Lea Singer Anatomie der Wolken

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Inhaltsangabe zu „Anatomie der Wolken“ von Lea Singer

Caspar David Friedrich & Johann Wolfgang von Goethe»Keine Ahnung von Mythologie und klassischen Regeln, doch Wolken malen kann dieser Friedrich«, ereifert sich Geheimrat von Goethe über den jungen, wilden Romantiker. Im Jahr 1810 begegnen sie sich erstmals: der berühmte Dichter und der Maler, der sich weder aufs Reden noch aufs Schreiben richtig versteht, der diplomatische Minister und der Habenichts ohne Manieren. Doch eine Leidenschaft verbindet sie: die Erkundung der Wolken.

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  • Der Krieg zwischen Sturm und Drang und der Romantik

    Anatomie der Wolken
    FreydisNeheleniaRainersdottir

    FreydisNeheleniaRainersdottir

    *** Achtung, könnte Spoiler enthalten! *** Goethe, bereits die 60 überschritten, kann sich mit seinem Alter einfach nicht abfinden. Er hält sich nicht für alt und möchte denen, die ihn aufgrund seines letzten Werkes senil schimpfen und ihm nahelegen, endlich in den Ruhestand zu treten, mundtot machen und sich selbst etwas beweisen. In diesem Werk von Lea Singer ist Goethe ausnahmsweise mal nicht der brilliante Dichter und schöpfer unzähliger Werke, die den Sturm und Drang prägten, sondern ein eitler, alter Mann, der nicht begreift, dass er seinen Zenit überschritten hat, unzählige Affären mit wesentlich jüngeren Frauen unterhält, obwohl er verheiratet ist und seine Ehefrau mehr als stiefmütterlich behandelt, weil sie ihm, angeblich durch ihre Kleingeistigkeit, den Raum zum Denken und kreativ werden nimmt. Der Goethe in diesem Buch macht den Eindruck, die Welt müsse sich um ihn drehen und nur er, er allein, kennt die allumfassende Wahrheit der Naturgesetze. Und dann ist da Caspar David Friedrich, in seinen Dreißigern, nichts anderes im Sinn außer wandern gehen und Wolken malen, die er liebt. Er lebt in bescheidenen Verhältnissen und muss sich von seinem Bruder Geld schicken lassen, damit er sich weiterhin Künstlerbedarf leisten kann. Friedrich ist leicht aufbrausend, verwendet gern und häufig das Wort Scheiße, ist aber direkt und bescheiden. Und wesentlich sympathischer als der Goethe in diesem Buch. Apropos Goethe: Der kann pertout nicht verstehen, weshalb neuerdings alle von Friedrich schwärmen, der in seinen Augen ein Nichts darstellt, ein dummer Romantiker, aus dem, wenn es nach Goethe geht, niemals etwas werden kann. So schickt er Louise Seidler, eine junge Künstlerin, die er fördert und in seinen Ansichten unterweist, zu diesem Wolkenmaler, um ihn auf den Zahn zu fühlen. Diese schließt Friedrich aber in ihr Herz und freundet sich mit ihm an. Der wiederrum hilft der Seidler, weil sie zwar die Begabung besitzt, Personen zu porträtieren, jedoch keine Wolken malen kann. Schon bald steht die arme Louise zwischen den Ansichten der beiden genialen Männer und weiß nicht, wem sie loyal sein soll. Als Goethe dann in einem Anfall von Wut und Neid Friedrichs Bilder an der Tischkannte zerschlägt und Friedrich das durch einen Zufall auch noch beobachtet, ist das Chaos perfekt. Als Friedrich sie fragt, warum in aller Welt Goethe das getan hat, flieht die Seidler aus der unangenehmen Situation und verschließt sich vorerst vor beiden Herren. Als Goethe ein Jahr später beschließt, dass er ein wissenschaftliches Buch über Wolken herausbringen will, wird ihm klar, dass er Friedrich für die Zeichnungen benötigt und schickt die Seidler vor, um den aufbrausenden Romantiker für Goethes Zwecke anzuheuern. So diplomatisch Louise Seidler auch an die Sache herantritt, so sehr stößt sie Friedrich auch vor den Kopf, denn dieser sieht sich von ihr verraten und macht ihr schließlich klar, dass er für den eitlen Goete, der seine Werke schlechtgeredet und zerstört hat, nicht einen Pinselstrich schwinge. Damit endet die Freundschaft zwischen Friedrich und Seidler und auch das Buch. Als Fan von Caspar David Friedrich´s Bildern, musste ich das Buch unbedingt gelesen haben. Sowohl der Stil, als auch die Dramatis personae haben mich sehr angesprochen. Besonders gut fand ich, wie Lea Singer die Eitelkeiten Goethe´s und das Temperament Friedrichs herausgearbeitet hat. Ich kann dieses Buch nur allen empfehlen und gebe deshalb 5 Sterne.

