Als Geschichtsstudent war ich begeistert, als ich "Der geheime Faden" von Kylie Fitzpatrick gelesen habe. Dass es hier um nichts Geringeres geht als die Entstehung des berühmten Teppichs von Bayeux, war für mich schon Grund genug, neugierig zu werden. Aber was mich wirklich überrascht hat, war, wie packend und atmosphärisch die Autorin diese Geschichte erzählt.
Im Zentrum steht Leofgyth, eine junge Stickerin im England des 11. Jahrhunderts, die beauftragt wird, an genau jenem Wandteppich mitzuwirken, der später zu einem der bekanntesten Bilddokumente des Mittelalters wird. Parallel begleiten wir in der Gegenwart Madeleine, eine Historikerin, die durch ein altes Tagebuch eine Verbindung zu Leofgyths Geschichte entdeckt. Diese Zeitebenen sind so raffiniert miteinander verwoben, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.
Fitzpatrick schreibt mit Liebe zum Detail, aber ohne belehrend zu wirken. Sie lässt das mittelalterliche Leben lebendig werden, nicht durch große Schlachten, sondern durch Handwerk, Intrigen, Machtspiele und die stille Stärke ihrer Hauptfiguren. Ich fand es faszinierend, wie der Teppich von Bayeux hier nicht nur als Kunstwerk, sondern politisches Werkzeug, Zeugnis weiblicher Geschicklichkeit und als Ausdruck von Einfluss erzählt wird.
Für mich ist "Der geheime Faden" ein absoluter Geheimtipp! Wer Geschichte liebt, wer sich für das Mittelalter interessiert und wer klug erzählte Geschichten über starke Frauen sucht, sollte diesem Buch unbedingt eine Chance geben. Ich war völlig drin und wünschte mir beim Lesen, ich könnte gleich selbst nach Canterbury reisen. Hut ab!











