Leïla Slimani

 4.2 Sterne bei 243 Bewertungen
Autorin von Dann schlaf auch du, Sex und Lügen und weiteren Büchern.
Leïla Slimani

Lebenslauf von Leïla Slimani

Leïla Slimani, geboren am 3. Oktober 1981 in der Hauptstadt Marokkos, ist eine französisch-marokkanische Autorin und Journalistin. Sie studierte an der Universität "Sciences Po" in Paris Medien und Politik und arbeitete anschließend als Journalistin für das Magazin "Jeune Afrique". 2014 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, der in Frankreich preisgekrönt und verfilmt wurde. Ihr zweiter Roman wurde auch ins Deutsche übersetzt: der psychologische Thriller "Dann schlaf auch du". In Frankreich wurde dieser 2016 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet. Slimani lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Paris.

Alle Bücher von Leïla Slimani

Dann schlaf auch du

Dann schlaf auch du

 (224)
Erschienen am 21.08.2017
Sex und Lügen

Sex und Lügen

 (7)
Erschienen am 10.09.2018
Warum so viel Hass?

Warum so viel Hass?

 (0)
Erschienen am 13.05.2019
All das zu verlieren

All das zu verlieren

 (0)
Erschienen am 13.05.2019
Dann schlaf auch du

Dann schlaf auch du

 (6)
Erschienen am 21.08.2017
All das zu verlieren

All das zu verlieren

 (0)
Erschienen am 13.05.2019
Lullaby

Lullaby

 (3)
Erschienen am 11.01.2018
Chanson douce

Chanson douce

 (3)
Erschienen am 18.08.2016

Neue Rezensionen zu Leïla Slimani

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Buchstabenliebhaberins avatar

Rezension zu "Dann schlaf auch du" von Leïla Slimani

Trau keiner Fremden
Buchstabenliebhaberinvor 7 Tagen

Myriam und Paul haben die Kurve gekriegt. Glücklich verheiratet, zwei wohlgeratene Kinder, zwei vielversprechende Karrieren. Nach der Geburt des kleinen Sohnes Adam sah es eine zeitlang nicht so rosig aus - Myriam vermisste ihre Arbeit, die Mutterrolle füllte sie nicht aus, und auch Paul war von der ganzen neuen Verantwortung überfordert.


Dann kam Louise. Das perfekte Kindermädchen. Ein absoluter Glücksgriff, nicht nur erfahren mit guten Referenzen, Louise ist auch ein Haushaltswunder, ein Organisationstalent. Immer verfügbar, immens belastbar, die Kinder lieben sie, das Ehepaar blüht auf, Myriam und Paul haben nun den Rücken frei, ihre Karrieren voran zu treiben. Louise ist ja da. Louise gehört bald dazu, ist aus dem Alltag der Massés nicht mehr wegzudenken. Selbst in den Urlaub fährt sie mit.

Aber was wissen Paul und Myriam von Louise? Nur Fragmente. Louise ist unauffällig, bewegt sich lieber im Hintergrund, sie erzählt nicht gern von sich, sie überzeugt lieber mit ihren Dienstleistungen. Bald wird Louise zur Selbstverständlichkeit für die kleine Familie. Niemand macht sich Gedanken, wie es Louise geht. Wo sie her kommt, was sie beschäftigt. Warum sie so viel Zeit bei den Massés verbringen kann. Das wird schon alles seine Richtigkeit haben. Ab und an plagen die beiden Zweifel, aber diese werden verdrängt.

Louise ist aber lang nicht so selbstlos, wie sie sich gibt. Louise ist einsam. Sie betrachtet die Massés nicht als Arbeitgeber, sie hat längst die nötige Distanz verloren, sie sieht sich als Familienmitglied, als Freundin, sie träumt vom nächsten gemeinsamen Urlaub. Louise hat psychische Probleme. Sie bekommt ihr eigenes Leben eher schlecht als recht auf die Reihe. Es geht abwärts mit ihr, ihr Umgang mit den Kindern wird ruppiger, unfreundlicher, aber Myriam und Paul bekommen das nur ganz am Rande mit, so beschäftigt sind sie mit sich selbst.

Hätte jemand die Katastrophe kommen sehen können? Hinterher ist es immer einfach, dies zu behaupten. Louise hat ihre Rolle perfekt gespielt. Es war zu verführerisch für Myriam und Paul, dieses perfekte Geschenk des Himmels, die perfekte Nanny, einfach anzunehmen.

Das Buch ist spannend geschrieben, in einer klaren Sprache, die sich gut weglesen lässt. Zum Schluss zieht es sich ein wenig zu sehr in die Länge, hier hätte ich gern noch mehr zu Louises Hintergrund erfahren.


