Kurt Vonnegut

 4 Sterne bei 450 Bewertungen

Lebenslauf

Kurt Vonnegut, geboren 1922 in Indianapolis, war einer der einflussreichsten amerikanischen Schriftsteller des letzten Jahrhunderts. Zu Beginn des 2. Weltkriegs brach er sein Studium der Biochemie ab, um in den Wehrdienst zu treten. 1944 kam er in deutsche Kriegsgefangenschaft in Dresden. Nach dem Krieg zog er zurück in sein Heimatland und absolvierte ein Studium der Anthropologie, im Anschluss daran war er als Polizeireporter, Werbefachmann und Aushilfslehrer tätig. Vonnegut veröffentlichte im Jahr 1952 seinen ersten Roman "Das höllische System". Es folgten viele weitere. Gekennzeichnet ist seine Literatur vorallem durch seinen humanistischen und atheistischen Glauben. Kurt Vonnegut starb am 11. April 2007 in New York.

Neue Bücher

Cover des Buches Katzenwiege (ISBN: 9783453322677)

Katzenwiege

Neu erschienen am 12.08.2026 als Taschenbuch bei Heyne.

Alle Bücher von Kurt Vonnegut

Cover des Buches Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug (ISBN: 9783455014273)

Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug

(123)
Erschienen am 02.04.2022
Cover des Buches Frühstück für starke Männer (ISBN: 9783442093946)

Frühstück für starke Männer

(27)
Erschienen am 01.08.1994
Cover des Buches Mann ohne Land (ISBN: 9783492249287)

Mann ohne Land

(15)
Erschienen am 01.11.2007
Cover des Buches Ein dreifach Hoch auf die Milchstrasse! (ISBN: 9783036991702)

Ein dreifach Hoch auf die Milchstrasse!

(11)
Erschienen am 01.01.2012
Cover des Buches Die Sirenen des Titan (ISBN: 9783946503590)

Die Sirenen des Titan

(9)
Erschienen am 01.03.2019
Cover des Buches Katzenwiege (ISBN: 9783499124495)

Katzenwiege

(9)
Erschienen am 01.12.1994
Cover des Buches Der taubenblaue Drache (ISBN: 9783036959108)

Der taubenblaue Drache

(8)
Erschienen am 30.10.2013
Cover des Buches Slapstick (ISBN: 9783442091751)

Slapstick

(9)
Erschienen am 01.12.1994

Neue Rezensionen zu Kurt Vonnegut

Plädoyer für und gegen den Wahnsinn

       Wenn ich dazu ansetze Kurt Vonneguts Buch "Breakfast of Champions" als eine Kreuzung zwischen Douglas Adams, Richard Brautigan und Michael Moore (mit einem Schuss Mounty Python) zu bezeichnen, laufe ich natürlich Gefahr, mit einem dieser Namen potenzielle Leser zu vergrämen oder überdosierte Erwartungen zu wecken, die das Buch dann doch nicht im Sinne seiner Vergleichsobjekte erfüllen kann. Dennoch scheint es mir die angemessenste Art zu sein, dieses Buch gleichzeitig zu empfehlen und meine Wertschätzung dafür auszudrücken.

In seinen besten Momenten hat es die brillant Eigenheit und den Zug zum Sinnbildhaften wie eine von den Geschichten aus Per Anhalter durch die Galaxis , es hat in seiner Form und seiner Manier eine große, unterhaltsame Eigenheit, die daherkommt als wäre sie Nachlässigkeit, den Leser aber die ganze Zeit wunderbar in seinen Bann zieht, und einen wohl ausgerichteten Zynismus, der fast immer in Schwarze trifft.

Worum es in diesem Buch geht? Nun, Friedrich Dürrenmatt schrieb einmal, das Rationale am Menschen seien seine Einsichten, das Irrationale, dass er nicht danach handelt. In Vonneguts Kultbuch tut man sich allerdings schon schwer, rationale Einsicht zu finden. Oberflächlich gesehen und aufs Gröbste zusammengefasst ist das Buch eine böse Satire auf den Konsumwahn des Menschen und seine völlige Gleichgültigkeit gegenüber den Zerstörungen und Auswirkungen, die seine Taten mit sich bringen.

Etwas konkreter formuliert, ist es ein aberwitziger, geradezu elegant zwischen Kritik und Parodie balancierender Romanspaß, mit einer schmalen Handlung, vielen gelungenen Abschweifungen und einem großen Lesevergnügen - wollen Sie also dem Irrsinn der Normalität begegnen oder der Normalität des Irrsinns, so lesen sie dieses Buch! Es ist eine satirische Posse voller Anarchie und Weisheit, ein Meilenstein des unterhaltsamen und zugleich ernsten Scherzes - eine wunderbare schräges Plädoyer gegen den Irrsinn.