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    • 2
    BrittaRoeder

    BrittaRoeder

    06. July 2015 um 14:15
  • Interessant !!

    Anatomie der Wolken
    vielleser18

    vielleser18

    30. June 2015 um 10:39

    1810 und die folgenden Jahre. Der alternde Johann Wolfgang von Goethe kann sich nicht mit dem älter werden abfinden. Ihn schrecken Krankheit und Tod, damit möchte er nicht in Berührung kommen. Im Gegenteil, ihn ziehen die jungen Frauen an, die Lebenslust und Gesundheit versprühen. Und er sucht sich eine neue Aufgabe: Die Wissenschaft der Wolken. Anders hingegen der wesentlich jüngere Caspar David Friedrich, der am Rande des Existenzminimus lebt. Am liebsten streift er durch die Natur und beobachtet die Wolken, ihre Vergänglichkeit, ihre Veränderlichkeit. Ihn interessiert nicht die Wissenschaft, er ist Romantiker. Zu Hause malt er dann - vor allem Bilder mit "seinen" Wolken und wenigen Menschen. Verbinden tut die beiden die junge Malerin Luise Seidler, die versucht zwischen den beiden zu vermitteln. Hier treffen nicht nur verschieden alte Menschen aufeinander, sondern auch verschiedene Ansichten. Lea Singer lässt eine verblassende Epoche wieder aufleben, bringt uns Lesern nicht nur Goethe, sondern auch den Maler Friedrich näher. Dazu tauchen im Roman bekannte Namen wie Bettina von Arnim, Clemens Brentano, die Humbold-Brüder und andere auf. Die Autorin lässt uns abwechselnd teilhaben an den fiktiven Gedanken von Goethe und Friedrich, aber am Schluß kommt auch die Malerin Luise Seidler "zu Wort". Mir hat es neue Eindrücke und Erkenntnisse über die Protagonisten gegeben, ich habe mich wohl gefühlt mit diesem Buch. Ein schön zu lesender Schreibstil, und vor allem scheint es mir ein gut recherchierter und fundierter Roman zu sein. Man lebt durch ihre Worte in einer anderen Zeit und lernt viel über die berühmten Protagonisten.

