….unartiges, schelmisches Kind vgl. Göre, Bengel oder Lausbub

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