Die Zweige der Esche

von Laird Hunt 
4,2 Sterne bei9 Bewertungen
Die Zweige der Esche
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Curins avatar

Ein besonderes Leseerlebnis, das ergreift, aber auch oft schockiert!

Daniel_Allertseders avatar

Grandios! Erschreckend und faszinierend!

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Inhaltsangabe zu "Die Zweige der Esche"

Sie nennt sich selbst Ash, doch das ist nicht ihr wahrer Name. Eigentlich ist sie Constance, die treusorgende Ehefrau eines Farmers in Indiana. Aber sie ist die bessere Schützin und die mutigere von beiden. Also schneidet sie sich die Haare ab und verbirgt ihre weiblichen Formen unter der Uniform der Nordsaaten, um für die Freiheit zu kämpfen. Doch was treibt sie wirklich in den Krieg?
Warum verlässt sie ihren Ehemann, um den Terror des Krieges in seiner ganzen Grausamkeit zu erleben? Und wird es ihr gelingen, jemals wieder zur heimischen Farm zurückzukehren?

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442754885
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:288 Seiten
Verlag:btb
Erscheinungsdatum:25.04.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    sabatayn76s avatar
    sabatayn76vor 10 Monaten
    ‚Wissen Sie, was ich vor dem Krieg war?‘

    ‚Wissen Sie, was ich vor dem Krieg war?‘
    Ich schüttelte den Kopf.
    ‚Ich auch nicht. Ich kann mich nicht daran erinnern. Oder wenn doch, dann kommt es mir vor wie das Leben eines anderen, und ich glaube nicht daran.‘ (Seite 174)

    Die Ich-Erzählerin Constance lässt ihren Ehemann Bartholomew auf der gemeinsamen Farm zurück, schlüpft in Männerkleidung - die Uniform der Nordstaaten - und zieht in den Amerikanischen Bürgerkrieg.

    Sie nennt sich von nun an Ash Thompson und sticht aus der Masse der Soldaten hervor, da sie eine exzellente Schützin und zudem außergewöhnlich mutig ist.

    In ‚Die Zweige der Esche‘ wird Constances/Ashes Geschichte erzählt: von den Schlachten im Amerikanischen Bürgerkrieg, von Tod und Verwundung, von Flucht und Täuschung, aber auch von ihrer verstorbenen Mutter und von ihrer großen, unerschütterlichen Liebe zu Bartholomew.

    In ebenso einfacher wie eindringlicher Sprache erzählt Laird Hunt vom Amerikanischen Bürgerkrieg und lässt den Leser so an den Kämpfen und am Grauen teilhaben. Durch den flüssigen Schreibstil und die kurzen Kapitel lässt sich ‚Die Zweige der Esche‘ schnell lesen, obwohl man das Gelesene nicht leicht verdauen kann, man über die Ereignisse und die Gedanken der sehr gut ausgearbeiteten Protagonisten oft länger nachdenken will und muss und die Geschichte so schnell nicht vergisst.

    Inhaltlich ist das Buch häufig brutal, und bisweilen erfährt der Leser wie nebenbei, was Krieg tatsächlich bedeutet, was er mit den Kämpfern und den Zuhausegebliebenen, mit den Soldaten und den Zivilisten macht, wie grausam er ist, wie er Familien auseinanderreißt und wie man auch nach dem Überleben nicht mehr an das alte Leben anknüpfen kann.

    Ich musste mich in den Roman erst einlesen, obwohl ich das Buch von Anfang an exzellent geschrieben fand, denn ich fand den Einstieg eher distanziert und konnte mich aus diesem Grunde selbst nicht ganz auf die Geschichte und die Protagonisten einlassen. Nach einer Weile konnte mich ‚Die Zweige der Esche‘ jedoch mitreißen und hat mich vollkommen in seinen Bann gezogen. Und nach der Lektüre kann ich sagen, dass mich der Roman sehr bewegt hat und dass ich nach dem Auslesen am liebsten von vorn begonnen hätte, weil ich all die Details nochmals mit dem Wissen, wie die Geschichte ausgeht, lesen und entdecken wollte.

