Licht und Zorn

von Lauren Groff 
3,7 Sterne bei30 Bewertungen
Licht und Zorn
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Die authentische Geschichte einer Ehe, die nur nach außen perfekt scheint!

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Das Buch machte mich erst wütend, aber dafür war die zweite Hälfte - der Zorn- erhellend.

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Inhaltsangabe zu "Licht und Zorn"

Lottos Charme bezwingt jeden, Mathildes Schönheit wirft ein Schimmern an jede Wand. Sie lieben und begehren einander, sie heiraten, ziehen nach New York. Ihre Partys sind legendär, und irgendwann feiert Lotto Triumphe als Dramatiker. Ist das glückliche Fügung, oder lenkt hier jemand mit kühlem Verstand die Geschicke? Ahnt Lotto, welchen Zorn Mathilde hinter ihrem Lächeln verbirgt? In einer vor Energie pulsierenden Sprache entwirft Lauren Groff das Bild einer Ehe, hinter deren Glanz sich schleichend etwas Dunkleres offenbart. Denn die Geschichte von Lotto und Mathilde kann auch ganz anders erzählt werden.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783446253162
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:432 Seiten
Verlag:Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Erscheinungsdatum:22.08.2016
Das aktuelle Hörbuch ist am 22.08.2016 bei OSTERWOLDaudio erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Tintenschoens avatar
    Tintenschoenvor 6 Monaten
    Kurzmeinung: Die authentische Geschichte einer Ehe, die nur nach außen perfekt scheint!
    Die authentische Geschichte einer Ehe, die nur auf den ersten Blick perfekt ist!

    Zurecht Barack Obama’s Lieblingsbuch: LICHT UND ZORN von Lauren Groff —————————————— Ich liebe dieses Buch und ich liebe Lotto & Mathilde, um die es in diesem Buch geht. Doch es ist nicht nur deren turbulente Lebens- und Liebesgeschichte, die mich sofort gefangen genommen hat und die, die ein oder andere Überraschung birgt, sondern Lauren Groffs beeindruckender Schreibstil. Mühelos wechselt sie zwischen der Erzählperspektive der verschiedenen Protagonisten und zwischen den unterschiedlichen Zeiten, in denen die Geschichte spielt, ohne dass man als Leser verwirrt wird oder gar den Faden verliert. Ganz im Gegenteil, dadurch entsteht ein Sog in die Geschehnisse, dem man sich kaum entziehen kann. Ich habe schon viele unterschiedliche Meinungen über dieses Buch gehört und gelesen und kann durchaus nachvollziehen, dass diese Art, eine Geschichte zu erzählen, nicht jedem liegt. Für mich persönlich ist es jedoch ein extrem beeindruckendes und lesenswertes Werk!!

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    Cambridgevor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Eine überbordernde Geschichte voller Extreme
    Die Geschichte einer großen Liebe

    Alles an Lotto (Lancelot) ist überlebensgroß. Sein Charme, seine Aura, seine Körpergröße, seine Güte, seine Schönheit. An ihm ist alles groß und einnehmend. So warmherzig und gutmütig er ist, so eitel und selbstverliebt ist er ebenfalls. Er braucht Bewunderung wie die Luft zum Atmen und will geradezu zwanghaft von allen gemocht werden. Zum Glück tun das auch alle.  Alle Menschen erliegen Lottos Charme. So auch Mathilde. Als sie sich im College begegnen, ist für beide klar, dass sie für einander geschaffen sind und auf ewig zusammen bleiben. Da er grundsätzlich nur das Gute in Menschen sieht, ist Mathilde für ihn eine Heilige. In seinen Augen ist sie rein und gut. Sie hält ihm den Rücken frei, als er ohne Erfolg seinen Schauspielambitionen nachhängt. Als ihm schließlich der Durchbruch als Dramatiker gelingt, ist sie ebenfalls für ihn da und ebnet sein Leben. Lottos Leben ist lichtdurchflutet und diese Lichtquelle ist Mathilde.

     

    Der erste Teil des Buches zeigt Lottos Leben aus seiner Sicht. Lotto ist bei aller Herzensgüte ein Egozentriker, den ich schon aus Prinzip nicht mochte. Wenn ich nicht gewusst hätte (aus anderen Rezensionen), dass mich ein anders gearteter zweiter Teil erwarten würde, hätte ich das Buch evtl. abgebrochen. Zu ermüdend war die Geschichte teilweise. Ich empfand auch den Schreibstil der Autorin zwar als durchaus blumig und fast poetisch, aber auch anstrengend. Hier ist alles überlebensgroß und dramatisch. Die Handlung ist fast ein wenig zu phantastisch, die Charaktere alle zu extrem. Ich habe einige Teile nur quergelesen und wollte endlich zu Mathildes Teil kommen.

     

    Mathilde ist nicht, wer hätte es gedacht, die Heilige, für die Lotto sie hält. Sie liebt Lotto und er ist ihr Leben, aber sie hat die Fäden in der Hand ohne das Lotto es merkt. Weite Teile ihres Lebens und ihres Charakters hält sie vor ihm versteckt. Ich frage mich, ob es wirklich möglich ist, jahrzehntelang so viel von sich unterdrücken zu können. Auf den zweiten Teil möchte ich handlungsmäßig nicht weiter eingehen. Zu leicht wäre die Gefahr, zu viel zu verraten. Mathilde ist ein weitaus schwierigerer Charakter als Lotto und nicht unbedingt liebenswert. Sie ist verschlossen, manipulativ und zornig. Es gibt auch einige Wendungen zu viel und einiges ist doch arg unrealistisch.