Cover des Buches Slapstick (ISBN: 9783442091751)
Trishen77s avatar

Rezension zu "Slapstick" von Kurt Vonnegut

Trishen77
Eine entvölkerte Utopie ohne Einsamkeit

"Wen immer es angeht: Es ist Frühling, später Nachmittag. In der Vorhalle des Empire State Building brennt ein Feuer in einer Kochstelle auf dem Zementfußboden. Eine Rauchwolke zieht über die Todesinsel, über den Urwald, der einmal die 34. Straße war. Das Pflaster am Grunde des Urwalds gleicht einem Schutthaufen - aufgerissen durch Frostschäden und Wurzeln.
In diesem Urwald gibt es eine kleine Lichtung. Ein blauäugiger, hohlwangiger und weißhaariger Greis - zwei Meter groß und hundert Jahre alt - sitzt in der Lichtung auf einem Ding, das mal der Rücksitz eines Taxis war.
Der Mann bin ich.
Ich heiße Dr. Wilbur Narzisse-11 Swain."

Wenn es im letzten Jahrhundert nur einen großen schreibenden Zyniker gab, so muss es Kurt Vonnegut gewesen sein; und wenn es im letzten Jahrhundert einen Preis für illustre und ungewöhnliche Utopien gegeben hätte, so hätte ihn Vonnegut mit dem einen oder anderen seiner Roman ebenfalls erlangen können - vor allem mit diesem schmalen Romanstück.

Einem Stück, das seinen zwei Titeln in jeder Hinsicht gerecht wird: es wird viel an slapstickhafter Ideenfülle transportiert, doch unter dem Deckmantel der Groteske und in der Freiheit der Zukunftsvision stellt Vonnegut subtil ein menschliches Dilemma in den Mittelpunkt: die Einsamkeit, das Suchen nach einem ähnlich gestrickten Individuum, einem Verwandten im Geiste, einem Menschen, zu dem man eine besondere Verbindung hat. Am besten wären natürlich viele solcher Menschen.

Dr. Wilbur, früher Präsident der vereinigten Staaten (bevor die Chinesen sich selbst schrumpften, die Schwerkraft zu schwanken begann, der grüne Tod kam und dann auch noch die Geschichte mit dem Mars - ach: lest selbst!) bevor alles den Bach runter ging, blickt auf sein Leben zurück. Eigentlich gibt es herzlich wenig zu beklagen. Zwar ist die Menschheit so gut wie ausgerottet, aber immerhin hat das mit den künstlichen Familien funktioniert, eine Idee, auf die er und seine Schwester gekommen waren, als sie aufgrund ihres monströsen Aussehens versteckt auf ihrem Familienwohnsitz in trauter Zweisamkeit ihr Genie zelebrierten. Danach ging viel schief, den ein Kopf denkt nicht so gut wie zwei von der Sorte ...

Wer nun confused ist, den kann man beruhigen: es ist schwer bei Vonnegut nicht immer ein bisschen verwirrt zu sein über die Selbstverständlichkeit, mit der er seine schrägen Zukunftsplots und eigenwilligen Erzähler, die immer eine Art von transformierter Gesellschaftskritik zu verkörpern scheinen, in unser Blickfeld setzt und uns dann dazu bringt, ihren Ausführungen bis zur letzten Seite zu folgen, durch Katastrophen, Irrsinn oder Apokalypsen hindurch bis zu umfassenden und zumeist unfreundlichen Erkenntnissen über die Eigenschaften der menschlichen Rasse - was dann und wann aber auch zu wichtigen Schlüssen führt:

"Ich begriff, dass Nationen ihre Kriege nie als Tragödien anerkennen konnten, aber dass Familien das nicht nur konnten, sondern sogar mussten."

"Slapstick oder Nie wieder einsam" ist eine Einlage, ein Monolog, eine ins Dystopische abgleitende Meditation über das Gemeinsame und das Einsame, die Genialität und das Empathische und (wie so oft bei Vonnegut) über das Überflüssige und das Notwendige und die Grauzonen und Spielflächen dazwischen, unterstützt von allerlei illustren Episoden, Geschichten, Anekdoten. Ein kurzweiliges Buch von einem großartigen Autor!

Cover des Buches Galapagos (ISBN: 9783442444434)
Trishen77s avatar

Rezension zu "Galapagos" von Kurt Vonnegut

Trishen77
Exodus und Evolution, das ahnen wir nicht, das wissen wir schon!

"Die Erde war ein sehr unschuldiger Planet, abgesehen von diesen großen Gehirnen."

Diesen großen Gehirnen, die immer nur Ärger machen und ihre Besitzer immer wahnsinnig machen – Diese These hat keiner (fiktiv) so verfochten, bitterbös untermalt und zynisch auf den Haupt-, Nebensatz und Punkt gebracht wie Kurt Vonnegut, der pessimistischste und zugleich lebendigste Querschläger der amerikanischen Literatur.
In Galapagos verbindet er gleich zwei seiner liebsten Plots miteinander: den Wahnsinn der Gegenwart einerseits, mit einer utopisch-dystopischen Vorrauschau auf die Entwicklung der Menschheit andererseits.

