Lars Saabye Christensen

 4.1 Sterne bei 141 Bewertungen
Autor von Yesterday, Der Halbbruder und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Lars Saabye Christensen

Aufsehenerregende Literatur aus Norwegen: Der Autor Lars Saabye Christensen kam im September 1953 in der norwegischen Hauptstadt Oslo zur Welt, wo er seine Kindheit verbrachte. Nach seinem Schulabschluss studierte Christensen unter anderem Literaturwissenschaft und Kunst- und Ideengeschichte. Durch seinen dänischen Vater besitzt er neben der norwegischen zusätzlich die dänische Staatsbürgerschaft. Viele Jahre lang lebte er anschließend in Sortland in der Provinz Nordland. In seinen Romanen spielen die Stadt Oslo und seine zweite Heimat regelmäßig eine wichtige Rolle. Im Jahr 1976 kam sein Erstlingswerk „Historien om Gly“, eine Sammlung von Gedichten, auf den Markt. Für diesen Gedichtband erhielt er den Tarjei Vesaas' Debütantenpreis. Neben seinen Gedichten sorgten seine Romane und seine Drehbücher für Aufsehen. Mit dem Buch „Yesterday“ gelang Lars Saabye Christensen 1984 der internationale Durchbruch. Hierzulande wurde er ebenfalls mit seinen Werken „Der Halbbruder“ von 2001 und „Der Sommer, in dem meine Mutter zum Mond fliegen wollte“ von 2013 bekannt. Für seinen Roman „Der Halbbruder“ nahm er den Literaturpreis des Nordischen Rates entgegen.

Alle Bücher von Lars Saabye Christensen

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Buchformat:
Cover des Buches Yesterday (ISBN: 9783641140199)

Yesterday

 (29)
Erschienen am 17.02.2014
Cover des Buches Der Halbbruder (ISBN: 9783641141189)

Der Halbbruder

 (26)
Erschienen am 31.03.2014
Cover des Buches Der Alleinunterhalter (ISBN: 9783442724307)

Der Alleinunterhalter

 (17)
Erschienen am 01.03.1999
Cover des Buches Nachtschatten (ISBN: 9783641141196)

Nachtschatten

 (17)
Erschienen am 31.03.2014
Cover des Buches Die blaue Kuppel der Erinnerung (ISBN: 9783641141141)

Die blaue Kuppel der Erinnerung

 (9)
Erschienen am 31.03.2014
Cover des Buches Das Modell (ISBN: 9783641141158)

Das Modell

 (6)
Erschienen am 31.03.2014
Cover des Buches Waterloo (ISBN: 9783641141172)

Waterloo

 (5)
Erschienen am 17.02.2014
Cover des Buches Der falsche Tote (ISBN: 9783442728657)

Der falsche Tote

 (5)
Erschienen am 01.01.2002

Neue Rezensionen zu Lars Saabye Christensen

Neu

Rezension zu "Der Alleinunterhalter" von Lars Saabye Christensen

Ein Alleinunterhalter, der nicht unterhält
kingofmusicvor 4 Monaten

Es war einmal – so beginnen bekanntermaßen Märchen :-). Aber man kann auch Rezensionen so beginnen. Zurück auf „Anfang“.


Es war einmal ein Buch mit dem Titel „Der Alleinunterhalter“; geschrieben von dem norwegischen Autor Lars Saabye Christensen. Dieses Buch lag einsam auf einem Büchertisch mit Mängel-Exemplaren und schrie laut „Befreie mich von der Einsamkeit!“ Nun denn, einem verzweifelten Buch soll man helfen – und so ward es gekauft und auf dem nicht geringen SuB abgelegt, wo es sich geraume Zeit mit seinen Kolleginnen und Kollegen unterhalten konnte.


Dem roten Werbeaufkleber von Brigitte „Ein prächtiger Unterhaltungsroman“ schenkte ich damals ob des Covers mit einem über dem Abgrund hängenden Klavier keine Beachtung. Hätte ich es mal getan…Sei´s drum.


Im Rahmen einer Challenge und zwecks Austausch in einer Leserunde befreite ich es nun aus seiner misslichen Lage.


