Laurent Binet

 3,4 Sterne bei 37 Bewertungen
Autor von Die siebte Sprachfunktion, HHhH und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Laurent Binet

Laurent Binet wurde 1972 in Paris geboren. Er absolvierte seinen Militärdienst in der Slowakei und hat in Prag Geschichte studiert. Jetzt lebt er in Paris. HHhH ist sein erster Roman. Binet erhielt dafür den Prix Goncourt du Premier Roman, und L’Express wählte HHhH zum interessantesten Erstlingsroman des Jahres.

Alle Bücher von Laurent Binet

Cover des Buches HHhH (ISBN: 9783499255878)

HHhH

 (12)
Erschienen am 01.03.2013
Cover des Buches Die siebte Sprachfunktion (ISBN: 9783499272219)

Die siebte Sprachfunktion

 (12)
Erschienen am 15.05.2018
Cover des Buches Eroberung (ISBN: 9783498001865)

Eroberung

 (10)
Erschienen am 17.11.2020
Cover des Buches Eroberung (ISBN: B086YFLFTK)

Eroberung

 (0)
Erschienen am 17.11.2020
Cover des Buches Eroberung (ISBN: 9783732418312)

Eroberung

 (2)
Erschienen am 17.11.2020
Cover des Buches Eroberung (ISBN: B08L3WCX31)

Eroberung

 (0)
Erschienen am 17.11.2020
Cover des Buches The 7th Function of Language (ISBN: 9781910701591)

The 7th Function of Language

 (1)
Erschienen am 04.05.2017
Cover des Buches HHhH, französische Ausgabe (ISBN: 9782253157342)

HHhH, französische Ausgabe

 (0)
Erschienen am 16.05.2011

Neue Rezensionen zu Laurent Binet

Cover des Buches Eroberung (ISBN: 9783498001865)Luis_Stabauers avatar

Rezension zu "Eroberung" von Laurent Binet

Was wäre gewesen, wenn, …
Luis_Stabauervor 4 Monaten

Vieles habe ich über Lateinamerika und die angebliche Eroberung des Kontinents im Westen Europas gelesen, aber diese Eroberung, sie begeistert mich, sie hat mich bis zur letzten Seite hineingezogen. Als Leser guter Bücher, als Interessierter an Lateinamerika und als Schriftsteller, der ebenfalls Fiktives und Reales verzurrt.


Laurent Binet schafft es einen vergessen zu lassen, dass eventuell doch alles anders gewesen sein könnte. 


Die Vorerzählung über Erik den Roten und seiner Tochter Freydis führt bald zu den Tagebuchaufzeichnungen des Christoph Kolumbus. Er kommt allerdings nicht zurück nach Spanien. Es ist der Inka Herrscher und Sohn der Sonne Atahualpa, der mit Generälen, Inka Kämpfern:innen und mit der nackten Kuba Prinzessin Higuenamota nach Europa aufbricht.


Lissabon, Toledo, Salamanca, Granada und Sevilla sind einige Stationen, von wo aus er die Macht in Europa ausweitet, Karl der Fünfte wird gefangen genommen und Atahualpa nimmt dessen Witwe zur Gemahlin.


Die Erlebnisse der Inkas in Europa sind jedoch nur der Rahmen für viele tiefgründige Reflexionen in diesem Roman. Die Religion des Angenagelten Gottes, mit den Reformationsversuchen Luthers und derer aller Machtgelüste bieten immer wieder den Hintergrund für Fragestellungen, die der Autor sich selbst, den Figuren und damit uns als Leser:innen stellt. Letztlich schafft es Atahualpa in Aachen zum Kaiser gekrönt zu werden. Ohne Finanzhilfen der Fuggers und dem Gold aus Lateinamerika wäre es nicht möglich gewesen.


Atahualpa, erwirbt sich einen Ruf als Reformer und Beschützer der Armen. Unter anderem will er die Mita, den Gemeinschaftsbesitz, einführen. Er liest aber auch immer wieder Machiavelli und lernt aus dessen Werk „II Pricipe“, wie die Macht ohne ethische Einflüsse von Moral und Sittlichkeit gesichert werden kann. Um seine Inhalte im Volk zu verbreiten, lässt er 95 Sonnenthesen an der Kirchentür zu Wittenberg anschlagen (fünf Auszüge):


15. Die Sage von der unbeleckten Empfängnis des falschen Messias Jesus wurde wohl erfunden, um Maria zu rechtfertigen ob ihres allzu jung gesegneten Leibes, denn ihr Ehegatte war ein lendenlahmer Greis.


30. Warum ist den Anhängern des Angenagelten Gottes so wichtig, dass ihr Gott ausnahmslos als Einziger anerkannt werde? Das ist ein Rätsel, das wir uns nicht erklären können.


57. Der Sonnengott ist auf der Seite der Armen.


60. Grund und Boden darf nicht gekauft, gemietet oder gegen Zins geliehen werden.


86. Luther hatte das Recht, den Papst als den personifizierten Antichrist anzusehen, und er hatte Unrecht, Thomas Münzer als den personifizierten Antichrist anzusehen, dessen einziger Fehler war, den Armen wohlgesonnen zu sein.


Am Ede schützt auch die hohe Anerkennung Atahualpas nicht vor seinem Niedergang. Er hat ihn selbst durch seine Macht Kumulation eingeleitet.


Mit Miguel de Cervantes Saavedra landet der Autor letztlich wieder in Lateinamerika. Er grübelt mit ihm nochmals über Immigration, Migration, sowie unterschiedliche Religionen, und versucht mit ihm neue Antworten zu denken:


Cervantes hob den Blick zum Himmel, vergaß, wie ungewiss sein Schicksal war, bestaunte die Rotkopfgeier, die über ihm flogen, und glaubte, dass all die Geschöpfe auf dieser verzauberten Insel Hirngespinste waren, und ohne jeden Zweifel war auch er selbst nichts anderes als ein Hirngespinst.