    „Licht und Zorn“ ist nicht das klassische Ehedrama, das man vielleicht erwarten würde. Lotto und Mathilde lieben sich sehr, hier gibt es keine Zerfleischung. Hier stellt sich mehr die Frage, wie gut man den Mensch an seiner Seite wirklich kennt. Vor allem wenn er so verschlossen ist wie Mathilde. Zumindest Lotto kannte seine Ehefrau nicht wirklich. Es mag seiner eigenen Selbstwahrnehmung geschuldet sein, das er seine Frau so wenig hinterfragte. Es sah sie so, wie er sie sehen wollte und Mathilde spielte mit, weil sie der Mensch sein wollte, den Lotto in ihr sah.

     

    Grundsätzlich hat Lauren Groff einen schönen Schreibstil. Aber irgendwie wirkte er verfehlt. Es ist oft einfach zu viel, over-the-top, und macht die Geschichte fast zu einer Phantasiegeschichte da sie so unrealistisch ist. Die Story kommt auch nicht so richtig auf den Punkt und mäandert vor sich hin. Es war oft etwas ermüdend. Ein wenig Straffung hätte dem Buch gutgetan.

     

    Irgendwie habe ich etwas anderes erwartet als ich mit diesem Buch bekommen habe. Das ist nicht unbedingt schlecht und auch nicht der Fehler des Buches. Ich bin auch froh, dass ich es gelesen habe obwohl ich mich gelegentlich etwas durchgequält habe. Aber irgendetwas ist unter all der blumigen Wortgewalt verborgen, denn das Buch hat ein Gefühl in mir ausgelöst. Es hat mich traurig zurück gelassen. Auch wenn ich nicht ganz glücklich bin mit dem Buch, so soll meine Rezension kein Verriss sein. Denn wenn ein Buch ein so starkes Gefühl bei mir als Leser auslösen kann, dann hat es doch etwas richtig gemacht.

    3,5 Sterne

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    CoffeeToGos avatar
    CoffeeToGovor 7 Monaten
    Zurück bleibt Zorn

    Inhalt
    Lotto sieht Mathilde zum ersten Mal und ist Hals über Kopf verliebt. Kurz darauf heiraten sie und gehen zusammen durch die Hochs und Tiefs, die Lottos Schauspielerdasein mit sich bringen.
    Doch wen hat Lotto wirklich geheiratet? Wer ist Mathilde hinter der sanftmütigen und großzügigen Fassade?
     
    Eigene Meinung
    Den Schreibstil von „Licht und Zorn“ habe ich als sehr anstrengend empfunden. Ständig muss man beim Lesen aufpassen, nicht einen wichtigen Satz zu überlesen und so das nachfolgende Geschehen nicht mehr zu verstehen.

    Ich bin hin und her gerissen bei der Geschichte. Einerseits ist sie, mit viel Abstand betrachtet, recht interessant. Wir begleiten die Ehe von Lotto und Mathilde bis zum Schluss und lernen schließlich die Wahrheit kennen. Eine Wahrheit die Lotto nicht kannte.
    Andererseits war es zwischendurch echt langatmig und abstrus, wobei mit teilweise echt haarsträubenden Wendungen versucht wurde, Spannung hineinzubringen.

    Liest man den Klappentext, erwartet man eine locker zu lesende Geschichte und kein trockenes „Stück“. Apropo Stück: Auf vielen Seiten wurden plötzlich Theaterstücke niedergeschrieben. Zwar haben diese auch Bezug zum Leben von Lotto und Mathilde, doch es hat mich als Leser nicht erreicht.

    Fazit

    Die Idee von „Licht und Zorn“ ist nicht schlecht, nur leider nicht gut ausgearbeitet. Zu langatmig und gefühlslos. Ich habe mich als Leser nicht abgeholt gefühlt und habe praktisch als Außenseiter zugesehen. Mir hat das Buch absolut nicht gefallen.

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    Giselle74s avatar
    Giselle74vor 8 Monaten
    Eheleben

    In ihrem Roman "Licht und Zorn" zeigt Lauren Groff die hellen und schattigen Seiten der Ehe von Lotto und Mathilde. Die Beiden lernen sich auf dem College kennen und heiraten wenige Wochen später, gegen den Willen von Lottos Mutter, die ihm daraufhin jegliche finanzielle Unterstützung entzieht. Lotto versucht mehr schlecht als recht, sich als Schauspieler durchzusetzen, Mathilde verdient derweil den Lebensunterhalt. Als Lotto sich einen Namen als Dramatiker und Schriftsteller macht, wird es Mathildes Aufgabe, ihm den Rücken freizuhalten und das ganze "Drumherum" zu leiten. Erzählt wird diese Geschichte einer Ehe zunächst ausschließlich aus Lottos Sicht. Lotto, der immer im Vordergrund steht, der Bewunderung braucht, um zu überleben, der aus seiner Frau eine Heilige macht, eine Ikone und der gar nicht merkt, wie sehr er von Mathilde abhängt und ihren Fähigkeiten, den Alltag zu managen.
    Nach der Hälfte des Buches wechselt Groff in Mathildes Sicht und rollt die Geschichte neu auf. Und wir erleben, dass Mathilde ein eigenständiger Mensch ist, kein blasses Anhängsel von Lotto und ihm mehr als ebenbürtig.

    Ein interessantes Konzept und auch eine durchaus interessante Umsetzung. Groff gelingt es, den Leser immer wieder zu überraschen, ihm zu zeigen, dass die Dinge keineswegs sein müssen, was sie zu sein scheinen; dass hinter dem strahlendsten Licht auch häufig das dichteste Dunkel herrscht. Es ist eine geschickte Idee, erst Lottos Teil ohne Unterbrechungen zu erzählen, dem Leser Zeit zu lassen, sich eine Meinung zu den Geschehnissen zu bilden, um dann mit Mathildes Part alles in Frage zu stellen...

