Lars Saabye Christensen

 4 Sterne bei 131 Bewertungen
Autor von Yesterday, Der Halbbruder und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Lars Saabye Christensen

Aufsehenerregende Literatur aus Norwegen: Der Autor Lars Saabye Christensen kam im September 1953 in der norwegischen Hauptstadt Oslo zur Welt, wo er seine Kindheit verbrachte. Nach seinem Schulabschluss studierte Christensen unter anderem Literaturwissenschaft und Kunst- und Ideengeschichte. Durch seinen dänischen Vater besitzt er neben der norwegischen zusätzlich die dänische Staatsbürgerschaft. Viele Jahre lang lebte er anschließend in Sortland in der Provinz Nordland. In seinen Romanen spielen die Stadt Oslo und seine zweite Heimat regelmäßig eine wichtige Rolle. Im Jahr 1976 kam sein Erstlingswerk „Historien om Gly“, eine Sammlung von Gedichten, auf den Markt. Für diesen Gedichtband erhielt er den Tarjei Vesaas' Debütantenpreis. Neben seinen Gedichten sorgten seine Romane und seine Drehbücher für Aufsehen. Mit dem Buch „Yesterday“ gelang Lars Saabye Christensen 1984 der internationale Durchbruch. Hierzulande wurde er ebenfalls mit seinen Werken „Der Halbbruder“ von 2001 und „Der Sommer, in dem meine Mutter zum Mond fliegen wollte“ von 2013 bekannt. Für seinen Roman „Der Halbbruder“ nahm er den Literaturpreis des Nordischen Rates entgegen.

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Die unglaublichen Ticks des Herrn Hval

 (1)
Erscheint am 11.03.2019 als Taschenbuch bei btb.

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Yesterday

Yesterday

 (29)
Erschienen am 01.12.1997
Der Halbbruder

Der Halbbruder

 (26)
Erschienen am 25.08.2005
Nachtschatten

Nachtschatten

 (17)
Erschienen am 01.12.2009
Der Alleinunterhalter

Der Alleinunterhalter

 (16)
Erschienen am 01.03.1999
Die blaue Kuppel der Erinnerung

Die blaue Kuppel der Erinnerung

 (9)
Erschienen am 10.01.2011
Das Modell

Das Modell

 (6)
Erschienen am 03.09.2007
Waterloo

Waterloo

 (5)
Erschienen am 01.02.2005
Der falsche Tote

Der falsche Tote

 (5)
Erschienen am 01.01.2002

Neue Rezensionen zu Lars Saabye Christensen

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BluevanMeers avatar

Rezension zu "Magnet" von Lars Saabye Christensen

Magnet
BluevanMeervor 4 Monaten

"Jokum spürte, wie etwas an ihm zerrte, an dem Magneten, die Kindheit war im Norden, die Zukunft im Süden, und er stand direkt dazwischen, wie er es immer getan hatte, zwischen dem, was gewesen war, und dem, was noch sein würde." 

Manche Fotografen werden durch Porträtaufnahmen berühmt. Jokum Jokumsen hingegen, war schon immer von den Dingen fasziniert. Als Archivar des Alltäglichen fotografiert er vergessene Alltagsgegenstände, die sonst niemanden interessieren. Sie sind der Schlüssel zu seinem Erfolg und führen ihn bis in die USA.  

Lars Saabye Christensen erzählt auf knapp 950 Seiten die Geschichte von Jokum Jokumsen, der schon immer einen etwas anderen Blick auf die Welt hatte. Mit seinen knapp 2 Metern ist er eine Ausnahmeerscheinung, schon im Studentenwohnheim in Oslo in den 1970er Jahren wunderte man sich über den großen Literaturwissenschaftsstudenten und Jazzliebhaber. Jokum ist heimlich in seine Mitbewohnerin Synne Sager verliebt, die Kunstgeschichte studiert und sich für Stillleben interessiert. Als Synnes Hamster Hubert stirbt, ist Jokum zur rechten Zeit am rechten Ort. Auf einem Leonard Cohen Konzert kommen sich die beiden näher. Synne schenkt Jokum eine Leica und bald darauf, sieht man den großen Mann nur noch mit einer Kamera in der Hand, den Blick auf den Boden gesenkt.

