Baron Wenckheims Rückkehr

von László Krasznahorkai 
4,0 Sterne bei1 Bewertungen
Baron Wenckheims Rückkehr
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Inhaltsangabe zu "Baron Wenckheims Rückkehr"

'Jedes meiner Bücher soll die literarische Landkarte verschieben.' - László Krasznahorkai, 2015 mit dem International Man Booker Prize ausgezeichnet, gelingt mit 'Baron Wenckheims Rückkehr' ein Meisterwerk: ein Feuerwerk aus unerschöpflicher Erfindungsgabe, hellsichtiger Psychologie, abgründigen Themen und absurdem Humor.

Baron Wenckheim kehrt in das Ungarn von heute zurück: eine heruntergekommene Welt voller Verlierer. Die übersteigerten Hoffnungen aller richten sich an Wenckheim. Der in Buenos Aires zu vermeintlichem Weltruhm gekommene Sohn der Stadt soll sie retten. Doch zu viele spielen mit dem Feuer, und die Stadt steht voller geheimnisvoller Tankwagen. Die Explosion scheint jede Sekunde nah.

Mit seinem neuen Buch schließt Krasznahorkai an seine legendären Romane 'Satanstango' und 'Melancholie des Widerstands' an, die in New York zu gefeierten Wiederentdeckungen mit Kultstatus wurden.

'Obsessiv und visionär.'

James Wood, The New Yorker

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783100022370
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:496 Seiten
Verlag:S. FISCHER
Erscheinungsdatum:26.09.2018

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    michael_lehmann-papevor 14 Tagen
    Eloquente Form der Abrechnung

    Eloquente Form der Abrechnung

    Vor dem Inhalt kommt die Form, das trifft auf diesen neuen Roman von Laszlo Krasznahorkai in exponierter Form zu.

    Denn allein schon aufgrund der ständig mäandernden Sprache, Sätzen über eine halbe, eine dreiviertel Seite, eine gewisse Atemlosigkeit im Tempo und der vielfachen Assoziationen, welche diese besondere Form des Stils hervorruft, ist man als Leser während der Lektüre ständig bemüht, auf der Höhe des Geschehens zu bleiben. Was zudem durch das Schriftbild des Romans (das sich dem mäandernden Stil von Beginn an durch wenig Absätze und damit Atempausen angleicht) sich noch schwieriger gestaltet.

    Was zudem noch verkompliziert wird durch eine, von Beginn bis zum zum Ende hin, deutlich erkennbare, leidenschaftliche „Unlust“ auf das Ungarn, das in der Gegenwart in den Augen Karasznahorkais wenig annehmlich erscheint und damit dem Roman auch einen misanthropischen Unterton verleiht.

    So verwundert es nicht, dass der Roman durchsetzt ist mit symbolischen Bildern des Untergangs, selbstverschuldet, könnte man annehmen.

    Und am Ende spielt zwar Baron Wenckheim eine große Rolle in all dem Geschehen in der ungarischen Stadt mit der Burg, doch letztlich sollte man die Tankwagen (die lange gar nicht materiell vorkommen), nicht aus den Augen verlieren.

    Denn so, wie viele auftretende Personen im Gewittersturm der Wörter und Wortspiele „mit dem Feuer spielen“, so vollzieht es Krasznahorkai auch. Wenn, eines Tages, die gesamte Stadt mit so vielen Tankwagen „zugestellt“ ist, dass die Bewohner kaum mehr die Straßen betreten können. So viele, dass man zu Recht daran zweifeln darf, ob in ganz Ungarn überhaupt eine solche Menge an Tanklastwagen vorhanden ist.

    Aber auch hier gilt, das Offensichtliche ist nicht das, was passieren wird. Denn in Erwartung einer ungeheuren Explosion verharrt der Leser gebannt…..um an ganz anderer Stelle dann überrascht zu werden.

    Ein Paradox wie so manche, die sich erst im wasserfallähnlichen Ablauf der Worte erschließt und mit anderen Situationen im Roman bestens korrespondiert.

    Denn wie sonst wäre es zu verstehen, dass da einer die Pressefreiheit in den Himmel lobt („die Pressefreiheit und er, er zeigte auf sich, das seien ein und dasselbe, wenn es keine freie Presse gäbe, sei auch er nicht frei…….“), während er umgehend die Veröffentlichung eines Schriftstückes mit diesem Sermon zu verhindern versucht.

    Das sind die eigentlichen Spannungen und Reibungen im Ablauf der Ereignisse, die mehr und mehr an Fahrt aufnehmen, als Baron von Wenckheim aus Südamerika nach Hause, nach Ungarn, zurückkehrt.

    Erinnerungen an einen „Aufbruch in die Freiheit“, Realisierungen von Versagen und Scheitern an diesem Aufbruch und die Kehrtwende, die aktuell in Ungarn vollzogen wird. Mit starkem Ächzen im Gebälk.

    Denn daran lässt KRasznahorkai keinen Zweifel, wie er den momentanen Status Quo und die Entwicklung dort versteht: „Ein so abstoßendes Volk wie Euch hat die Erde noch nie auf ihrem Rücken getragen, obwohl das, was wir auf dieser Erde so im Allgemeinen sehen, alles andere als entzückend ist………..“

    Kleinlichkeit, Stillosigkeit, Neid, Leisetreterei, Feigheit, mannigfaltig sind die Attribute, die Krasznahorkai, wütend klingend, „seinen“ Ungarn entgegenschleudert.

    Was derbe und deftig in endlosen Sätzen dem Leser entgegenklingt. Eine Form, die eine Herausforderung darstellt, trotz der hochgradigen Sprachgewandtheit des Autors, oder vielleicht gerade wegen dieser.

    Ein Roman, der sich nicht leicht erschließt, aber am Ende eine klare, mögliche Sicht auf das Ungarn der Gegenwart zur Verfügung stellt mit einem „krachenden“ Ende.

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