    Was diesem insgesamt sehr gelungenen Buch allerdings nicht geschadet hätte: ein paar Straffungen im Gesamtablauf. Es ist teilweise doch ermüdend, den Tiraden des selbstverliebten Lotto zu folgen. Und auch bei Mathilde wären ein paar Dramen weniger nicht ins Gewicht gefallen. So wurde mir manches zu breit ausgewälzt, ohne dass es dadurch neue Erkenntnisse oder Einblicke gegeben hätte. Das ist schade, schmälert es doch den Gesamteindruck dieses Buches erheblich und führte bei mir zu leichtem Unmut während der Lektüre.

    Insgesamt bleibt "Licht und Zorn" aber trotz der Längen ein wirklich lesenswertes Buch über die Abgründe einer Ehe, über Schein und Wahrheit und darüber, wie sehr man nur sieht, was man auch sehen möchte.

     

    Ich danke dem btb Verlag sehr herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

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    YukBookvor 8 Monaten
    Abgründe einer Ehe

    Ein frisch vermähltes junges Paar in einer überschwänglichen Liebesszene am Strand in Maine. Diese Eingangsszene lässt Unheilvolles vermuten, zumal die Autorin bereits kleine Risse in dieser vermeintlich perfekten Idylle andeutet. So ist man im ersten Teil, der aus der Sicht des Ehemannes und Sunnyboys Lancelot, genannt Lotto, geschildert wird, ständig in einer Habachtstellung. Wann wird die dunkle Seite der schönen, aber stillen und mysteriösen Ehefrau Mathildes ans Licht kommen? Wird die Hals über Kopf geschlossene Ehe in die Brüche gehen?

    Die ganz Zeit wundert man sich, was Mathilde eigentlich so treibt, während Lotto zunächst vergeblich auf eine gute Rolle wartet und vom erfolglosen Schauspieler allmählich zum gefragten Dramaturg avanciert. Dass Mathilde diejenige ist, die im Hintergrund die Fäden zieht und ihrem Ehemann den Rücken frei hält, erfahren wir erst im zweiten Teil mit dem Titel Zorn.

    Lauren Groff erzählt scharfsinnig und ironisch von einer eher abschreckenden Ehe aus zwei Perspektiven. Bemerkenswert dabei ist, dass Mathilde keineswegs mit ihrem narzisstischen Ehemann abrechnet, denn sie hat sich nicht ausnutzen lassen, wie man meinen könnte, sondern selbst ihren Mann manipuliert. Auch wenn die Konstruktion und die unterschiedliche Erzählart der zwei Teile ungewöhnlich ist, wollte bei mir bis zum Schluss der Funke nicht überspringen. Die Art und Weise, wie die Autorin die Abgründe dieser komplexen Ehe entlarvt, war für mich auf die Dauer zu deprimierend.

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    KlaasHarbourvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Humorvoll, tragisch, aber immer nah am Leben, führt Lauren Groff in einem modernen Schreibstil durch eine Ehe mit zwei Seiten! Großartig!
    Große Empfehlung! Ein hervorragendes, modernes Buch!

    Die Rezension könnt ihr auch auf unserem Blog www.diebuchblogger.wordpress.com einsehen!

    Schon nach wenigen Seiten lässt sich erkennen, Lauren Groff schreibt Sätze, aufgeladen mit einer unglaublichen Tragkraft und doch so leicht, dass man schnell durch die Geschichte fliegt. Das liegt wohl auch an ihrer Länge – kurz, teilweise abgehackt, manchmal wie die Anweisungen eines Regisseurs in einem Drehbuch und doch wirkt es so, als hätte die Autorin sich über jedes Wort Gedanken gemacht und jeden noch so kleinen Nebensatz aufmerksam poliert.

    Es geht um Lancelot „Lotto“ Satterwhite, den verstoßenen Sohn einer Milliardärsfamilie und wie er Mathilde Yoder kennenlernt. Lotto, der aufsteigende Schauspieler und Frauenheld mit dem unendlichen Charme. Mathilde, vernünftig, lehrsam und doch jedem auf dem College ein Rätsel. Schnell werden Wetten unter den Studenten aufgestellt, wie lange ihre Beziehung anhalten würde. Doch nach zwei Wochen steht bereits die Heirat der beiden an. Aus Protest dreht ihm Lottos Mutter den Geldhahn zu. Ab da folgen wir dem augenscheinlich perfekten Paar durch gescheiterte Schauspielversuche, die ersten von Lotto geschriebenen Dramen und die Kraft, die immer alles in ihrem Leben zusammenhält – die Liebe zu einander.

    Lauren Groff schreibt sehr kreativ. Zwischendurch bildet sich die Geschichte nur aus einer Jahre andauernden Verkettung von Partys und dann einer Reihe von Theaterstücken. Zum Schluss ist es dann wieder ein normaler Roman, gespickt mit Zeitsprüngen. Immer wieder finden sich Sätze in viereckigen Klammern. Ob dies Einwürfe des Erzählers oder doch geheim gehaltene Gedanken der Protagonisten sind, wird dabei nicht immer klar. Im ersten Teil der Geschichte hätte ich mir hin und wieder ein wenig mehr Drang gewünscht, hätte gehofft, dass mehr Spannung entsteht, man mehr gepackt wird. Lotto ist als Charakter sehr schnell verständlich und doch weit verstrickt und beschreibt ein Leben, dass wie jedes, seine Höhen und Tiefen hat.