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  • Goethe privat

    Anatomie der Wolken
    czytelniczka73

    czytelniczka73

    23. May 2015 um 14:08

    "Das macht nichts,dass Sie das nicht begreifen,sagte Friedrich.Ich glaube,dass die Geheimnisse der Natur für uns Sterbliche unbegreifbar bleiben müssen."(Seite 86)   Inhalt: "Johann Wolfgang Goethe, das alternde Universalgenie der Klassik, und der junge, wilde Romantiker Caspar David Friedrich: zwei Künstler, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Als sie sich 1810 begegnen, ist der eine auf dem Zenit seines Ruhms, während der andere mit allen Konventionen seiner Zeit bricht und in seinen Bildern die Natur mit neuen Augen sieht. Fasziniert sind sie von derselben Frau ... Goethe verschafft dem viel jüngeren Maler, dessen Bilder die Kunstwelt verstören, gönnerhaft einen Preis. Als Friedrich eins seiner Gedichte malt, sieht der Geheimrat nur Wolkengebirge, wo er das Klagelied eines Schäfers verdichtet hat. Luise Seidler, eine junge Porträtmalerin, die beiden nur allzu gut gefällt, arrangiert schließlich ein Treffen zwischen den zwei Künstlern, die einander fremd bleiben, obwohl sie die Größe des anderen erkennen. In der Auseinandersetzung um die Anatomie der Wolken kristallisiert sich der Bruch zwischen Klassik und Romantik."   Meinung: "Anatomie der Wolken" ist eine wunderbare Zeitreise die uns nach Weimar um 1810 entführt und Goethe zeigt,wie wir ihm noch nicht gesehen haben.Ein alternder Herr,der nicht einsehen will,dass seine Ruhmzeiten langsam vorbei sind,verbissen,eingesinnig,bisschen lüstern...Der junge Maler Friedrich ist dem Herr Geheimrat ein echtes Dorn im Auge,je mehr über Friedrich gesprochen wird,desto schärfer Goethe`s Kritik...Ein Roman über zwei großartige Persönlichkeiten,die verschiedener nicht sein könnten.Jung und Alt,Wohlstand und Armut,Klasik und Romantik,Wissenschaft und Kunst-hier prallen wirklich zwei Welten auf einander.Die Geschichte ist ziemlich ruhig,das Herzstück ist nicht die Handlung(da nicht wirklich viel passiert),sondern die Gedanken der Künstler und die Gespräche und natürlich die wunderbare,künstlerische Atmosphäre .Sehr schön geschrieben,die Sprache fand ich sehr passend und "vollwertig".Für mich war es einfach faszinierend wieder mal in einer Welt einzutauchen in der Kunst noch von großer Bedeutung war und für Gespräche und Diskussionen sorgte.   Fazit: Ein Künstler-Roman der für mich ein purer Lesegenuss war.  

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  • Goethe, zwischen Genie und Größenwahn

    Anatomie der Wolken
    sursulapitschi

