Ich freute mich auf „Camp – Queerfeldein führt auch ein Weg“ sehr: Die Idee, für seine große Liebe zu einer völlig neuen Person zu werden, klang interessant, zumal ich die kameradschaftliche Zeltlager-Atmosphäre bei „Camp Kikiwaka“ immer geliebt habe.
Um gleich noch eine Disney-Channel-Serie in den Raum zu werfen: Del/Randy hatte, wie aus den Rückblenden ersichtlich, in den vorherigen Sommern bereits ziemlich viel Kontakt mit Hudson, weshalb ich es unrealistisch fand, dass dieser ihn allein wegen einer neuen Frisur und einem anderen Kleidungsstil nicht mehr erkannt haben sollte – fast wie Hannah Montana mit ihrer Perücke.
Zumindest nach meinem Geschmack kamen die beiden zudem viel zu schnell zusammen. Sofern ich mich richtig erinnere, flirteten sie schon am ersten oder zweiten Tag miteinander; dementsprechend langatmig wurde das Buch anschließend stellenweise: Hudson und Del/Randy küssten sich, Hudson und Del/Randy machten rum und so weiter, ohne dass sich ihre Beziehung wirklich weiterentwickelte. Die normalerweise so aufregende Annäherungsphase, in welcher dem Protagonisten unklar ist, ob die andere Person seine Gefühle erwidert, fehlte leider komplett.
Dafür wiederholte Del/Randy seinen „Plan“ ständig, beziehungsweise er überzeugte sich selbst von dessen Gelingen, was irgendwann nervig wurde. Ich konnte die Grundprämisse ferner gar nicht nachvollziehen, da Hudson zwar weder tanzte noch sich schminkte, gleichwohl ständig mit anderen Jungen flirtete, sprich genauso schwul war wie Del/Randy selbst und das ebenfalls nach außen trug. Darüber hinaus war mir der Plot bisweilen zu obszön, immerhin ist „Camp – Queerfeldein führt auch ein Weg“ ein Jugendbuch.
(SPOILER) Am Ende wollte Hudson dann plötzlich auch Nagellack und Make-up tragen, was er zuvor angeblich nur wegen seiner Eltern unterdrückt hatte. Ich frage mich, was der Autor damit aussagen wollte: Schwule Männer können nicht maskulin sein? Im Inneren mögen sie doch alle Musicals und Mädchensachen? Ich hätte es viel schöner gefunden, hätten Randy und Hudson trotz ihrer Unterschiede zusammengefunden. (SPOILER ENDE)
Wie Randy/Del die ganze Zeit über Hudson etwas vorgespielt hatte, wurde wiederum kaum als fragwürdig eingeordnet.
Fazit: Es gab einige Aspekte, die mich an „Camp – Queerfeldein führt auch ein Weg“ gestört haben, allen voran, dass die Geschichte häufig den Eindruck machte, L.C. Rosen beschriebe einfach seinen Traum-Campsommer, wobei Realismus rücksichtslos zurückgedrängt wurde: der Schwarm erwidert die Liebe sofort, man wird gemeinsam das It-Paar des Camps, heimliche Zärtlichkeiten in einem Zelt, … Dennoch mochte ich das Setting, manche Charaktere (insbesondere Hudson) sowie die Atmosphäre ganz gern, weshalb ich vier Sterne vergebe.






