Lauren Groff Licht und Zorn

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Inhaltsangabe zu „Licht und Zorn“ von Lauren Groff

Lottos Charme bezwingt jeden, Mathildes Schönheit wirft ein Schimmern an jede Wand. Sie lieben und begehren einander, sie heiraten, ziehen nach New York. Ihre Partys sind legendär, und irgendwann feiert Lotto Triumphe als Dramatiker. Ist das glückliche Fügung, oder lenkt hier jemand mit kühlem Verstand die Geschicke? Ahnt Lotto, welchen Zorn Mathilde hinter ihrem Lächeln verbirgt? In einer vor Energie pulsierenden Sprache entwirft Lauren Groff das Bild einer Ehe, hinter deren Glanz sich schleichend etwas Dunkleres offenbart. Denn die Geschichte von Lotto und Mathilde kann auch ganz anders erzählt werden.

Jede Seite ist voller Licht und voller Zorn, die Sätze übertrumpfen sich in ihrer Intensität und die Figuren sich in ihren Geheimnissen.

— Poesiesoso

Einzigartiges Ehedrama mit fesselndem Perspektivenspiel

— RosaEmma

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  • Abgründe eines Traumpaars

    Licht und Zorn

    RosaEmma

    17. November 2016 um 19:56

    Lauren Groffs Roman Licht und Zorn zählte 2015 zu den meist diskutierten literarischen Werken in den Vereinigten Staaten – und das nicht nur, weil US-Präsident Obama ihn als sein Lieblingsbuch des Jahres bezeichnete. Dabei ist die Thematik auf den ersten Blick nicht außergewöhnlich: In zwei separaten Teilen skizziert die Autorin das Porträt einer 24-jährigen Ehe – zum einen aus Sicht des Mannes, zum anderen aus Sicht der Frau. Wie Groff dies allerdings schriftstellerisch umsetzt, ist großartig: Ihr einzigartiges Gespür für Sprache, ihr Spiel mit antiken Mythen und ihr evidentes Verständnis von klassischer Tragödie (und Komödie) machen den Roman zu einem Leseerlebnis der besonderen Art. Denn die Geschichte hat viel mehr zu bieten als nur eine Aneinanderreihung von Eheszenen mit glücklichen, zornigen und traurigen Momenten: Die detaillierten Psychogramme der Ehepartner lassen tief blicken, doch trauen können wir ihnen nicht. Und so müssen wir als Leser selbst ergründen, wie die Wahrheit hinter der Fassade des Traumpaars ausgesehen haben könnte. Aber dies ist alles andere als einfach, denn ehe wir uns versehen, finden wir uns im zweiten Teil des Romans mitten in einem Ehethriller wieder, der uns in Atem hält und uns alles in Frage stellen lässt, was wir bisher über die Protagonisten zu wissen glaubten. Die charismatische Lichtgestalt Teil 1 wird aus Sicht des Ehemannes, Lancelot „Lotto“ Satterwhite, erzählt. Gutaussehend, charmant und mit einem von seiner Mutter stets geförderten künstlerischen Talent ist der nach einem sagenumwobenen Ritter benannte Sohn eines reichen Mineralwasserindustriellen aus Florida nicht nur für seine Eltern eine wahre Lichtgestalt. Dem „Golden Boy“, der zu