Laurent Mauvignier Die Wunde

(7)

Lovelybooks Bewertung

  • 6 Bibliotheken
  • 1 Follower
  • 1 Leser
  • 3 Rezensionen
(3)
(1)
(3)
(0)
(0)

Inhaltsangabe zu „Die Wunde“ von Laurent Mauvignier

Und wo ist deine Wunde? Ein Wintertag in einer Kleinstadt in Frankreich. Solange feiert ihren 60. Geburtstag. Als ihr Bruder Bernard, der Trinker, ihr eine goldene Brosche überreicht, werden schnell Stimmen laut: „Woher hat er das Geld?“ Bernard wurde sehr jung in den Algerienkrieg eingezogen, verlor danach bald jeden Halt. Die Missgunst der Feiernden bringt ihn auf und er beginnt, Said, einen Araber, zu beschimpfen und seine Familie zu bedrohen. Bezwingend erzählt Mauvignier von einem Leben, das der Krieg zerstört hat. • Der Roman wird von Patrice Chéreau (›Intimacy‹) verfilmt• Nominiert für den Prix Goncourt

Stöbern in Romane

Desorientale

Ein beeindruckender Lebensbericht, der vieles, was wir zu wissen glauben, zurechtrücken kann.

miss_mesmerized

Zartbitter ist das Glück

Wunderschöne Geschichte über eine Alters-WG auf den Fidschi-Inseln und die Sorgen des Alltags

jutscha

Das Floß der Medusa

Ein Trommelfeuer grässlicher, schockierender und monströser Szenen - eine verstörende Allegorie auf die Menschennatur.

parden

Underground Railroad

Thema ist immer noch aktuell, Realität und Sinnbild sind brilliant verwoben, wodurch das Buch lange nachklingt.

Talathiel

Die Lichter von Paris

Ein Roman über Oma und Enkelin die ihr Leben ändern, nur mit 75 Jahren Zeitunterschied ...

MissNorge

Die Melodie meines Lebens

Dieses Buch hinterlässt ein nachdenkliches aber auch fröhliches Schmunzeln.

Susas_Leseecke

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Die Wunde" von Laurent Mauvignier

    Die Wunde

    Emilia12

    03. December 2012 um 13:37

    Es fiel mir nicht ganz leicht in dieses Buch "hineinzukommen". Doch da ich es mit einer Empfehlung des Autors und der Übersetzerin bekam fühlte ich mich verpflichtet dran zu bleiben und siehe da, ab so Seite 90 wurde ich regelrecht gefangengenommen von den Worten und Personen. Ich werde weiter darüber berichten ...

