Laird Hunt

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Laird HuntDie Zweige der Esche
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Die Zweige der Esche
Die Zweige der Esche
 (9)
Erschienen am 25.04.2017
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Erschienen am 11.02.2015

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sabatayn76s avatar

Rezension zu "Die Zweige der Esche" von Laird Hunt

‚Wissen Sie, was ich vor dem Krieg war?‘
sabatayn76vor 10 Monaten

‚Wissen Sie, was ich vor dem Krieg war?‘
Ich schüttelte den Kopf.
‚Ich auch nicht. Ich kann mich nicht daran erinnern. Oder wenn doch, dann kommt es mir vor wie das Leben eines anderen, und ich glaube nicht daran.‘ (Seite 174)

Die Ich-Erzählerin Constance lässt ihren Ehemann Bartholomew auf der gemeinsamen Farm zurück, schlüpft in Männerkleidung - die Uniform der Nordstaaten - und zieht in den Amerikanischen Bürgerkrieg.

Sie nennt sich von nun an Ash Thompson und sticht aus der Masse der Soldaten hervor, da sie eine exzellente Schützin und zudem außergewöhnlich mutig ist.

In ‚Die Zweige der Esche‘ wird Constances/Ashes Geschichte erzählt: von den Schlachten im Amerikanischen Bürgerkrieg, von Tod und Verwundung, von Flucht und Täuschung, aber auch von ihrer verstorbenen Mutter und von ihrer großen, unerschütterlichen Liebe zu Bartholomew.

In ebenso einfacher wie eindringlicher Sprache erzählt Laird Hunt vom Amerikanischen Bürgerkrieg und lässt den Leser so an den Kämpfen und am Grauen teilhaben. Durch den flüssigen Schreibstil und die kurzen Kapitel lässt sich ‚Die Zweige der Esche‘ schnell lesen, obwohl man das Gelesene nicht leicht verdauen kann, man über die Ereignisse und die Gedanken der sehr gut ausgearbeiteten Protagonisten oft länger nachdenken will und muss und die Geschichte so schnell nicht vergisst.

Inhaltlich ist das Buch häufig brutal, und bisweilen erfährt der Leser wie nebenbei, was Krieg tatsächlich bedeutet, was er mit den Kämpfern und den Zuhausegebliebenen, mit den Soldaten und den Zivilisten macht, wie grausam er ist, wie er Familien auseinanderreißt und wie man auch nach dem Überleben nicht mehr an das alte Leben anknüpfen kann.

Ich musste mich in den Roman erst einlesen, obwohl ich das Buch von Anfang an exzellent geschrieben fand, denn ich fand den Einstieg eher distanziert und konnte mich aus diesem Grunde selbst nicht ganz auf die Geschichte und die Protagonisten einlassen. Nach einer Weile konnte mich ‚Die Zweige der Esche‘ jedoch mitreißen und hat mich vollkommen in seinen Bann gezogen. Und nach der Lektüre kann ich sagen, dass mich der Roman sehr bewegt hat und dass ich nach dem Auslesen am liebsten von vorn begonnen hätte, weil ich all die Details nochmals mit dem Wissen, wie die Geschichte ausgeht, lesen und entdecken wollte.

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Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Die Zweige der Esche" von Laird Hunt

wunderbarer Roman gegen den Krieg
Gwhynwhyfarvor 10 Monaten

Der erste Satz: »Ich war stark und er nicht, also bin ich und nicht er in den Krieg gezogen, um die Republik zu verteidigen.«

Ein Roman über den Sezessionskrieg, den Bürgerkrieg der Vereinigten Staaten, 1861-1865. Die Protagonistin ist Constance, die mit ihrem Mann Bartholomew auf einer Farm in Indiana lebt. Aus jeder Familie soll ein Mann in den Krieg ziehen. Doch Bartholomew ist zu schwach und Constance bricht auf, verkleidet als Mann, nennt sich nun Ash. Geschichtlich ist es bewiesen, es gab Frauen, die in diesem Krieg als Männer verkleidet gekämpft haben, nicht nur die unzähligen Frauen, die als Krankenschwestern oder in anderer humanitärer Weise unterwegs waren. Durch Berichte von USSC- und WRSCS-Mitarbeiterinnen weiß man heute, dass es in beiden Armeen kämpfende Frauensoldaten gab, schätzungsweise 750. Mary Livermore von der USSC vermutete bereits während des Krieges, dass circa 400 Frauen als Männer verkleidet in der Unionsarmee kämpften und circa 60 von ihnen getötet oder verwundet wurden. Laird Hunt hat die Briefe der Kämpferinnen gelesen. Für diesen Roman recherchierte er und las sich in die Ereignisse aus Sicht der Kämpferinnen ein.

