Öffnung für Konzepte, die Frauen und Familien unterstützen
Ich mag Utopien. Nach Rutger Bregmans Utopien für Realisten – übrigens ein sehr gutes Buch – bin ich immer offen für utopische Bücher. Bei Utopien handelt es sich um den Entwurf einer zukünftigen Lebensform oder Gesellschaftsordnung, die noch nicht existiert. Kristen Ghodsee stellt in ihrem Buch Utopien für den Alltag – Eine kurze Geschichte radikaler Alternativen zum Patriachart einige Alternativen und Konzepte vor, die insbesondere Frauen und Familien besser unterstützen können.
In dem Buch geht es um Konzepte, die es – in ähnlicher Form - schon gegeben hat, die man für Frauen und Familien nach brauchbaren Ideen und Umsetzungen durchforstet. Es geht um Konzepte wie Cohousing und dem Teilen von Privatbesitz, Kommunen mit Selbstversorgung, Bildung und Erziehung der Kinder im ganzen Dorf und einigen anderen Konzepten. Ghodsee stellt besondere Personen heraus, die merkten, dass andere Konzepte für ein angemessenes und gleichberechtigtes Leben (auch Chancengleichheit) hermussten – Kollontai, Makarenko, Bebel, Bregman.
Sie weist darauf hin, dass Kinder von den Ressourcen der Eltern abhängig sind und diese nicht fair verteilt sind, somit ist das Aufwachsen in der Familie – der Start – nie gerecht für alle. Besonders spannend fand ich den Begriff des Alloparenting. Dabei handelt es sich im die (elterliche) Fürsorge von Kindern gegenüber nicht eigenen Nachkommen. Sprich erwachsene kümmern sich um die Pflege und Erziehung der Kinder, die nicht die eigenen sind. Gerade in einem Cohousing oder Kommunensetting kann ich mir sowas als Netzwerk und zur Entlastung untereinander super vorstellen. Dies räumt Kindern mehr Ressourcen und mehr Unterstützung ein.
Das Buch ist, gerade durch seine historischen Beispiele, super interessant. Immer wieder merkt man, dass die Konzepte gute Ansätze haben, die man sich nur leider in der heutigen Gesellschaft schwer vorstellen kann. Nicht, weil sie keinen Nutzen hätten – den haben sie definitiv – sondern, weil unsere Gesellschaft so stark in patriarchalen Strukturen verwoben ist, dass das Aufbrechen und Integrieren fast unmöglich scheinen.
Man hofft nur, dass sich viele kleine Teile seiner utopischen Alternative Stück für Stück in die Gesellschaft integrieren lassen, um endlich ein Leben führen zu können, welches Frauen und Familie unterstützt und nicht abstraft. Eine Alternative, die Kindern Chancengleichheit einräumt und diese nicht von Anfang an als Verlierer im System hängen lässt. Eine Alternative, in der Kinder sich unabhängig von den Ressourcen der Eltern zu Erwachsenen entwickeln können, die sie sein wollen und nicht – aufgrund ihrer Herkunft und den Ressourcen ihrer Eltern – sein müssen.