Höherem berufen zu sein scheint, darf es an nichts fehlen, ihm stehen alle Türen offen. Doch nach dem plötzlichen Tod seines Vaters, der Lotto völlig verstört zurücklässt, gerät er auf die schiefe Bahn. Dies ändert sich erst, als seine Mutter ihn auf ein College in New Hampshire schickt und er dort die Schauspielerei für sich entdeckt. Sein Talent hält sich zwar in Grenzen, doch seine Aura überstrahlt alles. Schnell avanciert er zum Star der Truppe und spielt zur Überraschung seiner Lehrer sogar die klassischen Rollen. Vor diesem Hintergrund nimmt auch die Zahl seiner weiblichen Verehrerinnen stetig zu, und Lotto kann keiner widerstehen: Er wechselt seine Freundinnen schneller als seine Hemden, bis er die kühle, unnahbar-schöne Mathilde Yoder nach einem seiner gefeierten Auftritte kennenlernt. Sie ist für ihn der Inbegriff einer Frau: Die perfekte Inkarnation von Schönheit und Reinheit, eine Heilige, die er anbetet. Als er dann nach der ersten Nacht festzustellen glaubt, dass er ihr erster Mann war, ist sein Glück perfekt. Nichts kann sein Bild von Mathilde trüben, für ihre passive Aggression und ihren unter der Oberfläche gefährlich leise brodelnden Zorn ist er blind. Mit nur 22 heiratet er sie – gegen den Willen seiner Mutter, die Mathilde von vornherein misstraut und ihm daraufhin jegliche finanzielle Unterstützung verweigert. Doch Scheitern ist in Lottos Leben nicht vorgesehen. Als ihm der Durchbruch als Schauspieler nicht gelingt, wird er mit einer eines Nachts aus schierer Verzweiflung verfassten Tragödie zum gefeierten Dramatiker. Und was noch viel wichtiger ist: Seine Ehe mit Mathilde hat allen Widrigkeiten zum Trotz standgehalten, denn sie ist stark, getragen von gegenseitiger Liebe. Er bereut keine Sekunde, den Kontakt zu seiner Mutter abgebrochen zu haben, da sie Mathilde von Beginn an feindlich gegenüberstand. Außerdem scheint Mathilde zufrieden mit ihrer Rolle als Frau im Hintergrund, die in finanziell schwierigen Zeiten Geld für beide verdient, sein Leben bestens managt und sich nie beklagt. Doch dann erfährt er durch Zufall etwas Unglaubliches über Mathilde, das seine Welt und sein Bild von ihr völlig ins Wanken bringt… Die zornige „Eiskönigin“ In Teil 2 erzählt uns Lottos Frau, Mathilde Yoder, ihre Geschichte. Und was wir über sie erfahren, schockiert und erschüttert uns, denn die wahre Mathilde hat so gar nichts gemeinsam mit dem verklärten Bild, das uns ihr Gatte in Teil 1 von seiner Frau übermittelt. Wir erfahren, wie sie durch eine Tragödie zu der Frau geworden ist, die sie ist: Eine reservierte Einzelgängerin ohne Freunde, die niemanden an sich herankommen lässt und die man hinter ihrem Rücken Eiskönigin nennt, weil sie kalt und unnahbar auf ihre Umgebung wirkt. Obwohl Mathilde gefühlsmäßig abgestumpft ist, gelingt es Lotto, zu ihr durchzudringen, auch wenn