Seit ich vor vielen Jahren im Politikunterricht zum ersten Mal vom Abwurf der Atombomben gehört habe, interessiert mich das Thema – wenn es mich auch auf eine sehr unangenehme Weise berührt. Nach mehreren Büchern zum Thema und dem Besuch Hiroshimas habe ich nun Hayashi Kyokos Buch »Verstrahltes Leben«, das allerdings schon zwei oder drei Jahre unangetastet in meinem Regal stand, gelesen.
Darf man Autobiografisches einer Autorin, die den Abwurf über Nagasaki überlebt hat, langweilig finden? Diese Frage habe ich mir schon zu Beginn des Buches gestellt, als ich gemerkt habe, dass es nichts für mich ist – ich habe es dann bis zu Ende gelesen, muss aber sagen, dass sich die 150 Seiten unglaublich gezogen haben.
Mir persönlich sagte der Schreibstil überhaupt nicht zu. Die Autorin besucht 33 Tempel. Diese Reise aber ist in etwa so spannend geschildert, als wenn ich Ihnen jetzt von 33 Kirchen berichte, die ich vielleicht mal von außen und vielleicht sogar mal von innen gesehen habe. Ich werde Ihnen ein bisschen was über die Architektur sagen, welche Pflanzen davor wachsen, vermutlich etwas mäßig Poetisches zu einem Schmetterling schreiben, der zufällig gerade meinen Weg kreuzt. Und vielleicht wird mir ein Priester in einer der Kirchen einen Tee oder Kaffee anbieten – das werde ich Ihnen dann auch schreiben. Es ist ein bisschen das Problem eines Reiseberichtes einer Reise, auf der nichts passiert.
Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Dass die Autorin Betroffene des Abwurfs war, ist erdrückend und düster. Diese Schilderungen (Erleben, Fühlen, ständige Konfrontation damit im späteren Leben) versteht die Autorin auch gekonnt dem Leser nahezubringen. Bloß ändert das nichts an dem Großteil des Buches, des »Reiseberichtes«.
Dreißig Seiten des Buches nimmt die zweite Erzählung »Von Trinity nach Trinity« ein, bei der die Autorin das Testgelände in den USA besucht. Etwas interessanter, letztendlich bleiben die Probleme im Erzählstil aber dieselben.
Etwas irritierend war es für mich, dass sich die letzten Seiten (das von jemand anderem geschriebene Nachwort) viel besser lesen lassen als das Hauptwerk. Dass es am Ende dann noch eine wissenschaftliche Abhandlung über ein wichtiges Werk der Autorin gibt, macht es nicht besser, da eben dieses Werk nun mal kein Teil des vorliegenden Buches ist ...


