Lawrence Osborne Denen man vergibt

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Inhaltsangabe zu „Denen man vergibt“ von Lawrence Osborne

In einer träumerischen Landschaft inmitten der Wu?ste Marokkos veranstalten Richard und Dally fu?r ihre Freunde eine dreitägige extravagante Party im Gatsby- Stil, mit Kokain, Champagner, Pool und Feuerwerk. Auf dem Weg dorthin u?berfährt das britische Paar David und Jo, angetrunken und heillos zerstritten, einen Fossilienverkäufer am Straßenrand und möchte die Leiche am liebsten verschwinden lassen. Aber da taucht die Familie des Opfers auf und verlangt Davids Anwesenheit bei der Beerdigung in einem abgelegenen Dorf, während Jo sich weiter auf der ausgelassenen Party vergnu?gt. Die strebt ungebrochen ihrem Höhepunkt zu – unter den argwöhnischen Augen des Hausangestellten Hamid. Lawrence Osborne seziert seine Figuren gnadenlos, ihre Persönlichkeit und ihre Beziehungen, erfindet eindru?ckliche, filmische Szenen und schwankt in seiner feinen Schreibweise zwischen Zärtlichkeit und Zynismus.

Eine so lebendige Sprache gibt es viel zu selten. Absolut empfehlenswert

— Bietzer
Bietzer

Ein Roman mit dem Potenzial eines der Highlights 2017 zu werden. In großer Tradition der Roaring Twenties modern umgesetzt.

— miss_mesmerized
miss_mesmerized

Es gibt so viel Möglichkeiten, dieses Buch zu lesen, dass man am Ende gerade wieder neu beginnen könnte.

— JulesBarrois
JulesBarrois

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  • Lawrence Osborne - Denen man vergibt