    In der zweiten Hälfte werden Anrisse der Ehe aus Mathildes Sicht dargestellt. Manchmal werden Aspekte, die Lotto zuvor seitenlang beschrieben hat, in nur wenigen Sätzen abgehandelt und dann wird der Fokus wieder auf ganz andere Dinge gelegt, die ihr Ehemann komplett übersehen hat. Dabei sind diese Kapitel nicht einfach nur ein Nacherzählen aus Mathildes Sicht, sondern wir kriegen mit, was er verpasst hat, erleben Geschichten, von denen sie Lotto nie etwas erzählen wird und nach und nach wird deutlich, welche Fäden Mathilde gezogen hat, um Lottos Leben und ihre Ehe auf die Pfade zu leiten, in der sie am Ende zu diesem unglaublichen Erfolg gelangen würde. Groff zeigt auf, wie blind wir manchmal für andere und ihre Bedürfnisse sind, uns Dinge schönreden, abwandeln oder sogar ganz ignorieren.

    Für mich war die zweite Hälfte insgesamt kurzlebiger, kam mir rasanter und leichter vor. Wahrscheinlich liegt dies einfach daran, dass man den Ablauf der Ehe schon kennt und auf Mathildes Ansichten gespannt ist. Für mich war Mathilde auch als Charakter sympathischer und realer. Sie war nicht so verträumt wie Lotto und einfach vernünftiger, hat das Geld verdient, während er manchmal auch lieber zu Hause saß, als einen Job anzunehmen, der nicht seinem Ideal entsprach. Es ist wirklich interessant und fast schon spannend zu sehen, was Mathilde alles getan hat, um ihren Mann zu unterstützen, ohne dass er es jemals mitkriegen würde und was die Liebe zwischen den beiden überhaupt bedeutete. Und am Ende stellt sich heraus, dass selbst Lotto ein Geheimnis hatte…

    Humorvoll, manchmal tragisch, aber immer nah am Leben, führt Lauren Groff uns in einem dichten, modernen Schreibstil durch die Ehe von Lancelot Satterwhite und Mathilde Yoder. Sehr Empfehlenswert! – 4/5 Sterne

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    RosaEmmavor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Einzigartiges Ehedrama mit fesselndem Perspektivenspiel
    Abgründe eines Traumpaars

    Lauren Groffs Roman Licht und Zorn zählte 2015 zu den meist diskutierten literarischen Werken in den Vereinigten Staaten – und das nicht nur, weil US-Präsident Obama ihn als sein Lieblingsbuch des Jahres bezeichnete. Dabei ist die Thematik auf den ersten Blick nicht außergewöhnlich: In zwei separaten Teilen skizziert die Autorin das Porträt einer 24-jährigen Ehe – zum einen aus Sicht des Mannes, zum anderen aus Sicht der Frau. Wie Groff dies allerdings schriftstellerisch umsetzt, ist großartig: Ihr einzigartiges Gespür für Sprache, ihr Spiel mit antiken Mythen und ihr evidentes Verständnis von klassischer Tragödie (und Komödie) machen den Roman zu einem Leseerlebnis der besonderen Art. Denn die Geschichte hat viel mehr zu bieten als nur eine Aneinanderreihung von Eheszenen mit glücklichen, zornigen und traurigen Momenten: Die detaillierten Psychogramme der Ehepartner lassen tief blicken, doch trauen können wir ihnen nicht. Und so müssen wir als Leser selbst ergründen, wie die Wahrheit hinter der Fassade des Traumpaars ausgesehen haben könnte. Aber dies ist alles andere als einfach, denn ehe wir uns versehen, finden wir uns im zweiten Teil des Romans mitten in einem Ehethriller wieder, der uns in Atem hält und uns alles in Frage stellen lässt, was wir bisher über die Protagonisten zu wissen glaubten.

    Die charismatische Lichtgestalt

    Teil 1 wird aus Sicht des Ehemannes, Lancelot „Lotto“ Satterwhite, erzählt. Gutaussehend, charmant und mit einem von seiner Mutter stets geförderten künstlerischen Talent ist der nach einem sagenumwobenen Ritter benannte Sohn eines reichen Mineralwasserindustriellen aus Florida nicht nur für seine Eltern eine wahre Lichtgestalt. Dem „Golden Boy“, der zu Höherem berufen zu sein scheint, darf es an nichts fehlen, ihm stehen alle Türen offen. Doch nach dem plötzlichen Tod seines Vaters, der Lotto völlig verstört zurücklässt, gerät er auf die schiefe Bahn. Dies ändert sich erst, als seine Mutter ihn auf ein College in New Hampshire schickt und er dort die Schauspielerei für sich entdeckt. Sein Talent hält sich zwar in Grenzen, doch seine Aura überstrahlt alles. Schnell avanciert er zum Star der Truppe und spielt zur Überraschung seiner Lehrer sogar die klassischen Rollen.

    Vor diesem Hintergrund nimmt auch die Zahl seiner weiblichen Verehrerinnen stetig zu, und Lotto kann keiner widerstehen: Er wechselt seine Freundinnen schneller als seine Hemden, bis er die kühle, unnahbar-schöne Mathilde Yoder nach einem seiner gefeierten Auftritte kennenlernt. Sie ist für ihn der Inbegriff einer Frau: Die perfekte Inkarnation von Schönheit und Reinheit, eine Heilige, die er anbetet. Als er dann nach der ersten Nacht festzustellen glaubt, dass er ihr erster Mann war, ist sein Glück perfekt. Nichts kann sein Bild von Mathilde trüben, für ihre passive Aggression und ihren unter der Oberfläche gefährlich leise brodelnden Zorn ist er blind. Mit nur 22 heiratet er sie – gegen den Willen seiner Mutter, die Mathilde von vornherein misstraut und ihm daraufhin jegliche finanzielle Unterstützung verweigert.

