Laurent Seksik Vorgefühl der nahen Nacht

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Inhaltsangabe zu „Vorgefühl der nahen Nacht“ von Laurent Seksik

Im September 1940 kommt Stefan Zweig mit seiner zweiten Ehefrau, der dreißig Jahre jüngeren Lotte Altmann, nach Brasilien. Mit seiner ethnischen Buntheit ist dieses Land für ihn ein Gegenentwurf zum in Europa herrschenden Rassenwahn. Voller Hoffnung quartiert er sich nördlich von Rio ein. Auch seine Frau knüpft an Brasilien große Erwartungen. Sie werden herzlich aufgenommen, sie werden gefeiert und sie feiern mit – sogar im Karneval. Die Farben leuchten, das Klima lässt Lotte aufleben und in Ernst Feder, dem früheren Chefredakteur des „Berliner Tageblatts“, gewinnen sie einen unterhaltsam ironischen Freund. Doch Stefan Zweig ist nicht nur auf der Flucht vor den Nazis. Er flieht auch vor den Gespenstern, die ihm nachts den Schlaf rauben – die Schatten seiner toten Freunde, allen voran Joseph Roth. So fällt es ihm schwer, seiner Frau die Gefühle zu zeigen, die sie ersehnt. Umgekehrt will sie lange das Ausmaß seiner Verzweiflung nicht wahrhaben. Eine der großen Tragödien der Weltliteratur nimmt ihren Lauf.

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  • Zweigs Asyl in Brasilien

    Vorgefühl der nahen Nacht

    Duffy

    26. February 2016 um 12:21

    Nach seiner Flucht über Amerika und England kam Stefan Zweig 1940 mit seiner zweiten Frau Lotte nach Brasilien. Dort sollte er endlich den Frieden finden, der seiner verfolgten Seele so fehlte. doch das Exil in einem kleinen Ort, malerisch und ideal gelegen, stellte sich nicht als der Befreiungsschlag heraus, der er sein sollte, denn nun plagten auch die Geister seiner toten oder mit ungewisser Zukunft geschlagenen Freunde den Ausnahmeschriftsteller. Seksik schildert mit einer fast zeitzeugenartigen Intensität die Gewissenskämpfe, denen Zweig unterworfen war. Er beleuchtet die brasiliansche Zeit auch aus der Sicht seiner jungen Frau, die ihm in fast unterwürfiger Form ergeben war, dennoch unter dem grüblerischen und leidenden Zweig genauso litt wie unter ihrer Krankheit der Atemwege. Sensibel und mit teilweise mit erschütternder Deutlichkeit schreibt der Autor über die Ausweglosigkeit, die in den kollektiven Freitod des Paares führt. Ein eindringlicher und nachhaltiger Roman, dessen Intensität die wahre Kunst des Schreibers Seksik ausmacht.