Die Beziehung der beiden ist nicht einfach. Jokum ist eher Jazz, Synne eher Stilleben. Vielleicht auch andersherum. Und das fängt schon bei den Elternhäusern an. Kommt Jokum aus einer intakten Familie, die sich sehr für sein Leben interessiert, ist Synne in einem reichen, aber ziemlich kaputten Elternhaus aufgewachsen. Vielleicht ist sie deswegen so kompliziert. Als Jokum erste Erfolge hat, entscheidet Synne ihre Doktorarbeit in Kunstgeschichte in San Francisco fortzuführen - sie kann promovieren und Jokum kann sich seiner Kunst widmen. Doch bald dreht sich das Blatt: Synne gibt ihre Doktorarbeit auf und wird Jokums Kuratorin. So entscheidet sie maßgeblich mit, wenn es um die Ausrichtung seiner Werke geht. Jokum ist diese Aufteilung nur recht, häufig wirkt er nur mäßig alltagskompetent, sodass Synnne wahrscheinlich den Eindruck gewinnt, sie müsste sich um vieles kümmern. Und der Plan geht auf: bald schon kann Jokum seine Werke im Museum of Modern Art New York präsentieren. Jokums persönliches Erfolgsgeheimnis ist ein Magnet, den ihm sein Vater geschenkt hat und der immer wieder eine Rolle spielt. Gleichzeitig ist es vor allen Dingen Synne, die den Kurs bei den Fotografien vorgibt, während Jokum seine Rolle als Künstler etwas anders sieht. Wie damals in Oslo ist er der Ansicht, dass die Bilder zu ihm kommen und dass er Dinge findet, nicht für einen Aha-Effekt arrangiert. Synne sieht das etwas anders. Alle Stilleben, die sie untersucht hat, sind letztlich perfekt arrangiert.   

„Es müsste eine Probezeit geben für alle, die sich verändern wollten. Man sollte eine Frist bekommen, den Entschluss wieder rückgängig machen zu dürfen, wenn es einem nicht gefiel, wie man geworden war.“

Während sich Synne und Jokum beruflich immer klarer als Künstlerpaar etablieren, bleiben Schattenseiten in der Beziehung nicht aus. Das ist zum einen, die Beziehung zu den Eltern, die sich bei Synne als sehr schwierig gestaltet, zum anderen auch der Versuch des Paares, selbst Eltern zu werden. Immer wieder wechseln sich lustige Szenen und tolle Dialoge mit vielen melancholischen Passagen ab, in denen Jokum für sich ausloten muss, was ein gelungenes Leben eigentlich bedeutet.

Erzählt wird die Geschichte von einem ehemaligen Mitbewohner von Jokum und Synne aus der Osloer WG. Auch die anderen ehemaligen Mitbewohner tauchen immer wieder auf. Der überzeugte Kommunist Bengt wird später zum Unternehmensberater und der Liedermacher Arve, auf den Jokum eine ganze Zeit sehr eifersüchtig ist, schreibt ein One-Hit-Wonder und wird danach vergessen. Die Erzählung springt durch verschiedene Zeiten und von Oslo nach San Francisco und zum Aufenthaltsort des Erzählers, der sich in einer Art Wohngruppe für psychisch Kranke befindet. Das kann anfänglich etwas verwirrend sein, sorgt aber dafür, dass die Geschichte einen unglaublichen Sog entwickelt. Denn der ehemalige Mitbewohner schreibt selbst an einem Buch. Es heißt "Magnet" und es geht um die Beziehung von Jokum Jokumsen und Synne Sager. 