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    Gwhynwhyfars avatar
    Gwhynwhyfarvor 10 Monaten
    wunderbarer Roman gegen den Krieg

    Der erste Satz: »Ich war stark und er nicht, also bin ich und nicht er in den Krieg gezogen, um die Republik zu verteidigen.«

    Ein Roman über den Sezessionskrieg, den Bürgerkrieg der Vereinigten Staaten, 1861-1865. Die Protagonistin ist Constance, die mit ihrem Mann Bartholomew auf einer Farm in Indiana lebt. Aus jeder Familie soll ein Mann in den Krieg ziehen. Doch Bartholomew ist zu schwach und Constance bricht auf, verkleidet als Mann, nennt sich nun Ash. Geschichtlich ist es bewiesen, es gab Frauen, die in diesem Krieg als Männer verkleidet gekämpft haben, nicht nur die unzähligen Frauen, die als Krankenschwestern oder in anderer humanitärer Weise unterwegs waren. Durch Berichte von USSC- und WRSCS-Mitarbeiterinnen weiß man heute, dass es in beiden Armeen kämpfende Frauensoldaten gab, schätzungsweise 750. Mary Livermore von der USSC vermutete bereits während des Krieges, dass circa 400 Frauen als Männer verkleidet in der Unionsarmee kämpften und circa 60 von ihnen getötet oder verwundet wurden. Laird Hunt hat die Briefe der Kämpferinnen gelesen. Für diesen Roman recherchierte er und las sich in die Ereignisse aus Sicht der Kämpferinnen ein.

    In der Familie von Constance hielt man nicht die andere Wange hin, schon gar nicht die Frauen. Zunächst geht es in die Ausbildung, als Rekrut, danach wird in die Kriegsrichtung marschiert. Beim ersten Kanonengrollen hauen einige Soldaten ab in die Büsche, rennen schlotternd zurück nachhause. So nicht Ash Thomson. Ash kann klettern wie ein Eichhörnchen und erlegt auf der Jagd Eichhörnchen mit einem Schuss durch das Auge. Ash ist galant, legt einer Frau am Wegesrand die Jacke um die Schulter, denn ihr Oberteil war verrutscht durch übergriffige Soldaten. Man spinnt das Ereignis in eine Erzählung ein, sie wird weitergegeben, in Lieder verpackt, Constance geht als »Kavalier Ash« in die Kriegsgeschichte ein. Dem Colonel gefällt der mutige Kerl.

    »So, wie es dargestellt wurde, hätte man am liebsten dabei sein wollen …, sich geradewegs aus der Hose schießen lassen, nur um in die Geschichte einzugehen.«

    Was anfangs wie ein netter Ausflug mit Jagdanteilen losgeht, gräbt sich Stück für Stück ins Kriegsgeschehen ein, die Schlachten rücken näher. Eine brenzlige Geschichte, aus der sich Ash befreien kann, Kämpfe, Kanonengewitter, Schüsse, Tote, Verletzte, Schreiende, Amputationen. Immer mehr Soldaten werden verletzt, getötet, andere suchen vor Schreck das Weite. Der Krieg ist kein Abenteuer.

    »Tote und beinah Tote allenthalben, rechts, links und vorn und hinten. … Ein oder zwei, die ihre Augen noch aufbekamen, haben mich um Wasser gebeten. Ich war selbst kurz vor dem Verdursten, und hätte ich auch nur einen Tropfen Wasser bei ihnen gefunden, hätte ich ihn für mich gestohlen.«

    Ash wird verwundet, von der Krankenschwester Neva Thatcher aufgenommen, gepflegt. Neva verliebt sich in Ash, will sie nicht gehen lassen. Als Ash aufbricht, verrät sie die Freundin. Und alles was nun kommt, wird noch viel schlimmer, Verrat über Verrat.

    Ash ist einsam, muss ihre Identität die ganze Zeit verstecken. Doch es ist durch die Blume klar, dass der ein oder andere über ihre Identität Bescheid weiß, wie der Colonel, den Ash verehrt. Ash schreibt ihrem Mann oft, er schreibt zurück, sie hält Zwiegespräche mit ihrer toten Mutter, ist der einsamste Mensch auf der Welt. Von dieser Position heraus ist der Roman geschichtlich, aber er ist kein Geschichtsroman. Warum fand der Krieg statt? Um die Sklaverei zu beenden. Mehr wird nicht erwähnt, keine Jahreszahl, keine Schlachtdaten, politische Ereignisse, es fehlen jegliche Eckdaten. Aber darum geht es nicht in diesem Buch, es geht um das Leid des Krieges, der Zivilisten, der Soldaten. Die Icherzählerin zieht den Leser hinein in ihre Gefühle, in den Schrecken des Krieges. Einsamkeit und Verrat auf mehreren Seiten, Ash, bzw. Constance durchlebt die Hölle. Und die Geschichte endet mit dem Anfang: Sie ist stark und er ist schwach. »Denn er war aus Wolle und ich aus Draht.«

