Latifa Nabizada

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"Greif nach den Sternen, Schwester!"

"Greif nach den Sternen, Schwester!"

 (2)
Erschienen am 02.05.2016

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Rezension zu ""Greif nach den Sternen, Schwester!"" von Latifa Nabizada

Der Kampf der Latifa Nabizada gegen die Taliban ...
Bellis-Perennisvor 2 Jahren

"Greif nach den Sternen, Schwester!" ist die authentische Lebensgeschichte zweier Schwestern in Afghanistan. In einem Land, in dem Frauen möglichst unsichtbar sein sollen und den Launen der Machthaber und ihrer Ehemänner ausgeliefert sind.

Latifa und ihre Schwester Lailuma, in den 1970er geboren, erfüllen sich ihren Lebenstraum: sie werden Berufspilotinnen in der afghanischen Armee. Sie investieren alle Kraft, Mut um ihr Ziel zu erreichen.

Die politische Lage in Afghanistan ist für uns Europäer nicht leicht zu durchschauen. Die wechselnden Machthaber, Stammesfehden und letztlich der Stellvertreterkrieg zwischen den USA und den Sowjets, bringt für die Frauen einmal Erleichterung und dann wieder kompromisslose Knechtschaft. In diesen Strudel werden Latifa und Lailuma immer wieder hineingezogen. Sie werden als „Vorzeigefrauen“ und Vorbild hoch gelobt. Unfreiwillig werden sie zu Stars und die Zeitungen schrieben über sie: "Die zwei legendären Pilotinnen Afghanistans" oder "Die beiden Champion-Schwestern".

Nach dem Abzug der Russen und der Machtübernahme der Taliban flieht die Familie nach Maza-e-Sharif. Die Schwestern kämpfen unter der Führung des Warlords Dostum gegen die Gotteskrieger. Doch als auch hier die Taliban siegen, müssen sie nach Peschawar fliehen und ihren Lebensunterhalt als Teppichknüpferinnen fristen.

Trotz aller Gefahren kehrt die Familie nach Kabul zurück. Die beiden jungen Frauen dürfen sich ausschließlich im Haus aufhalten. Schon längst über dem üblichen Heiratsalter hinaus, werden Latifa und Lailuma verheiratet.
Neuerlich ändert sich die politische Situation: die Amerikaner nehmen 2011 ihren Kampf gegen die Taliban und ihren Terrorismus auf. Die Lage scheint sich für die Frauen Afghanistans zu verbessern. Sie dürfen wieder arbeiten und Latifa fliegt nun für die Amerikaner. Doch nunmehr alleine, da Lailuma bei der Geburt ihrer Tochter durch einen ärztlichen Fehler gestorben ist. Latifa selbst nimmt ihre eigene Tochter auf die Flüge mit, da afghanische Männer sich für die Kindererziehung und den Haushalt usw. nicht zuständig fühlen. Ja, es kränkt ihre „Ehre“, wenn sie sich mit solchem „Weiberkram“ beschäftigen.
Nach und nach wird die Situation für Latifa gefährlicher. Sie erhält eine Morddrohung nach der anderen und entgeht nur knapp mehreren Terroranschlägen. Die Taliban fordern die Aufgabe der Fliegerei, da die ausschließlich den Männern vorbehalten sei. Aus Liebe zu ihrer Tochter, gibt sie zwar das Fliegen wirklich auf und wird „Genderbeauftragte der UNO“. Damit gießt sie natürlich Öl ins Feuer der Fundamentalisten. Wieder wird sie bedroht. Diesmal dringen die Radikalen sogar in ihr Haus.  Um das Leben  ihrer Familie zu schützen, flieht sie mit ihrer Tochter über Pakistan nach Österreich. 

Ihr größter Wunsch ist, wieder fliegen zu dürfen.

Meine Meinung:

Ich habe beim Lesen mehrmals den Atem angehalten. Zuerst einmal wegen des Mutes der beiden, allen widrigen Umständen zum Trotz, ihre Leidenschaft umzusetzen. Dann aber über die Moralvorstellungen und die Situation der Frauen in Afghanistan.

Das Buch schildert in knappen und einfachen Worten sehr eindringlich wie grausam und einengend die Gebräuche und Sitten der Taliban sind.

Nahostexpertin Dr. Andrea-Claudia Hoffmann hat gemeinsam mit Latifa Nabizada diese beeindruckende und wütend machende Geschichte aufgeschrieben.

