Lamya Kaddor Zum Töten bereit

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Inhaltsangabe zu „Zum Töten bereit“ von Lamya Kaddor

»Wir sehen uns im Paradies«, schrieben die fünfzehnjährige Sabina und ihre Freundin Samra an ihre Eltern, bevor sie spurlos nach Syrien verschwanden. Ahmed C. ist in Ennepetal geboren und liebte Fußball – bevor er sich als Selbstmordattentäter in Bagdad in die Luft sprengte. Über fünfhundertfünfzig deutsche Dschihadisten, der jüngste von ihnen dreizehn Jahre alt, sind bislang in Richtung Kriegsgebiet ausgereist. Vor allem in den Reihen der brutalen Terrormiliz IS wollen sie als »Gotteskrieger« dienen, während ihre Freunde zu Hause in Deutschland einen Schulabschluss machen. Die islamische Religionslehrerin und Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor kennt persönlich mehrere junge Menschen — darunter einige ihrer Ex-Schüler —, die auf der Suche nach Anerkennung und Akzeptanz der Dschihad-Romantik verfallen sind. Sie berichtet von einer orientierungslosen Generation und erklärt, was wir tun können und müssen, um die Radikalisierung unserer Kinder zu stoppen.

»Sie sollen meine kritische Stimme im Kopf behalten, die sagt: Lass den Schwachsinn!« Lamya Kaddor

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    Zum Töten bereit

    WinfriedStanzick

    Als Lamya Kaddor, eine in Deutschland als Tochter syrischer Einwanderer geborene Islamwissenschaftlerin und Religionspädagogin im Jahr 2010 ihr erstes Buch „Muslimisch, weiblich, deutsch“ veröffentlichte, da beschrieb sie, im Ton vielleicht weniger radikal wie etwa zeitgleich mit ihr Necla Kelek, den beklagenswerten Zustand und das furchtbare Erscheinungsbild des Islam in Deutschland, bei der es die schweigende Mehrheit der Muslime zulässt, dass bärtige Fundamentalisten für sie in der Öffentlichkeit sprechen, dass Terror, Zwangsheiraten und Ehrenmorde das Bild des Islam in der Öffentlichkeit bestimmen. Sie  erzählte sehr persönlich aus ihrem Leben, wie sie als Tochter frommer arabischer Einwanderer aufwuchs und wie sie ihren schwierigen Weg ging als gläubige junge Frau, die es in der Schule und im Berufsleben nicht leicht hatte. Das Buch war auch gedacht als eine Ermutigung für alle jungen Muslime, gläubig und aufgeklärt ihren Weg zu gehen und ihren Platz zu finden in der deutschen Gesellschaft und in der Demokratie und ein wichtiges Dokument für alle Nicht-Muslime, die den selbsternannten Islamkritikern wie etwa Henryk M. Broder nicht in allem folgen wollen. Es war ein wichtiges Plädoyer für einen zeitgemäßen Islam, zu einer Zeit, als man von IS noch nicht viel wusste, und es auch nicht Tausende junge Menschen gab, Muslime und auch Konvertiten, die aus Deutschland und anderen europäischen Ländern sich aufmachten um im Dschihad zu kämpfen und nach ihrer Rückkehr mit Anschlägen wie in Paris viele Menschen in den Tod zu reißen. Mit dieser Tatsache und ihren Ursachen befasst sich Lamya Kaddor in ihrem neuen Buch “Zum Töten bereit“. Wie hilflos muss sich eine muslimische Religionspädagogin, die den Islam reformieren will, fühlen, wenn aus ihren eigenen Klassen nicht wenige junge Männer trotz (oder vielleicht sogar wegen ihres Unterrichts?) diesen mörderischen Weg gewählt haben? Die Ratlosigkeit darüber und die verzweifelte Suche nach den Ursachen ziehen sich durch das Buch wie ein roter Faden. Dass es soziale Gründe von Benachteiligung  Bildungsmängel, Perspektivlosigkeit, bei vielen Migrantenkindern darüber hinaus das Gefühl der Ausgrenzung sei, die diese jungen Menschen (auch Frauen sind darunter) zu Mördern mache, das kann allerdings bald nicht mehr hören. Auch andere sind benachteiligt, ziehen aber nicht in einen Krieg, wo man wie dieser Tage einfach 21 Christen die Köpfe abschneidet, nur weil sie Christen sind, oder Juden erschießt, nur weil sie Juden sind.  Zwar verweist Lamya Kaddor am Ende des Buches auf den begonnenen und nach wie vor notwendigen innerislamischen Diskurs, doch ein Zitat macht auch deutlich, in welchen Zeiträumen sie denkt: „Vielleicht sorgt im Laufe der Zeit, über die Generationen hinweg, der Bildungsaufstieg von Muslimen in Deutschland für eine Öffnung auch innerhalb der Theologie.“ Die oft staatlich-türkisch gesteuerten Verbände der Muslime versuchen das allerdings mit der Torpedierung und Diffamierung von Theologen wie Kaddor und Khorchide etwa nach wie vor zu verhindern. Machen wir uns nichts vor: die Reformation des Islam wird nicht notwendigerweise schneller vorangehen als die des Christentums vor 500 Jahren. Aufzuhalten ist sie nicht. Aber noch viele Menschen, Muslime Juden und  Christen  werden das in der Zwischenzeit mit ihrem Leben bezahlen müssen.

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