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Lars LorberMenschenkenntnis - Der große Typentest: So entschlüsseln Sie die Stärken und Schwächen (Beck Professionell)
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Menschenkenntnis - Der große Typentest
Menschenkenntnis - Der große Typentest
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Erschienen am 01.09.2013

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Rezension zu "Menschenkenntnis - Der große Typentest" von Lars Lorber

Die Big Five
olli2308vor 5 Jahren

Menschen haben schon immer versucht, andere Menschen und sich selbst besser zu verstehen und einzuordnen. Einerseits, um möglichen Gefahren zu begegnen, andererseits, um bessere Beziehungen zu führen und Menschen im Job an die passende Stelle zu setzen. Dazu wurde schon bei den alten Griechen die Temperamentenlehre aufgestellt und die Menschen in Sanguiniker, Phlegmatiker, Choleriker und Melancholiker eingeteilt. Natürlich sind Persönlichkeitsmodelle immer nur ein beschränktes Abbild der komplexen Persönlichkeit eines Menschen und erst reckt kein Patentrezept zur Selbstfindung. Lars Lorber hat dennoch den gelungenen Versuch unternommen, die fast 100 Jahre alte Typologie des Psychiaters C. G. Jung mit den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen des Big-Five-Persönlichkeitsmodells zu einem alltagstauglichen Persönlichkeitstest zu verbinden.

Welches sind die kulturübergreifenden Faktoren, die die Persönlichkeit eines Menschen ausmachen? Dazu hat der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung 1921 die gegensätzlichen Persönlichkeitseigenschaften „extrovertiert“ und „introvertiert“ in die Diskussion eingeführt. Diese beiden Pole spielen auch im 1985 eingeführten ersten standardisierten Big-Five-Test von Paul T. Costa und Robert R. McGrae immer noch eine entscheidende Rolle. Aus über 20.000 Eigenschaftswörtern destillierten die Wissenschaftler die in tausenden von Studien validierten fünf Kategorien heraus, die die Wesenseigenschaften der Menschen am besten erfassen sollen: Das Big-Five-Persönlichkeitsmodell erfasst Extraversion (Wie wohl fühlen wir uns in Gesellschaft?), Offenheit für neue Erfahrungen, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Neurotizismus (Empfindlichkeit gegenüber negativen Emotionen).

Ist die Persönlichkeit veränderbar? Insgesamt gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die fünf Persönlichkeitseigenschaften im Lauf des Lebens relativ stabil bleiben und sich nur graduelle Veränderungen einstellen: Aus einem introvertierten Einzelgänger wird kein Partylöwe und Eventveranstalter werden, aber vielleicht ein sozial engagierter Vorkämpfer für mehr Klimaschutz.

Die Ergebnisse aus der Gehirnforschung lassen den Schluss zu, dass der Mensch dank der Neuroplastizität des Gehirns sich ein Leben lang verändert. Kein Persönlichkeitsprofil ist in Stein gemeißelt. So hat man beispielsweise herausgefunden, dass die Punktwerte der Bereiche Neurotizismus, Extraversion und Offenheit zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr deutlich abnehmen (das heißt, wir werden zunehmend weniger labil, sozialisierbar und neugierig) und dass die Werte Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit in derselben Periode ansteigen (das heißt, wir werden zunehmend teamorientierter und ehrgeiziger).

Jede Ausprägung ist weder gut noch schlecht, sondern hat ihre Stärken und Schwächen. Die vermeintlichen Schwächen der Introvertierten (zu still, zu emotionslos, zu passiv) können sich schnell als große Stärke herausstellen, denn Introvertierte können sich meist besser konzentrieren, besser zuhören, lassen dem Gegenüber mehr Freiraum und sind nicht ständig davon getrieben, eine neue Sau durchs Dorf zu treiben. Also sollten wir nachsichtig sein mit unserem Persönlichkeitsprofil und uns erstmal so akzeptieren, wie wir sind. Das ist schon der erste Schritt zur Veränderung, wenn wir unzufrieden mit uns sind. Zu den möglichen Veränderungsschritten gibt uns Lars Lorber in jeder Kategorie konkrete Tipps an die Hand, die sehr hilfreich sind.

Die im Persönlichkeitsmodell gemessenen Eigenschaften sind aber längst nicht alles, was eine Persönlichkeit ausmacht. Dazu kommen noch jede Menge soziokulturelle Faktoren wie Geschlecht, Kultur und die persönliche Lebensgeschichte. Wie stark soziale Faktoren beim Verhalten von Menschen eine Rolle spielen, wurde beim Milgram-Experiment deutlich. 1961 führte der Psychologe Stanley Milgram ein psychologisches Experiment durch, bei dem den Teilnehmern erklärt wurde, sie würden an einem wichtigen psychologischen Forschungsprogramm teilnehmen. Die Teilnehmer sollten anderen angeblichen Mitspielern (eingeweihte Personen) Fragen stellen und sie mit (vorgetäuschten) Elektroschocks für falsche Antworten bestrafen. Dabei wurde nach und nach die Spannung erhöht. Kamen den Teilnehmern Zweifel an der Strafmaßnahme, wurden sie von der Leitung darauf hingewiesen, dass sie bitte die Regeln befolgen sollen. Das erschreckende Ergebnis: 70 Prozent der Teilnehmer waren bereit, bis zur maximalen (tödlichen) Spannung von 460 Volt zu gehen.

Das Milgram-Experiment zeigt, dass Menschen bereit sind, aus Pflichtbewusstsein und Autoritätsgläubigkeit heraus anderen Menschen zu schaden. Das grausame Verhalten im Experiment wurde also sehr viel stärker durch die Bereitschaft zu regelkonformem Verhalten geprägt als durch sadistische Züge. Sozialer Druck durch Mehrheiten oder Autoritäten üben gerade auf gewissenhafte, harmoniebedürftige und konservative Menschen einen starken Einfluss aus. Dadurch werden das eigene Gewissen, eigene Wertevorstellungen oder Mitgefühl zugunsten konformen Verhaltens unterdrückt.

Fazit: Der Test im Buch ist schnell gemacht. Ich fühle mich gut beschrieben und halte auch die Kategorien für gut ausgesucht. Im Gegensatz zum Autor glaube ich jedoch, dass das Persönlichkeitsprofil im Laufe eines Lebens durch soziokulturelle Faktoren (Erziehung, soziales Umfeld, Unfälle, Schicksalsschläge etc) stark beeinflusst wird. Das ist eine gute Nachricht für alle psychischen Störungen, denn auch die tiefsten Prägungen lassen sich durch Coaching und Therapie wieder verändern.

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