Das Ende des Märchens? Ich habe das Buch nicht VERSTANDEN. Es stellte sich während der Lektüre der 319 Seiten keinerlei „Aha-Effekt“ ein, der es mir ermöglicht hätte zu sagen „Es macht Spaß, das zu lesen.“ Im Gegenteil. Es gab nur eine geringe Anzahl an Sätzen, die mich vermuten ließen „Es kommt noch was.“ Aber es kam nichts.


Mir ist keine der Figuren – sei es Jonatan Griff (der titelgebende Alleinunterhalter, der gezwungen wird, den unsäglichen „Ententanz“ zu spielen und statt auf einem Klavier auf einem Synthesizer klimpert) oder der Hotelbesitzer Alfons Abelsen, der für seinen neuen Angestellten ziemlich fragwürdige und hier ob ihres expliziten Ausdrucks nicht für wünschens- und somit erwähnenswert befundene Bezeichnungen übrig hat, noch Pfarrer Nächster (…) oder sonst einer der Dorfbewohner und schon gar nicht die deutschen Hotelgäste Rosalinde und Helmut - in irgendeiner Art und Weise sympathisch geworden.


Wie gesagt: es gibt ein paar tolle Sätze in dem Buch; hätte man sie zusammengefasst, wäre vielleicht eine Kurzgeschichte bei rausgekommen, die mir evtl. gefallen würde.


So muss ich leider sagen, hat es der Alleinunterhalter leider nicht geschafft mich zu unterhalten; der Austausch in der Leserunde gibt mir mehr als das ganze Buch. Und das will schon was heißen…


2* für den ersten „richtigen“ Rohrkrepierer in diesem Jahr.


©kingofmusic

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Rezension zu "Die Spuren der Stadt" von Lars Saabye Christensen

Oslo 1948, Kirkeveien 127
Buecherschmausvor 9 Monaten

Er zählt in Norwegen zu den wichtigsten Autoren und ist vielfach preisgekrönt. Für mich gehört Lars Saabye Christensen mit seinem Roman „Die Spuren der Stadt“ zu den Entdeckungen der letztjährigen Frankfurter Buchmesse. „Wer Lars Saabye Christensen liest, will nie mehr aufhören damit“ steht als Teaser auf dem Cover. Und da ist tatsächlich was dran.

Man sollte allerdings das langsame, nostalgische Erzählen schätzen und keine ungeheure Begebenheiten oder fesselnde Spannungsbögen fordern. Lars Saabye Christensen erzählt aus dem Leben ganz „normaler“ Leute mit ihren kleinen und großen Sorgen und Tragödien, und das mit einer ganz eigenen, besonderen Sprache, mit viel Wärme und Sorgfalt.

„Wehmut ist das langsamste aller Gefühle.“

heißt es einmal. Und der Ton, der das Buch durchzieht, ist einer der Wehmut. Das Leben, das beschrieben wird, gibt es so nicht mehr. Wehmut, die vielleicht auch der Autor empfunden haben mag, als er nach dem Tod seiner Mutter die Sitzungsprotokolle des Ortsvereins Fagerborg des Norwegischen Roten Kreuzes fand, die diese als Schriftführerin von 1950 bis 1973 verfasste und sorgsam aufbewahrte. Sie fanden (vielleicht etwas verändert) Eingang in diesen Roman und bilden jeweils das Ende eines jeden Kapitels. Ein formales Element, das zunächst vielleicht ein wenig irritieren mag – geben die Protokolle doch nicht besonders viel her, es wird über Spendeneinnahmen berichtet, über die Verpflegung von „Judenkindern aus Deutschland“ auf der Durchreise, auf geplante Basare und Seniorenausflüge hingewiesen, Budgetpläne entworfen. Und doch geben diese Einträge nicht nur einen Blick auf die schwierige wirtschaftliche Situation der Nachkriegszeit, sondern auch auf das spezielle soziale Gefüge in Fagerborg.