    sursulapitschi

    Was für ein Mensch war Goethe? Befragen kann man ihn nicht mehr, Fotos gibt es auch nicht, aber er hat zum Glück einen Berg schriftlicher Zeugnisse zu allen Themen dieser Erde hinterlassen, die man interpretieren kann. Zwischen den Zeilen steckt der Mensch, Goethe, den uns Lea Singer hier vorstellt, einen Mann in den 60ern, dessen große Tage vorbei sind und der sich nicht aufs Altenteil setzen will, der von vergangenem Ruhm zehrt, ihn übertrumpfen will und sich dabei an Strohhalme klammert. Ein eitler, egozentrischer alter Mann zwischen Genie und Größenwahn. „Aufbruch! Nur der Aufbruch konnte ihn retten. Raus aus dem Goethemuseum, hinein in die Welt der Wissenschaft, der Jungen, der anderen Ideen. Wolken! Es gab kein besseres Terrain für seine Neugier.“ Nachdem er Newtons Erkenntnisse über die Optik als Humbug entlarvt hat, fühlt er sich dazu berufen, die Wissenschaft durch Wolkenforschung zu bereichern. „Das Atmosphärische, sagte Goethe, entspreche der Stufe, auf der er nun stehe. Oberhalb der Zoologie, Mineralogie, Geologie, konkreten Anatomie. Oberhalb des Irdischen… Auf dem Weg in höhere Sphären.“ Ein Dorn in Goethes Auge ist (Caspar David) Friedrich, ein begnadeter Wolkenmaler, der nicht reich, nicht berühmt und nicht gebildet, doch nicht übersehen werden kann. Immer wieder kreuzen sich ihre Wege. Friedrich steht für alles, was Goethe zuwider ist: Emotionen statt Struktur, Liebe zur Natur statt zu Idealen, Romantik und Mystik sind plötzlich modern. Damit kann Goethe nichts anfangen und unterdrückt es, wo er kann, diskreditiert junge Künstler, sabotiert, intrigiert, immerhin ist er bekannt und hat Einfluss. Diese beiden berühmten Männer führt uns dieses Buch sehr lebendig vor Augen, schonungslos, mit viel Humor und in ausgesucht schöner Sprache. Man meint, man blickt in ihre Seele, hört Goethe lamentieren, Friedrich zweifeln und ist gleichzeitig mittendrin in der Künstlerszene des beginnenden 19. Jahrhunderts. Kleist, Schiller, Humboldt und viele andere große Namen tauchen hier auf und sind plötzlich Menschen. Und dann ist da noch die Malerin Louise Seidler, die Goethe und Friedrich bewundert, zu vermitteln versucht, dabei aber an ihre Grenzen stößt. Sie ist nur eine Frau und Frauen wird zu dieser Zeit sowohl der Verstand als auch jedes Talent aberkannt. Auch das wird hier sehr plastisch dargestellt. Nach dem Lesen dieses Buches habe das Gefühl, ich kenne jetzt zwei berühmte Menschen, die vorher nur Namen waren, mit all ihren Stärken und Schwächen. Ich habe in eine spannende Zeit des Umbruchs geblickt und mich dabei köstlich amüsiert. 

