Léa Cohen Das Calderon Imperium

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Inhaltsangabe zu „Das Calderon Imperium“ von Léa Cohen

Bulgarien 1941: Dank eines genialen Plans gelingt es Jules Calderon, Industrieller und Jude, sein Firmenimperium vor der Enteignung durch den mit Hitler paktierenden Staat zu retten. Mit seinem Sohn, seinem Prokuristen und seinem Anwalt überschreibt er es einem anonymen internationalen Konsortium namens "Alternus". Danach begeht er Selbstmord. An sein Vermögen kommen aber weder die Faschisten noch später die Kommunisten heran. Ein halbes Jahrhundert später glaubt der bulgarische Geheimdienst, den Milliarden endlich auf der Spur zu sein. Lea Cohen hat einen packenden Polit-Thriller über einen schier unglaublichen, aber authentischen Enteignungsversuch geschrieben.

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  • Rezension zu "Das Calderon Imperium" von Léa Cohen

    Das Calderon Imperium

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    06. June 2010 um 20:06

    Anfang der 1940er Jahre kooperierte das bulgarische Zarrentum unter Boris dem III mit den Nationalsozialisten und beugte sich ebenfalls den neuen antijüdischen Gesetzen. Die Folgen waren nicht nur das jüdische Arbeitnehmer von einem Tag auf den anderen ihre Arbeit und Wohnung verloren, auch jeder selbstständig geführte, jüdische, Betrieb musste per einer Frist von 4 Wochen den Nationalsozialisten übereignet werden. Das selbe Schicksal drohte auch Jules Calderon, Großindustrieller der im Besitz einer Tabakfabrik, einer Bank und einer Versicherungsanstalt war und Unmengen an Barvermögen angehäuft hatte. Nur jener alte Mann wollte sich nicht so leicht geschlagen geben. Mittels eines unglaublichen Planes und mit Hilfe seines Sohnes, seines Prokuristen und eines Anwalts schaffte er es sein gesamtes Vermögen außer Landes zu schaffen und alle Liegenschaften einem anonymen Konsortium zu überschreiben das seinen Sitz, weitab vom politischen Geschehen und untastbar, auf Zypern hatte. Zurück blieben somit nicht nur leere Kassen sondern auch viele Fragen. Allen voran jene warum sich der alte Calderon, nach Abwicklung des großen Coups, mit seiner Frau selbst das Leben genommen hat? 50 Jahre lang war es still um das Calderon Imperium geworden bis Eva, Tochter des damaligen Anwalts und Beteiligten, 1992 Besuch von einem alten Freund ihres Vaters bekommt der ihr unmissverständlich zu verstehen gibt das sie sich aufmachen muss die, wie durch Zauberhand verschwundenen, Millionen wieder ausfindig zu machen. Jene Aufgabe bewerkstelligt sie dadurch das sie mit den beiden anderen Töchtern, der damals beteiligten Männern, Kontakt aufnimmt. Zugleich unternimmt die Schriftstellerin Léa Cohen hier eine Reise in die jeweiligen Biographien dieser Frauen. Sie erzählt vom Leben in einem sozialistischen Bulgarien. Erzählt von der Immigration zweier Frauen. Eine verschlägt es nach Israel und die andere in die Schweiz. Die dritte bleibt ihrer Heimat, sei sie noch so irreal und hässlich, treu. Trotz der klaren Trennung der Biographien beginnen sich die Schicksale an manchen Eckpunkten zu überschneiden, was vor allem am vierten und letzten Teil des Buches liegt, wo sich viele Puzzleteile zusammenfinden und in dem der Lebensweg eines Mannes nachgezeichnet wird der dem Calderon Millionen sein Leben lang auf der Spur war. Was ich so in Erfahrung gebracht habe ist Das Calderon Imperium der Erstling der gebürtigen Bulgarin Léa Cohen. Und so liest sich das Buch auch. Auf den ersten 80 Seiten spürt man doch eine gewisse Unsicherheit was den eigenen Stil betrifft. Es werden, zum Teil, mit allgemeinen Aushilfsfloskeln einige stilistische Löcher gestopft was sich aber mit Fortschreiten des Buches sichtlich gibt und erst auf den letzten 20 Seiten wieder auffällt. Ein viel größerer Kritikpunkt ist er inhaltlich missratene Klappentext der dem potenziellen Leser suggeriert sich hier einen Thriller ins Regal zu holen, was so aber nicht stimmt. Es werden zwar die Millionen gejagt aber dies macht gerade mal 20% des Buches aus. Im Vordergrund stehen dagegen die Lebensgeschichten der Frauen die Cohen mit einem wirklich raffinierten Gespür für Details dem Leser näher bringt. Wie eine gute Köchin weiss die Autorin wie viel, oder wenig, sie ihre Geschichte an dieser oder jener Stelle mit Kleinigkeiten würzen muss. Auch sehr gut hat mir die Tatsache gefallen dass, als Eva mit den anderen Frauen Kontakt aufnahm, mit einem mal die Seiten gewechselt wurden. Sonst wird ja in anderen Büchern immer mit einem dunklen Geist aus der Vergangenheit geworben der den oder die Protagonist/in wieder einholt und meist auch ein Alibi für 400 voll geschriebene Seiten liefert. Hier ist es aber Eva die mit ihren Briefen in das Leben längst verblasster Bekanntschaften eindringt und somit dem Buch eine reizvolle Komponente hinzufügt. Der Stil ist, nach den kleinen Startschwierigkeiten, sehr gut lesbar, klar und meist auch auf den Punkt geschrieben. Zwar hat man anfänglich auch etwas Mühe die ganzen Charaktere, mit denen man zugeschüttet wird, einzuordnen aber auch hier hat man sich schnell eingelesen. Das einzige was mir am Buch nicht gefallen hat war eigentlich diese angedeutete Thrillerkomponente. Zwar gibt es spannende Momente und die kleinen Spannungsbögen sind von Cohen auch geschickt in die Handlung eingebettet aber gerade dadurch wirken die letzten 20 Seiten etwas arg aufgepfropft. Man liest das Ende mit dem faden Beigeschmack das hier jetzt noch mit Zwang die letzten Fäden zusammengeführt werden müssen. Das ist etwas was ich sehr schade finde da es den guten Gesamteindruck doch etwas stört. Dennoch kurz und knapp. Wer sich von der hier kurz angerissenen Geschichte angesprochen fühlt und mit der Mogelpackung eines Thrillers, der aber in Wirklichkeit ein Erinnerungsroman ist, leben kann kann hier uneingeschränkt und guten Gewissens zugreifen. Statt reißerischer und auf Effekthascherei ausgerichteter Massenware bekommt man hier einen überdurchschnittlich guten und wohldosiert intelligenten Roman der einen schon auf einen neues Buch der Schriftstellerin hoffen lässt.

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