Lasse Bremsteller

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Rezension zu "Von Volksfeinden, Geisterschiffen und First Class Terminals" von Lasse Bremsteller

Lohnendes Recycling
Giesinger65vor 4 Jahren

Zugegeben: Self-Publishing bzw. Books on Demand lässt mich immer noch an Autoren denken, die überall abgelehnt wurden und dann aus der Not heraus selbst zu Werke gehen, und ihr Buch alleine vermarkten. Das wird im Falle des vorliegenden, 256 Seiten umfassenden Bandes wohl schlimmstenfalls eher eine untergeordnete Rolle spielen, weil die sehr unterschiedlichen "Reporter-Geschichten aus der Schublade" laut Autor bereits in namhaften Zeitschriften erschienen sind, und jetzt also zum Sammelband zusammengesucht worden sind. Das klingt zunächst nach billiger Wiederverwertung, denn Lasse Bremsteller (früher Dudde) hat sich demnach gar nicht groß für das Buch mit dem etwas schwergängigen Titel hinsetzen müssen. Aber das soll in diesem Fall kein Kriterium sein. Denn der süffisant beschriebene Besuch im Airport-Terminal der Reichen in Frankfurt, den Bremsteller gleich an den Anfang stellt, liest sich auf seine Weise ähnlich schnell wie die sehr langen "Notizen zu einer kurzen Reise in den Iran", die nicht nur vom Titel her, sondern auch in ihrem lakonischen Duktus an die "Notizen von einer Reise" von Max Frisch (Tagebuch) erinnern, aber inhaltlich sehr eigenständig bleiben, weil Bremsteller hier seine persönlichen Erlebnisse schildert. Das Buch ist insofern ein Durcheinander, weil die einzelnen Kapitel in keinem inhaltlichen Zusammenhang zueinander stehen - von den zwei Geschichten über die "Estonia"-Katastrophe einmal abgesehen. Hier fehlt aber dem ahnungslosen Leser, der sich nicht vorher mit dem Thema des verheerenden Unglücks in der Ostsee im September 1994 befasst hat, der Hintergrund zu der Kritik an der damaligen Medienberichterstattung beim NDR und dem Spiegel. Witzige Anekdoten wie die von der Taxifahrt in Riga wechseln sich ab mit dem Skandal von einem, der fälschlicherweise für den Tod von vielen Menschen verantwortlich gemacht worden ist, oder dem haarsträubenden Ablauf eines Seminars für Privatsegler. Sehr beeindruckend (aber teilweise quälend langatmig) ist die über 50 Buchseiten umfassende Story über die Begegnung und die komplizierte Freundschaft zwischen dem ehemaligen Geo-Autoren und dem norwegischen Robbenschützer Odd Lindberg. Die Geschichte von den menschenleer über die Meere geisternden Schiffe ist ebenso lesenswert wie diejenige über die spukende Besatzung eines abgestürzten Airliners. Insgesamt ein schnelles, unterhaltsames und in Teilen auch sehr informatives Werk, wenn auch eben nicht immer brandaktuell.

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