  • Rezension zu "Die Wunde" von Laurent Mauvignier

    Die Wunde

    WinfriedStanzick

    15. May 2012 um 15:23

    Ein Wintertag in einer Kleinstadt in Frankreich. Eine Familienfeier, unter den Gästen zwei Männer, die bei Oran gekämpft haben und ein Algerier. Und plötzlich ist der Krieg, über den alle immer geschwiegen haben, wieder da. Der Krieg, egal wo und von wem er geführt wird, verändert das Leben und die Psyche der Männer, die in ihm kämpfen. Er hinterlässt Wunden nicht nur in den einzelnen Personen, sondern infiziert ganze Familien und Nationen. Der Krieg, den Laurent Mauvignier in seinem in Frankreich sehr beachteten und diskutierten Roman „Die Wunde“ beschreibt, ist der Algerienkrieg, ein für viele Beteiligte und in der ganzen französischen Gesellschaft bis heute nicht wirklich bearbeiteter und bewältigter Teil der französischen Geschichte. Meisterhaft gelingt es ihm, mit einer nicht leicht eingängigen Sprache, teilweise aus der Sicht von Rabut, dem Cousin der Hauptfigur Bernhard zu schildern, wie selbst nach vielen Jahrzehnten der Krieg in den Psychen der Betroffenen weitergeht. Alles wird ausgelöst dadurch, dass Bernhard, mit dem Rabut zusammen 1960-1962 in Algerien kämpfte, und der seither verdreckt und verwahrlost in einer Baracke lebte, zum Geburtstag seiner Schwester auftaucht, wie ihn noch keiner gesehen hat. Er hat sich gewaschen, trägt eine Krawatte, und er überreicht seiner Schwester ein wertvolles Geschenk. Die Familie ist wie vor den Kopf geschlagen, ihr Erstaunen verwandelt sich schnell in Empörung. Woher hat der, der ständig allen auf Tasche liegt, plötzlich soviel Geld? Mitten in den immer aggressiver werdenden Anfeindungen fällt Bernards Blick auf Said, einen Algerier, der auch Gast bei seiner Schwester ist. Und plötzlich stürzt er aus dem Haus und macht sich auf den Weg zu dem anderen Haus, in dem Saids Familie lebt. Etwas Furchtbares geschieht: Bernhards Wunde ist wieder aufgeplatzt und nur Rabut kann verstehen, warum. Laurent Mauvignier geht den Gründen dieser Eskalation von Aggression und Gewalt am Rande einer normalen Geburtstagsfeier in zahlreichen Rückblenden in die Zeit zwischen 1960 und 1962 nach, als Bernhard und Rabut in Algerien kämpften und insbesondere Bernhard mit Erlebnissen konfrontiert war, die ihn seither aus der Bahn geworfen haben. Es ist wieder einmal die alte psychoanalytische Erkenntnis: was nicht bearbeitet wurde, was verdrängt wurde, gleich ob individuell oder gesellschaftlich, bricht als schwärende Wunde wieder auf und entlädt sich. Hier in diesem Roman wird es dargestellt am Beispiel von einzelnen Menschen, aber Mauvignier lässt an keiner Stelle seines Buches einen Zweifel daran, dass sein Adressat die französische Öffentlichkeit ist, die quer durch alle politischen Strömungen das furchtbare Geschehen des Algerienkriegs, das brutale Vorgehen gegen die algerische Befreiungsbewegung und die skandalöse Behandlung der sogenannten pied-noirs nach wie vor verdrängt. Im übertragenen Sinn handelt das Buch aber auch von den Wunden des Krieges generell, die er immer und überall in den Seelen der Menschen hinterlässt. Mich hat es bewegt und ich kann es nur empfehlen.

