Laurence Cossé Au bon roman

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Inhaltsangabe zu „Au bon roman“ von Laurence Cossé

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  • Rezension zu "Au bon roman" von Laurence Cossé

    Au bon roman

    rumble-bee

    11. May 2011 um 14:01

    Wenn ich meine Eindrücke zu diesem Buch in einem einzigen Satz zusammenfassen müsste, dann wäre es wohl dieser: "Warum einfach, wenn es auch umständlich geht." Denn das Buch ist nicht schlecht, nein - so kann man das wahrlich nicht sagen. Aber es ist sehr französisch, schon allein insofern, als es eine Plot-Grundidee, die für sich allein genommen überzeugend wäre, verkompliziert und zerhackt, und noch dazu mit etlichen - meiner Meinung nach überflüssigen - Nebenhandlungen anreichert. Wenn man sich also diese Grundidee für den Plot anschaut, so hätte das Buch von - fast - jedem beliebigen westeuropäischen Autor geschrieben werden können. Eine reiche Literaturliebhaberin trifft einen nahezu abgebrannten, aber idealistischen Buchhändler. Daraufhin unterbreitet sie ihm ihre Idee, ihren Lebenstraum: die "ideale Buchhandlung" zu gründen, in der es ausschließlich Romane, und zwar nur sehr gute, gibt. Der Name der Buchhandlung: "Au bon roman", zu Deutsch "Der gute Roman". Der Buchhändler ist begeistert, zumal er mit seinem derzeitigen Chef nichts als Ärger hat. Und so starten die beiden in das wohl größte Abenteuer und Wagnis ihres Lebens. In der Tat eröffnen sie, nach langer Planungszeit, in Paris die besagte Buchhandlung. Doch schon bald weht ihnen ein rauer Wind entgegen. Denn nicht jeder ist von ihrer Geschäftsidee begeistert... Doch Laurence Cossé ist nun einmal Französin, und kein Durchschnittsautor. Anstatt die Geschichte nun von A bis Z geradlinig zu erzählen, greift sie zum Beil und zerhackt das Ganze. Nicht A bis Z, nein - zuerst bekommt der Leser so in etwa die Abschnitte R, S, und T vorgesetzt, was die Chronologie der Ereignisse angeht: seltsame Anschläge auf noch seltsamere Menschen, die offenbar Mitglieder eines "Komitees" sind. Man stolpert durch die ersten 30 bis 50 Seiten, und fragt sich, was das Ganze eigentlich soll. Zumindest mir ging es so. Fast hätte ich das Buch abgebrochen, doch ich hielt durch. Wo blieb nur die im Titel versprochene Buchhandlung? Ab etwa Seite 50 erschien dann ein Licht ganz am Ende des Tunnels. Die Besitzer der Buchhandlung (!), Ivan und Francesca, entscheiden sich nämlich dazu, aufgrund der besagten Anschläge nun doch die Polizei einzuschalten. Denn die Personen, die anfangs angegriffen wurden, waren allesamt Mitarbeiter des Auswahlkomitees für den "Guten Roman". Und nun, endlich, folgen die Abschnitte A bis Q. Allerdings fand ich dieses Vorgehen nicht nur umständlich, sondern auch vollkommen erzähltechnisch unlogisch. Denn, man stelle sich vor: die Entstehungsgeschichte der Buchhandlung verfolgen wir Leser ja ausschließlich im Rückblick, nämlich gefiltert durch das Gespräch der Besitzer mit Kommissar Heffner. Die Abschnitte A bis Q nehmen weit über zwei Drittel des Buches ein - und das, bitteschön, sollen zwei Menschen einem Polizeibeamten alles in einer Mittagspause so erzählt haben?? Nie im Leben! Schon allein für das Lesen brauchte ich ja über einen Tag. Irgendwann ist das Gespräch mit diesem Kommissar Heffner natürlich auch zu Ende, und wir gelangen wieder in die Gegenwart. Die Abschnitte U bis Z folgen - doch auch hier geschieht, rein erzähltechnisch betrachtet, wieder Ungewöhnliches. Man würde erwarten, nun die Ermittlungen zu den Anschlägen zu verfolgen. Doch weit gefehlt. Das Leben in und um die Buchhandlung wird einfach weiter beschrieben. Eine unpersönliche Erzählperspektive in der dritten Person führt uns durch allerlei Geschehnisse. Nach den Anschlägen werden