    Doch Scheitern ist in Lottos Leben nicht vorgesehen. Als ihm der Durchbruch als Schauspieler nicht gelingt, wird er mit einer eines Nachts aus schierer Verzweiflung verfassten Tragödie zum gefeierten Dramatiker. Und was noch viel wichtiger ist: Seine Ehe mit Mathilde hat allen Widrigkeiten zum Trotz standgehalten, denn sie ist stark, getragen von gegenseitiger Liebe. Er bereut keine Sekunde, den Kontakt zu seiner Mutter abgebrochen zu haben, da sie Mathilde von Beginn an feindlich gegenüberstand. Außerdem scheint Mathilde zufrieden mit ihrer Rolle als Frau im Hintergrund, die in finanziell schwierigen Zeiten Geld für beide verdient, sein Leben bestens managt und sich nie beklagt. Doch dann erfährt er durch Zufall etwas Unglaubliches über Mathilde, das seine Welt und sein Bild von ihr völlig ins Wanken bringt…

    Die zornige „Eiskönigin“

    In Teil 2 erzählt uns Lottos Frau, Mathilde Yoder, ihre Geschichte. Und was wir über sie erfahren, schockiert und erschüttert uns, denn die wahre Mathilde hat so gar nichts gemeinsam mit dem verklärten Bild, das uns ihr Gatte in Teil 1 von seiner Frau übermittelt. Wir erfahren, wie sie durch eine Tragödie zu der Frau geworden ist, die sie ist: Eine reservierte Einzelgängerin ohne Freunde, die niemanden an sich herankommen lässt und die man hinter ihrem Rücken Eiskönigin nennt, weil sie kalt und unnahbar auf ihre Umgebung wirkt. Obwohl Mathilde gefühlsmäßig abgestumpft ist, gelingt es Lotto, zu ihr durchzudringen, auch wenn sie ihn anfänglich aus schierer Berechnung geheiratet hat. Lotto allein vermag von Beginn an, sie als den guten Menschen zu sehen, der sie so gerne geworden wäre. Dies gibt ihr nicht nur die Kraft, um weiterzumachen, sondern auch die Fähigkeit, einen Menschen zu lieben.

    Doch zu groß ist ihr Zorn auf die Welt und ihr Selbsthass, als dass sie ihr Leben genießen könnte. Mehr und mehr entdeckt sie – patriarchalische – Facetten an ihrem Mann, die ihr übel aufstoßen. Zudem missfällt ihr seine enge Beziehung zu einem jungen Künstler, die sie zwar nicht einordnen kann, aber um jeden Preis torpedieren möchte. Auch Lottos Verhalten ihr gegenüber hat sich aus ihrer Sicht seltsam verändert. Er zieht sich immer mehr von ihr zurück und ist äußerst schweigsam. Verlustängste steigen in ihr auf, denn sie vermutet, dass er sie verlassen will. Doch noch bevor sie agieren kann, schlägt das Schicksal ein weiteres Mal zu…

    Ein einzigartiges Ehedrama mit fesselndem Perspektivenspiel

    Mit Licht und Zorn ist Lauren Groff ein beispielloses Ehedrama gelungen, das zugleich berührt und verstört. In ihre Geschichte webt die Autorin viele Elemente der klassischen griechischen Tragödie mit ein – so ist z.B. der scheinbar allwissende Erzähler, dessen Kommentare in eckigen Klammern zu finden sind, durchaus mit dem antiken Chor vergleichbar. Nachdem ihr Protagonist Lotto sich als Dramatiker etabliert hat, erzählt Groff sein weiteres Leben anhand seiner Werke, die oftmals Bezug zu großen antiken Tragödien bzw. mythischen Hintergrund haben. Das ist nicht nur ungewöhnlich und aufschlussreich, sondern zeigt auch, wie versiert die Autorin auf diesem Gebiet ist und wie klug sie die Dramen im Hinblick auf den weiteren Verlauf des Romans konzipiert hat.

    Sehr beeindruckt hat mich Groffs Perspektivenspiel und ihr singulärer Erzählstil, der uns – so scheint es zunächst – tief unter die Oberfläche ihrer Protagonisten katapultiert. Während Lotto immer ein wenig seicht, überschwenglich und manchmal auch lethargisch daherkommt, verlangt uns Mathilde einiges ab. Doch am Ende sind wir uns nicht wirklich sicher, welcher Wahrheit wir trauen können. Die einzige Erkenntnis, die wir nach Lektüre dieses Lehrstücks zwischenmenschlicher Beziehungen gewinnen können, ist, wie wenig wir manchmal vom anderen wissen, wie viel wir ausblenden bzw. nicht sehen wollen und wie sehr wir uns oftmals in das Bild verlieben, das wir uns von unserem Partner gemacht haben, auch wenn es vielleicht nicht der Realität entspricht. Doch gerade aus diesem Unwissen heraus, dessen wir uns ja gar nicht bewusst sind, kann, so zeigt uns Groff, eine tiefe Liebe entstehen, die Bestand hat und beflügelt. Ein kleiner Trost, der uns am Ende des Ehedramas dann doch nicht ganz ohne Hoffnung zurücklässt. Mein Fazit: Einer der besten Romane des Jahres  – absolut lesenswert!

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    Buecherschmauss avatar
    Buecherschmausvor 2 Jahren
    Licht und Zorn

    „Zorn ist mein Nachtmahl: so mich selbst verzehrend,
    verschmacht ich an der Nahrung.“

    Ein Zitat aus Shakespeares „Coriolanus“, das im hintersten Viertel von Lauren Groffs Roman „Licht und Zorn“ auftaucht und für mich genauso für den gesamten Text steht wie der Titel.