    Denen man vergibt
    miss_mesmerized

    miss_mesmerized

    17. June 2017 um 06:30

    David und Jo verlassen die Fähre, die gerade in Marokko angelegt hat. Sie sind auf dem Weg zu einer 3-tägigen Party bei Freunden am Rand der Wüste. Doch der Weg dorthin ist beschwerlich und David hat zu viel getrunken. Es passiert, was passieren muss: Mitten in der Nacht überfahren sie einen jungen Mann. Unentschlossen, was zu tun ist, packen sie die Leiche in ihr Auto und nehmen sie mit zum Anwesen von Richard und Dally, die sicherlich wissen, was zu tun ist. Die Polizei wird verständigt, doch auch diese hat wenig Interesse an einem Fall, in den Ausländer verwickelt sind und ein namenloser Fossilienverkäufer hat ebenfalls keine Priorität. David und Jo erholen sich dank Alkohol und Drogen schnell von dem Schreck, doch am nächsten Tag taucht die Familie des Toten auf und verlangt nach Wiedergutmachung. Während Jo sich weiter der ausgelassenen Feier hingibt, muss David den Vater des Jungen begleiten, an ein unbekanntes Ziel mit unbekanntem Ausgang.Lawrence Osbornes Roman kommt einem vor wie aus der Zeit gefallen. Erschienen 2012 im Original unter dem Titel „The Forgiven“ und 2017 in der deutschen Übersetzung, hat man von der ersten Seite an den Eindruck, ein Werk der 1920er in den Händen zu halten. Würden die Figuren nicht immer wieder ihr Handy benutzen, ließen sie sich auch kaum in der Gegenwart verorten. Erzählstil, Setting, Themen – vieles erinnert an die Roaring Twenties und ihre großen Autoren wie F. Scott und Zelda Fitzgerald, E.M. Forster, Ernest Hemingway, Edith Wharton oder auch die später schreibende Patricia Highsmith.Das Setting des Romans ist das zunächst augenscheinlichste Moment. Fernab des Alltags treffen sich eine Gruppe von Schönen und Reichen in dem Anwesen der beiden Homosexuellen Richard und Dally, um dort ausgelassen mehrere Tage eine rauschende Party im Stile eines Gatsby zu feiern. Es mangelt an nichts; das Personal, ausschließlich aus Marokkanern bestehend, umsorgt die Gäste rund um die Uhr und erfüllt jeden Wunsch. Der Alkohol fließt reichlich und bald schon werden die Konventionen, die man mit dem Übersetzen nach Afrika hinter sich gelassen hat, vollends vergessen. Einzig störend wirken der Wüstenwind und die Gluthitze. Hier kommt Osbornes große erzählerische Stärke zum Vorschein: die Beschreibung des aufkeimenden Windes, der den Wüstensand überall verteilt: „Über Nacht war der Sand zu einem ernstzunehmenden Gegner geworden. Einem Gegner, der so klein, so heimtückisch war, das sie ihn nicht bekämpfen konnten. Nichts erbost mehr als ein ungleicher Kampf. Die Frauen beklagten sich, die Männer bissen auf die Zähne und baten das Personal um Hilfe.”Keine alltagsweltlichen Probleme können die Figuren belasten, aber in der Fremde sind sie plötzlich ihrer Macht beraubt und müssen sich auf die Marokkaner verlassen. Diese beobachten mit ausdrucksloser Mine das Treiben und die Oberflächlichkeit der in ihren Augen Ungläubigen – Alkohol, Drogen, Homosexualität, Ehebruch. Erst der Unfall scheint die Verhältnisse umzukehren: die mit Verachtung gestraften Landsleute sind plötzlich an der Macht zu bestimmen, welche Strafe der Engländer bekommen soll. Und das Personal erwartet von der Familie, dass sie den Mord gerecht ahnden werden.Hier beginnt der zweite, spannungsgeladene Aspekt des Romans. David wird nicht entführt, er begleitet die Männer freiwillig an den unbekannten Ort und weder kann er sie verstehen noch weiß er, was dort geschehen wird. Wie der Protagonist ist auch der Leser plötzlich herausgerissen aus der unbeschwerten Leichtigkeit der Feier hinein geworfen in eine lebensbedrohliche Situation. Vieles kann man sich vorstellen und hier holt einem der Autor bei der stärksten Frage des Romans ab: welche Erwartungen haben wir an das Handeln dieser nach westlicher Norm unzivilisierten Wüstenmänner und wie ausgeprägt sind auch im 21. Jahrhundert unsere Vorurteile?Zwei Kulturen treffen aufeinander: einerseits die Gläubigen Marokkaner, die nur in Form von Bediensteten an der Party teilnehmen oder als Rache suchende Familie des Opfers auftreten; andererseits die Globetrotter, die das schöne Leben kennen und pflegen und ihrem Hedonismus freien Lauf lassen. Die gegenseitige Verachtung wird von Osborne nicht subtil, sondern ganz offen thematisiert und die Angst vor dem nicht abzuschätzenden Handeln der Familie weicht mehr und mehr der Empörung über das Handeln der Partygäste. Am Ende wird die Haltung sehr prägnant auf den Punkt gebracht und lässt einem als Mitglied dieser Kultur durchaus beschämt zurück:„Aber er hatte ihm nie auch nur eine einzige Frage zu den Berbern gestellt, die für ihn offenbar ausschließlich Teil einer unveränderlichen Kulisse waren. Lebendes Inventar sozusagen. Natürlich äußerte er ihretwegen Bedenken und war wie jedermann heutzutage darauf konditioniert, ihnen zu misstrauen. Doch in Wahrheit war ihm jedes Wort über sie zu viel. Natürlich galten sie als Reservoir des Terrorismus, was sie dann wiederum doch für hitzige Diskussionen interessant machte.”Ein wirklich beachtenswerter Roman in klassischer Tradition, der den großen Vorgängern in nichts nachsteht.

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  • Das dünne Eis der Kulturen