Magnet ist ein Roman, den ich kaum aus den Händen legen konnte. Der Roman ist witzig, melancholisch und genial konstruiert (allein die Szene mit Hubert, dem Hamster und dem sich daran anschließende Kapitel sind schon eine Sache für sich). Außerdem gelingen Christensen immer wieder wunderschöne Metaphern, die Jokums und Synnes Entwicklung als Künstler*innen und als Paar einfangen. Neben sehr realistischen und immer wieder auf die zeitliche Verortung der Handlung verweisenden Passagen (das Leonard Cohen-Konzert, Jokum darf ein Foto für das neue Album von Tom Waits beisteuern usw.), gibt es gerade am Anfang auch Szenen, die in einer Art Zwischenwelt spielen, die ich gar nicht genau festlegen kann. Jokum schreibt seine letzte Klausur über Kafkas Prozess. Und auf einmal begegnen ihm auch in seinem alltäglichen Leben die Menschen aus der Erzählung. Genialer kann man kaum schreiben. 

Magnet ist ein Buch, das mich absolut begeistert hat und dem ich sehr viele Leser*innen wünsche.

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YukBooks avatar

Rezension zu "Magnet" von Lars Saabye Christensen

Melancholisch, humorvoll und eigenwillig
YukBookvor 8 Monaten

Es ist schon eine ganz eigenwillige Figur, die Lars Saabye Christensen in diesem Roman geschaffen hat. Jokum Jokumsen fotografiert gern heimatlose Dinge, die seinen Weg kreuzen. In ihrer Gesellschaft fühlt er sich weitaus wohler als unter Menschen, die ihm ständig zu nah auf die Pelle rücken. Am liebsten möchte er gar nicht auffallen – was ihm schwerfällt bei seiner Größe von über zwei Metern.

Zu der Fotografie findet der Literaturstudent erst über Synne Sager, seine große Liebe, die Kunstgeschichte studiert. Die beiden werden privat, später auch beruflich ein Paar. Er fotografiert und sie organisiert als Kuratorin seine Ausstellungen.

Der Autor nimmt sich viel Zeit, um Jokums Entwicklung und Karriere, die ihn und seine Frau von Oslo nach San Francisco führen, auszurollen. Mit viel Empathie und nuancenreich schildert er die Gedankengänge eines Künstlers, der in der Öffentlichkeit unbeholfen wirkt, an sich zweifelt und trotz seines Erfolgs selten richtig glücklich ist. Manchmal kam er mir so heimatlos vor wie die Gegenstände, die er fotografiert. Nur in einer Sache ist er sich hundertprozentig sicher: der Liebe zu seiner Frau. 

Christensen macht nicht nur die Kunst und Literatur zum Hauptthema seines Romans, sondern überrascht mit stilistischen Kunstgriffen, indem er den Autor als Figur einbaut. Dieser drängt sich dann mitten im Geschehen ganz plötzlich in den Vordergrund und kommentiert seine Geschichte und Erzählweise. Wie in seinen vergangenen Romanen lässt Christensen immer wieder seinen trockenen Humor aufblitzen und ist sprachlich so gewandt, dass die Lektüre von 960 Seiten erstaunlich kurzweilig ist.

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Shunyas avatar

Rezension zu "Die Beisetzung" von Lars Saabye Christensen

Fantastisch, traumhaft und surrealistisch
Shunyavor 3 Jahren

Was haben ein Walross, eine Wahrsagerin und ein toter, nackter Unbekannter miteinander zu tun?
Kim Karlsen wacht eines Morgens in einem Hotelzimmer in Sortland auf. Er ist alleine, er ist nackt – und er kann sich auch nicht daran erinnern, wer er überhaupt ist. Sein Gebiss findet er, auch seinen Anzug und außerdem einen Taschenkalender aus dem Jahr 2001. Herausfinden muss er noch, was es mit seiner Vergangenheit auf sich hat. Er macht sich auf den Weg, begegnet einem Friseur, der in den sechziger Jahren zu leben scheint, einer Wahrsagerin, einem Walross und einer Band namens Dirty Fingers. Eine fantastische, traumhafte und surrealistische Reise, die ihm immer mehr Hinweise auf sein altes Leben gibt … (Quelle: btb)