sie ihn anfänglich aus schierer Berechnung geheiratet hat. Lotto allein vermag von Beginn an, sie als den guten Menschen zu sehen, der sie so gerne geworden wäre. Dies gibt ihr nicht nur die Kraft, um weiterzumachen, sondern auch die Fähigkeit, einen Menschen zu lieben. Doch zu groß ist ihr Zorn auf die Welt und ihr Selbsthass, als dass sie ihr Leben genießen könnte. Mehr und mehr entdeckt sie – patriarchalische – Facetten an ihrem Mann, die ihr übel aufstoßen. Zudem missfällt ihr seine enge Beziehung zu einem jungen Künstler, die sie zwar nicht einordnen kann, aber um jeden Preis torpedieren möchte. Auch Lottos Verhalten ihr gegenüber hat sich aus ihrer Sicht seltsam verändert. Er zieht sich immer mehr von ihr zurück und ist äußerst schweigsam. Verlustängste steigen in ihr auf, denn sie vermutet, dass er sie verlassen will. Doch noch bevor sie agieren kann, schlägt das Schicksal ein weiteres Mal zu… Ein einzigartiges Ehedrama mit fesselndem Perspektivenspiel Mit Licht und Zorn ist Lauren Groff ein beispielloses Ehedrama gelungen, das zugleich berührt und verstört. In ihre Geschichte webt die Autorin viele Elemente der klassischen griechischen Tragödie mit ein – so ist z.B. der scheinbar allwissende Erzähler, dessen Kommentare in eckigen Klammern zu finden sind, durchaus mit dem antiken Chor vergleichbar. Nachdem ihr Protagonist Lotto sich als Dramatiker etabliert hat, erzählt Groff sein weiteres Leben anhand seiner Werke, die oftmals Bezug zu großen antiken Tragödien bzw. mythischen Hintergrund haben. Das ist nicht nur ungewöhnlich und aufschlussreich, sondern zeigt auch, wie versiert die Autorin auf diesem Gebiet ist und wie klug sie die Dramen im Hinblick auf den weiteren Verlauf des Romans konzipiert hat. Sehr beeindruckt hat mich Groffs Perspektivenspiel und ihr singulärer Erzählstil, der uns – so scheint es zunächst – tief unter die Oberfläche ihrer Protagonisten katapultiert. Während Lotto immer ein wenig seicht, überschwenglich und manchmal auch lethargisch daherkommt, verlangt uns Mathilde einiges ab. Doch am Ende sind wir uns nicht wirklich sicher, welcher Wahrheit wir trauen können. Die einzige Erkenntnis, die wir nach Lektüre dieses Lehrstücks zwischenmenschlicher Beziehungen gewinnen können, ist, wie wenig wir manchmal vom anderen wissen, wie viel wir ausblenden bzw. nicht sehen wollen und wie sehr wir uns oftmals in das Bild verlieben, das wir uns von unserem Partner gemacht haben, auch wenn es vielleicht nicht der Realität entspricht. Doch gerade aus diesem Unwissen heraus, dessen wir uns ja gar nicht bewusst sind, kann, so zeigt uns Groff, eine tiefe Liebe entstehen, die Bestand hat und beflügelt. Ein kleiner Trost, der uns am Ende des Ehedramas dann doch nicht ganz ohne Hoffnung zurücklässt. Mein Fazit: Einer der besten Romane des Jahres  – absolut lesenswert!