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    • 2
  • Anatomie der Wolken – der Bruch zwischen Klassik und Romantik

    Anatomie der Wolken
    Insider2199

    Insider2199

    Anatomie der Wolken – der Bruch zwischen Klassik und Romantik Mein erster Roman von Lea Singer, aber garantiert nicht mein Letzter! Ihr Buch über den begnadeten, einarmigen Pianisten Paul Wittgenstein „Konzert für die linke Hand“ (2008) und auch „Der Opernheld“ (2011) stehen schon fest auf meiner Wunschliste. Die in München lebende Autorin wurde promoviert in Kunstgeschichte, Musik und Literaturwissenschaft und im Jahre 2010 mit dem „Hannelore-Greve-Literaturpreis“ ausgezeichnet. Zum Inhalt: Dieser Künstler-Roman (Achtung: Keine Biografie, LovelyBooks hat leider das falsche Genre zugewiesen!) konzentriert sich auf die Begegnung zweier sehr unterschiedlichen Künstler: Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), dem Dichter der Klassik, dem berühmtesten Schriftsteller Europas und u.a. „Wolken-Forscher“ und Caspar David Friedrich (1774-1840), dem wilden Romantiker und „Wolken-Maler“. Als sich die beiden 1810 begegnen – Luise Seidler, eine junge Porträtmalerin, die beiden nur allzu gut gefällt, arrangiert schließlich ein Treffen – ist der eine auf dem Zenit seines Ruhms, während der andere mit allen Konventionen seiner Zeit bricht und in seinen Bildern die Natur mit neuen Augen sieht. In der Auseinandersetzung um die Anatomie der Wolken kristallisiert sich der Bruch zwischen Klassik und Romantik. Meine Meinung: Zum Inhalt kann man nicht allzu viel sagen, denn der Roman lebt eher von der Dramaturgie, die sich durch die sehr gekonnte psychologische Figurenzeichnung ergibt. Am Beispiel eines gemeinsamen Liebesobjektes, den Wolken, lernt der Leser zwei konträre und daher in großem Widerstreit liegende Figuren kennen: der eine, 60-jährig, mit den Unannehmlichkeiten des Alters kämpfend, von sich eingenommen und arrogant, da die Früchte seines Erfolgs erntend, vornehm, wohlhabend, verwöhnt, ein Opportunist, der wohlbedacht auf seine Worte achtet, wenn die betroffene Person noch nicht „ausgedient“ hat, ein Besserwisser und ein leidenschaftlicher Verfechter des Fortschritts, der die Wolken – natürlich nur aus Geltungsgründen – für die Nachwelt katalogisieren will. Der andere ein mittelloser Maler, ein Wanderer, ein sprachlich ungeschickter, nicht auf Äußerlichkeiten oder Höflichkeiten achtender Naturbursche, ein Freigeist, Träumer und Romantiker, der malt, um sich selbst in der Natur zu finden und zu dem Gott durch die Wolken spricht. Sprachlich ist der Roman auf hohem Niveau, anspruchsvoll, aber dennoch gut verständlich und ein wahrer „Lese-Schmaus“! Die Autorin versteht wahrlich ihr Handwerk, mir gefielen besonders die kreativen Wortschöpfungen. Ein paar kleine Kostproben zur Einstimmung gefällig? „Schlimm genug, dass ihr Kichern nie zum Mitlachen gedacht war, vielen rannen die roten Wangen im Regen weg, und manche, die seine Not zu Tränen rührte, rührten dann keinen Finger für ihn.“ „Friedrich sah im Rücken der Seidler eine Maus sausen, und was die Seidler sagte, sauste mit.“ „Drei Wochen hatten sie sich bestens unterhalten, weil keiner geredet hatte.“ Fazit: Ein wunderbar unterhaltender Roman auf hohem Niveau, mit psychologisch ausgereifter Figurenzeichnung und kreativen Wortschöpfungen. Ich bin wirklich glücklich, diese Autorin und dieses Buch entdeckt zu haben, werde sicherlich noch weitere Werke aus ihrem Repertoire lesen und kann diesen Künstler-Roman jedem Kunst-Interessierten wärmstens empfehlen – auch wenn evtl. kein Vorwissen zu Goethe oder Friedrich vorhanden sein sollte! 5 Sterne sind für dieses Roman-Highlight voll verdient und fast zu wenig.