Fantastisch, traumhaft und surrealistisch. So beginnt das Buch und als Leser fällt es schwer anfangs durch dieses Chaos durchzublicken, dass sich ehe man es sich versieht zu einem großen Ganzen entfaltet und durch die Sicht mehrerer Figuren ein Gesamtbild ergibt.
Kim Karlsen kommt eines Tages in einem Hotelzimmer zu sich ohne zu wissen wer er ist und selbst die einfachsten Dinge sind für ihn anfangs nur schwer durchzuführen oder zu verstehen. Der Leser begleitet ihn und eine erzählende unbekannte Person auf seiner Reise zu sich selbst. Wie eingangs erwähnt sind die ersten etwa 200 Seiten sehr traumhaft und surrealistisch dargestellt und erst nach und nach versteht man den Sinn dahinter. Ich finde der Autor hat hier eine sehr interessante und bewegende Geschichte über eine Figur geschrieben, die sympathisch wirkt und die man gerne auf ihrer abenteuerlichen Reise begleitet. Von einer Busfahrt mit den Dirty Fingers, einem Besuch beim Friseur, einem Ritt mit einem Walross und vielen weiteren wundersamen Begegnungen erzählt die Handlung und über allem schwebt der Tod von John Lennon, denn kein Wunder, Kim Karlsen ist ein großer Beatles-Fan. Warum der Autor Lennons Tod so oft erwähnt hat ist mir allerdings schleierhaft, da die Handlung im Jahr 2001 spielt und Lennon in den 80ern starb. Die Dirty Fingers scheinen auch eine Art Anspielung auf die Beatles zu sein, da es auch hier kleine Ähnlichkeiten gab.
Lars Saabye Christensen hat einen tollen Schreibstil. Trotz des kleinen Textes lesen sich die Seiten weg wie nichts. Er ändert seinen Stil hin und wieder, so dass sich Dialoge und Bandwurmsätze, mit kurzen prägnanten Sätzen bis hin zu seitenlangen Texten die nur durch Kommata unterbrochen werden abwechseln. Mit letzterem hatte ich Anfangs meine Schwierigkeiten, aber wenn man einige Seiten hinter sich hat, gewöhnt man sich schnell dran und allzu oft verwendet er diesen Schreibstil auch nicht im Buch.
Die Nebenfiguren sind nicht blass geblieben. Man lernt Familie und Freunde von Kim Karlsen kennen und sogar sehr viel aus ihrem Leben. Beim Lesen merkt man schnell, dass auch in Kims Familie nicht alles eitel Sonnenschein gewesen ist und auch die anderen Figuren so ihre Marotten und Eigenarten haben. Das Ganze liest sich zu Anfang wie eine Art Roadtrip zurück nach Hause um am Ende bei anderen Figuren anzusetzen. Das Ende verrate ich an dieser Stelle natürlich nicht, aber zumindest eine Entwarnung kann ich geben. Taschentücher werden bei diesem Buch nicht benötigt.
Das Ende hat mir gut gefallen. Im Grunde genommen hat Kim Karlsen irgendwie alle Figuren noch einmal mehr zusammengebracht, vor allem Personen, die seit Jahren keinerlei Kontakt mehr zueinander gehabt haben. Das fand ich sehr schön.

Ein unterhaltsames und tiefgründiges Buch, das ich sehr gern gelesen habe. Trotz des Titels ist es nicht ganz so traurig, wie man vielleicht denken mag. Ich habe mich gut unterhalten lassen, vor allem der Aufbau der Geschichte ist schon eine Kunst für sich und bin äußerst gespannt auf die nächsten Werke des Autors.

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Lars Saabye Christensen wurde am 21. September 1953 in Oslo (Norwegen) geboren.

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