Laurent Mauvignier

 4.1 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor von Die Wunde, Was ist ein Leben wert? und weiteren Büchern.
Laurent Mauvignier

Lebenslauf von Laurent Mauvignier

Laurent Mauvignier wird 1967 in Tours, Frankreich geboren. Er studierte Bildende Kunst an der Ecole des Beaux-Art. Dieses Studium schließt er 1991 erfolgreich ab.

Alle Bücher von Laurent Mauvignier

Die Wunde

Die Wunde

 (7)
Erschienen am 01.09.2011
Was ist ein Leben wert?

Was ist ein Leben wert?

 (1)
Erschienen am 01.01.2013
Ein Ende finden

Ein Ende finden

 (0)
Erschienen am 01.07.2004
Mit leichtem Gepäck

Mit leichtem Gepäck

 (0)
Erschienen am 26.08.2016
Fern von euch

Fern von euch

 (0)
Erschienen am 01.09.2001
Dans la foule

Dans la foule

 (1)
Erschienen am 03.09.2009
In the Crowd

In the Crowd

 (0)
Erschienen am 07.05.2009

Neue Rezensionen zu Laurent Mauvignier

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Rezension zu "Was ist ein Leben wert?" von Laurent Mauvignier

Rezension zu "Was ist ein Leben wert?" von Laurent Mauvignier
WinfriedStanzickvor 6 Jahren

Der in Frankreich mittlerweile sehr bekannte Schriftsteller Laurent Mauvignier ist 2011 einem größeren Publikum in Deutschland bekannt geworden durch seinen Roman „Die Wunde“, mit dem er vor allen Dingen die französische Öffentlichkeit aufrütteln wollte, die quer durch alle politischen Strömungen das furchtbare Geschehen des Algerienkriegs, das brutale Vorgehen gegen die algerische Befreiungsbewegung und die skandalöse Behandlung der sogenannten pied-noirs nach wie vor verdrängt. Es formulierte ohne Worte fast auf jeder Seite die alte psychoanalytische Erkenntnis: was nicht bearbeitet wurde, was verdrängt wurde, gleich ob individuell oder gesellschaftlich, bricht als schwärende Wunde wieder auf und entlädt sich.

Auch in seinem neuen Buch geht es um Gewalt und um ihre Verdrängung. Ging es in „Die Wunde“ um die Verdrängung historischer Ereignisse, handelt das kleine Buch, das die Frage stellt „Was ist ein Leben wert?“ von einer ganz aktuellen Form von nackter und brutaler Gewalt, wie wir sie auch in Deutschland auf U-Bahnhöfen und anderswo erschütternd kennengelernt haben.

Laurent Mauvignier stößt im Dezember 2009 auf eine Zeitungsnotiz aus Lyon. Dort wird berichtet, dass vier Securitymitarbeiter eines Supermarktes einen Mann zu Tode geprügelt haben, weil der im Supermarkt eine Dose Bier geöffnet und getrunken hatte. Fast mehr als diese brutale Tat, beschäftigt den Autor der im Artikel zitierte Staatsanwalt, der sagte, wegen so einer Kleinigkeit dürfe doch ein Mensch nicht sterben.

Hätte es ein Sixpack sein müssen, ein ganzer Kasten oder „Was ist ein Leben wert?“ fragt Laurent Mauvignier in einer atemlosen, drängenden und bedrängenden Erzählung, die aus einem einzigen Satz besteht, der mit einem Bindestrich nicht endet.

Er folgt dem Geschehen, wie er es nacherzählen möchte. Ein Mann nimmt, nachdem er einen Supermarkt betreten hat, aus einem Regal eine Dose Bier und beginnt zu trinken. In Sekundenschnelle ist er umzingelt von vier Wachleuten, die ihn in einen Lagerraum zerren und dort auf ihn einschlagen und treten, weil sie ihn des Diebstahls verdächtigen.

Es wird bald aufhören, hofft der gepeinigte Mann in jeder weiteren Sekunde, doch es hört nicht auf. Immer wieder kommt Mauvignier auf diese Minuten in dem Lagerraum zurück, nachdem er zwischendurch erzählt, was sich danach abspielte. Von der Verhandlung vor dem Staatsanwalt, von der Beerdigung des Mannes und immer wieder von einem Bruder, den er eindringlich anspricht. Es blieb, mir jedenfalls, unklar, ob der zu Tode geprügelte Mann tatsächlich einen Bruder hatte. Ich fühlte mich selbst immer wieder angesprochen als dessen Menschenbruder, der nicht achtlos über solche Zeitungsmeldungen hinweg lesen darf, der sich berühren und bewegen lassen soll vom Schicksal anderer Menschen.

