Ich habe mir von diesem queeren Sommerroman, der doch Einiges an Tiefe versprach, ziemlich viel erhofft. Daher war ich recht ernüchtert, als sich bis etwa zur Hälfte einfach kein richtiger Lesefluss einstellen wollte. Vielleicht passte das Buch gerade nicht zu meiner Stimmung, vielleicht lag es aber auch an Stil und Figuren.
Gleich zu Beginn ist mir persönlich der häufige Sprachwechsel von deutsch zu englisch negativ aufgefallen. Das ist ohne Frage authentisch, ich finde es aber auch nicht besonders zugänglich. Menschen, deren Englisch nicht so gut ist, werden hier echt zu kämpfen haben, weil schon wirklich auch inhaltlich viel in dieser Sprache passiert. Mein Englisch ist sehr gut und trotzdem hat es mich jedes Mal kurz rausgeworfen. Das wird zum zähen Leseerlebnis beigetragen haben.
Johannas Innenleben und ihre Vergangenheit kennenzulernen (besonders auch ihre absolut furchtbaren Eltern), fand ich aber gut gestaltet. Ich denke, mir war der Text auch inhaltlich etwas zu schwer für meine aktuelle Stimmung, aber das möchte ich dem Buch nicht ankreiden. Denn ganz grundsätzlich bin ich sehr offen für ernste Themen und dem nimmt sich die Autorin auf jeden Fall mit viel Feingefühl an. Sie beschreibt zum Beispiel, dass 6uelle Übergriffe auch im queeren Bereich vorkommen können und ebenso ernstgenommen werden sollten.
Was mich jedoch deutlich gestört hat, waren die Figuren selbst bzw. der Umgang zwischen ihnen. Mir waren sowohl Johanna, als auch Luz und Robyn einfach zu distanziert und verschlossen, gefühlt habe ich sie alle drei nicht wirklich - auch in Interaktion miteinander. Dabei bringen alle drei wirklich spannende Vorgeschichten und Herausforderungen mit, etwa Luz als fremdgeoutete lesbische Profisurferin, die daraufhin ihre Karriere beenden musste. Auch einige kleinere Nebenfiguren fand ich interessant konstruiert. Ich habe gemerkt, dass die Autorin extrem informiert und diskriminierungssensibel ist - das hat mir sehr gut gefallen.
Marlene und Emília hätte ich gern noch viel besser kennengelernt, weil sie mir ein wenig von der Fürsorge und Wärme gegeben haben, die mir vorher fast kontinuierlich gefehlt hat. Ich denke, das ist einfach der größte Knackpunkt für mich - ich suche in queeren Geschichten immer auch Sanftheit und davon gab es für mich persönlich zu wenig. Die Figuren schienen mir überwiegend Einzelkämpfer*innen zu sein.
In jedem Fall ist der Roman stilistisch innovativ, wenn auch nicht ganz mein Geschmack. Außerdem ist es eine Geschichte über inneres Heilen, ohne dabei sonderlich geradlinig oder auch nur annähernd romantisierend zu sein. Johannas Schmerz ist greifbar und wer das in Kombination mit einem besonderen Stil gern begleiten will, wird hier gut beraten sein. Ich runde für die grundlegende Idee und Tiefe des Buchs auf 3 Sterne auf, auch wenn die Lektüre für mich ziemlich lang zäh war.
Laura Naumann
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
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Haus aus Wind
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Das Cover und der Titel haben mich sofort gefesselt, beim Einstieg in den Roman ist es mir nicht ganz so leichtgefallen. Ich musste mich erst in Johanna und ihr Leben hineinversetzen, um ihre Gedankengänge und Handlungen nachvollziehen zu können und dies ist mir nicht immer auf Anhieb gelungen. Sie war zu Beginn sehr sprunghaft und konfus, was natürlich auch darauf zurückzuführen ist, wie es in ihrem Leben momentan gerade rundgeht. Mit der Zeit habe ich mich an ihre Art gewöhnt und konnte auch die Geschichte genießen, doch schon bald wurde es wieder stimmungsmäßig schwierig. Die Dialoge haben mir gut gefallen, sie geben einen Einblick in Nuancen und Bedeutung bei der Kommunikation in einer anderen Sprache. Auch wenn ich Johannas Mut, ihre Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und ihre Veränderung im Laufe der Zeit gut nachvollziehen konnte, so blieb sie mir als Charakter doch etwas fern.
Dieses Buch war super gut zu lesen. Es ist schon ein wenig her, als ich es zugeklappt und zuende gelesen hatte. Dennoch bin ich noch im Bann des Gelesenen. Super schön geschrieben, emotional und doch auch irgendwie amüsant und nachdenklich allemal. Rundherum vielschichtig - hat mir sehr gut gefallen.
Johanna und Rosa haben sich getrennt. Johanna ist in Portugal gelandet. Sie ist alles andere als glücklich. Sie ist Synchronsprecherin in Berlin, dennoch bleibt sie erst einmal an der Algarve und verdingt sich in einem Surfcamp. Sie lernt verschiedene Charaktere kennen. Kommt jetzt das Glück zurück ??? Sie scheint wieder ins Gleichgewicht zu kommen, wenn da nicht die Gedanken wären ...
Mehr möchte ich nicht verraten, lest selbst, es lohnt sich !!!
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