    Es ist ein unbändiger Zorn, der am Anfang mehr erahnt werden muss, kurz aufblitzt, aber spätestens in der zweiten Hälfte immer mehr Herrschaft gewinnt, über die Seiten, die Personen, das Geschehen. Woher dieser Zorn stammt, sei hier nicht näher verraten, er ist Teil der überraschenden Wende, die die Geschichte im Verlauf nimmt.
    Der Zorn ist vom Ausmaß einer antiken Tragödie, auf die im Text auch immer wieder einmal angespielt wird und die im amerikanischen Originaltitel ihren Niederschlag findet. „Fates and furies“ heißt es da, man könnte es übersetzen mit „Schicksale und Zorn“ und wäre damit näher beim deutschen Titel. Gemeint sind aber wohl eher die Parzen (Fates) und die Furien, römische Schicksals- und Rachegöttinnen. Trotzdem ist der deutsche Titel gut gewählt, denn neben dem Zorn ist das Licht, das Strahlende, ja auch das Unbekümmerte Teil dieses komplexen Romans.

    Doch von was wird eigentlich erzählt?

    „“Welch Dunkel hier!“ singt Florestan in Beethovens Fidelio, einer Oper über eine Ehe.“

    Es ist eine Ehegeschichte, die hier vor uns ausgebreitet wird. Lancelot Satterwhite, selbstbewusster, gut aussehender Spross einer äußerst wohlhabenden Familie aus Florida, dem Zeit seines Lebens nicht nur alle Steine aus den Weg geräumt, sondern auch eine glänzende Zukunft vorausgesagt wurde, steht für das Licht. Das Licht, das er in jeder Gesellschaft, in jeder Situation um sich herum zu verbreiten scheint. Kein Kind von Traurigkeit, ein wahrer „Womanizer“, schnappt sich jede Frau, die er kriegen kann, und derer sind es wahrhaftig nicht wenige. Dabei strahlt er aber eine kindliche Naivität aus, ein Grundvertrauen in eine Welt, die sich ausschließlich um ihn zu drehen scheint. 

    „Jeder verhielt sich freundlich und gefällig, und in Ermangelung anderer Vorbilder bemühte sich Lotto ebenfalls um Freundlichkeit.“

    Dabei hat auch er dunkle Zeiten erlebt, als sein Vater viel zu früh und überraschend verstarb. Die Beziehung zu seiner Mutter wurde dadurch enger, aber auch deutlich komplizierter, spätestens als Lotto sich mit „falschen Freunden“ abgab, mit Mädchen, mit Drogen experimentierte. Die Verbannung auf ein weit entferntes College war die Folge.

    Auf einer Uni-Fete trifft Lancelot, Lotto genannt, Ende der Achtziger Jahre auf Mathilde, eine zurückgezogene, leicht rätselhafte Schönheit, anscheinend ohne jegliche Familie. Ein „Coup de foudre“, zwei Wochen später wird geheiratet. Die gekränkte Mutter lehnt die Verbindung ab, entzieht Lotto jegliche Unterstützung, enterbt ihn quasi. Nach Jahren der Erfolglosigkeit als Schauspieler wird Lotto als Drehbuchschreiber reüssieren. Die Ehe zu Mathilde, die er als Inbegriff der Güte und Reinheit regelrecht verehrt, ist gleichwohl sehr stark auf körperlicher Anziehung basierend, Sex spielt darin die Hauptrolle (viel Sex!), besonders vom Ende her gesehen sind es zwei Egoismen, die hier aufeinander treffen, trotzdem wird sie sich als erstaunlich beständig, belastbar und glücklich erweisen.

    Soweit, so gut. Der weitere Verlauf der Handlung soll nicht vorweggenommen werden, erfährt er doch manche überraschende Wendung (vielleicht sogar die ein oder andere unglaubliche Wendung und leicht schräge Metapher zu viel) und entwickelt gegen Ende sogar so etwas wie kriminalistische Spannung.

    Was Lauren Groff in ihren psychologisch sehr komplexen Roman hinein packt ist Einiges. Es werden Fragen diskutiert wie die, wieviel wir eigentlich von einem anderen Menschen, und sei er uns auch der Nächste, tatsächlich wissen können. Es werden typische Geschlechterrollen inspiziert zwischen männlicher Egozentrik und weiblicher Selbstauflösung. 

    „Frauen in Geschichten wurden immer durch ihre Beziehungen definiert.“

    Frühkindliche Verletzungen spielen eine Rolle und unterschiedliche Lebensmodelle, die Ehe natürlich, Familie, der Lauf der Zeit, Depression, Abhängigkeit und, wie gesagt, Zorn und Rache. Was bei einer so gesellschaftlich engagierten Autorin wie Lauren Groff verwundert, ist das weitgehende Fehlen jeder tagespolitischen oder überhaupt politischen Ebene.

    Dabei ist Groffs Art, zu erzählen fast kühn zu nennen. Sie verzichtet auf jede Sympathieboni für ihre Figuren, sie springt munter in den Zeit- und Handlungsebenen hin und her, lässt eine kommentierende Stimme, gesetzt in Klammern (bei erzählenden Texten meist ein Tabu) ergänzen, korrigieren, vorgreifen und relativieren. Diese Stimme nimmt ein wenig die Rolle des griechischen Chors ein, wobei wir wieder bei der antiken Tragödie, den Parzen und den Furien wären. So heißt es zum Beispiel einmal über Mathilde und Lotto:

    „Halten Sie sie vor Ihrem inneren Auge so fest: jung und schlank, wie sie im Dunkeln auf dem Weg ins Warme förmlich fliegen über den kalten Sand und die Steine. Wir werden bald zu ihnen zurückkehren.“

    Dieser Kommentar schreckt auch nicht vor Blicke in die weite (auch des Lesers) Zukunft, wenn sie von den Protagonisten im hohen Alter spricht.

