Mit "Eine Liebe so groß wie du" von Lauren Fern Watt wird dem Leser auf den ersten Blick ein (letztes) großes Abenteuer für einen Hund versprochen, eine Liste mit Erlebnissen, die er unbedingt erleben soll. Im Kern dreht sich das Buch jedoch eher um die persönlichen Erfahrungen der Autorin als um den Hund selbst.
Aber worum geht es denn eigentlich?! Ein Herz und eine Schnauze: Die junge New Yorkerin Lauren und ihre Hündin Gizelle waren sieben Jahre unzertrennlich. Beste Freundinnen, Vertraute und Familienersatz. Als Lauren erfährt, dass ihr geliebter Hund Knochenkrebs hat, bricht eine Welt für sie zusammen. Den beiden bleibt nur noch eine kurze Zeit und Lauren erstellt eine Liste mit Dingen, die sie gemeinsam noch erleben wollen: eine Kanufahrt à la Walt Disney, einen Hummer essen, mit Jungs flirten, in den frühen Morgenstunden auf dem Times Square spazieren gehen… Bis Lauren eines Tages fühlt, dass es Zeit ist, Gizelle loszulassen.
Meiner Meinung nach hält das Buch nicht ganz, was es verspricht. Anders als erwartet, ist es einfach keine Geschichte, die sich auf die letzten Monate eines zum Sterben verurteilten Hundes konzentriert, in denen man ihm das Leben noch so schön wie möglich machen möchte. Vielmehr steht die Geschichte eines jungen Mädchens im Vordergrund, einer Protagonistin, die noch nicht weiß, wer sie ist, wo sie hingehört und die sich auf die Suche nach ihrer eigenen Selbstverwirklichung begibt.
Der Schwerpunkt des Buches liegt besonders stark auf dem Umgang der Autorin mit den Süchten ihrer Mutter und auf ihrem eigenen persönlichen Wachstum. Zugegeben, das Thema "Wie sich mein Leben durch einen Hund verändert hat" zieht sich durch viele solcher Bücher, doch hier hatte ich oft das Gefühl, letztlich mehr über das Leben der Autorin zu erfahren, als mir lieb war. Man begleitet sie beispielsweise bei ihrem Umzug nach New York, bei ihrer Suche nach einem Freund oder bei der Recherche nach einer Wohnung. Das sind Dinge, die zwar ihr Leben geprägt haben, aber für das eigentliche Hundethema wenig relevant sind.
Positiv hervorheben möchte ich aber zumindest den Schreibstil von Frau Lauren Fern Watt. Er ist soweit recht flüssig und es gelingt ihr, ihre persönlichen Erfahrungen mit der Hundefigur von Gizelle zu verknüpfen, sodass man nachvollziehen kann, wie diese ihr Leben beeinflusst und ihr wichtige Lektionen beigebracht hat. Leider bleibt der Teil, der sich tatsächlich auf Gizelles Wunschliste und Abenteuer konzentriert, vergleichsweise kurz, sodass der Titel des Buches aus meiner Sicht etwas irreführend ist.
Alles in allem somit eine kurzweilige Lektüre, die eigentlich ganz angenehm zu lesen ist, aber nicht dem gleichkommt, was ich erwartet hatte. Für Hundeliebhaber, die ein Abenteuer aus der Sicht des Hundes suchen, wird es vermutlich enttäuschend sein. Für Leser, die einen Einblick in die persönliche Lebensgeschichte der Autorin mit Hund erfahren möchten, könnte es jedoch interessant sein.


