Lauren Wilkinson

 3,5 Sterne bei 108 Bewertungen
Autor von American Spy und American Spy.

Alle Bücher von Lauren Wilkinson

Cover des Buches American Spy (ISBN: 9783608504644)

American Spy

 (107)
Erschienen am 25.07.2020
Cover des Buches American Spy (ISBN: 9780349701004)

American Spy

 (1)
Erschienen am 04.07.2019

Neue Rezensionen zu Lauren Wilkinson

Cover des Buches American Spy (ISBN: 9783608504644)Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "American Spy" von Lauren Wilkinson

Wer Action erwartet, liegt falsch
Gwhynwhyfarvor 3 Monaten

Der Anfang: «Ich öffnete den Safe unter meinem Schreibtisch, schnappte mir meine alte Dienstwaffe und schlich lautlos und elegant zur Schlafzimmertür – bis ich auf einen Legostein trat und den Rest des Weges humpeln musste.»


Eine schwarze FBI-Agentin wird von der CIA engagiert und auf den revolutionären Präsidenten von Burkina Faso, Thomas Sankara, angesetzt. Sie lässt sich darauf ein, obwohl sie eher mit seinen politischen Zielen sympathisiert, als ihn ans Messer zu liefern. Natürlich leidet ihr Gewissen gewaltig. So könnte man diese Lebensbeichte zusammenfassen. Ein Agentenroman. Ein guter Roman. Wer allerdings auf knallharte Action steht, den den muss ich enttäuschen. Es ist ein Buch der leisen Töne, nicht nur das, man benötigt Geduld. Die Actionszene steht gleich am Anfang. Ein Geräusch mitten in der Nacht. Der Schatten eines Mannes. Im US-Bundesstaat Connecticut dringt ein Killer in das Haus von Marie Mitchell ein. Sie kann ihn entwaffnen und erschießt ihn, ruft die Polizei: Notwehr. Aber sie weiß, wer diesen Mann geschickt hat und dass ihre Vergangenheit als Spionin sie nun einholt. Darum packt sie die Koffer und macht sich mit ihren vierjährigen Zwillingssöhnen mit gefälschten Pässen auf den Weg nach Martinique zu ihrer Mutter Agathe.


«Man kann einen Revolutionär umbringen, aber man kann nie die Revolution umbringen.»


Dort angekommen, schreibt ihren Söhnen einen langen Brief, damit sie später verstehen, was passiert ist – sollte sie doch noch von ihren Verfolgern gestellt werden. Sie erzählt ihre Familiengeschichte, beginnend im New York der 1960er-Jahre, erzählt, wie ihre Mutter, Agathe, eines Tages verschwand, da sie eine Spionin war und ihren Job erledigt hatte. Verschwunden ohne ein Wort zu sagen. Marie bleibt mit Schwester Helene, die später unbedingt zum Geheimdienst gehen will, beim Vater zurück, der bei der Polizei arbeitet. Das Verhältnis zwischen den Vater und Helene ist nicht das Beste, er schickt sie irgendwann zur Mutter nach Martinique. Ein weiterer Verlust für Marie. Helene geht später zur Army, stirbt bei einem ominösen Unfall kurz vor ihrer Rückkehr ihres Einsatzes in Vietnam. Marie wird Polizistin und geht zum FBI, berichtet von Diskriminierungen der schwarzen Cops, insbesondere der Frauen; von Übergriffigkeiten der Männer. Beim FBI ist sie zuständig für die Rekrutierung von Informanten aus Bürgerrechtsbewegungen, trifft sich mit ihnen und schreibt ihre Berichte dazu. Als Frau, besonders als schwarze Frau, hat sie keine Möglichkeit des beruflichen Aufstiegs. Daher ehrt es sie, als sie in den 1980er-Jahren von der CIA als zeitlich befristete Auftragnehmerin (Agentin) angeheuert wird. Sie soll sich in die Nähe von Thomas Sankara begeben, sein Vertrauen erarbeiten, möglichst seine Geliebte werden, um Informationen zu erhalten, die man gegen ihn verwenden kann. Denn der amerikanische Geheimdienst unterstützt den amerikafreundlichen Gegenkandidaten Blaise Compaoré, den sie zum Präsidenten von Burkina Faso machen wollen.