    »Jedenfalls weiß ich, dass meine Mutter Beine aus Eisen hatte, lange Beine, die nackt immer ausgesehen haben, als würden sie fest und federnd auf dem Grund eines reißenden Bachs stehen.«

    Rund 580 000 Soldaten haben in diesem Krieg ihr Leben gelassen, während ihre Frauen versuchten, auf den Farmen das Leben aufrecht zu halten. Der Sezessionskrieg ist selten Thema in Romanen, am bekanntesten ist »Vom Winde verweht«. Diese Geschichte ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite, kitschfrei, inklusive Wendungen, mit denen der Leser nicht rechnet. Spannend ist auch die Sprache, hart burschikos, der Soldat Ash und weich, anrührend poetisch ist Constance. Für mich ist dieser Roman ein sprachliches Meisterwerk. Auch wenn man nicht auf Historisches steht, sollte man an diesem Buch keinesfalls vorübergehen. Es ist eins der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe. 

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    M
    michael_lehmann-papevor einem Jahr
    Präzise und emotional treffend

    Präzise und emotional treffend

    Es gab sie.
    Frauen, die Uniformen gefallener Südstaatler anzogen und mit in den Kampf gegen den Norden zogen. Eindrucksvoll schildert Hunt eine solche Szene, ein solches „sich Einreihen“, umgehend zu Anfang des Romans wie nebenbei.

    Intensiv recherchiert hat der Autor, bevor er sich kongenial an die Darstellung einer solchen Frau im gesamten Umfang begibt.
    Constance, die sich, als „männlicher Soldat“ „Ash“ nennt. Die ihren Mann auf dem Hof zurücklässt, denn sie kann besser schießen und überhaupt besser „ihren Mann stehen“. Und es muss etwas getan werden zur Verteidigung des eigenen Hofes und Landes.

    Mit kühler Sprache, eher sachlich denn in den Figuren emotional, führt Hunt nun seine „Ash“ durchs Land und auf die Schlachtfelder.

    „Geh und schau was in dir steckt“, das sind die Worte ihrer Mütter.
    Verstorben schon längst, aber Ash hält das Gespräch mit ihr rege aufrecht. Das gesamte Buch hindurch. Wie sie mit Briefen Kontakt zu ihrem Mann hält. Und aus allem spricht eine klare Haltung. Kein Zweifel. Kein Bereuen.

    Sie ist es, die als Teil der Wache den ersten Gegner treffsicher erschießt, rührungslos.

    „…die Kameraden haben gemeint, wir sollten gleich zurück und Meldung machen, aber ich bin noch einen Moment bei dem Getöteten geblieben“. Entspannt.

    Was im Kampf auch so bleiben wird. Aber in anderen Situationen nicht. Denn wenn Beine fliegen, Schreie ertönen, Blut den Boden durchtränkt, auch Ash ist nicht vor Kugeln gefeit und ihre Verkleidung nur ein äußerer Schützt. Solange sie nicht entkleidet wird. Was geschieht, als sie verwundet wird.

    Damit aber ist das Ende der Geschichte noch nicht erreicht, denn Ash wird sich noch vieler Schwierigkeiten erwehren müssen. Und noch einmal, als alles schon vorbei scheint, die Waffe erheben aus privaten Gründen. Was ihr keine Schwierigkeiten bereiten wird. Aber böse Folgen nach sich ziehen kann. Wenn einer eine Leiter hochsteigt mit einer Muskete in der Hand.

    Hier, wie an allen anderen Stellen im Roman, trifft Hunt genau den Ton und genau das, was die Gewalt des Krieges, das „Auge in Auge“ mit dem Feind, das zum Alltag wird, an der Seele, in der Persönlichkeit hervorruft. Wie soll danach ein Leben ohne innere Belastung, friedlich, noch funktionieren? Wenn alles sonst mit der Waffe geregelt wurde, wenn es jeden Tag hieß: „Der oder ich“?