Die zunehmende Gewalt in unseren Gesellschaft wird von der Bindungsforschung mit der fehlenden Bindung nach der Geburt erklärt, Kirchen und anderen beklagen die Abkehr von bestimmten Werten, die Linken machen die profitorientierte Gesellschaft verantwortlich, und keiner weiß so wirklich, wie er reagieren soll. Eines weiß ich bestimmt: auch diese Form der Gewalt, die in unserer Gesellschaft nach wie verdrängt wird (auch der Ruf nach stärkeren Strafen ist nur ein Teil davon) wird wiederkehren. So wie alles Verdrängte wird sie an Stellen auftauchen in der Zukunft, wo man sie heute nicht vermutet.

Es ist die alte Frage: „Wo warst du, Abel?“

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Rezension zu "Die Wunde" von Laurent Mauvignier

Rezension zu "Die Wunde" von Laurent Mauvignier
Emilia12vor 6 Jahren

Es fiel mir nicht ganz leicht in dieses Buch "hineinzukommen". Doch da ich es mit einer Empfehlung des Autors und der Übersetzerin bekam fühlte ich mich verpflichtet dran zu bleiben und siehe da, ab so Seite 90 wurde ich regelrecht gefangengenommen von den Worten und Personen. Ich werde weiter darüber berichten ...

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Rezension zu "Die Wunde" von Laurent Mauvignier

Rezension zu "Die Wunde" von Laurent Mauvignier
WinfriedStanzickvor 7 Jahren

Ein Wintertag in einer Kleinstadt in Frankreich. Eine Familienfeier, unter den Gästen zwei Männer, die bei Oran gekämpft haben und ein Algerier. Und plötzlich ist der Krieg, über den alle immer geschwiegen haben, wieder da.

Der Krieg, egal wo und von wem er geführt wird, verändert das Leben und die Psyche der Männer, die in ihm kämpfen. Er hinterlässt Wunden nicht nur in den einzelnen Personen, sondern infiziert ganze Familien und Nationen. Der Krieg, den Laurent Mauvignier in seinem in Frankreich sehr beachteten und diskutierten Roman „Die Wunde“ beschreibt, ist der Algerienkrieg, ein für viele Beteiligte und in der ganzen französischen Gesellschaft bis heute nicht wirklich bearbeiteter und bewältigter Teil der französischen Geschichte.

Meisterhaft gelingt es ihm, mit einer nicht leicht eingängigen Sprache, teilweise aus der Sicht von Rabut, dem Cousin der Hauptfigur Bernhard zu schildern, wie selbst nach vielen Jahrzehnten der Krieg in den Psychen der Betroffenen weitergeht.

Alles wird ausgelöst dadurch, dass Bernhard, mit dem Rabut zusammen 1960-1962 in Algerien kämpfte, und der seither verdreckt und verwahrlost in einer Baracke lebte, zum Geburtstag seiner Schwester auftaucht, wie ihn noch keiner gesehen hat. Er hat sich gewaschen, trägt eine Krawatte, und er überreicht seiner Schwester ein wertvolles Geschenk.

Die Familie ist wie vor den Kopf geschlagen, ihr Erstaunen verwandelt sich schnell in Empörung. Woher hat der, der ständig allen auf Tasche liegt, plötzlich soviel Geld? Mitten in den immer aggressiver werdenden Anfeindungen fällt Bernards Blick auf Said, einen Algerier, der auch Gast bei seiner Schwester ist.

Und plötzlich stürzt er aus dem Haus und macht sich auf den Weg zu dem anderen Haus, in dem Saids Familie lebt. Etwas Furchtbares geschieht: Bernhards Wunde ist wieder aufgeplatzt und nur Rabut kann verstehen, warum.

Laurent Mauvignier geht den Gründen dieser Eskalation von Aggression und Gewalt am Rande einer normalen Geburtstagsfeier in zahlreichen Rückblenden in die Zeit zwischen 1960 und 1962 nach, als Bernhard und Rabut in Algerien kämpften und insbesondere Bernhard mit Erlebnissen konfrontiert war, die ihn seither aus der Bahn geworfen haben.

Es ist wieder einmal die alte psychoanalytische Erkenntnis: was nicht bearbeitet wurde, was verdrängt wurde, gleich ob individuell oder gesellschaftlich, bricht als schwärende Wunde wieder auf und entlädt sich. Hier in diesem Roman wird es dargestellt am Beispiel von einzelnen Menschen, aber Mauvignier lässt an keiner Stelle seines Buches einen Zweifel daran, dass sein Adressat die französische Öffentlichkeit ist, die quer durch alle politischen Strömungen das furchtbare Geschehen des Algerienkriegs, das brutale Vorgehen gegen die algerische Befreiungsbewegung und die skandalöse Behandlung der sogenannten pied-noirs nach wie vor verdrängt.

Im übertragenen Sinn handelt das Buch aber auch von den Wunden des Krieges generell, die er immer und überall in den Seelen der Menschen hinterlässt.

Mich hat es bewegt und ich kann es nur empfehlen.

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