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    • 2
    wandablue

    wandablue

    04. May 2015 um 20:31
  • Weimarer Klassik vs Romantik... kurzweilige nette Lektüre

    Anatomie der Wolken
    Gwenliest

    Gwenliest

    Was passiert wenn Weimarer Klassik auf Romantik trifft: Johann Wolfgang von Goethe, bereits im gesetzten Alter von über 60, frustriert da sowohl seine Forschung zur Farbenlehre als auch seine Weiterentwicklung als Schriftsteller mit den Wahlverwandschaften durchgefallen ist. „Die Wolken veränderten sich in aberwitzigem Tempo. Von schwer in schlank, von düster in hell, von geballt in gefiedert. Grenzenlos, pausenlos verwandelten sie sich. Ihm ließen sie in Weimar nicht das Recht, sich zu verändern.“ Seite 21 Nicht zu vergessen seine Zipperlein die ihn plagen, seine Frau mag er nicht mehr sehen und die jungen Frauen liegen ihm nicht mehr so zu Füßen wie noch vor ein paar Jahren… aber Macht in Weimar und Geld hat er, darauf ist Verlass, aber so richtig glücklich macht ihn das nicht… dann muss er sich noch sagen lassen "Weißt du, die jungen Maler und Dichter nehmen die Wolken ernst. Die gehen raus ins Freie und studieren die Wolken in der Natur. Sie geben den Wolken eine ganz neue Bedeutung. Sie sehen in ihnen die Wahrzeichen der Phantasie.“ Seite 65 So einer ist sein Gegenspieler: Caspar David Friedrich, ein Maler aus sehr einfachen Verhältnissen. Er braucht auch keine intellektuellen Salons und Gespräche… will er gar nicht denn er ist kein „sprechender Maler“. Mit anderen Menschen kann er nicht viel anfangen, hält sich doch viel lieber in der Natur auf um diese zu Papier zu bringen, so wie er sie sieht eher mystisch sich in der Tiefe verlierend. Und auch wenn es ihn nicht interessiert, die Frauen, die neuen, die verehren ihn. Immer wieder treffen diese beiden Männer in diesem Roman aufeinander (physisch oder gedanklich), der alternde der neidisch ist auf die Aufmerksamkeit, die der um einiges jüngere Maler bei den Frauen genießt, insbesondere da er selbst nicht versteht wieso…dieser ungebildete, rauhe & ungepflegte Mann und dann noch die Gemälde, die überhaupt nicht seiner, der einzig gültigen, Vorstellung von Kunst, entsprechen. „Wissen Sie: Ein Kunstwerk braucht Halt und Gesetz in sich, sagte Goethe. Was ins Formlose und Charakterlose gleitet, überlebt nicht.“ Seite 84 und "Struktur, nichts war wichtiger. Statik des Lebens. Struktur fehlte zunehmend, fast überall. In der bildenden Kunst, in der Musik, im Geschriebenen, vor allem im Geschriebenen.“ Seite 96 Caspar David Friedrich erhofft sich, dass Goethe ihm zu etwas mehr Bekanntheit verhilft, ihm zumindest das eine oder andere Bild abkauft oder vermittelt. Ruhm möchte er gar nicht, einfach genug um entspannt zu leben. Aber seine Vorstellung von Kunst und auch zur Welt in der er lebt ist eine völlig andere als die von Goethe. „Auch wenn du vom Morgen bis zum Abend und vom Abend bis Mitternacht nachdenken würdest: Du würdest das Jenseits nicht ergründen.“ Seite 80 und „Muss ja immer alles sortiert haben. Sortiert sein ganzes Leben. In Kästen. In Schubladen. In Regalfächern, Steine und Knochen und Briefe und getrocknete Pflanzen und Mineralien. Nääh! Was dem Zeit verlorengeht mit diesem scheiß sortieren.“ Seite 247 Mit Wolken beschäftigen sich Beide, jedoch auf völlig unterschiedliche Art und Weise, der eine meteorologisch/wissenschaftlich der andere eher metaphysisch und kommen auch hier nicht auf einen Nenner. „Weißt du, sagte Friedrich, das Größte ist, dass wir in den Wolken träumen können. Egal, wie schlecht die Welt ist und wie böse die Menschen.“ Seite 253 Der Übergang von Weimarer Klassik zur Romantik wird gut eingefangen. Von Struktur, Gesetz & Typisierung zu Mystik, Phantasie & sprengen der Grenzen ... jedoch sind mir die zwei Kontrahenten nicht differenziert genug skizziert… Friedrich sagt er ist kein großer Redner, ist auch völlig ungebildet, aber wenn er redet und in seiner Gedankenwelt steht er dem großen Goethe in nichts nach. Ich hätte eine größere Kluft zwischen den beiden besser gefunden. Ich hatte während des Lesens auch das Gefühl dass beide einen Monolog halten, ein Dialog / eine Entwicklung wäre sehr interessant gewesen. Ich weiß auch nicht so recht auf was Lea Singer mit dem Ende hinaus will; es ist mir etwas zu platt und abrupt. Für mich war es ein netter, kurzweiliger Roman, sprachlich wirklich schön zu lesen. Aber er wird mir nicht nachhaltig in Erinnerung bleiben.