„Die Spuren der Stadt“ ist der erste Teil einer Trilogie, die einen Jungen, Jesper Kristoffersen, über lange Jahre begleiten wird. Zu Beginn ist Jesper sechs Jahre alt, wir schreiben das Jahr 1948. Familie Kristoffersen lebt in einem noch ein wenig ländlich geprägten Stadtteil Oslos. Die Wohnanlage Jessenløkken am Kirkeveien ist die Heimat der dreiköpfigen Familie, zu der später noch die kleine Stine hinzukommt. Vater Ewald ist in der Werbebranche tätig, gerade mit der Planung der anstehenden 900 Jahr-Feier Oslos beschäftigt, Mutter May arbeitet ehrenamtlich beim Roten Kreuz. Die Nachbarin, die Witwe Margarethe Vik passt dann schon mal auf die Kinder auf. Der Frognerpark und der Straßenbahnkreuzungspunkt Majorstua begrenzen die kleine Welt Jespers.

Jesper gilt als unruhig und anstrengend, heute würde man ihn sensibel und begabt nennen. Er freundet sich mit dem Schlachtersohn Jostein an, der seit einem Unfall hörgeschädigt ist und zu Jespers großer Trauer bald nicht mehr mit ihm die Schule besuchen darf, sondern auf eine Sonderschule gehen muss. Ein großes Glück ist für Jesper das Klavier und die Übungsstunden beim italienischen Barpianisten Enzo Zanetti.

Die Zeiten sind schwer. Der Krieg und die deutsche Besatzung hängen nach. Man merkt das manchmal nur an nebenbei erwähnten Kleinigkeiten, den durchreisenden jüdischen Kindern auf „Erholung“, den Bittgesuchen, die beim Roten Kreuzeingehen, der Kargheit der Verhältnisse. Die Stimmung ist aber verhalten optimistisch, man klagt nicht.

Es passiert gar nicht viel im Kirkeveien 127 – und doch ist es das ganze Leben. Jesper kommt in die Schule, findet einen Freund, bekommt eine kleine Schwester, der Vater erkrankt schwer. Nachbarin Vik lernt einen neuen Mann kennen, heiratet und zieht fort, Familie Kristoffersen bekommt ein Telefon. Die Arbeit des Roten Kreuzes geht weiter.

Lars Saabye Christensen schafft mit „Die Spuren der Stadt“ ein ungeheuer atmosphärisches Bild, melancholisch, ein bisschen wehmütig, aber auch voll leisem Humor. Er begleitet seine Figuren sehr warmherzig und sie wuchsen der Leserin sehr schnell ans Herz, ohne dass das Erzählen jemals sentimental wurde. Für ungeduldige Leser*innen ist dieses Erzählen vielleicht nicht das Richtige. Für alle anderen gilt vielleicht wie für mich: „Wer Lars Saabye Christensen liest, will nie mehr aufhören damit.“

In Norwegen sind alle drei Teile der Trilogie bereits erschienen. Ich hoffe, wir müssen hier in Deutschland nicht zu lange auf Teil 2 und 3 warten.

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Rezension zu "Die Spuren der Stadt" von Lars Saabye Christensen

Ein Buch für alle, die Sprache lieben und sich auf Entschleunigung einlassen können
jaylinnvor einem Jahr

Allgemeines: 

Lars Saabye Christensen ist einer der bedeutendsten norwegischen Autoren der Gegenwart. Er wurde mehrfach ausgezeichnet u. a. mit dem Norwegischen Literaturpreis und dem Norwegischen Kritikerpreis. Seine Bücher wurden in mehr als 36 Sprachen übersetzt. Die Spuren der Stadt erschien am 02. September 2019 bei btb als gebundenes Buch und umfasst 478 Seiten.

Inhalt:

„Was hören wir, wenn wir der Stadt lauschen? Welche Spuren hinterlässt sie in uns? Wer ist am anderen Ende, wenn wir telefonieren? Kennen wir die, die an der Straßenecke stehen, verzaubert von den Lichtern und Geräuschen der Stadt? Lars Saabye Christensens Roman spielt im Oslo der Nachkriegszeit – er erzählt darin auf berührende, süchtig machende Weise von den Sehnsüchten und Nöten seiner Bewohner, deren Schicksal unauslöschlich mit der Stadt und den Straßen, in denen sie leben, verwoben ist.“ (Quelle: Verlagsgruppe Random House)

Meine Meinung:

Die Spuren der Stadt ist das erste Buch, das ich von Lars Saabye Christensen gelesen habe. Ich bin neugierig geworden, durch das, was in den Pressestimmen und den Kritiken stand. 