    „Ich schrieb, dass ich ihn arg vermisse. Und arg froh bin“.

    Und Hunt schreibt minutiös von allem, was diesen Krieg mit ausmacht. Listen und Hinterhalte, Schreie und verlorene Körperteile, medizinische Versorgung, die eher an eine Metzgerei erinnert, der Tod allgegenwärtig, aber auch Freundschaft und gar Liebe (wenn auch einseitig, denn Ash steht für so etwas nicht zur Verfügung. Mit Folgen).

    Ein Buch wie aus einem Guss, sprachlich genau angemessen, lakonisch teils, das weit über das konkrete historische Ereignis heraus dem Leer vermittelt, was Krieg, Kampf, Schlacht wirklich ist und was diese im Menschen auslöst. Bestens gewählt ist daher die leicht distanzierte Sprache, die eben nicht sich in die emotionalen Tiefen der Personen begibt, sondern deren Entwicklung anhand ihrer Handlungen nachvollzieht.

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    schokoloko29s avatar
    schokoloko29vor einem Jahr
    Eine Frau zieht in den Krieg

    Es geht um Constanze (Ash), die mit ihrem geliebten Mann Bartholomew in einer Farm in Indiana lebt. Beide entscheiden, dass Constanze in den Krieg zieht, da sie das Zeug dazu hat und sehr gut schießen kann.

    Die Sprache des Buches ist sehr nüchtern und einfach. Durch diese Sprache gelangt man sofort in die Geschichte. Es werden verschiedene Kriegshandlungen und ihre "Mitstreiter" porträtiert. Sie wird bei einer Kriegshandlung verletzt und schleppt sich zu einer Krankenschwester, die sie gesund pflegt. Diese Krankenschwester hat ihren geliebten Mann während des Krieges verloren und sie hofft, dass Constance bei ihr bleibt. Doch nachdem Constanze ihr offenbart hat, dass sie wieder als Mann verkleidet in den Krieg ziehen möchte, verrät die Krankenschwester sie....

    Mir hat das Buch sehr gut gefallen und kann es jedem, der sich für den Civil War interessiert, das Buch empfehlen.

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    Curins avatar
    Curinvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Ein besonderes Leseerlebnis, das ergreift, aber auch oft schockiert!
    Der amerikanische Bürgerkrieg aus der Sicht einer Soldatin

    Mitten im amerikanischen Bürgerkrieg zieht Constance in das Gefecht. Als Mann verkleidet, kämpft sie als ,,Ash Thompson" auf der Seite der Nordstaaten und lässt ihren Ehemann auf der heimischen Farm in Indiana zurück. Bald hat sie sich wegen ihrer Schießkünste einen guten Ruf unter den Soldaten erarbeitet, aber der Krieg fordert auch seinen Tribut... .
    ,,Die Zweige der Esche" ist eine besondere Geschichte über eine außergewöhnliche Frau, aus deren Sicht die gesamte Handlung geschildert wird. Anders als erwartet, erfährt man verhältnismäßig wenig über das Kriegsgeschehen selbst, aber dafür umso mehr über Constance und ihr Leben vor den Kämpfen. Nachzuvollziehen, warum sie unbedingt in den Krieg will, war für mich beim lesen gar nicht so einfach. Sie hat zwar in Sachen Kämpfen und Schießen selbst anderen Soldaten vieles voraus hat, aber man merkt man auch, dass ihr die vielen Schrecken auf dem Schlachtfeld zu schaffen machen. So ist sie zwar äußerlich ein guter Kämpfer, aber innerlich hat sie doch Heimweh und Sehnsucht nach ihrem Ehemann und der heimischen Farm. Auf der anderen Seite habe ich mich manchmal erschreckt, wie heimtückisch sie agiert und wie skrupellos sie oft vorgeht. Da sie aus ihrer Sicht die Geschichte erzählt, hatte ich den Eindruck, dass man ihr bei manchen Schilderungen nicht ganz trauen kann. 
    Der Autor Laird Hunt hat ähnlich seiner Protagonistin einen eher distanzierten und nüchternen Schreibstil, dem aus meiner Sicht doch ein wenig die Wärme gefehlt hat. Was er allerdings grandios hinbekommen hat, ist die Darstellung von Constance, die trotz aller gespielten Männlichkeit die ganze Zeit über ganz Frau bleibt. An ihr merkt man, wie sehr der Krieg einen Menschen prägt und verändert. 
    Insgesamt ist ,,Die Zweige der Esche" ein besonderes Buch, dass mir ein außergewöhnliches Leseerlebnis geboten hat. Man wird auf jeden Fall ergriffen, aber auch sehr oft schockiert. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

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    Daniel_Allertseders avatar
    Daniel_Allertsedervor einem Jahr
    Kurzmeinung: Grandios! Erschreckend und faszinierend!
    Grandios und erschreckend!