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    • 5
    Gwenliest

    Gwenliest

    03. May 2015 um 09:50
    JoBerlin schreibt Entwicklung geht da nur durch Schmerz, durch Schock, durch gezwungene Erkenntnis, nicht durch Gespräche in Karlsbad.

    hier habe ich noch einmal darüber nachdedacht, ja bei CDF gebe ich dir total recht... da ist so einiges passiert an Entwicklung auf diese Weise... aber Goethe ist irgendwie auf seinem Fleck ...

  • Von Wolkenmalern und Wolkenforschern

    Anatomie der Wolken
    LibriHolly

    LibriHolly

    Lea Singer, vielen bekannt durch ihr Buch über den begnadeten, einarmigen Pianisten Paul Wittgenstein „Konzert für die linke Hand“, hat neuerlich einen Ausflug in die Welt der Kunst gewagt. In „Anatomie der Wolken“ befasst sie sich mit zwei großen Geistern der deutschen Geschichte. Caspar David Friedrich und Johann Wolfgang von Goethe. Zwei Genies, deren Verhältnis Zeit ihres Lebens nicht unproblematisch war. Der eine erklärter Romantiker, der andere dem Klassizismus verhaftet. Der eine Träumer und Freidenker, der andere Anhänger der empirisch exakten Naturforschung und Systematisierung. Nur zweimal trafen der Dichter und der Maler im wahren Leben tatsächlich aufeinander: Einmal 1810 im Atelier Friedrichs in Dresden, einmal im Juli des Jahres 1811 anlässlich eines gemeinsamen Ausfluges zur Lobdaburg nahe Jena. Beide Male war das Zusammentreffen nicht unproblematisch. Dabei sprach sich Goethe selbst im Jahre 1805 anlässlich der 7. Weimarer Kunstausstellung noch für den Maler aus, verhalf ihm gar zu der Hälfte des ausgesetzten Preisgeldes, obwohl Friedrichs eingereichte Bilder sich in keinster Weise an das vorgegebene Thema hielten. Doch in den folgenden Jahren wurde das Verhältnis der beiden Künstler immer angespannter, zu unterschiedlich die Auffassungen von Kunst des jeweils anderen, zu verschieden die Ansichten über die Naturbetrachtung. Die Münchner Kulturhistorikerin, Autorin und begnadete Köchin Lea Singer, vielen auch besser bekannt als Eva Gesine Baur (ihrem wahren Namen unter dem sie bereits zahlreiche Kochbücher und Biographien, unter anderem über den Starkoch Eckhard Witzigmann veröffentlichte), legt mit „Anatomie der Wolken“ ein gelungenes Psychogramm über diese beiden Querköpfte der Geschichte vor, die in ihrem Leben tatsächlich nur eines zu verbinden schien: Die Liebe zu den Wolken. Der eine Wolkenmaler, der andere Wolkenforscher. Der eine will in Wolken träumen, der andere sie erklären, systematisieren. Ein Spannungsfeld, das zum Spekulieren geradezu einlädt. Lea Singer hat diese Einladung angenommen, spielt mit den beiden Charakteren und nimmt uns mit auf eine ebenso philosophische wie humorvoll, ironische Reise. Eine Reise mit einem alternden Goethe und dem jungen, ungestümen Friedrich. Eine Reise, an deren Ende man sich unweigerlich die Frage stellt: Waren die beiden wirklich so weit voneinander entfernt oder trennten sie lediglich einige Jahre? Ein lehrreicher Ausflug in ein Stück interessante deutsche Kunst- und Kulturgeschichte.

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    • 2
  • Wolken erzählen

    Anatomie der Wolken
    JoBerlin

    JoBerlin

    Weimar um 1810, Goethes 61. Geburtstag, auch wenn er es nicht wahrhaben will: Alt ist er geworden, füllig, ja auch schwerfällig. Zwar umschwirren ihn noch junge Damen wie die Schriftstellerin Bettina von Arnim und die Malerin Louise Seidler , doch schwärmen sie eher für Kleist, Brentano und Friedrich, dem Wolkenmaler. Auch Goethe interessiert sich für Wolken, allerdings mehr im wissenschaftlich-meteorologischen Sinne. Für den verarmten Maler Friedrich hat er nur Mitleid. Kunst soll den Betrachter erfreuen, ihn zerstreuen. Casper David Friedrichs Bilder jedoch sind karg, nur kahle Landschaften, Friedhöfe und Luft. Nein, das ist nichts für ihn, denn Goethe hat sein eigenes „Wolkenvorhaben“. Er trifft sich dazu mit Wilhelm von Humboldt bei der Kur in Karlsbad , doch ist der Dichter zu beschäftigt, Klimabeobachtungen systematisch voranzutreiben, schließlich muss der West-östliche Divan zum Druck vorbereitet werden. Und dann – die Welt scheint sich nun endgültig nicht mehr um den alten Goethe zu drehen - erscheint in England eine Schrift zur Einteilung von Wolkenformationen, sie kommt mit nur drei Begriffen aus Cirrus, Cumulus, Stratus . Das Unfassbare ist nun fassbar, das Formlose hat eine Form. Goethe will dies aufklärerisch illustriert dem Volke näher bringen. Wer wäre besser geeignet als der einst geschmähte Friedrich … Diese Geschichte – und noch viel mehr – beschreibt Lea Singer in ihrem außerordentlich gut gelungenen Roman „Anatomie der Wolken“. Dabei ist die Autorin genauso sicher im Duktus, wie in historischen Details. Die Lektüre macht einfach nur Freude, und – was das Beste ist – regt zu eigenen weiteren „Forschungen“ an. Die „Wahlverwandtschaften“ liegen schon auf meinem Nachttisch!