    Mehr
  • Rezension zu "Die Wunde" von Laurent Mauvignier

    Die Wunde

    michael_lehmann-pape

    17. November 2011 um 12:09

    Alte Wut und alte Gegner Eigentlich ist der Titel „Die Wunde“ fast zuwenig, müsste „Die Wunden“ heißen, denn mehr als eine innere Verletzung wird im Buch auftauchen, aufbrechen, zeigen, dass sie nicht verheilt sind. Zumindest zwei „Wunden“ trägt eine der Hauptfiguren dieser sprachlich ganz hervorragend erzählten Geschichte von Mauvignier in sich. Das eine ist die familiäre Wunde, das andere die Kriegswunde. Tiefe Wunden, so, wie es schon im Auftritt Bernards auf einem Familienfest deutlich wird. „Es brauchte eine Weile, bis das Erstaunen so groß war, dass das Hin und Her, die Blick, die Sätze abbrachen.... Es brauchte etwas anderes als eine bloße Geste oder ein Lachen, ein Aufschrei war nötig“. Doch so laut kommt er gar nicht, der Aufschrei. Erst allmählich betrachten die anderen Familienmitglieder Bernard näher. Er, der von Kindheit an so etwas wie das „schwarze Schaf“ der Familie war (und geblieben ist). Der immer etwas Raues hatte und in erwachsenen Jahren dann völlig entgleiste. Er, der sich gerne dem Alkohol hingibt, ungepflegt, verwahrlost auftritt, sein Leben irgendwo am Rande lebt. Der taucht nun auf wie ein Mensch, wundert man sich. Gut gekleidet. Sauber. Wohl fast nüchtern. Und schenkt seiner Schwester Solange sogar ein wertvolles Geschenk. Umgehend wandelt sich die leichte Verblüffung auf dem Familienfest wieder in die gewohnte Herablassung, Stichelei, feindselige Blicke. Vielleicht auch, weil dieser „Habenichts vor den Augen all derer, die ihm einst Almosen in die Hand gedrückt hatten, eine Brosche schenkt, die keiner der anderen je hätte schenken können“. Doch Mauvignier geht einen Schritt weiter als diese schon im inneren Drama angelegte Familiengeschichte. Er verknüpft die „kleine“ innere und traumatische Grausamkeit der Familienfiguren mit der „großen“ Grausamkeit und dem fast „französischem Volkstrauma“ des Algerienkrieges. Denn etwas anderes noch öffnet in Bernard an diesem Abend die innere Wut. Die Familie, das ist er gewöhnt, diese Wunde sticht vielleicht noch, aber liegt nicht so offen, so fleischig im Raum, wie die andere Wunde, jene, aus den Kriegsjahren in Algerien, in denen er blutjung Grausamkeiten erlebt und ebenfalls grausam gehandelt hat. Bereits nun aber angestachelt von den abfälligen Bemerkungen und der feindseligen Bemerkungen entlädt sich seine Wut gegen einen jungen Algerier, ebenfalls Gast auf dem Fest und im Lauf des Abends wird dieser rote Schleier vor seinen Augen weiter eskalieren. Warum das so ist, das erzählt Mauvignier in Rückblenden in die Jahre 1960-62 hinein, die aktiven Kriegsjahre des Bernard, der mit seinem Cousin Rabut in Algerien zu kämpfen hatte. Erlebnisse und Zeiten, die Bernard gründlich aus der Bahn geworfen haben, die ihn zu jenem offenkundigen Wrack haben werden lassen, als der er nun einmal bekannt ist. Nie aufgearbeitete Erlebnisse, nie ausgesprochene Verletzungen, die faulen und schwären. Diesen Teil der Geschichte erzählt Mauvignier aus der Sicht Rabuts, durch dessen Augen das innere Drama Bernards im Lauf der Seiten erklärbar wird. Erlebnisse, die mit flauem Gefühl gelesen werden, denn die nackte, grausame Realität dieses brutalen Vorgehens gegen die algerische Befreiungsbewegung erspart Mauvignier dem Leser nicht. Unverdautes im „Kleinen“ der Figuren im Roman und im „Großen“ der Geschichte Frankreichs. „Zum ersten Mal sagte ich mir, dass ich vielleicht gern noch einmal dorthin reisen würde und dass ich gerne sehen würde ....... ob es Kinder gibt, die barfuss mit einem Fußball spielen“. Wünscht sich Rabut zum Ende des Romans hin. Andere Bilder im Kopf zu haben als jene aus seiner Zeit des Krieges. Das wäre gut, dieses Hinsehen und Aufarbeiten. Ein Aufarbeiten, das Mauvignier anstößt mit seinem Roman. Wobei er in seinen Themen durchaus vordergründig französisches Leben und französische Geschichte anspricht, in der Tiefe aber universale Themen verarbeitet. Nicht nur Algerien hat ein Trauma hinterlassen, auch Afghanistan, Irak, Libyen, überall da, wo junge Menschen Krieg erleben, die zivilisierte Tünche brüchig wird, spielt dieser Roman. Und überall da, wo nicht verstanden, nicht geredet, nicht gesehen wird, dass Menschen, die sich anders, abstoßend verhalten, dafür Gründe in sich tragen. In nicht einfacher Form, manchmal durchaus sperrig in den Worten formuliert, in den Bildern (die auch im Buch eine direkte Rolle spielen) nicht einfach zu ertragen, zieht Mauvignier den Leser tief mit hinein in eine Welt innerer Wunden und nicht ausgesprochener Verletzungen, die Menschen für ihr Leben prägen und lebenslang verbleiben. Ein sehr empfehlenswertes Buch.

    Mehr
  • Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist! Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach!

    Hol dir mehr von LovelyBooks