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  • Zeitgeschichte

    Vorgefühl der nahen Nacht

    gst

    29. August 2013 um 09:40

    Der 1962 in Nizza geborerne Laurent Seksik hat zwei Leidenschaften: die Medizin und die Literatur. 1999 veröffentlichte er seinen ersten Roman, der in zwölf Sprachen übersetzt wurde. Damals arbeitete er als Literaturkritiker bei der französichen Zeitschrift "Le Point" und nahm drei Jahre lang an Literatursendungen im französichen Fernsehen teil. Inzwischen arbeitet er wieder halbtags in der medizinischen Universität in Paris. "Die letzten Tage des Stefan Zweig" - so wäre der Originaltitel wohl wörtlich übersetzt - ist sein vierter Roman. Zuvor hatte er sich intensiv mit Albert Einstein, einem Zeitgenossen von Zweig, auseinandergesetzt. Laurent Seksik ist es gelungen, mich als Leserin seines Romans auf den Schriftsteller Stefan Zweig neugierig zu machen. Natürlich war mir der Name schon ein Begriff, allerdings musste ich mit Erstaunen feststellen, bisher noch nichts von ihm gelesen zu haben. Dabei war er äußerst produktiv, hatte Kontakt zu vielen Zeitgenossen und sah wohl auch voraus, was unter Hitler auf die Juden zukommen würde. Er ging rechtzeitig ins Exil, wurde dort aber nicht mehr glücklich. Zu sehr hing er an seinem früheren gesellschaftlichen Leben. Laurent schreibt sehr anschaulich über die letzten sechs Monate im Leben der Zweigs und die Schrecken während der ersten Kriegsjahre, welche Zweig und seiner jungen Ehefrau die Lebensfreude nahmen. Ein Ausschnitt, in dem Zweigs Art zu schreiben der von Thomas Mann gegenüberstellt wird, hat mich besonders beeindruckt (und neugierig gemacht): "... diese Kälte im Ton, diese Ausführlichkeit, der Roman wurde zu einem Protokoll. Er selbst hingegen hatte sich in seinen eigenen Essays immer über die wahrheitgsgetreue Wiedergabe der Tatsachen hinweggesetzt, hatte für sich das Recht auf Subjektivität in Anspruch genommen. Er hatte sich nie bemüht, seinen Gegenstand vollkommen zu erfassen und endgültig einzugrenzen. Er war kein Geologe, sondern sah sich vielmehr als Impressionisten, der nach dem Fragmentarischen suchte ... Wichtiger als alles andere waren ihm die Emotionen, die seine Figuren freisetzten." Genau diese Emotionen hat auch Seksik mit seinem Roman angesprochen und damit ein Bild der Zeitgeschichte gemalt.

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  • Vorgefühl der nahen Nacht - Laurent Seksik

    Vorgefühl der nahen Nacht

    Herbstrose

    04. May 2013 um 11:39

    Dieser Roman mit biographischen Zügen befasst sich mit den letzten sechs Monaten im Leben des Schriftstellers Stefan Zweig und seiner zweiten Ehefrau Lotte, die sich auf der Flucht vor den Nazis nun im brasilianischen Exil befinden. Der Autor Laurent Seksik beschreibt Fakten und historische Ereignisse und greift dabei auf zeitgenössische Archive, Zeugenaussagen, Briefe und Dokumente zurück. Sehr einfühlsam versucht er die Persönlichkeit und das literarische Schaffen Zweigs wiederzugeben und die Beweggründe zu vermitteln, die letztendlich am 22.2.1942 zum Selbstmord des Paares führten. Von Selbstzweifeln und Selbstvorwürfen gequält erfährt Zweig täglich von neuen Gräueltaten der Nazis. Die meisten seiner zurückgebliebenen Freunde und Weggefährten sind bereits tot oder deportiert – ein Ende ist nicht abzusehen. So sieht Zweig zwangsläufig für sich nur die eine Lösung … Fazit: Ein hervorragend geschriebenes Buch mit emotionalem Blick auf die Zeitgeschichte.

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  • Rezension zu "Vorgefühl der nahen Nacht" von Laurent Seksik

    Vorgefühl der nahen Nacht

    goldfisch

    02. February 2013 um 17:22

    Im Jahre 1940 kommt Stefan Zweig mit seiner zweiten Ehefrau Lotte nach Brasilien.Hinter ihnen liegt eine Odyssee, eine lange Flucht vor den Nazis. Petropolis soll ihre neue Heimat werden.Brasilien, der nahe Urwald, ganz anders als das Wien, welches Zweig in seiner Erinnerung hat.Doch in Europa wütet der Judenhass und der Krieg.Zweig wird verfolgt von den Geistern seiner verstorbenen Freunde.Seine Frau Lotte kränkelt und eine düstere Stimmung liegt über dem Paar. Zweig ist kaum noch fähig zu schreiben.Die Nachrichten aus der Heimat sind grausam, die Welt scheint vor dem Untergang.Ein Roman über die letzten Monate der Zweigs, ein Roman von Menschen, die Angst haben, die verzweifelt sind, dort am Ende der Welt.Lesenswert.