 


Ein sehr zu empfehlender Roman,


Luis Stabauer, März 2021, Wien und Seewalchen am Attersee

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Cover des Buches Eroberung (ISBN: 9783498001865)miss_mesmerizeds avatar

Rezension zu "Eroberung" von Laurent Binet

Laurent Binet – Eroberung
miss_mesmerizedvor 6 Monaten

Wir alle haben sie studiert, die Geschichte Europas und die Eroberung der Welt. Mutige Männer, die dahinsegelten, um ferne Länder zu entdecken und zu unterwerfen, um ihnen die zivilisierte Hochkultur der alten Welt nahezubringen. Was aber wäre gewesen, wenn alles ganz anders verlaufen wäre? Die Wikinger noch vor Kolumbus Südamerika entdeckt hätten und die Inkas sich gen Osten aufgemacht hätten, um erst Portugal und dann ganz Europa zu unterwerfen? So manch ein Herrscher hätte nicht schlecht gestaunt, ebenso die Vertreter der Heiligen Kirche – und deren Gegner. Ein fuchsteufelswilder Luther muss zusehen, wie statt seiner Thesen die Kunde des Sonnengottes angeschlagen und damit der neue Glaube besiegelt wird.

 

Laurent Binet ist ein Meister darin, die Geschichte neu zu erfinden und einen alternativen, wenn auch bisweilen aberwitzig anmutenden Verlauf zu schildern. Schon mit „Die siebte Sprachfunktion“ konnte er mich restlos begeistern, nun beschränkt er sich nicht auf die kleine Welt der Linguisten, sondern geht ans Eingemachte. Und das wieder einmal mit präziser und messerscharfer Beobachtungsgabe und pointierten Formulierungen.

 

„Doch die Geschichte lehrt uns, dass wenige Ereignisse es der Mühe wert erachten, sich rechtzeitig anzukündigen, darunter manche, die sich jeglicher Vorhersage entziehen, und dass letztlich die allermeisten sich damit begnügen, einfach einzutreten.“

 

So manches in der europäischen Geschichte wäre uns erspart geblieben oder schlichtweg besser gelaufen, hätten wir Binets Version der Historie erlebt. Die Inquisition beendet, Toleranz zum leitenden Motiv gemacht und Frieden, der eigentlich immer nur ein Traum war. Daneben wird das heliozentrische Weltbild per Dekret verordnet und die Mystifizierung der jungfräulichen Braut und der unbefleckten Empfängnis ein Schlusspunkt gesetzt.

 

Viele große Namen haben ihren Auftritt in dem Roman, der 2019 mit dem großen Preis der Académie française ausgezeichnet wurde. Man kann immer wieder nur schmunzeln, wie Laurent Binet uns einen Spiegel vorhält und die Absurditäten aufzeigt, die wir als gegeben hinnehmen. Virtuos reihen sich sie Ereignisse aneinander, die bekannte und belegte Fakten neu interpretieren. Diesbezüglich finde ich den deutschen Titel leider auch etwas zu begrenzt, es geht nicht nur um „Eroberung“, sondern wie das Original schon sagt, um die Frage, was eigentlich „Zivilisation“ sein soll und vor dem Hintergrund von Inquisition, Kreuzzügen und Imperialismus ist diese mehr als berechtigt.

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Cover des Buches Eroberung (ISBN: 9783498001865)PatriciaJanzens avatar

Rezension zu "Eroberung" von Laurent Binet

Nichts für mich - leider
PatriciaJanzenvor 6 Monaten

Geschmäcker sind verschieden – und das ist gut so. Auch wenn mir persönlich „Eroberung“ nicht besonders gefallen hat, zeigen erste positive Rezensionen, dass es durchaus Leser gibt, für die dieses Buch etwas ist. Vielleicht auch für dich.

Meiner Meinung nach sollte klargestellt werden, was den Leser mit diesem Buch erwartet, um nicht mit einer falschen Annahme heran zu gehen, so wie es in meinem Fall passiert ist. „Eroberung“ ist kein Roman im eigentlichen Sinne und möchte es auch gar nicht sein. Vielmehr erwartet euch hier eine Art Bericht erdachter Tatsachen, einer alternativen Weltgeschichte. Sicherlich gut recherchiert und mit vielen Anspielungen auf tatsächliche Geschehnisse. Vorab sei jedoch gesagt: Um diese zu verstehen, bedarf es eines doch recht fundierten Hintergrundwissen. Kenntnisse über südamerikanische und europäische Geschichte sollten auf jeden Fall vorhanden sein, ansonsten gehen viele Andeutungen an euch (wie auch an mir) vorbei.

Hinzu kam, dass es sich für mich stellenweise wie Auszüge aus einem Geschichtsbuch las – sehr trocken, ohne Emotionen, Spannung. Auch Dialoge sind kaum vorhanden oder wirkten auf mich, wenn überhaupt, sehr unnatürlich.

Nach etwa 200 Seiten beschloss ich, es sein zu lassen. Mich hat nicht wirklich interessiert, wie es weiterging, ich fühlte mich nicht unterhalten oder abgeholt und auch nicht ins Geschehen involviert. Hätte ich vorher gewusst, in welche Richtung dieses Buch geht, hätte ich es mich einer anderen Erwartungshaltung begonnen und mich eventuell besser darauf einlassen können. Für mich – leider – nicht das Richtige.

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