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass das politische Tauziehen um Quotenfrauen, Halbe-Halbe usw., im Hinblick auf die Situation der Frauen in vielen islamischen Ländern, nur Jammern auf allerhöchstem Niveau ist.

Fazit:

Diese beeindruckende Biographie einer Pionierin ist absolut empfehlenswert.

Kommentare: 6
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Rezension zu ""Greif nach den Sternen, Schwester!"" von Latifa Nabizada

Zu diesem Leben gehört Mut !!!!
Die-Rezensentinvor 4 Jahren

Latifa Nabizada wächst im Afghanistan der 80er Jahre auf. Eigentlich sind sie eine normale Familie; der Vater arbeitet, die Mutter ist zuhause und betreut das Haus und die zehn Kinder. Eine Schulbildung hat sie nicht und deswegen legt sie Wert darauf, das zumindest ihre eigenen Kinder die Schule besuchen können. Das war zu dieser Zeit noch keineswegs üblich für Mädchen.

Das normale Leben hat für die Familie jedoch ein jähes Ende, als der Vater völlig willkürlich verhaftet wird und mehrere Jahre im Gefängnis verbringen muss.

Latifa schildert sehr eindrucksvoll, wie das Leben in Afghanistan abläuft. Korruption steht an erster Stelle und ohne Beziehungen oder Geld läuft nur wenig.

Als junges Mädchen rebelliert sie gegen das strenge Elternhaus. Sie weigert sich, ein Kopftuch zu tragen, schneidet sich die Haare modern kurz etc. und möchte auch noch Pilotin werden.

Das Leben im Land ist zu dieser Zeit mal gerade nicht so streng religiös, auch andere Frauen orientieren sich am Westen. Afghanistan will ein aufgeschlossenes Land sein, zumindest nach außen hin.

Und Latifa und ihre Schwester schaffen es wahrhaftig, die ersten Pilotinnen des Landes zu werden. Natürlich müssen sie dazu massenhaft Hindernisse überwinden, denn die männlichen Kollegen und Vorgesetzten akzeptieren das auf keinen Fall und legen ihnen immer wieder Steine in den Weg,

Doch urplötzlich ändert sich zweimal die politische Lage und islamische Mudschaheddin und Taliban erlangen Macht. Jedesmal ein Rückfall ins Mittelalter...Von jetzt auf gleich ist alles verboten. Frauen haben sich vollkommen zu verhüllen und zuhause zu bleiben, es wird alles untersagt; singen, musizieren, rauchen. fernsehen, Tauben züchten. Wie irre das ist, wird spätestens bei diesem Verbot klar: Man darf im Geschäft Ware nicht mehr in Papier einpacken, denn es könnte ja sein, dass eine Seite des Korans mitgegriffen wird.

Restaurants, Bars, Teehäuser und Friseure sind geschlossen. Natürlich müssen jetzt alle diejenigen furchtbare Angst haben, die vorher ein westlich orientiertes Leben führten.

Einige Jahre danach werden die Taliban entmachtet und die Amerikaner haben das Sagen. Nun lockert sich wieder alles; Latifa und ihre Schwester dürfen sogar wieder als Pilotinnen arbeiten..

Aber im Land geht es rauf und runter und immerzu direkt dieses Extreme. Entweder dürfen die Frauen nur mit einer Burka bekleidet gehen oder sie sind frei und dürfen sogar arbeiten. Ein Mittelmass gibt es nicht.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen und wer gerne etwas über den religiösen Wahnsinn liest, ist hiermit gut beraten. Die Sprache und der Schreibstil sind relativ einfach gehalten, deswegen kann man es so weglesen.

Larifa schreibt ziemlich ausführlich, sodass der Leser sich gut in ihr Leben hinein versetzen kann. Soweit man das als Westeuropäer überhaupt kann..... Frauen haben eigentlich gar keine Rechte; sie müssen dem Mann widerstandslos gehorchen. In Latifas Fall war es so, dass sie zwar als Pilotin den Lebensunterhalt verdient, aber trotzdem ihren Mann fragen muss, wenn sie aus dem Haus gehen möchte. Unvorstellbar !!

Es ist auch heute noch so, dass die Eltern die Ehen arrangieren und man sich nicht dagegen auflehnen darf.

Eigentlich kann ich es kaum fassen, dass es dieses Leben in der heutigen Zeit wirklich noch so gibt.

Mich hat das Buch sehr beeindruckt, ich bin mal wieder sehr dankbar, dass ich hier in Freiheit leben darf und selbst über mein Leben entscheiden darf.

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