„Der Tote im Wattenmeer“ ist ein seichter Cosy-Crime, der vielleicht und hoffentlich der Start einer neuen Regional-Krimi-Reihe ist, die vorwiegend auf der grünen und ruhigen nordfriesischen Insel Pellworm spielt.
Da ich nichts Inhaltliches preisgebe, sollte der Klappentext für einen Vorgeschmack auf die hier erzählte Geschichte ausreichen.
Ich begegne sympathischen Figuren, deren Beschreibung detailliert genug ist, um sie sich vorstellen zu können. Die Schilderungen der Örtlichkeiten bleiben etwas vage und entsprechen nicht unbedingt den Tatsachen, was aber vermutlich nur Einheimische und Pellworm-Kenner stören dürfte. Dass aber geschichtlich relevante Eigennamen von Gebäuden und Straßen abgeändert und somit verfremdet werden, empfinde ich nicht nur als unnötig, sondern sogar als unangebracht.
Die Geschichte, die die Autorin erzählt, fließt ruhiger dahin als der Heverstrom, ein Gezeitenstrom, der zwischen Pellworm und Nordstrand bzw. der schleswig-holsteinischen Westküste in der Nähe von Husum verläuft. Es geht recht gemächlich zu und der Fokus liegt definitiv auf dem alltäglichen Leben auf der Insel und den Protagonisten sowie deren Beziehungen untereinander.
Was ich lese, ist unterhaltsam und lässt mich immer mal wieder schmunzeln, denn vor allem die Hauptfigur des Ebbe Knudsen ist wahrlich eine Marke für sich. So manches Mal muss ich den Kopf schütteln, wenn ich von seinem Verhalten und seinen Gedankengängen lese, aber sympathisch ist er dennoch, womöglich auch gerade deswegen.
Das kleine Geflecht an Charakteren und ein gelegentlich eingestreutes Plattdeutsch schaffen eine heimelige Atmosphäre und tragen diese Geschichte, deren krimineller Anteil fast zur Nebensache wird. Leserinnen und Leser werden eingeladen, die Mitspieler und ihre Erlebnisse kennenzulernen, die gegenwärtigen ebenso wie die zum Teil schon lange zurückliegenden; während die Figuren an Kontur gewinnen, schaut man hinter die Fassaden.
„Der Tote im Wattenmeer“ bietet trotz einer nur sehr geringen Dosis an Spannung eine angenehme Lektüre, der sich ein Glossar platt- und norddeutscher Begriffe und ein Personenverzeichnis anschließen.
Allerdings würde ich dem Buch ein besseres Korrektorat wünschen, damit hoffentlich erforderliche zukünftige Auflagen fehlerfrei(er) sind.
Ein Rätsel ist und bleibt aber ungelöst: warum hat der Verlag auf dem Cover nicht den durchaus sehenswerten Pellwormer Leuchtturm abgebildet, sondern durch die stattdessen gewählte und nicht zu Pellworm passende Gestaltung des Einbandes einen Wiedererkennungseffekt verschenkt?