«Ich kann euch nur raten, seid keine moralischen Absolutisten. Wenn ihr die Menschen, von denen ich euch hier erzähle, nach dem Lesen in gut und schlecht einteilt, dann habt ihr nicht verstanden, worauf ich hinaus will»


Historisch: Thomas Sankara war als sozialistischer Revolutionär durch einen Staatsstreich Präsident von Obervolta geworden. Er benannte das Land in Burkina Faso («Land des aufrichtigen Menschen») um, und er lehnte eine Rückzahlung der Schulden der Dritten Welt an den Westen ab, brachte eine engagierte Gesundheits- und Frauenpolitik auf den Weg (er verbot u.a. die Beschneidung von Frauen), kämpfte gegen Korruption im Land. Und er war führend, die Accra einzurichten, die Westafrikanische Union, setzte sich gegen die Apartheid in Südafrika ein. 1987 wurde Sankara bei einem Staatsstreich des Militärs unter Führung Blaise Compaoré ermordet, der ihm als Präsident folgte.


«Und Jungs, ich war ja auch FBI-Agentin. Was ihr über euren Großvater und Mr. Ali denkt, trifft also auch auf mich zu. Fred Hampton, Bunchy Carter, Anna Mae Aquash – alle gehörten zu Organisationen, deren Infiltrierung von der Regierung damit gerechtfertigt wurde, sie seinen Kommunisten und Staatsfeinde. Alle waren US-amerikanische Staatsbürger, die ermordet wurden, nachdem sich jemand wie ich vom FBI eingemischt hatte.»


Letztendlich geht es hier um Kommunistenjagd im eigenen Land, und um das Einmischen von großen Staaten in innere Angelegenheiten von kleinen Staaten, bis hin zum Kippen von Regierungen. In Zeiten des sogenannten Kalten Krieges waren alle Staaten, die sozialistisch oder kommunistisch geführt wurden, oder auch nur einen Hauch, dessen erahnen ließen, Ziel der USA, sie zu attackieren, zu infiltrieren, Paramilitärs mit Waffen zu beliefern, um Regierungen zu kippen. Gleichzeitig beschreibt Lauren Wilkinson die Schwierigkeit, als schwarzer Mensch in einem Job zu bestehen, der von Weißen dominiert wird, als Frau, als schwarze Frau, in einem Job auszuhalten, der absolut von Männern dominiert wird, weißen Männern, die an allen Schaltstellen sitzen. In sofern ist der Roman sehr lesenswert. Resümierend würde ich die Geschichte als Lebensbeichte oder Tagebuch  bezeichnen, aber nicht als Thriller. Es geht zunächst tief in die Familie, bis der Agentenjob beginnt. Der Anfang zieht in die Story hinein, doch dann flacht sie ab, zieht sich ellenlang. Die ausführliche, distanzierte Berichterstattung von Maria hat mich das Buch oft aus der Hand legen lassen. Mir fehlt die Dynamik, das Element der Spannung. Da Lauren Wilkinson ihren Plot in wechselnde Zeitebenen angelegt hat, ist schnell klar, worauf die Geschichte hinläuft, und insofern ist auch kein Thrill in der Geschichte angelegt. Interessant zu lesen, aber die Spannung bleibt nach den ersten Seiten leider liegen.


Lauren Wilkinson, aufgewachsen in New York City, lebt in der Lower East Side. Sie lehrte Schreiben an der Columbia University und am Fashion Institute of Technology. Ihre Texte sind im Granta Magazine erschienen. American Spy ist ihr erstes Buch.


 https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/american-spy-von-lauren-wilkinson.html

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Cover des Buches American Spy (ISBN: 9783608504644)Belladonnas avatar

Rezension zu "American Spy" von Lauren Wilkinson

Die mitreißende Spionage-Geschichte einer amerikanischen Angentin in Burkina Faso
Belladonnavor 4 Monaten

Beschreibung

Die alleinerziehende Mutter Marie Mitchell wird eines Nachts von einem bewaffneten Mann in ihrem Haus angegriffen und entkommt ihm nur knapp. Ihre Vergangenheit als amerikanische Spionin hat sie eingeholt. Um ihre Söhne in Sicherheit zu bringen, flieht sie mit ihnen außer Landes, zu ihrer Mutter in ein kleines Dorf auf Martinique.

