Lawrence Wright Im Gefängnis des Glaubens

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Inhaltsangabe zu „Im Gefängnis des Glaubens“ von Lawrence Wright

Die Sekte der Stars: Was Scientology so attraktiv und gefährlich macht

Scientology ist eine der umstrittensten sogenannten neuen religiösen Bewegungen. In Deutschland wird die Organisation vom Verfassungsschutz beobachtet. Was aber macht Scientology immer wieder attraktiv für Menschen auch in Deutschland? Warum hat Scientology so große Anziehungskraft gerade auf Hollywood?

In seinem neuen Buch begibt sich der Pulitzer-Preisträger Lawrence Wright ('Der Tod wird euch finden' über Al-Qaida) in das Herz von Scientology. Nach jahrelangen Recherchen im Umfeld der Organisation schildert er ihre Gründung durch den Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard, die bisweilen bizarr anmutenden Glaubensinhalte und die aggressiven Praktiken gegenüber Mitgliedern, Abtrünnigen und Kritikern. Seine Gespräche mit dem Filmregisseur und Ex-Mitglied Paul Haggis verschafften Wright tiefe Einblicke in die auffällig enge Beziehung gerade von Filmschaffenden – unter ihnen etwa Tom Cruise und John Travolta – zu Scientology.

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  • Umfassende Darstellung einer autoritär geführten Vereinigung

    Im Gefängnis des Glaubens

    michael_lehmann-pape

    16. September 2013 um 13:44

      Dass im Kern Scientology, jene weltweit kritisch betrachtete Vereinigung von Nachfolgern und Anhängern der Lehre des ehemaligen Science-Fiction Autors Ron L. Hubbard bei Licht betrachtet „nur“ 30.000 wirklich eingetragene Mitglieder hat (bei behaupteten Millionen, das ist  nur eine der vielen interessanten und so bis dato nicht umfassend breit bekannten Informationen über Scientology, die Wright in seinem sorgfältig recherchierten mitteilt.   Mit der großen Stärke in Form und Stil, dass Wright mit den Augen eines unvoreingenommenen Betrachters sich dieser Vereinigung mit David Miscavige an der Spitze und der „Sea Org“ als Führungsorganisation, mit dem „inneren Ziel“, die „uneingeschränkte materielle Herrschaft über das Universum“ auszuüben auf dem Weg zahlreicher „Wiedergeburten“, nähert.   Weder polemisch noch übersitzt, weder verharmlosende noch unkritisch arbeitet sich Wright auf den gut 500 Seiten des Buches durch die Geschichte und Gegenwart dieser (das ist nach  der Lektüre glaubhaft geklärt), hoch autoritären und seinen Mitgliedern mit einem immensen Druck gegenübertretenden „Glaubensvereinigung“. Auch wenn es gerade westeuropäische Leser irritieren mag, dass Wright Scientology durchweg als „Kirche“ bezeichnet, ist dies kein positives Werturteil durch den Autor, sondern dem rechtlichen Status in den USA geschuldet.   Eine autoritäre Vereinigung, mit deutlich von Science-Fiction Fantasien (Aliens spielen eine große Rolle in Hubbards Denken) und oberflächlich psychologischen „Therapien“ (Dianetik) durch vermeintliche „Lebenshelfer“ (Auditoren) angehauchter „Praxis“, der, folgt man aufmerksam Wright durch das Buch, es wohl nach Hubbard vor allem um Geld, Einfluss, Macht und eigene Prestige geht. Ausführlich geht Wright diesem Faden der Vereinigung nach und weist überzeugend nach, dass genau deswegen „berühmte“ und einflussreiche Hollywoodstars, aber auch Politiker, im Fadenkreuz der Anwerbung stehen.   „Leben vom Glanz anderer“ nach Außen und eine strikte und harsche Führung nach Innen (bis hin zur regelmäßigen massiven Gehirnwäsche gerade am Nachwuchs), erschreckend ist dieses sachliche und nüchterne Bild, das Wright sprachgewandt vermittelt. Und das als Strategie schon unmittelbar nach der Gründung 1955 eingeführt. „Wer einen dieser Prominenten an Land zieht, wird mit einer kleinen Gedenktafel belohnt“.   Dass auch hohe Funktionäre beileibe nicht „oben“ sind, sondern ganz schnell in „Straflagern“ auf Jahre hinaus landen können, dass dort in hohem Maße menschunwürdige Verhältnisse mitsamt regelmäßiger körperlicher Gewalt den Umgang der „Wärter“ mit den „zur Reue zu kommenden“ pflegen, auch das ist eine nicht sonderlich öffentlich weit verbreitete Information, die den Leser erschrecken lässt. Abgesehen vom an sich bereits cholerischen Temperament Miscaviges, dem gerne mal die „Hand ausrutscht“.   Und das auf dem Hintergrund einer „Lehre“ und „technischer Hilfsmittel“ (zu Hubbards Zeiten einfach zwei Blechdosen), die im Vergleich selbst den Aberglauben des europäischen Mittelalters noch als fortschrittliche Aufklärung durchgehen lassen würde.   Wobei Wright dem Gründer Hubbard durchaus noch mit hier und da Sympathie begegnet und diesen als „lebenslang suchenden“ auf ganz einfache Weise beschreibt, ein fast „sympathischer Kauz“ (was nicht darüber hinwegtäuschen soll und kann, dass alle Grundzüge der autoritären und menschenverachtenden Methoden von Hubbard bereits auf den Weg gebracht wurden).   Aber schon die Geschichte von Hubbards Sohn Quentin, hochrangiger Auditor der frühen Tage bei Scientology, zeigt, wie sehr Menschen innerlich eingefangen werden von dem ständigen und umfassenden psychologischen Druck. „Er war nackt. Er war 1,55 Meter groß und wog weniger als 50 Kilo“ als er von der Polizei schlafend in einem Auto entdeckt wurde.   Und wie schwierig es ist, ein Entrinnen zu finden, auch das schildert Wright. Überaus erschwert nicht zuletzt durch die Verfolgung durch Scientology, die jedem Aussteiger versucht, die Hölle auf Erden zu bereiten.   Dies ist ein wichtiges Buch, dass eine profunde, sachliche und gerade durch seine nüchtere Unvoreingenommenheit das gesamte „System Scientology“ offenlegt und jede Bobachtung durch polizeiliche und politische Behörden als letztlich noch „zu wenig“ erscheinen lässt.

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