Kommentare: 1
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Saimes avatar

Rezension zu "Sex und Lügen" von Leïla Slimani

Berührend. Aufrüttelnd und sein eigenes Leben wertschätzend.
Saimevor 22 Tagen

Autsch, Augen öffnen, genau hinsehen/hören und ciao! Mich hat schon lang kein Buch im Alltag so sehr beschäftigt wie dieses! In dem Buch ‚Sex und Lügen‘ welches im @btb_verlag erschienen ist, schreibt Leïla Slimani die berührenden Geschichten und Bekenntnisse von 16 Frauen aus Marroko ungefiltert nieder. Geschichten über absurde Gesetze von Liebe und Sex. Ein Beispiel: Artikel 490 des Strafgesetzbuchs sieht vor, dass Personen unterschiedlichen Geschlechts, die nicht miteinander verheiratet sind und miteinander Geschlechtsverkehr haben, mit einer Freiheitsstrafe zwischen einem Monat und einem Jahr zu bestrafen sind. Sie erzählen von familären Strukturen und Erwartungen, der Zerrissenheit darüber, diese Erwartungen zu erfüllen oder lieber ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Die Unterdrückung der Frau und die Tabuisierung der Sexualität. Sätze wie „Und wenn jemand etwas gegen mich hat, findet er jederzeit einen Grund, um mich verhaften zu lassen. Unser Lebenswandel ist illegal. Daher können wir in unserem Kampf nicht bis zum Äußersten gehen. Weil wir Angst haben.“ (Radiomoderatorin Faty Badi) machen einen klar wie persönlich und gefährlich der feministische Kampf ist. Auch interessant die Aussage der libanesischen Dichterin und Journalistin Joumana Haddad zur Kölner Silvesternacht 2015. “Mütter, es tut mir leid, euch das zu sagen: Wenn eure Söhne zu Schlägern, Vergewaltigern, verwöhnten Ehemännern werden, wenn sie also Machos sind, dann hat das nicht nur mit Gesellschaft und Kultur zu tun. Es liegt auch an euch, ihren Müttern. […] Anstatt eurer Tochter zu erzählen, dass sie Beute ist, versucht eurem Sohn zu sagen, dass er kein Jäger ist. Anstatt eure Tochter zu lehren, den Mund zu halten, versucht eurem Sohn beizubringen zuzuhören. Anstatt eurer Tochter zu verbieten, dieses T-Shirt zu tragen, macht eurem Sohn klar, dass dieses T-Shirt keine offene Einladung zum Sex ist. Anstatt eure Tochter zu zwingen, sich zu verhüllen, erklärt eurem Sohn, dass eine Frau mehr ist als ihr Körper.“(Zeit.de) 201 Seiten! Berührend. Aufrüttelnd und sein eigenes Leben wertschätzend.

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weltentzueckts avatar

Rezension zu "Sex und Lügen" von Leïla Slimani

Erschreckend, augenöffnend!
weltentzuecktvor einem Monat

Meine Meinung:

Obwohl die Emanzipation der Frau auch in Deutschland noch nicht gänzlich abgeschlossen ist, halten wir viele Dinge für ganz selbstverständlich. So zum Beispiel die Entscheidung darüber, wann wir mit wem intim werden und wie weit wir dabei gehen. Leila Slimani zeigt, dass dies in einigen Teilen der Welt (hier Marokko) schier undenkbar ist. Sie erörtert in ihrem Vorwort zunächst die gesellschaftliche und kulturelle Situation in Marokko, führt den Leser in die Problematik ein, die mit dem Festhalten an alten Wertevorstellungen in der heutigen Zeit einhergeht.
Sie gibt marokkanischen Frauen eine Stimme, die aus gut nachvollziehbaren Gründen nicht für sich selbst sprechen können:

Ihre Sexualität, ihr Körper wird von der Gesellschaft, der Religion, der Politik, sogar vom Gesetz tagtäglich beeinflusst und stark eingeschränkt. Keine der Frauen möchte sich öffentlich zu dem Thema äußern, da sie in Ungnade fallen, Schande über die Familie, ja sogar verhaftet werden könnte, sollte jemals herauskommen, dass sie zum Zeitpunkt der Hochzeit nicht unberührt war, dass sie sich vielleicht zu Frauen hingezogen fühlt, dass sie möglicherweise sogar Ehebruch begangen hat.

Leila Slimani und die Frauen, für die sie spricht, bringen uns die marokkanische Kultur näher. Sie erzählen von familären Strukturen und Erwartungen, der Zerrissenheit darüber, diese Erwartungen zu erfüllen oder lieber ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Sie erzählen von arrangierten Ehen, Gewalt, Unterdrückung, von Angst. Angst davor, den Ruf der Familie zu ruinieren, Angst davor, im Gefängnis zu landen, Angst davor, niemals sexuell, aber auch emotional, frei zu sein.

Sie zeigen, welche Rolle die fräuliche „Reinheit“ in der Gesellschaft einnimmt. Einige gehen sogar so weit, sich das Jungfernhäutchen wieder herstellen zu lassen, um Spott und Gefahren durch Männer und auch andere Frauen zu entgehen. Dieses Thema bestimmt also das Leben aller. Es findet sich in der Erziehung, in den Umgangsformen zwischen den Geschlechtern, in der Politik, im Gesetz, im Alltag eines Jeden wider. Dadurch sind nicht bloß Frauen, sondern auch Männer von dem Tabuthema Sexualität betroffen.

Die Erzählungen der Frauen sind sich alle sehr ähnlich. Die schiere Anzahl und die Tatsache, dass Frauen aus allen möglichen Schichten, aus allen möglichen Altersklassen betroffen sind, hilft Slimani allerdings in ihrem Versuch, auf die Problematik aufmerksam zu machen und Veränderung herbeizuführen.

 

Das Buch war sehr leicht zu lesen und hat mich sensibilisiert. Obwohl ich vorher bereits wusste, dass das Thema andernorts komplizierter ist, hat „Sex und Lügen“ mir die Problematik in Erinnerung gerufen und mir die Augen geöffnet. Doch obwohl man sich für die marokkanischen Frauen eine baldige Veränderung wünscht, scheint niemand eine klare Lösung zu kennen. Sie selbst halten an ihren Traditionen und ihren Wertevorstellungen fest und vermitteln sie weiter an die nächste Generation, was Wandel erschwert.

5 von 5 Sternen und ein großes Dankeschön an den btb Verlag und die Verlagsgruppe Random House für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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Leïla Slimani wurde am 03. Oktober 1981 in Rabat (Marokko) geboren.

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