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  • Rezension zu "Vorgefühl der nahen Nacht" von Laurent Seksik

    Vorgefühl der nahen Nacht

    Ulf_Borkowski

    06. July 2011 um 16:12

    Romane über Schriftsteller haben derzeit Hochkonjunktur. Der 1962 geborene französische Autor Laurent Seksik beschwört in seinem Roman „Vorgefühl der nahen Nacht“ die letzen Tage Stefan Zweigs (Les derniers jours de Stefan Zweig) –so der der französische Originaltitel- und führt den Leser durch die letzten sechs Monate im Leben des Österreichers bis zu seinem selbst gewählten Tod. In einer geschickten Mischung aus Fakten und Fiktion gewährt Laurent Seksik einen Einblick in Lebens- und Gedankenwelt, des zu dieser Zeit meistgelesenen Schriftstellers der Welt. Doch in seiner Heimat wird Zweig nicht mehr gelesen, seine Bücher wurden von den Nationalsozialisten verbrannt und seine neuen Werke erscheinen nicht mehr in seiner Muttersprache. Im September 1941 betritt Zweig mit seiner dreißig Jahre jüngeren zweiten Ehefrau Lotte Altmann brasilianischen Boden, um nach langen Jahren der Flucht vor den Schrecken des Nationalsozialismus in der alten Kaiserstadt Petrópolis, 60 Kilometer von Rio de Janeiro entfernt, Ruhe zu finden und sich wieder auf seine schriftstellerische Tätigkeit zu konzentrieren und eine Balzac-Biographie zu beenden. Auch hofft das Ehepaar Zweig, dass Lotte, die an schwerem Asthma leidet, durch die klimatische Veränderung genesen werde. Doch die Geister der Vergangenheit holen den schlaflosen Stefan Zweig ein. Laurent Seksik vermischt geschickt das alltägliche Leben der Zweigs mit Erinnerungen an die geliebte österreichische Heimat und Phantasmagorien Zweigs, die ein Gespräch mit seinem Freund Joseph Roth, eine postume Begegnung mit seiner Mutter, sowie den Einmarsch der Nationalsozialisten in Rio de Janeiro, einschließen. Auch die Beziehung zu Lotte ist durch seine Sehnsucht nach seiner ersten Ehefrau Friderike und der damit verbundenen Eifersucht Lottes gestört. Zweigs Gemütszustand mündet in einer Schaffenskrise und Lebensmüdigkeit. Er fühlt sich aus Furcht vor den Konsequenzen auch nicht in der Lage als bekannter Literat gegen die Nationalsozialisten das Wort zu ergreifen und erwehrt sich dem Werben anderer Emigranten wie Georges Bernanos. Auch die von Lotte Zweig freudig überbrachte Nachricht vom Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg gegen Deutschland kann Stefan Zweig nicht mehr von seinem längst gefassten Plan, seinem Leben selbst ein Ende zu setzen, abbringen. Der Einmarsch der Japaner in Singapur nimmt ihm die letzte Hoffnung. Auch Lotte folgt dem Entschluss ihres vergötterten Gatten auf den letzten Weg als Widergängerin Henriette Vogels, die –zwar nicht Frau seines Lebens- Heinrich v. Kleist als Gefährtin in die Ewigkeit folgte. Anfangs ist Laurent Seksiks biographischer Roman durchaus inspirierend, doch nach längerer Lektüre verstrickt sich der Autor zusehends in langatmige phantasmagorische Dialoge, spröde Selbstkommentare und seitenlange Hommagen Zweigs an Thomas Mann, Johann Wolgang v. Goethe und Honoré de Balzac. Darüber verliert sich leider der Erzählstrang, der immerhin einen Zeitraum von sechs Monaten vom September 1941 bis zum Februar 1942 umfasst, in denen sich der Protagonist melancholisch, aber elegant, um sich selbst dreht und seinem unausweichlichen Schicksal entgegen steuert.