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  • Licht und Zorn

    Licht und Zorn

    Buecherschmaus

    17. November 2016 um 14:38

    „Zorn ist mein Nachtmahl: so mich selbst verzehrend, verschmacht ich an der Nahrung.“ Ein Zitat aus Shakespeares „Coriolanus“, das im hintersten Viertel von Lauren Groffs Roman „Licht und Zorn“ auftaucht und für mich genauso für den gesamten Text steht wie der Titel. Es ist ein unbändiger Zorn, der am Anfang mehr erahnt werden muss, kurz aufblitzt, aber spätestens in der zweiten Hälfte immer mehr Herrschaft gewinnt, über die Seiten, die Personen, das Geschehen. Woher dieser Zorn stammt, sei hier nicht näher verraten, er ist Teil der überraschenden Wende, die die Geschichte im Verlauf nimmt. Der Zorn ist vom Ausmaß einer antiken Tragödie, auf die im Text auch immer wieder einmal angespielt wird und die im amerikanischen Originaltitel ihren Niederschlag findet. „Fates and furies“ heißt es da, man könnte es übersetzen mit „Schicksale und Zorn“ und wäre damit näher beim deutschen Titel. Gemeint sind aber wohl eher die Parzen (Fates) und die Furien, römische Schicksals- und Rachegöttinnen. Trotzdem ist der deutsche Titel gut gewählt, denn neben dem Zorn ist das Licht, das Strahlende, ja auch das Unbekümmerte Teil dieses komplexen Romans. Doch von was wird eigentlich erzählt? „“Welch Dunkel hier!“ singt Florestan in Beethovens Fidelio, einer Oper über eine Ehe.“ Es ist eine Ehegeschichte, die hier vor uns ausgebreitet wird. Lancelot Satterwhite, selbstbewusster, gut aussehender Spross einer äußerst wohlhabenden Familie aus Florida, dem Zeit seines Lebens nicht nur alle Steine aus den Weg geräumt, sondern auch eine glänzende Zukunft vorausgesagt wurde, steht für das Licht. Das Licht, das er in jeder Gesellschaft, in jeder Situation um sich herum zu verbreiten scheint. Kein Kind von Traurigkeit, ein wahrer „Womanizer“, schnappt sich jede Frau, die er kriegen kann, und derer sind es wahrhaftig nicht wenige. Dabei strahlt er aber eine kindliche Naivität aus, ein Grundvertrauen in eine Welt, die sich ausschließlich um ihn zu drehen scheint. „Jeder verhielt sich freundlich und gefällig, und in Ermangelung anderer Vorbilder bemühte sich Lotto ebenfalls um Freundlichkeit.“ Dabei hat auch er dunkle Zeiten erlebt, als sein Vater viel zu früh und überraschend verstarb. Die Beziehung zu seiner Mutter wurde dadurch enger, aber auch deutlich komplizierter, spätestens als Lotto sich mit „falschen Freunden“ abgab, mit Mädchen, mit Drogen experimentierte. Die Verbannung auf ein weit entferntes College war die Folge. Auf einer Uni-Fete trifft Lancelot, Lotto genannt, Ende der Achtziger Jahre auf Mathilde, eine zurückgezogene, leicht rätselhafte Schönheit, anscheinend ohne jegliche Familie. Ein „Coup de foudre“, zwei Wochen später wird geheiratet. Die gekränkte Mutter lehnt die Verbindung ab, entzieht Lotto jegliche Unterstützung, enterbt ihn quasi. Nach Jahren der Erfolglosigkeit als Schauspieler wird Lotto als Drehbuchschreiber reüssieren. Die Ehe zu Mathilde, die er als Inbegriff der Güte und Reinheit regelrecht verehrt, ist gleichwohl sehr stark auf körperlicher Anziehung basierend, Sex spielt darin die Hauptrolle (viel Sex!), besonders vom Ende her gesehen sind es zwei Egoismen, die hier aufeinander treffen, trotzdem wird sie sich als erstaunlich beständig, belastbar und glücklich erweisen. Soweit, so gut. Der weitere Verlauf der Handlung soll nicht vorweggenommen werden, erfährt er doch manche überraschende Wendung (vielleicht