Lawrence LeShan Das Rätsel der Erkenntnis

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Inhaltsangabe zu „Das Rätsel der Erkenntnis“ von Lawrence LeShan

Die Frage „Was ist Bewusstsein?“ erscheint heute als das letzte große Rätsel menschlicher Erkenntnis und als größte theoretische Herausforderung der Gegenwart. Lawrence LeShan stellt sich dieser Aufgabe. In seinem Buch befasst er sich mit der Beziehung zwischen unserem Bewusstsein und unserer Wahrnehmung der Realität, den sogenannten „Weltbildern“. LeShan gibt einen Überblick über die bisherigen Bemühungen, Bewusstsein und geistige Prozesse zu definieren und zu erläutern – und belegt, warum diese Bemühungen gescheitert sind. Er erörtert, dass es keine mentalen Prozesse ohne Realitätsbezug und keine Realitätswahrnehmung ohne Bewusstsein gibt. In Anlehnung an Linnés biologische Taxonomie stellt er ein Klassifikationssystem für unterschiedliche Weltbilder bzw. für Bewusstsein auf. Der Autor erläutert sein Klassifikationsschema anhand zahlreicher Beispiele aus dem Alltagsleben, aus Geschichte, Kultur und Politik. Die praktische Bedeutung dieses neuen theoretischen Ansatzes für die Humanwissenschaften wie auch für die dazugehörenden Berufe wird dabei mehr als deutlich. LeShan hat mit seinen bahnbrechenden Büchern zur Psychotherapie bei Krebserkrankungen auch in den deutschsprachigen Ländern Geschichte geschrieben. Mit „Das Rätsel der Erkenntnis“ legt er sein altersweises Spätwerk vor.

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  • Rezension zu "Das Rätsel der Erkenntnis" von Lawrence LeShan

    Das Rätsel der Erkenntnis
    michael_lehmann-pape

    michael_lehmann-pape

    20. November 2012 um 10:56

    Was ist „Bewusstsein“ und wie entsteht es? So, wie LeShan das Buch beginnt, so führt er es auch in bester Weise fort. Ganz praktisch. Und das ist gut so, denn das Thema, dem er sich zuwendet ist mithin eines der komplexesten der Erkenntnistheorie und in seinen implizierten Metaebenen rein abstrakt kaum konzentriert zu fassen. So ist es ein Wohltat und ein hohes Gut zum Verständnis des Inhaltes, dass LeShan seine Darstellungen und seine Folgerungen immer wieder an ganz praktischem Handeln und an ganz praktischen Beispielen aus dem alltäglichen und öffentlichen Leben rückkoppelt. So findet der Leser zunächst leicht in das Thema hinein, wenn LeShan die verschiedenen Formen des Bewusstseins und der Weltwahrnehmung. Das „Wissen über die Funktion der Welt“ neben der emotionalen inneren Nähe in Bedrängnis zu einem externen Wesen hin zu einer nonverbalen Ausdrucksweise eines „geschützt seins“ an die Tochter eines Mannes, das rein subjektiv im Moment der Umarmung „geglaubt“ wird, aber natürlich gegen eine funktional begreifbare Realität steht, die von den gleichen Personen an anderem Orte eben auch überzeugend geglaubt und gelebt wird. So entsteht ein Bild des Bewusstseins als Puzzle von Teilen, die sich eigentlich ausschließen. Das ein freundliches Universum existiert, in dem Liebe die Probleme löst passt nicht zum rationalen Wissen, dass alles, gerade das persönliche Leben und der Planet einmal zu Staub zerfallen werden. Einfach so. Und wenn dann noch z.B. so etwas wie „Tanzen“ dazukommt, wo die Grenzen zwischen getrennten Einheiten sich auflösen, wenn man sich ganz hingibt, dann wird deutlich, dass die bewusste Wahrnehmung der Welt in der gleichen Person sehr unterschiedlich je nach Augenblick ausfallen kann. Auf diese Wiese gleich „mitten im Thema“ ist der Leser bestens eingestimmt für die weiteren Darlegungen LeShans. Übersichtlich stellt er die Bereiche des Bewusstseins zunächst dar und zeigt anhand der „Bereiche eines Weltbildes“ die verschiedenen Wege, die zu verschiedenen Auffassungen führen, auf. Das gewählte Beispiel des „Problem Fundamentalismus“ führt überzeugend und hoch einprägsam die theoretischen Überlegungen in ihren praktischen Auswirkungen vor Augen. Wobei diese und weitere Darstelllungen im Buch letztendlich einmünden in eine Darstellung von „Wegen zur Wahrheit“, die im vorgestellten „Bereichsmodell“ (in vier Bereiche unterteilt: quantitativ eigenständig, quantitativ fortlaufend, nichtquantitativ eigenständig, nicht quantitativ fortlaufend) sowohl individuelle Verschiedenheiten berücksichtigen, wie doch Klassifikationen zu geben vermögen. Im Bereichsmodell legt LeShan fundiert argumentiert vor, dass die Wege zur Wahrheit, zur Realitätswahrnehmung und zum Bewusstsein nicht denkbar sind ohne grundlegende Berücksichtigung des „Bereiches“, aus dem heraus konkret Menschen individuell verschieden reagieren und geprägt werden. Was Wahrheit ist, hängt davon ab, was der konkrete Mensch versucht, zu tun. Und in welchem „Bereich“ er sich mit seinen Zielen und Fragen aktuell befindet. „Die valide Antwort auf eine Frage ist diejenige, die durch eine korrekte Anwendung der passenden Methode für den Bereich, in dem die Frage existiert, gefunden wird“. Fremde Worte und ein ziemlicher Brocken für gerade die westliche Grundüberzeugung, durch Aufklärung, Deduktion, Analyse und Synthese „objektiv richtige“, das heißt, für alle geltende, Antworten zu finden. Aber im Positiven eine fundierte Öffnung des Nachdenkens über das Bewusstsein durch LeShan, dass vielfach neue Ansatzpunkte zur Diskussion eröffnet. „Man soll“ oder „Man muss“ gilt durchaus, aber eben nur in konkreten Parametern, die unterschiedlich vorliegen können und damit zu unterschiedlichen, nichtsdestotrotz „wahren“ Wahrheiten führen. Gelagert in einen Weltbildansatz von kohärenten, organisierten Konzepten vom Wesen und von der Funktionsweise der Dinge mitsamt einem Vergleich der „Nützlichkeiten“ dieser Konzepte in und für verschiedene Situationen. Ein, trotz der abstrakten Grundfrage, verständliches, praxisgebundenes Buch, in dem LeShan die Entwicklung von „Weltbildern“ darlegt und deren innere Logik aufweist und damit Wege zu Lösungsmöglichkeiten bei „Weltbildkonflikten“ ebenso aufweist, wie er einen anderen Blick auf das wirft, was „Bewusstsein“ genannt wird und eben nicht logisch-folgerichtig beständig und gleichbleibend vorliegt. Ein hoch spannendes Buch zu einem zentralen Thema menschlichen Seins und Denkens.

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