In der ländlichen Abgeschiedenheit kommt Marie zur Ruhe und schreibt ihre Geschichte über die Arbeit als Geheimagentin beim FBI, den kalten Krieg und die Schwierigkeiten, als Frau und Afroamerikanerin in einer von Männern dominierten Welt zu bestehen, nieder. Zunächst werden Marie keine Aufträge zugeteilt und ihr beruflicher Alltag besteht aus Papierkram. Als sie dann ein Angebot erhält, sich an einer Spionage-Operation zu beteiligen, ahnt sie nicht, dass dieser Auftrag ihr Leben auf den Kopf stellen wird.

Meine Meinung

Der erste Roman der amerikanischen Schriftstellerin Lauren Wilkinson »American Spy« ist kürzlich in der deutschen Übersetzung im Tropen Verlag erschienen und weckte sofort meine Neugier, denn in der Geschichte geht es um Spionage und das aus Sicht einer afroamerikanischen Frau, die beim Geheimdienst tätig war.

Der Roman trägt die Bezeichnung Thriller, jedoch muss ich sagen, dass es für mich zu wenig nervenaufreibende Stellen gab, die diese Einordnung rechtfertigen würden. Dennoch ist »American Spy« ein unheimlich interessanter Roman, der in die Arbeit der Geheimdienste von Regierungen einführt, ein authentisches Abbild des Kalten Krieges liefert und dabei noch eine starke weibliche Hauptfigur mit schwarzer Hautfarbe in den Fokus stellt. Diese Mischung sorgt für genügend Unterhaltungswert und lässt es trotz ausbleibender Spitzen des Spannungsbogens keine Langweile aufkommen.

Der Aufbau der Geschichte ist geschickt gewählt und führt die Leser*innen Schritt für Schritt, in Zeitsprüngen zwischen der Gegenwart (Briefform) und  der Vergangenheit (Tagebucheinträgen), durch Maries Leben. Begonnen beim mörderischen Angriff auf Marie und ihre Kinder in der Gegenwart, sieht sich diese veranlasst ihr Leben niederzuschreiben, dass ihre Kinder etwas über sie erfahren, sollte es ihr nicht gelingen bei dem Versuch ihren Verfolger auszuschalten, zu überleben.

Durch die Tagebucheinträge kann man sich recht schnell ein Bild der taffen Protagonistin machen, die über ihre Herkunft als karibische Einwanderin in Amerika ebenso reflektiert wie über ihre Familie sowie die bereits verstorbene Schwester. Eine große Rolle nimmt auch Maries Karrierelaufbahn über die Ausbildung beim FBI, ihre Tätigkeit beim CIA und ihren Einsatz für ein Spionageprojekt in Burkina Faso ein, für das sie aufgrund ihrer Hautfarbe prädestiniert ist. Die Auswirkungen des Kalten Krieges sind mit den Zeilen verwoben und auch die Diskriminierung von Schwarzen und Frauen ist ein Thema, das mitschwingt. Mich berührte ungemein die klare Darstellung der Nichtzugehörigkeit von Marie, die in Amerika als auch in Burkina Faso als Fremde wahrgenommen wird.

Die Spannung zieht mit den komplexen politischen Situationen in den Roman ein, und als besondere Zugabe habe ich vieles über den Kalten Krieg dazu gelernt, dass ich bis dahin nicht kannte.

Das Wissen über Burkina Faso und welche politischen Ränke im Geheimen geschmiedet wurden, um die Militärdiktatur von Thomas Sankara aufzulösen und das Land durch die Einführung eines Wahlsystems nach französischem Vorbild in die gewünschte Richtung zu lenken, habe ich neugierig aufgesogen. Lauren Wilkinson hat ein Gespür dafür, komprimierte Informationen über die Geschichte in ihren Text einfließen zu lassen, sodass man regelrecht Lust bekommt mehr darüber zu erfahren und damit indirekt zum Recherchieren angeregt wird.

Zumeist ist Lauren Wilkinsons Schreibstil angenehm flüssig zu lesen, doch es gibt gerade zu Beginn, und immer wenn die Handlung in die Gegenwart schwenkt, wie in Briefen üblich, eine direkte Anrede, mit der Sie ihre Söhne anspricht. Das störte meinen Lesefluss ungemein und hätte sicherlich auch besser gelöst werden können, indem man zum Beispiel die Briefform etwas offensichtlicher darlegt.