die Methoden subtiler. Es gibt Zeitungskampagnen, getarnte Schein-Kunden - und schließlich eröffnen sogar, in derselben Straße, 3 (!) weitere Buchhandlungen, die ganz ungeniert auf den "Guten Roman" Bezug nehmen. Einer wirbt zum Beispiel mit dem Spruch, "Bei uns gibt es alles, was Sie lesen wollen - und nicht, was Sie gelesen haben sollten". Die Nerven des Personals werden immer dünner, bis - ja, bis sich die Autorin schließlich zu einem Ende entschließt, das für mich fast den Zauber des Buches zerstört hätte. Ich werde nichts verraten - sagen wir so, ich habe es als flach und effektheischend empfunden. Völlig unnötig, wenn man den doch eher getragenen Tenor des Buches betrachtet. Nun ja. Irgendwie müssen auch die besten Bücher wohl zu Ende gehen. Aber doch nicht so...! Und wo bleibt dieser Kommissar Heffner? Bis zum Abschnitt U (im Buch ist das der Beginn des vierten Teils) konnte man sich noch in der Hoffnung wiegen, es würde so eine Art Kriminalroman aus dem Buch. Doch nein. Im Rest des Buches taucht der Kommissar nur noch gelegentlich in der Buchhandlung auf, und stellt allerlei Vermutungen und Recherchen vor, die er angestellt hat. Doch nichts, ich wiederhole: nichts (!) wird bewiesen oder geklärt. Der Kriminalaspekt der Handlung verläuft völlig im Sande. Und da fühlte ich mich als Leser schon ein wenig verschaukelt. Hinzu kommt Folgendes: die Handlung wird, wie weiter oben schon angedeutet, auch noch durch zwei hoch komplizierte Liebesgeschichten überladen. Es sind nicht einmal richtige Liebesgeschichten. Es wirkt alles so gestelzt, und auf mich auch überflüssig. Dass Ivan schließlich eine Freundin hat, die auch in der Buchhandlung arbeitet - ganz nett, aber unnötig zu wissen. Zumal es wirklich ewig dauert, bis sie seine Freundin wird. Und sie siezen sich die ganze Zeit! Genauso wie Francesca und ivan. Das war für mich nun wirklich nicht mehr nachvollziehbar. Vielleicht muss man dafür Franzose sein, um das zu verstehen. Und die Sprache... sagen wir mal so. Ich bin im Französischen nun wirklich kein Anfänger. Doch ich habe mir nun freiwlllig auch noch die deutsche Fassung gekauft, um nicht immerzu jeden zweiten bis dritten Satz erneut lesen zu müssen. Die ganze Ausdrucksweise ist wohl das, was man "altmodisch" oder "gediegen" nennen würde. Eben leicht verstaubt, wie ein Bücherregal. Und nicht selten geht ein Satz mehrere Zeilen lang. Meine letztlich doch positive Bewertung von 4 Sternen beruht einzig und allein auf den mittleren Abschnitten, also A bis Q, wie ich das genannt habe (im Buch sind das etwa Teil zwei und drei). Die Entstehungsgeschichte dieser Buchhandlung ist großartig! Die Idee und die Ausführung - einmalig! Da schlägt das Herz jedes wahren Büchernarren höher. Die Ideen, die Laurence Cossé hier verarbeitet, sprudeln vor Fantasie, vor der Liebe zu Büchern und Autoren. Wie wählt man wirklich gute Romane aus? Wen lässt man auswählen? Woran bemisst sich Lesevergnügen? Wie geht es in einer "idealen Buchhandlung" zu? Würde es diese ideale Buchhandlung wirklich geben, ich würde mich sofort in Bewegung setzen, um sie kennenzulernen. Diese Abschnitte übten einen echten Sog aus. Da störte es schon fast, wenn Kommissar Heffner mal wieder eine Rückfrage stellte, oder anderweitig unterbrach. Meiner Meinung nach hätte man es bei diesen mittleren Abschnitten belassen sollen. Die Geschichte der Buchhandlung an sich hätte vollkommen ausgereicht, um ein mehr als lesbares Buch zustande zu bringen. Sowohl die Einbettung in die (missglückte) Kriminalhandlung, als auch das bildzeitungshafte Ende, sowie die gestelzten Liebes-Elemente, haben den Glanz, der von dieser idealen Buchhandlung ausgeht, deutlich getrübt. Très francais, très chic - mais très compliqué.

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