    Erzählt ist der Text in zwei Teilen. Der erste ist Lotto gewidmet, seine Sicht auf die Welt und seine Ehe ist es, die ihn bestimmt. Ganze Abschnitte werden zeitlich an die Titel seiner jeweils zur Aufführung kommenden Theaterstücke angelehnt. Erfolg, Anerkennung, Bestätigung ist das, was zählt, gleichzeitig herrscht aber eine gewisse Selbstgewissheit, was im Text durch ein ruhigeres, breiteres Erzählen, auch längere Kapitel spürbar ist. Lotto fühlt sich wohl in seiner Welt(sicht), posaunt in einer öffentlichen Talkshow, wie gerne seine Frau ihm den Rücken freihält, kocht und putzt (und kommt erst auf Nachfrage darauf, dass es seine Frau war, die in Zeiten seiner schauspielerischen Erfolgslosigkeit das Geld herbeigeschafft hat. Kommt bekannt vor?

    Der zweite Teil ist Mathilde gewidmet und führt hinter den Zorn, der in ihr tobt. Er ist gekennzeichnet durch mehr Rasanz, Spannung, sehr kurze Kapitel. Sie ist durchaus nicht das „Opfer“ in dieser Ehe, wie man vielleicht glauben könnte.

    Dieser abgründige, einerseits schonungslos genaue Blick auf die Institution Ehe, der aber so gar nichts mit Romantik oder rosaroter Glückseligkeit zu tun hat, andererseits diese Ehe aber auch als sehr beständig und glücklich schildert, einmal als „Rettungsanker“ bezeichnet wird, mündet in der Erkenntnis:

    „Diese leise Vertrautheit war es, die ihre Ehe ausgemacht hatte, nicht die Zeremonien, die Partys, die Premierenabende, Festtage oder spektakulärer Sex.“

    Lauren Groff ist mit „Licht und Zorn“ ein außerordentlich gekonnt konstruierter und mit spannenden Themen handelnder Roman gelungen. Nicht nur die Tatsache, dass er zu Barak Obamas Lieblingsromanen zählen soll, macht ihn dadurch zu einer nachdrücklichen Leseempfehlung.

    Kommentare: 2
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    serendipity3012s avatar
    serendipity3012vor 2 Jahren
    Der andere Blickwinkel

    Der andere Blickwinkel 

    Es ist eine Binsenweisheit, dass jede Geschichte zwei (oder auch mehr) Seiten hat. Trotzdem ist es wahr, auch und gerade wenn es sich um die Beziehung zwischen zwei Menschen handelt. Wenn man sich also beide Sichtweisen auf eine Beziehung ansieht, werden diese niemals völlig übereinstimmen. Das Gemeinsame wird jeweils unterschiedlich groß sein. Im Fall der Ehe von Lotto und Mathilde, über die Lauren Groffs in ihrem neuen Roman „Licht und Zorn“ erzählt, lesen wir zwar nicht zwei völlig verschiedene Geschichten, sehen aber doch vieles aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln, erfahren spät noch Neues. Dass dies so ist, wird schon im Klappentext verraten, sodass es hier gesagt werden darf. Allerdings sollte man viel mehr zum eigentlichen Clou des Romans nicht verraten.

    Lotto, eigentlich Lancelot Satterwhite, kommt aus wohlhabendem Hause. Ihn umgibt eine besondere Aura. Er ist nicht klassisch attraktiv, seine kleinen Schönheitsfehler machen ihn aber zu etwas Besonderem, so dass ihm vor allem die Frauen zu Füßen liegen. Er hat viele Affären, man sagt ihm nach, mit keiner zweimal ins Bett zu gehen – bis er auf Mathilde trifft. Mathilde scheint der Welt entrückt, sie kommt wie aus dem Nichts, wie magisch werden die beiden voneinander angezogen, heiraten nach nur zwei Wochen. Lotto will als Schauspieler arbeiten, findet aber nur selten Engagements, während Mathilde nicht nur arbeiten geht, damit beide überhaupt über die Runden kommen, denn Lottos Mutter unterstützt ihn nicht mehr finanziell, seitdem er ihr von der Hochzeit mit Mathilde erzählte. Mathilde ist auch diejenige, die alles organisiert, die Lotto den Rücken freihält, die Organisatorin im Hintergrund.

    Im ersten Teil des Romans lesen wir von dieser Beziehung aus Lottos Sicht. Die beiden geben Partys, laden Freunde ein, leben zunächst ein einfaches Leben, das aber von der großen Liebe, die beide verbindet, geprägt wird. Etwas mehr als zwanzig Jahre werden erzählt, und irgendwann wird aus dem erfolglosen Schauspieler ein erfolgreicher Dramatiker, ein Autor von Stücken, die einschlagen und ihn doch noch berühmt machen und die Geldsorgen der beiden beenden. Groff nimmt sich Zeit für diesen Teil, ein paar kleine Längen gibt es. Die Beziehung macht Höhen und Tiefen durch, auch Lotto und Mathilde sind vor Krisen nicht sicher, auch in ihrer Beziehung wird das Vertrauen auf die Probe gestellt.

    Wirklich spannend wird Groffs Roman dann, wenn Lottos Sichtweise etwa nach der Hälfte aufgegeben wird und im zweiten Teil Mathilde an der Reihe ist. Da diese Machart aber das ist, was „Licht und Zorn“ am Ende ausmacht, sollte man hier nicht ins Detail gehen, im Gegenteil sollte der Leser unbedingt möglichst unvoreingenommen an die Geschichte herangehen.