In der Familie von Constance hielt man nicht die andere Wange hin, schon gar nicht die Frauen. Zunächst geht es in die Ausbildung, als Rekrut, danach wird in die Kriegsrichtung marschiert. Beim ersten Kanonengrollen hauen einige Soldaten ab in die Büsche, rennen schlotternd zurück nachhause. So nicht Ash Thomson. Ash kann klettern wie ein Eichhörnchen und erlegt auf der Jagd Eichhörnchen mit einem Schuss durch das Auge. Ash ist galant, legt einer Frau am Wegesrand die Jacke um die Schulter, denn ihr Oberteil war verrutscht durch übergriffige Soldaten. Man spinnt das Ereignis in eine Erzählung ein, sie wird weitergegeben, in Lieder verpackt, Constance geht als »Kavalier Ash« in die Kriegsgeschichte ein. Dem Colonel gefällt der mutige Kerl.

»So, wie es dargestellt wurde, hätte man am liebsten dabei sein wollen …, sich geradewegs aus der Hose schießen lassen, nur um in die Geschichte einzugehen.«

Was anfangs wie ein netter Ausflug mit Jagdanteilen losgeht, gräbt sich Stück für Stück ins Kriegsgeschehen ein, die Schlachten rücken näher. Eine brenzlige Geschichte, aus der sich Ash befreien kann, Kämpfe, Kanonengewitter, Schüsse, Tote, Verletzte, Schreiende, Amputationen. Immer mehr Soldaten werden verletzt, getötet, andere suchen vor Schreck das Weite. Der Krieg ist kein Abenteuer.

»Tote und beinah Tote allenthalben, rechts, links und vorn und hinten. … Ein oder zwei, die ihre Augen noch aufbekamen, haben mich um Wasser gebeten. Ich war selbst kurz vor dem Verdursten, und hätte ich auch nur einen Tropfen Wasser bei ihnen gefunden, hätte ich ihn für mich gestohlen.«

Ash wird verwundet, von der Krankenschwester Neva Thatcher aufgenommen, gepflegt. Neva verliebt sich in Ash, will sie nicht gehen lassen. Als Ash aufbricht, verrät sie die Freundin. Und alles was nun kommt, wird noch viel schlimmer, Verrat über Verrat.

Ash ist einsam, muss ihre Identität die ganze Zeit verstecken. Doch es ist durch die Blume klar, dass der ein oder andere über ihre Identität Bescheid weiß, wie der Colonel, den Ash verehrt. Ash schreibt ihrem Mann oft, er schreibt zurück, sie hält Zwiegespräche mit ihrer toten Mutter, ist der einsamste Mensch auf der Welt. Von dieser Position heraus ist der Roman geschichtlich, aber er ist kein Geschichtsroman. Warum fand der Krieg statt? Um die Sklaverei zu beenden. Mehr wird nicht erwähnt, keine Jahreszahl, keine Schlachtdaten, politische Ereignisse, es fehlen jegliche Eckdaten. Aber darum geht es nicht in diesem Buch, es geht um das Leid des Krieges, der Zivilisten, der Soldaten. Die Icherzählerin zieht den Leser hinein in ihre Gefühle, in den Schrecken des Krieges. Einsamkeit und Verrat auf mehreren Seiten, Ash, bzw. Constance durchlebt die Hölle. Und die Geschichte endet mit dem Anfang: Sie ist stark und er ist schwach. »Denn er war aus Wolle und ich aus Draht.«

»Jedenfalls weiß ich, dass meine Mutter Beine aus Eisen hatte, lange Beine, die nackt immer ausgesehen haben, als würden sie fest und federnd auf dem Grund eines reißenden Bachs stehen.«

Rund 580 000 Soldaten haben in diesem Krieg ihr Leben gelassen, während ihre Frauen versuchten, auf den Farmen das Leben aufrecht zu halten. Der Sezessionskrieg ist selten Thema in Romanen, am bekanntesten ist »Vom Winde verweht«. Diese Geschichte ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite, kitschfrei, inklusive Wendungen, mit denen der Leser nicht rechnet. Spannend ist auch die Sprache, hart burschikos, der Soldat Ash und weich, anrührend poetisch ist Constance. Für mich ist dieser Roman ein sprachliches Meisterwerk. Auch wenn man nicht auf Historisches steht, sollte man an diesem Buch keinesfalls vorübergehen. Es ist eins der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe. 