sogar die ein oder andere unglaubliche Wendung und leicht schräge Metapher zu viel) und entwickelt gegen Ende sogar so etwas wie kriminalistische Spannung. Was Lauren Groff in ihren psychologisch sehr komplexen Roman hinein packt ist Einiges. Es werden Fragen diskutiert wie die, wieviel wir eigentlich von einem anderen Menschen, und sei er uns auch der Nächste, tatsächlich wissen können. Es werden typische Geschlechterrollen inspiziert zwischen männlicher Egozentrik und weiblicher Selbstauflösung. „Frauen in Geschichten wurden immer durch ihre Beziehungen definiert.“ Frühkindliche Verletzungen spielen eine Rolle und unterschiedliche Lebensmodelle, die Ehe natürlich, Familie, der Lauf der Zeit, Depression, Abhängigkeit und, wie gesagt, Zorn und Rache. Was bei einer so gesellschaftlich engagierten Autorin wie Lauren Groff verwundert, ist das weitgehende Fehlen jeder tagespolitischen oder überhaupt politischen Ebene. Dabei ist Groffs Art, zu erzählen fast kühn zu nennen. Sie verzichtet auf jede Sympathieboni für ihre Figuren, sie springt munter in den Zeit- und Handlungsebenen hin und her, lässt eine kommentierende Stimme, gesetzt in Klammern (bei erzählenden Texten meist ein Tabu) ergänzen, korrigieren, vorgreifen und relativieren. Diese Stimme nimmt ein wenig die Rolle des griechischen Chors ein, wobei wir wieder bei der antiken Tragödie, den Parzen und den Furien wären. So heißt es zum Beispiel einmal über Mathilde und Lotto: „Halten Sie sie vor Ihrem inneren Auge so fest: jung und schlank, wie sie im Dunkeln auf dem Weg ins Warme förmlich fliegen über den kalten Sand und die Steine. Wir werden bald zu ihnen zurückkehren.“ Dieser Kommentar schreckt auch nicht vor Blicke in die weite (auch des Lesers) Zukunft, wenn sie von den Protagonisten im hohen Alter spricht. Erzählt ist der Text in zwei Teilen. Der erste ist Lotto gewidmet, seine Sicht auf die Welt und seine Ehe ist es, die ihn bestimmt. Ganze Abschnitte werden zeitlich an die Titel seiner jeweils zur Aufführung kommenden Theaterstücke angelehnt. Erfolg, Anerkennung, Bestätigung ist das, was zählt, gleichzeitig herrscht aber eine gewisse Selbstgewissheit, was im Text durch ein ruhigeres, breiteres Erzählen, auch längere Kapitel spürbar ist. Lotto fühlt sich wohl in seiner Welt(sicht), posaunt in einer öffentlichen Talkshow, wie gerne seine Frau ihm den Rücken freihält, kocht und putzt (und kommt erst auf Nachfrage darauf, dass es seine Frau war, die in Zeiten seiner schauspielerischen Erfolgslosigkeit das Geld herbeigeschafft hat. Kommt bekannt vor? Der zweite Teil ist Mathilde gewidmet und führt hinter den Zorn, der in ihr tobt. Er ist gekennzeichnet durch mehr Rasanz, Spannung, sehr kurze Kapitel. Sie ist durchaus nicht das „Opfer“ in dieser Ehe, wie man vielleicht glauben könnte. Dieser abgründige, einerseits schonungslos genaue Blick auf die Institution Ehe, der aber so gar nichts mit Romantik oder rosaroter Glückseligkeit zu tun hat, andererseits diese Ehe aber auch als sehr beständig und glücklich schildert, einmal als „Rettungsanker“ bezeichnet wird, mündet in der Erkenntnis: „Diese leise Vertrautheit war es, die ihre Ehe ausgemacht hatte, nicht die Zeremonien, die Partys, die Premierenabende, Festtage oder spektakulärer Sex.“ Lauren Groff ist mit „Licht und Zorn“ ein außerordentlich gekonnt konstruierter und mit spannenden Themen handelnder Roman gelungen. Nicht nur die Tatsache, dass er zu Barak Obamas Lieblingsromanen zählen soll, macht ihn dadurch zu einer nachdrücklichen Leseempfehlung.