    Meine Meinung

     

    Was versteckt sich hinter dem Titel »Die Zweige der Esche«? Mehr, als man denkt! Der Titel passt zum Buch wie das Amen in der Kirche. Eine tiefe Bedeutung, ein Roman, der faszinierte! Laird Hunt’s Geschichte über eine junge Frau, die sich, als Mann verkleidet, in den Krieg zieht – Schreckliches und Grausames sieht und erlebt, und eine trügerische Liebe erfahren muss, eine erschütternde Reise, die fasziniert, aber auch schockt.

     

    Ich bin gegenüber Kriegsdramen nicht abgeneigt. Ich lese gerne über starke Helden, die sich im Krieg beweisen. Premiere aber war nun die Zeit des Dramas, in der es spielte: Der amerikanische Bürgerkrieg, zu Zeiten Abraham Lincolns, die Zeit der Sezession in den USA. Eine erdrückende Atmosphäre hat die Folge, eine Zeit ohne Elektrizität, ohne Elemente postmoderner Zeiten. Umso erstaunlicher waren die Lebensumstände, die im Buch beschrieben wurden. Beginnen wir aber mit Ash, unserer Heldin: Ash, eigentlich Constance, gibt sich als Mann aus und zieht anstatt ihren Mann in den Krieg, da sie besser schießen kann als er und ihr Mann höchstwahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit gestorben wäre. Eine starke Entscheidung, wie ich fand, war die Tatsache, als Mann in den Krieg zu ziehen. Immer besteht die Gefahr, aufzufliegen, immer musste man mit der Angst lesen, dass Ash’s wahre Identität ans Tageslicht gerät. Ash besitzt einen harten Kern, der dem Leser auch direkt nahegebracht wurde. Ihr Charakter ist eisern, loyal, hilfsbereit. Sie polarisiert, wenn auch auf eine düstere Weise. Generell ist das komplette Buch sehr düster, was man natürlich vom Krieg nicht anders erwartet. Recht viel aber kriegt man vom Krieg nicht mit. Ash und ihr Überlebenskampf steht im Vordergrund. Man liest ihre Eindrücke, ihre Gefühle, ihre Taten. Man liest von ihren Heldentaten, von ihren Momenten, in denen sie ihren harten Kern verlässt. Äußerst spannend waren Szenen etwaiger Kämpfe, am allerschlimmsten der Kampf am Ende, auf ihrer Farm. Das Ende war sehr erschrecken, das hätte ich nicht erwartet.

       Ash trifft viele Menschen auf ihrer Reise. Sie wird gefangen genommen, wird fast von einem Baum erschlagen, wird von drei Kindern festgehalten und tötet als sozusagene „Doppelagentin“ die Rebellen. Der Verlauf der Story ist klar übersichtlich, einfach zu folgen, auch wenn man meint, dass die Story innerhalb weniger Tage geschieht, so zieht sich dies doch innerhalb zwei Jahren. Sehr gefallen haben mir die kurzen Kapitel! Es sind wenige Dialoge zu finden, dafür mehr „innere Tagebucheinträge“ von Ash. Der Autor beschreibt durch einen inneren Betrachter und anhand des Ich-Erzählers, was Ash noch anschaulicher und authentischer macht. Der Schreibstil von Laird Hunt ist klassisch, sehr gut, einige Male etwas verzwickt, aber keinesfalls störend. Ich mochte die Art, wie der Autor die Geschichte beschreibt – schnell, düster, grausam.

    Was es mit den Zweigen der Eschen auf sich hat, hat mich schockiert. Das Cover finde ich sehr gut, es symbolisiert die Trauer, die düstere Atmosphäre und die schockierende Bedeutung des Titels. Der Roman war sehr gut, eine kurzweilige, unglaubliche Geschichte, die mich fasziniert hat!