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  • Rezension zu "Vorgefühl der nahen Nacht" von Laurent Seksik

    Vorgefühl der nahen Nacht

    anushka

    12. June 2011 um 17:32

    Die Schuld des Überlebens Laurent Seksik hat einen Roman geschrieben, der fast schon eine Biographie darstellt. Beruhend auf Zeitzeugenberichten und erhalten gebliebenen Briefen zeichnet er die letzten Monate des österreichischen Autors Stefan Zweig und seiner Frau Lotte im brasilianischen Exil nach. Die Zweigs - beide selbst Juden - verließen Österreich und danach Europa bereits kurz nach Hitlers Machtergreifung. Doch nun - in den Jahren 1941 und 1942 - quälen Stefan die Geister der Vergangenheit: Freunde, Bekannte und Verwandte, die sie verloren haben, suchen ihn nachts heim. Und immer schlimmere Berichte von den Greueltäten der Nazis und dem Fortschritt des Krieges versetzen die Zweigs in Angst und Schrecken. Stefan Zweig wirkt schon von Anfang des Buches an schwermütig und selbstzweifelerisch. Die Verbrennung und das Verbot seiner Bücher erschüttern sein Selbstbild als Autor. Aber auch die literarischen Kritiken und Rezensionen der Vergangenheit lassen ihn an seinem Stil und seiner eigenen Leistung zweifeln. Er selbst scheint sich nur als zweitklassig wahrzunehmen. Im Exil versucht er dennoch, weiter zu schreiben, was ihm jedoch sehr schwer fällt. Auch seine Frau Lotte kann ihn nicht aus seinen dunklen Gemütszuständen herausholen. Rückblickend scheint das Ende des Buches ein zwangsläufiges Ergebnis zu sein. Und gleichzeitig entsteht unglaubliches Mitgefühl mit den Zweigs. Ihre Verzweiflung, auch am Ende der Welt nicht sicher vor den Nazis zu sein, ist geradezu greifbar. In diesen schweren Jahren gestatten sie sich selbst keinen glücklichen Moment, da sie glauben, kein Glück verdient zu haben. Und auch wenn Stefan Zweig immer wieder sein politisches "Nichtstun" als echten, neutralen Pazifismus rechtfertigt, fühlt er sich doch wie ein Feigling. Beide haben so viel verloren und trauern so vielem nach, dass das Retten des eigenen Lebens dies nicht ausgleichen kann. Dieser Roman von Seksik bringt dem Leser die Gefühlswelt von jüdischen Emigranten während des zweiten Weltkriegs sehr nah, auch wenn Stefan Zweig kein emotionaler und manchmal nicht mal mögenswerter Protagonist ist. Ausgeglichen wird dies wiederum durch Seksiks sehr poetischen und bildhaften Schreibstil. An manchen Stellen wiederum wirkt der Roman zu analytisch und distanziert. Besonders die wiederholte Aufzählung von Zweigs prominenten Kontakten fand ich irritierend. Aus der reinen Verwendung der vollen oder lediglich Nachnamen wird nicht deutlich, in welcher Beziehung Zweig zu diesen stand. Immer wieder wird Sigmund Freud erwähnt ohne jedoch dessen persönlich Bedeutung für Zweig herzustellen. Dadurch kommt manchmal etwas der Eindruck auf, als handeln einzelne Passagen lediglich von der Aufzählung der Schicksale berühmter Emigranten. Wüssten man von den Beziehungen zu Zweig, würden einige der Verluste beim Leser sicher noch schwerer wiegen. Dieser "biographische Roman" widmet sich einer anderen Betrachtungsmöglichkeit des zweiten Weltkriegs - der der Exilanten, die sehnsüchtig darauf warten, endlich in ihre europäischen Heimaten zurückkehren zu können und wie unterschiedlich sie damit umgehen können. Zudem gibt er einen guten Einblick in die Persönlichkeit und das literarische Schaffen eines weltbekannten Autors. Gleichzeitig ist der Roman nicht so trocken und analytisch wie eine reine Biographie und somit - trotz der schweren Thematik, aber dank des wunderschönen Sprachstils - ein Lesegenuss mit sehr viel Potenzial für grüblerische Nachhaltigkeit.