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M

Rezension zu "Die Zweige der Esche" von Laird Hunt

Präzise und emotional treffend
michael_lehmann-papevor einem Jahr

Präzise und emotional treffend

Es gab sie.
Frauen, die Uniformen gefallener Südstaatler anzogen und mit in den Kampf gegen den Norden zogen. Eindrucksvoll schildert Hunt eine solche Szene, ein solches „sich Einreihen“, umgehend zu Anfang des Romans wie nebenbei.

Intensiv recherchiert hat der Autor, bevor er sich kongenial an die Darstellung einer solchen Frau im gesamten Umfang begibt.
Constance, die sich, als „männlicher Soldat“ „Ash“ nennt. Die ihren Mann auf dem Hof zurücklässt, denn sie kann besser schießen und überhaupt besser „ihren Mann stehen“. Und es muss etwas getan werden zur Verteidigung des eigenen Hofes und Landes.

Mit kühler Sprache, eher sachlich denn in den Figuren emotional, führt Hunt nun seine „Ash“ durchs Land und auf die Schlachtfelder.

„Geh und schau was in dir steckt“, das sind die Worte ihrer Mütter.
Verstorben schon längst, aber Ash hält das Gespräch mit ihr rege aufrecht. Das gesamte Buch hindurch. Wie sie mit Briefen Kontakt zu ihrem Mann hält. Und aus allem spricht eine klare Haltung. Kein Zweifel. Kein Bereuen.

Sie ist es, die als Teil der Wache den ersten Gegner treffsicher erschießt, rührungslos.

„…die Kameraden haben gemeint, wir sollten gleich zurück und Meldung machen, aber ich bin noch einen Moment bei dem Getöteten geblieben“. Entspannt.

Was im Kampf auch so bleiben wird. Aber in anderen Situationen nicht. Denn wenn Beine fliegen, Schreie ertönen, Blut den Boden durchtränkt, auch Ash ist nicht vor Kugeln gefeit und ihre Verkleidung nur ein äußerer Schützt. Solange sie nicht entkleidet wird. Was geschieht, als sie verwundet wird.

Damit aber ist das Ende der Geschichte noch nicht erreicht, denn Ash wird sich noch vieler Schwierigkeiten erwehren müssen. Und noch einmal, als alles schon vorbei scheint, die Waffe erheben aus privaten Gründen. Was ihr keine Schwierigkeiten bereiten wird. Aber böse Folgen nach sich ziehen kann. Wenn einer eine Leiter hochsteigt mit einer Muskete in der Hand.

Hier, wie an allen anderen Stellen im Roman, trifft Hunt genau den Ton und genau das, was die Gewalt des Krieges, das „Auge in Auge“ mit dem Feind, das zum Alltag wird, an der Seele, in der Persönlichkeit hervorruft. Wie soll danach ein Leben ohne innere Belastung, friedlich, noch funktionieren? Wenn alles sonst mit der Waffe geregelt wurde, wenn es jeden Tag hieß: „Der oder ich“?

„Ich schrieb, dass ich ihn arg vermisse. Und arg froh bin“.

Und Hunt schreibt minutiös von allem, was diesen Krieg mit ausmacht. Listen und Hinterhalte, Schreie und verlorene Körperteile, medizinische Versorgung, die eher an eine Metzgerei erinnert, der Tod allgegenwärtig, aber auch Freundschaft und gar Liebe (wenn auch einseitig, denn Ash steht für so etwas nicht zur Verfügung. Mit Folgen).

Ein Buch wie aus einem Guss, sprachlich genau angemessen, lakonisch teils, das weit über das konkrete historische Ereignis heraus dem Leer vermittelt, was Krieg, Kampf, Schlacht wirklich ist und was diese im Menschen auslöst. Bestens gewählt ist daher die leicht distanzierte Sprache, die eben nicht sich in die emotionalen Tiefen der Personen begibt, sondern deren Entwicklung anhand ihrer Handlungen nachvollzieht.

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