    Denen man vergibt
    JulesBarrois

    JulesBarrois

    05. February 2017 um 10:15

    Denen man vergibt - Lawrence Osborne (Autor), Reiner Pfleiderer (Übersetzer), 272 Seiten, Verlag Klaus Wagenbach, Verlag (3. Februar 2017), 22 €, ISBN-13: 978-3803132864 Eine dekadente Wochendparty mitten in der Wüste von Marokko. Veranstalter und Einlader ist das schwule Paar Richard und Dally. Das englische Ehepaar David und Jo Henniger wollen ihrer unglücklichen Ehe und ihrem unglücklichen Leben in London entfliehen, aber ihre Probleme sind ihnen gefolgt. Sie kommen zu spät. Sie hatten einen Unfall. Und ab jetzt ist nichts mehr wie es war. Unvorhergesehenes und Unerwartetes machten die Situation extrem kompliziert. Ist David ein Alkoholiker? Sind alle Menschen aus dem Westen rücksichtslos und moralisch unverantwortlich? Kann Reue ausreichen, um ihr Schicksal zu beeinflussen? Gewalt und Ausschweifungen in der marokkanischen Wüste führen zu kulturellen Missverständnissen ... und zu mehr Gewalt und Ausschweifungen. Osborne schafft ein fiebriges und erschreckendes Szenario: die internationalen Gäste, von denen einige mit dem Hubschrauber angekommen sind, das verschwenderische Essen und die Getränke aus der ganzen Welt eingeflogen, das Kokainschnupfen, der einheimische Honig, gewürzt mit Cannabis, das Nacktschwimmen, und diese Dekadenz wird subtil gegen die Reaktion der örtlichen Marokkaner gesetzt, die die unverschämten Westler beneiden und verachten. Hamid, der oberste Hausdiener, der die teuren ungläubigen Weine dekantiert, beaufsichtigt die Picknicks, das Feuerwerk und die endlose Versorgung mit Eis, Champagner und Kif, ist ein wunderbar gezeichneter Charakter. Er versteht gut beide Welten, in denen er lebt. Und er hat eine tiefe Abneigung gegen westliche Werte. Dieser Zusammenstoß von Werten ist eines der Motive dieses Buches. Der Glanz der Partys und ihrer Gäste stehen im Gegensatz zu den düsteren Lebeweisen der armen Marokkaner: Ein Zusammenstoß der Welten, die postkoloniale Angst und die seit dem 11. September gewachsenen kulturellen Missverständnisse. Verschiedene Elemente von „Der große Gatsby“ tauchen in diesem Buch auf: extravagante Parteien, sorglose Menschen, eheliche Zwietracht. Lawrence Osborne hat ein scharfes Auge für diese Art von sozialer Gelegenheit. Er schildert die Leere und Hohlheit der hohen Gesellschaft so herrlich und schneidend, wie er das Unbehagen der Kulturen in die unversöhnliche Wüste verlegt. Es ist unglaublich, wie viele Charaktere Lawrence Osborne erschafft. Es gibt sensible Porträts von Männern und Frauen, Besuchern und Marokkanern. Besonders gelungen sein Porträt einer missglückten Ehe. Er seziert seine Charaktere gnadenlos, wenn er zum Beispiel Richard über David Henninger sagen lässt: „Ein Mediziner, der nur öffentliche Schulen besucht hat. Was erwartest du denn?“ (Seite 86) Und nicht nur seine Charaktere, auch die jahrhundertealte kulturelle Kluft zwischen den Wüstenleuten und den westlichen Ungläubigen zerlegt er mit der Präzision eines Pathologen. „Die Ungläubigen kannten keine Zufriedenheit, kein Feingefühl. Sie hatten keinen Sinn für Ordnung, Sauberkeit und Anstand.“ (Seite 80) Er verbindet Angst, Langeweile, Vergebung, Urteil, Ehre und sexuelle Anziehung in seinem Roman, der mit einem finsteren Tempo auf sein Ende stürzt, das zugleich ironisch, überraschend, dunkel und komplett passend ist. Niemand ist unschuldig in dieser Geschichte. Werden alle verzeihen und vergessen, oder gibt es Dinge, die man nicht vergeben kann? Diese Frage hängt über der Erzählung bis zur allerletzten Seite. Lawrence Osborne hat ein scharfes und manchmal grausames Auge für Menschen und ihre Manieren und Moral und für die natürliche Welt. Sie können fast jede Seite öffnen und finden brutal feine Beobachtungen, zynisch, zärtlich, außerordentlich akut über die menschliche Natur. Er schreibt eine schön nuancierte Prosa, intensiv und mit viel Liebe zum Detail voller Atmosphäre und Spannung. Und er liefert moralischer Mehrdeutigkeit in Hülle und Fülle. So kann und sollte dieser Roman aus vielerlei Blickwinkeln gelesen werden. Einmal unter dem Aspekt der Entfremdung voneinander. Zum anderen unter dem Blickwinkel der Überbleibsel des Kolonialismus. Oder unter der Perspektive der ganz unterschiedlichen Kulturen, die hier aufeinanderprallen. Aber auch die hoffnungsvolle Sichtweise ist vertreten, wie ein Mensch in einer sehr schlimmen Situation mit dieser leben und sich sogar verbessern kann. Es gibt so viel Möglichkeiten, das Buch zu lesen, dass man am Ende gerade wieder neu beginnen könnte.   Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Klaus Wagenbach Verlages https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1085-denen-man-vergibt.html Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de

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