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  • Rezension zu "Vorgefühl der nahen Nacht" von Laurent Seksik

    Vorgefühl der nahen Nacht

    michael_lehmann-pape

    31. May 2011 um 12:49

    Die letzten Tage Stefan Zweigs Wiederauferstehen lässt Laurent Seksik in seinem Roman sowohl im Stil als auch im Inhalt die vergessene Welt der „schöngeistigen Schriftsteller“, die zu ihrer Zeit der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts mit Fug und Recht lange der Überzeugung sein konnten, mit ihren sprachlich ausgereiften und inhaltliche tiefgehenden Romanen die Welt zu bewegen. Eine Welt der Ästhetik, in der Stefan Zweig einer der geachteten Schriftsteller war, eine Welt, die durch die Machübernahme Hitlers in eine lange, dunkle Nacht überführt wurde. Ganz ähnlich auch im Stil, wie er Zweig zu eigen war, nähert sich Seksik der letzten Monate im Leben des Autors und zeigt die dynamische Kurve des gesamten Romans bereits auf den ersten Seiten exemplarisch auf. Dort, wo Zweig aufatmend durch die Fenster seines neuen, vorläufigen Domizils, eines kleinen Hauses in Petropolis, Brasilien, schaut. Mut und Zuversicht machen sich auf den ersten Seiten zunächst breit. Endlich eine feste Adresse, „ein Ort des Neubeginns“. Aber umgehend holt ihn die innere Düsternis wieder ein. „Diese Zeit würde nie mehr wiederkommen....... Die Nacht hatte sich für immer abgesenkt“. Und wiederum schwingt die Stimmung um. Seine junge Frau, seine zweite Ehefrau, betritt den Raum. Er spürt die Verantwortung und was er ihr mit all dem Exil ebenso antut. Lotte, die schwer mit ihrem Asthma zu kämpfen hat. Fast zärtlich wird er, dann aber überkommt ihn die Begrenztheit auch dieses Hauses. Nur für 6 Monate gilt der Mietvertrag. Nur, um sich dann doch der neuen Vertrautheit dieses Ortes hinzugeben. Emotionale Schwankungen, denen Zweig fast wehrlos ausgesetzt ist, die sich seiner Kontrolle entziehen. Das ist der innere Leitfaden dieses ästhetischen und die Innenwelt des Schriftstellers in seinen letzten Tagen nachvollziehenden Romans. So viele seiner eng vertrauten Freunde sind verloren in der Zeit. Tot, verzweifelt, kontaktlos. So verloren ist die ganze Welt des Stefan Zweig, seit er sein geliebtes, kleines Schloss in Salzburg 1934 vorausschauend verlassen hat. Selbst der warme Empfang in Brasilien, das materiell relative Wohlergehen in dieser Zeit, die Kontakte, die er knüpft, seine fast 30 Jahre jüngere Frau, die ihm treu zur Seite steht, selbst all dies kann nicht verhindern, dass sich immer wieder die Nacht über ihn senkt. Nicht umsonst heißt sein letztes Buch, seiner Memoiren, welches im Roman fertig gestellt werden wird, „Die Welt von Gestern“. Ein Abgesang und eine Erinnerung an all das Verlorene, welches Zweigs Welt ausgemacht hat. Ein Prozess, den Seksik feinfühlig in Worte zu kleiden versteht und dem, allgemein bekannt, am Ende dieser letzten Etappe in Brasilien, der gemeinsame Freitod des Ehepaares am 22.2.1942 folgte. In diese Zeitspanne, von September 1941 bis Februar 1942 fasst Seksik konzentriert, neben der inneren Entfaltung der „Nacht“ in Zweig selbst, noch einmal diese goldene Ära künstlerischen Schaffens der 20er Jahre in Deutschland und Europa ein und versteht es so, neben dem detaillierten Psychogramm Zweigs, die Hintergründe offen zu legen, aus denen heraus Zweig für sich selbst keine andere Wahl mehr sah. Denn es ging nicht nur um den Verlust der äußeren Heimat, sondern letztlich um die Zerstörung seines inneren Heimatlandes, der Kunst im Rahmen der europäischen Verbundenheit und der Hoffnung, durch Freundschaften und Austausch ein friedliches Miteinander der Völker zu befördern. Sprachlich hervorragend geschrieben und die Atmosphäre jener Tage und der Innenwelt Stefan Zweigs treffgenau wiedergebend ist Seksik ein wunderbares Buch gelungen.

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