    Beiden Teilen sind die Komponenten des Titels vorangestellt: Licht ist es bei Lotto, bei Mathilde Zorn. Dieser Titel ist, so viel sei verraten, gut gewählt. Lotto ist derjenige, der im Licht steht, meistens und nach außen jedenfalls, auch derjenige, der es anzieht, wobei seine Frau aber auch nicht einfach in seinem Schatten steht. Mathilde ist in der Tat zornig, und sie hat gute Gründe. Auch konzeptionell ist der Roman gelungen, gerade auch deshalb, weil die Autorin den zweiten Teil formal anders erzählt als den ersten. Analytisch kommt sie hier stets auf den Punkt, so dass sich nach und nach ein wenn nicht ganz neues, so doch erweitertes Bild ergibt.

    Wenn es ein wenig Kritik gibt, dann betrifft diese die Authentizität der Figur der Mathilde. Andererseits ist gerade ihr Charakter so komplex gezeichnet, dass man sich beim Lesen unweigerlich Fragen stellt nach Verschweigen und Gestehen, nach Gut oder Böse und was das eine oder andere eigentlich ausmacht.

    Aber eigentlich ist das schon zu viel verraten. „Licht und Zorn“ ist auch ein Spiel, ein Spiel mit dem Wissen und Nichtwissen des Lesers. Dadurch liest sich vor allem der zweite Teil enorm spannend und fesselnd. Und wenn man die letzte Seite gelesen hat, möchte man gleich noch einmal von vorn beginnen, mit dem ganzen Wissen, das man beim ersten Lesen noch nicht hatte. Angeblich ist der Roman ein Lieblingsbuch Barack Obamas. Ohne Zweifel ist Lauren Groff ein starker Roman gelungen.

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    Cappukeksvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Das Buch machte mich erst wütend, aber dafür war die zweite Hälfte - der Zorn- erhellend.
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    Pressestimmen

    "Dieser Roman über eine Liebe ist ein großes, begeisterndes Wagnis, dem man sich nicht entziehen kann." Christian Berkel

    „Da wird geradezu ein Enthüllungsfeuerwerk gezündet. Das hat mich gefesselt. Besonders interessant ist, dass Schein und Sein mehrfach gebrochen werden, dass sich überraschend immer wieder Neues auftut und sich so vermeintliche Gewissheiten auflösen. 'Licht und Zorn' ist eben viel mehr als ein Eheroman.“ Frank Statzner, hr Info, 19.01.17
    "Vorsicht: Dieses Buch ist so gut, dass es womöglich das Vertrauen in alles erschüttert, was man bislang über den geliebten Menschen an seiner Seite zu wissen glaubte." Brigitte spezial, 30.11.16
    "Ein subtil subversives Buch, das von tiefer Einsamkeit erzählt und von den unbekannten Seiten des Menschen, den wir am besten zu kennen glauben. 'Licht und Zorn' erzählt viel mehr als die Geschichte einer Ehe aus zwei Blickwinkeln. Der Roman erzählt zwei komplett andere Geschichten. Denn die Ehe besteht am Ende nicht darin, dass zwei Menschen sich unterschiedlich an das gleiche Leben erinnern, sondern dass sie sich an unterschiedliche Leben erinnern." Karin Janker, Süddeutsche Zeitung, 14.11.16
    "Mich hat dieses Buch auf vielfältige Weise beschäftigt, mir Fragen gestellt, mich unterhalten. Ich finde es sehr gut geschrieben, ich finde es auch sehr gut übersetzt von Stefanie Jacobs. Ein Buch, das ich empfehlen kann." Felicitas von Lovenberg, SWR "lesenswert", 13.10.16
    "Lotto heiratet Mathilde, aber wer ist Mathilde überhaupt? Die amerikanische Schriftstellerin Lauren Groff hat den Thriller einer Ehe geschrieben. Dunkle Geheimnisse inbegriffen." Wieland Freund, Die Welt, 01.10.16
    "Ein großer, abgründiger Roman über die Ehe." Wiebke Porombka, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.09.16
    "Ein erstaunlicher Roman. Lauren Groffs Kunstgriff, dieselbe Geschichte aus zwei Perspektiven zu erzählen, scheint simpel, wird von ihr aber meisterlich umgesetzt. Ihr raffiniertes Wechselspiel von Symmetrie und Asymmetrie in den Biografien und Perspektiven ihrer beiden Protagonisten begreift man erst vom Ende her." Eva Behrendt, die tageszeitung, 24.09.16
    "Die amerikanische Schriftstellerin Lauren Groff ist in Deutschland noch weitgehend unbekannt, doch ihr Roman ‚Licht und Zorn‘ kommt dermaßen soghaft und überbordend daher, dass man sich fragt, wie ein solches Erzähltalent bisher unauffällig bleiben konnte. … Ein Eheroman mit hohem Pulsschlag, den Barack Obama vergangenes Jahr als sein Lieblingsbuch benannte.“ Claudia Voigt, Literaturspiegel, 27.08.16
    "Ein faszinierendes Ehedrama. Spannend, wie unterschiedlich zwei Menschen ein und denselben Moment erleben können." Freundin, 24.08.16
    "Ein sehr spannendes, intelligentes und schillerndes Lesevergnügen.“ Ruth Fühner, HR2 Kultur, 22.08.16
    "Vorsicht: Dieses Buch ist so gut, dass es womöglich das Vertrauen in alles erschüttert, was man bislang über den geliebten Menschen an seiner Seite zu wissen glaubte." Angela Wittmann, Brigitte, 17.08.16

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