    Fazit

     

    Eine unglaubliche Geschichte über eine junge Frau, die in den Krieg zieht. Ein grausamer Bericht vom amerikanischen Bürgerkrieg – atmosphärisch grandios, ein schrecklicher Plot und ein sehr gelungener Schreibstil. Absolut empfehlenswert, jedoch nichts für Zartbesaitete!

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    vielleser18s avatar
    vielleser18vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Führte mich als Leser in den amerikanischen Bürgerkrieg. Eine Frau, verkleidet als Soldat. Fesselnd. berührend, erschreckend, überraschend
    Eine Frau im Krieg

    Amerikanischer Bürgerkrieg. Viele ziehen in den Krieg, so auch die Nordstaatlerin Constance. Weil sie stärker und treffsicherer ist als ihr Ehegatte, verkleidet sie sich als Mann und wird als Ash Thompson Soldat.
    Die Geschichte "Die Zweige einer Esche" wird aus Sicht von Constance Jahre später erzählt. Sie erinnert sich, berichtet wie alles anfing und was geschah. Dabei ist der Erzählstil fast sachlich und kühl - und ist gerade deswegen bewegend und geht unter die Haut. Sie berichtet von den Kämpfen und dem Sterben auf den Schlachtfeldern. Von Kameraden und Vorgesetzten.  Von Verwundungen und ihrer Zeit im Irrenhaus.
    Allerdings gibt es immer wieder auch weitere Rückblenden in ihre Jugendzeit,  vor allem erinnert sich Constance an ihre bereits verstorbene Mutter. Erst nach und nach wird auch dem Leser klar, warum Constanze zu so einer Kämpfernatur geworden ist.
    Es ist einer harter Weg, den sie geht und sie wird nicht verschont von Leid und quälenden Gedanken und Erinnerungen. Dennoch ist sie eine Frau, die ihr Herz am rechten Fleck hat und eingreift und hilft, wo sie nur kann. In ihr steckt viel Widersprüchliches, aber dennoch schafft es der Autor sie glaubhaft und lebendig zu zeichnen.

    Die Erzählweise ist ruhig, doch durch die immer wiederkehrenden Andeutungen auf Constances Vergangenheit, die sich erst nach und nach heraus kristallisiert, gibt es auch einen Spannungsbogen. In der Mitte des Romans flacht dieser etwas ab um umso stärker am Ende wieder zu fesseln. Vor allem aber sind es Emotionen, die das Buch beim Lesen auslöst -  und gerade am Schluß, kann man den Roman nicht einfach aus der Hand legen, man sinnt noch eine Weile darüber nach.

    Der Sprachstil ist der Protagonistin angepasst. Eine einfache, fast gefühlskalte Sprache, aber genau die drückt das Leben der Hauptperson aus. Man kann sich förmlich vorstellen, wie sie, die früher nur Arbeit auf dem Feld und im Hof kannte, in den Krieg zog und als Frau unerkannt unter Männern lebte und kämpfte. Im Klapptentext wird die New York Times zitiert, die den Roman "unterkühlt und gefühlvoll zugleich" bezeichnet. Und genau diesen Eindruck konnte ich auch gewinnen.

    Immer wieder gab/gibt es Frauen, die als Männer getarnt in den Krieg zogen/ziehen. So auch im amerikanischen Bürgerkrieg. Der Autor hat die Figur glaubhaft dargestellt, auch ihre Widersprüchlichkeiten, die sanften Seiten gegenüber den kaltblütigen Kampfhandlungen, ihre Listigkeit gegenüber Hilfsbereitschaft.

    Ein Roman, der sich fast liest wie ein Tatsachenbericht, bei dem man die Grenze zwischen Realität und Fantasie kaum sehen kann. Ein Buch, das mich gefesselt und gefangen genommen hat, manchmal mit Schrecken und Abscheu über die beschriebenen Handlungen, aber auch mit Mitleid und Sorge um die Protagonistin, die man  je mehr man von und über sie liest, immer besser verstehen lernt.
    Es ist eine Geschichte aus einer anderen Zeit, einem so gänzlich anderem Leben, doch der Autor schafft es, diese Zeit, dieses Leben ziemlich genau vor Augen zu haben.

    Fazit:
    Eine ganz andere, fesselnde, bedrückende, faszinierende und emotionale Leseerfahrung.

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    teresainnvor 8 Monaten
    Buchraettins avatar
    Buchraettinvor einem Jahr

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