Ein Luxusliner soll die Galapagos-Inseln von Ecuador aus besuchen; es ist eine legendäre Fahrt, an der auch Mick Jagger, Henry Kissinger und andere Prominenz teilnehmen sollen. Doch dann bricht eine weltweite Finanzkrise aus und es werden Entwicklungen in Gang gesetzt an dessen Ende Abenteuer, Exodus und Evolution ebenso zusammenfallen, wie die Galapagos Inseln und der Geist eines Werftarbeiters aus Schweden.

Immer wieder nutzt Vonnegut während dieses irren, aber kein bisschen aberwitzigen Plots, die Gelegenheit, um sich über die Menschheit im Allgemeinen auf meta-sarkastische Weise auszulassen, was Teil des wunderbaren Drives ist, den das Buch mit sich bringt. So zum Beispiel bei der Weltwirtschaftskrise:

"Bloße Meinungen bestimmten die Handlungen der Leute mindestens genauso wie beweisbare Tatsachen, und sie waren immer wieder Gegenstand heftiger Umschwünge, wie sie bei Tatsachen niemals auftreten konnten. [...]
Es gab immer noch genug Nahrungsmittel und Brennstoff für alle Menschen auf dem Planeten, so zahlreich sie waren, trotzdem waren Millionen und Abermillionen jetzt dabei zu verhungern.
Und diese Hungersnot war, ebenso wie Beethovens Neunte, ein reines Produkt der überdimensionalen Gehirne. Es war alles in den Köpfen der Leute. Die Leute hatten lediglich ihre Meinung über das Papiergeld geändert, aber die Ergebnisse waren nicht weniger katastrophal, als hätte ein Meteor von der Größe Luxemburgs den Planeten getroffen."

Anhand von Kurt Vonnegut kann man sich gut die Frage stellen, ob ein Zyniker immer auch ein Pessimist sein muss, zumal wenn er Autor von Romanen ist. Eigentlich besteht nämlich ein Unterschied. Ein Zyniker sieht die derzeitigen Verhältnisse auf die denkbar schlechteste Weise, ein Pessimist ist vor allem nicht davon überzeugt, dass sie besser werden können oder könnten.

Vonnegut ist einer der gründlichsten und vollendeten Zyniker, der jemals eine Feder zur Hand genommen hat, aber ob man ihn einen Pessimisten nennen kann, in dieser Frage deutet sich die Ambivalenz seines Werkes an, auch und vor allem in Galapagos. Ein Werk, das immerhin ein Zitat von Anne Frank voranstellt: "Denn ich glaube, trotz allem, noch stets an das Gute im Menschen." Ebenfalls ein sehr ambivalentes Zitat.

Vonneguts Schreiben ist zutiefst geprägt von der Utopie, die allerdings immer einen Gegenentwurf zu der als Utopie bezeichneten und als Wahnsinn entlarvten gegenwärtigen Lage der Menschheit darstellt. Die Dystopie, das sind für Vonnegut die derzeitigen gesellschaftlichen und sozialen Verhältnisse und der Mensch als eine Erscheinung in dessen Handeln viel Widersinn steckt. Anders gesagt: Die Dystopie ist die Gegenwart.

Es gelingt Vonnegut immer leicht diese Gegenwart und ihre Bewohner als wahnhaft, als seltsame Gestalten mit eitlen, komischen und sinnlosen Bestrebungen hinzustellen – man beobachtet ihn dabei wie er die ganze Welt mit seinen eingeschobenen Diagnosen, meist einem Außenseiter in den Mund gelegt, in die Tasche steckt und sich aufschwingt, einen überfälligen Niedergang der Menschheit anzukündigen und einzuleiten und nebenbei seine Ideen für ein besseres Miteinander oder einen besseren Weg für die Evolution des Menschen zu einem friedlicheren Wesen anzubringen.

In seinen grotesken und phantastischen Zukunftsentwürfen fehlt es nicht an allerhand faszinierenden Ideen, die wie Selbstverständlichkeiten auftauchen. Seine Figurenkabinette gehören immer noch zu den schrägsten, besten, von den man lesen kann.

"Von allen Worten, die ich kenn,
das traurigste ist immer: wenn ...!"

Galapagos ist ein irres Buch und zugleich wunderbar leicht zu lesen, der Sarkasmus lädt zum mitschmunzeln ein, die Story kann sich am Ende sehen lassen, so nebensächlich sie auch daherkommt und im Ganzen ist das Buch ein wunderbares Epos über die Dummheit des Menschen und ebenso: seiner Menschlichkeit.

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Lilitus avatar
Lilitu
Immer wieder stolpere ich über Kurt Vonnegut (metaphorisch gesprochen ;) ) und immer wieder frage ich mich inwieweit seine Bücher lesenswert sind. Da ich zu keinem Schluss gekommen bin, frage ich nun euch: Ist Kurt Vonnegut lesenswert? bzw. Für wen ist Kurt Vonnegut lesenswert? Was macht ihn lesenswert, was nicht? Welches Buch wäre für einen Einstieg gut? Ich freue mich über Antworten und bin jetzt schon gespannt.
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Zusätzliche Informationen

Kurt Vonnegut wurde am 11. November 1922 in Indianapolis (Vereinigte Staaten von Amerika) geboren.

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