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  • Der andere Blickwinkel

    Licht und Zorn

    serendipity3012

    29. September 2016 um 17:44

    Der andere Blickwinkel Es ist eine Binsenweisheit, dass jede Geschichte zwei (oder auch mehr) Seiten hat. Trotzdem ist es wahr, auch und gerade wenn es sich um die Beziehung zwischen zwei Menschen handelt. Wenn man sich also beide Sichtweisen auf eine Beziehung ansieht, werden diese niemals völlig übereinstimmen. Das Gemeinsame wird jeweils unterschiedlich groß sein. Im Fall der Ehe von Lotto und Mathilde, über die Lauren Groffs in ihrem neuen Roman „Licht und Zorn“ erzählt, lesen wir zwar nicht zwei völlig verschiedene Geschichten, sehen aber doch vieles aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln, erfahren spät noch Neues. Dass dies so ist, wird schon im Klappentext verraten, sodass es hier gesagt werden darf. Allerdings sollte man viel mehr zum eigentlichen Clou des Romans nicht verraten.Lotto, eigentlich Lancelot Satterwhite, kommt aus wohlhabendem Hause. Ihn umgibt eine besondere Aura. Er ist nicht klassisch attraktiv, seine kleinen Schönheitsfehler machen ihn aber zu etwas Besonderem, so dass ihm vor allem die Frauen zu Füßen liegen. Er hat viele Affären, man sagt ihm nach, mit keiner zweimal ins Bett zu gehen – bis er auf Mathilde trifft. Mathilde scheint der Welt entrückt, sie kommt wie aus dem Nichts, wie magisch werden die beiden voneinander angezogen, heiraten nach nur zwei Wochen. Lotto will als Schauspieler arbeiten, findet aber nur selten Engagements, während Mathilde nicht nur arbeiten geht, damit beide überhaupt über die Runden kommen, denn Lottos Mutter unterstützt ihn nicht mehr finanziell, seitdem er ihr von der Hochzeit mit Mathilde erzählte. Mathilde ist auch diejenige, die alles organisiert, die Lotto den Rücken freihält, die Organisatorin im Hintergrund.Im ersten Teil des Romans lesen wir von dieser Beziehung aus Lottos Sicht. Die beiden geben Partys, laden Freunde ein, leben zunächst ein einfaches Leben, das aber von der großen Liebe, die beide verbindet, geprägt wird. Etwas mehr als zwanzig Jahre werden erzählt, und irgendwann wird aus dem erfolglosen Schauspieler ein erfolgreicher Dramatiker, ein Autor von Stücken, die einschlagen und ihn doch noch berühmt machen und die Geldsorgen der beiden beenden. Groff nimmt sich Zeit für diesen Teil, ein paar kleine Längen gibt es. Die Beziehung macht Höhen und Tiefen durch, auch Lotto und Mathilde sind vor Krisen nicht sicher, auch in ihrer Beziehung wird das Vertrauen auf die Probe gestellt.Wirklich spannend wird Groffs Roman dann, wenn Lottos Sichtweise etwa nach der Hälfte aufgegeben wird und im zweiten Teil Mathilde an der Reihe ist. Da diese Machart aber das ist, was „Licht und Zorn“ am Ende ausmacht, sollte man hier nicht ins Detail gehen, im Gegenteil sollte der Leser unbedingt möglichst unvoreingenommen an die Geschichte herangehen.Beiden Teilen sind die Komponenten des Titels vorangestellt: Licht ist es bei Lotto, bei Mathilde Zorn. Dieser Titel ist, so viel sei verraten, gut gewählt. Lotto ist derjenige, der im Licht steht, meistens und nach außen jedenfalls, auch derjenige, der es anzieht, wobei seine Frau aber auch nicht einfach in seinem Schatten steht. Mathilde ist in der Tat zornig, und sie hat gute Gründe. Auch konzeptionell ist der Roman gelungen, gerade auch deshalb, weil die Autorin den zweiten Teil formal anders erzählt als den ersten. Analytisch kommt sie hier stets auf den Punkt, so dass sich nach und nach ein wenn nicht ganz neues, so doch erweitertes Bild ergibt.Wenn es ein wenig Kritik gibt, dann betrifft diese die Authentizität der Figur der Mathilde. Andererseits ist gerade ihr Charakter so komplex gezeichnet, dass man sich beim Lesen unweigerlich Fragen stellt nach Verschweigen und Gestehen, nach Gut oder Böse und was das eine oder andere eigentlich ausmacht.Aber eigentlich ist das schon zu viel verraten. „Licht und Zorn“ ist auch ein Spiel, ein Spiel mit dem Wissen und Nichtwissen des Lesers. Dadurch liest sich vor allem der zweite Teil enorm spannend und fesselnd. Und wenn man die letzte Seite gelesen hat, möchte man gleich noch einmal von vorn beginnen, mit dem ganzen Wissen, das man beim ersten Lesen noch nicht hatte. Angeblich ist der Roman ein Lieblingsbuch Barack Obamas. Ohne Zweifel ist Lauren Groff ein starker Roman gelungen.

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