Lebens-Text
Nachdem Ende der Sechziger, Anfang der Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts durch die Jugendbewegung ein hohes Interesse an Alternativen, nicht rein materialistisch ausgerichteten Lebensweisen und Philosophien eine starke Verbreitung gerade auch fernöstlichen „Erkenntnisse“ durch Gurus, im Zen, durch alte philosophische Schriften erlebt hat, scheint nun wiederum „die Zeit reif“ zu sein, sich weiter und wiederum und auch tiefer mit jenen Schriften zu beschäftigen, die das Leben selbst zum Thema machen.
Eines der ältesten „Nach-Denk-Bücher“ über das Leben in asiatischer Traditin ist das Daodejing. Das in der hier vorliegenden Fassung eine „aufgefrischte“ und dennoch fundierte neue Übersetzung durch Jan Philipp Reemtsma erfahren hat.
„Das ist leer. Unerschöpflich. Der Abgrund, aus dessen Fülle alles war“.
„Das ist nicht tun. Doch bleibt nichts ungetan“.
Mit einem klaren Blick auf die Essenz des Lebens, die für Laozi „Wunschlosigkeit durch Einfalt und Namenlosigkeit“ ist.
Wobei schon bei diesen kleinen Sätzen klar ist, dass, wie viele fernöstliche und andere „Essenz-Worte“ sich der Inhalt dem Verstand nur Unzulänglich erschließt. Das Daodejing beinhaltet Einsichten, Worte, Einfachheiten und komplexe Zusammenhänge gleichermaßen, die auf anderen Ebenen ein „Schwingen der Seele“ hervorrufen wollen, als nu dem sachlichen Denken im Sinne einfacher Gebrauchsanweisungen dienlich zu sein.
Gerade diese meditative zugangsweise und der Anstoß in jedem der Texte, „das Herz“ erreichen zu wollen, gestalten die Lektüre des Daodejing zeitlos und in Form einer „inneren Arbeit“, die Geduld und Zeit benötigt, um sich setzten zu können.
„Dao ist ein einfacher Weg, Herrschende gehen die wirren Wege“.
Was man zugleich auf viele Ebenen setzten kann. In der äußeren Welt wie in der inneren. Denn auch im Menschen sind es vielleicht jene Kräfte, die „herrschen und kontrollieren wollen“ und damit „wirre Wege“, Ausflüchte, mit vielen Dehnungen versehene Argumentationen zur Rechtfertigung für sich selbst in Gang setzten.
Wobei der genau Inhalt des „einfachen Dao“ nun auch nicht umgehend dem Versand zugänglich ist, sondern innerlich durchgearbeitet werden muss, um hier und das auch das Gefühl von „Erkenntnis“ zu gewinnen.
Und dennoch und immer noch sind es jene Orientierungen im alten Text, die sich wohltuend abheben von einer Welt der Funktionalität, der Effizienz, des Konsums als vermeintlich starkem Lebenssinn und beständig und in großer Ruhe darauf verweisen, dass das Leben einen inneren Weg benötigt, um in sich Frieden und Sinn zu finden.
„Das Haus des. Seins ist mit nichts verfugt“, eine (mögliche) Übersetzung dieser tiefen Einsicht, dass das Äußere die Person nicht zusammenhält, die die Feinfühligkeit Reemtsmas ebenso aufzeigt, wie es eine tiefgreifende Anfrage an den „modernen Lebensstils“ eines äußerlich „immer mehr“ durch alle Zeiten hinweg seit tausenden von Jahren zeitlos in den Raum menschlichen Lebens stellt.
Lesenswert wie ehedem und anregend frisch in der neuen Übersetzung.
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