„Charm City“ von Laura Lippman ist mehr oder weniger zufällig auf meinem Lesestapel gelandet - ein klassischer Fall von „beim Aussortieren entdeckt und neugierig geworden“. Der Klappentext klang vielversprechend: ein mysteriöser Todesfall, Verwicklungen in der High Society und mittendrin die Journalistin und Ermittlerin Tess Monaghan. Leider hat der Roman meine Erwartungen nicht ganz erfüllt.
Die Handlung kommt nur langsam in Gang. Der auf dem Buchrücken beschriebene Todesfall - eigentlich das zentrale Ereignis - passiert erst nach über 100 Seiten. Bis dahin wirkt vieles eher wie ein Vorgeplänkel, das sich zieht. Wer mit einer knackigen Krimispannung rechnet, könnte hier also Geduld brauchen.
Parallel dazu gibt es einen persönlichen Nebenstrang, der sich um Tess’ eigenes Leben dreht. Natürlich ist das typisch für Serienheldinnen - man möchte eine Figur, die Tiefe hat. Doch in diesem Fall wirkt es, als würden sich beide Handlungsfäden gegenseitig ausbremsen. Die eigentlichen Ermittlungen geraten dadurch stellenweise ins Hintertreffen. Vieles fühlt sich zufällig gelöst an, weniger durch detektivisches Gespür als durch glückliche Fügung.
Was mir beim Lesen gar nicht aufgefallen ist - „Charm City“ ist bereits der zweite Band einer Krimireihe. Der Einstieg gelingt problemlos, es gibt keine spürbaren Lücken oder das Gefühl, etwas Wichtiges verpasst zu haben.
Interessant ist, dass die Reihe im Original mittlerweile über ein Dutzend Bände umfasst - auf Deutsch jedoch nur ein paar übersetzt wurden. Man hat wohl versucht, mittendrin mit einer späteren Fortsetzung neu anzusetzen, in der Hoffnung auf neue Lesende. Doch ich denke, auch dort blieb die Begeisterung eher verhalten.
„Charm City“ selbst wurde später im Deutschen unter dem Titel „Die Witwe des Millionärs“ nochmals neu aufgelegt - ich denke, mit ebenso mäßigem Erfolg.
Mein Fazit: Der Krimi hat gute Ansätze - vor allem die Idee, investigative Recherche mit privaten Herausforderungen zu verbinden. Aber die Umsetzung bleibt für mich zu zäh und die Spannung zu diffus. Wer Krimis mit viel persönlichem Drama und einem langsamen Spannungsbogen mag, könnte hier dennoch fündig werden.
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