Fazit

Ein unglaublich mitreißend erzählter Spionage-Roman, der politische Weltgeschichte mit einer erfrischenden schwarzen Agentin und deren Wahrnehmung verknüpft.

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 03.08.2020

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Cover des Buches American Spy (ISBN: 9783608504644)elmidis avatar

Rezension zu "American Spy" von Lauren Wilkinson

Etwas zäher Anfang aber dann...
elmidivor 5 Monaten

"American spy" hat einen sehr originellen Anfangssatz: ""Ich öffnete den Safe unter meinem Schreibtisch, schnappte mir meine alte Dienstwaffe und schlich lautlos und elegant zur Schlafzimmertür - bis ich auf einen Legostein trat und den Rest des Weges humpeln musste" .

Marie ist eine alleinerziehende Mutter von Zwillingen, zwei aufgeweckten Jungs. Nachdem ein Einbrecher nach ihrem Leben trachtet, flieht sie mit ihren Kindern zu ihrer Mutter. Und hier beginnt sie einen Brief an die beiden zu schreiben, die nichts über ihre Herkunft und ihren Vater wissen. 

Dieser Brief bereitet dem Thriller einen doch sehr langen etwas zähen Anfang, in dem es viel über Maries Schwester Helen und über die kaputte Ehe der Eltern geht. Der Vater hat es trotz seiner Hautfarbe in der Polizei nach oben geschafft und Marie ist stolz auf ihren Anfang beim FBI, denn sie hat den gleichen Ehrgeiz. Hier wird sie jedoch in einen dubiosen Einsatz durch das CIA nach Burkina Faso geschickt. Im Buch beginnt ungefähr ab S. 100 die Spannung - eben genau durch diesen Auftrag - zu steigen.

Ich bin durch die ersten 100 Seiten etwas ratlos durch gedümpelt - direkt am Anfang ein rätselhafter Einbruch - aber dann ging es in der Zeit erst mal weit zurück und furchtbar viel um Familie. Danach aber lohnte sich das Lesen wieder sehr. Über Burkina Faso weiß ich fast nichts und schon gar nicht über Thomas Sankara, der sich dort in den 80er Jahren an die Macht brachte. Ein linksgerichteter Revoluzzer, den man im Laufe des Buches etwas besser kennenlernt. Und Marie muss sich in diesem Land mit einem zweifelhaften Auftrag in den höchsten Kreisen und unter Lebensgefahr behaupten.

Ein Buch, das sich trotz des langen Anfangs lohnt zu lesen!

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Gespräche aus der Community

Komplex, leidenschaftlich, originell: Lauren Wilkinson hat den Spionageroman neu definiert. Marie Mitchell ist Geheimagentin beim FBI der 80er Jahre. Leider hat sie es als schwarze junge Frau nicht einfach in einem Metier, in dem alte weiße Männer das Sagen haben. Aber eines Tages bekommt sie die Chance, sich bei einer gefährlichen Mission zu behaupten und zu zeigen, was in ihr steckt. Marie Mitchell ist die außergewöhnliche Heldin von "American Spy", dem explosiven Debüt          von Lauren Wilkinson.

"Ich schreibe das alles hier auf, um euch ehrliche Antworten auf die Fragen zu geben, die ihr euch wahrscheinlich im Laufe eures Lebens stellen werdet. Ich schreibe das alles hier auf, falls ich dann nicht mehr da bin."

Lust auf eine besondere und atemberaubende Geschichte? Gemeinsam mit Tropen vergeben wir 25 Exemplare von "American Spy".

Bewerbt euch* bis zum 02.08., wenn ihr wissen wollt, auf welches Abenteuer sich Marie einlässt. Antwortet auf folgende Frage und dann seid ihr dabei:

Marie arbeitet beim FBI. Welche Eigenschaften sollte sie aufweisen, um eine erfolgreiche Spionin zu sein?

Ich bedanke mich für eure Antworten und wünsche viel Glück für die Verlosung!

*Bitte beachtet vor eurer Bewerbung unsere Richtlinien für Buchverlosungen und Leserunden.

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