Eine Warnung vorweg: Es ist nicht einfach, in dieses Buch reinzukommen. Zum einen wird sehr viel Ortskenntnis vorausgesetzt, um dem Prolog wirklich folgen zu können. Zu dem Zweck ist vorne im Buch eine Karte eingefügt, die aber dermaßen kleingedruckt ist, dass man sehr suchen muss, das frustriert. Zum anderen verwirrt der Prolog inhaltlich sehr, da man mit einem Protagonisten konfrontiert wird, der im ersten Kapitel sehr viel jünger ist als im Prolog, obwohl dieser zeitlich vorher angesiedelt zu sein scheint. Nun ja, wenn man genau liest und hin und her blättert, klärt sich alles und man merkt viele, viele Seiten später, dass der Prolog acht Jahre nach der eigentlichen Handlung des Buches ansetzt. Eine unnötige Erschwernis für den Leser.

Aber: Nach all der Mühe am Anfang wird man fürs Durchhalten belohnt!

Die Spuren der Stadt ist wirklich ein ganz besonderes Buch, je länger ich lese, desto besser kann ich verstehen, was die Kritiker an Christensen so schätzen. Es ist sein aus meiner Sicht emotionsloser Stil, der durch genaue Beobachtung und Beschreibung von Protagonisten und deren Handlungen zu einer sehr berührenden Erzählweise wird. Er nimmt sich seiner Personen an und geht behutsam mit ihnen um. Im Zentrum des Buches steht der Junge Jesper, der ein wenig „besonders“ ist, wie die Leute so sagen. Auch seine Eltern sind dieser Meinung und wissen nicht wirklich, wie sie mit ihrem Sohn umgehen sollen. Um Jesper herum gibt es eine Nachbarin, Frau Vik und ihren Verehrer Olaf Hall, den Arzt Doktor Lund und dessen Frau sowie die Damen des Roten Kreuzes, die allerdings nur in gesonderten Teilen der Kapitel auftreten.

Oslo in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg steht im Fokus der Handlungen. Man merkt an allen Ecken und Kanten die Auswirkungen des Krieges auf den Alltag der Menschen. Viele haben Angehörige verloren, es herrscht teilweise noch große Armut, das Leben nimmt nur langsam an Fahrt auf. Auch erste patriotische Stimmen werden wieder laut. Majbrit, Jespers Mutter, spielt ebenfalls eine zentrale Rolle in diesem Buch. Sie ist sehr selbstbewusst und setzt sich sehr für das Allgemeinwohl ein. Ihr Ehemann Ewald versucht stets sein Bestes zu geben, aber so richtig will ihm das nicht gelingen. Er trägt seine eigene Tragödie vor sich her.

Man erfährt eine ganze Menge über die alltäglichen Tagesabläufe der Menschen. Christensen lässt den Leser in ihren Kopf und ihre Handlungen schauen. Manchmal ist das mühsam, da er wirklich sehr detailliert beschreibt und lange verweilt an Schauplätzen und Begebenheiten.

Die Spuren der Stadt sind in jedem Protagonisten zu finden, sie alle haben ihre Orte, die sie lieben oder meiden, an denen sie Ruhe finden oder rastlos vorbeiziehen. Dennoch ist dieses Buch kein typischer „Stadtroman“. Hier wird versucht, die Stimmung in Zeiten des Friedens einzufangen und es wird deutlich, dass man dennoch immer wieder zurückblickt, dass es kein makelloses Leben gibt. Literarisch anspruchsvoll ist dieses Buch, es gibt keinen aufregenden Plot, sondern viele kleine Begebenheiten, die das große Ganze ausmachen.

So ganz nebenbei erfährt man zudem eine Menge über die Tätigkeiten des Roten Kreuzes. Die stets kursiv abgesetzten Passagen bilden sozusagen eine Art Rahmen um die eigentliche Handlung.

Fazit:

Ein Buch für alle, die Sprache lieben und sich auf Entschleunigung einlassen können. Man braucht Zeit und Muße, wenn man dieses Buch genießen will.

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Lars Saabye Christensen wurde am 21. September 1953 in Oslo (Norwegen) geboren.

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