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    • 4
  • Ein Buch der Gegensätze

    Anatomie der Wolken
    19angelika63

    19angelika63

    Klappentext Der betuchte Frankfurter Großbürgersohn und der Seifensiedersprössling aus Greifswald, der Herr der Sprache und der Maler, der weder richtig reden noch richtig schreiben kann, der diplomatische Minister und der Habenichts ohne Manieren. Doch eines verbindet sie: Beide sind gebannt von der Erkundung der Wolken. Goethe als Forscher, der ein neues Terrain der Wissenschaft erobern möchte, Friedrich als ein Künstler, der in der Natur Gott sucht. Aber als Friedrich eines seiner Gedichte malt, sieht der Geheimrat nur Wolkengebirge, wo er das Klagelied eines Schäfers verdichtet hat. Luise Seidler, eine junge Porträtmalern, die beiden gefällt, arrangiert schließlich ein Treffen zwischen den Künstlern. Was geschieht, wenn zwei so unterschiedliche Charaktere aufeinanderprallen? „Tja, aber das Romantische ist nun mal das Kranke, sagte Goethe. Das Klassische das Gesunde.“ (Seite 148) „Vor allem hatten sie keine Ahnung, dass sie sich an Strippen bewegten, die er in der Hand hielt.“ (Seite 102) Zum Zeitpunkt der Geschichte ist Goethe schon weit über 60. Ein in die Jahre gekommener alter Mann, der an den Folgen von übermäßigen Essen und wenig Bewegung leidet. Beim kleinsten Zipperlein konsultiert er die Ärzte und hält sich ständig in irgendwelchen Kurbädern auf, um zu genesen. Doch eigentlich treibt es ihn nur von seiner Ehefrau weg, die er als Belastung empfindet. Er fühlt sich mehr von den jungen Frauen angezogen. Sein Einfluss und seine Macht in der Gesellschaft sind enorm. Wer etwas werden will, muss erst an ihm vorbei. Somit haben all die, die nicht nach seiner Pfeife tanzen, kaum eine Chance in der Gesellschaft anerkannt zu werden. "Wer brauchte ihn schon? Im Krieg keiner, in der Kunst keiner, in der eigenen Familie keiner, in Dresden keiner. Friedrich war darauf gekommen, wer ihn brauchte: die Wolken. Die erzählten etwas, das nicht jeder verstand. Hoffnungsgeschichten. Waren jetzt nötig wie Wundärzte und Verbandsmaterial und gutes Essen. Wolken erzählten sich selber. Vom Glück zu wandern. Von Freiheit. Vom Recht auf Freiheit, das jeder hatte. Kam von Gott, nicht von den Menschen, das Recht. Gehörte auch das Recht dazu, nicht gefallen zu wollen aufteufelkommraus. Wolken brachten was sie wollten. Machten nicht auf Schönwetter, weil den Leuten Schönwetter besser passte. Er verstand, was sie erzählten. Er, der dumme Friedrich aus Greifswald.“ (Seite 181) Friedrich ist das Gegenteil von Goethe. Arm wächst er auf, verliert schon früh die Mutter und sein Vater ist sehr streng. Als Friedrich später das Elternhaus verlässt schlägt er sich mehr schlecht als recht mit seiner Malerei durch. Doch irgendwie ist er glücklich dabei. Dann hat er die Möglichkeit den großen Goethe kennen zu lernen, verbunden mit der Hoffnung, dass dieser ihm zu großen Ruhm verhelfen kann. Doch als Friedrich ein Gedicht von Goethe malen soll, ist Goethe außer sich, als er das Ergebnis sieht. „Die Seidler schlich sich leise hinten hinaus. Ihr war übler als je zuvor. Jetzt wusste sie wenigstens, warum. Reden hieß die Karriere aufs Spiel setzen. Schwiegen hieß Friedrich verraten.“ (Seite 158) Zwischen den beiden großen Männern steht Luise Seidler. Sie mag beide Männer sehr. Tendenziell kann sie sich jedoch mehr mit Friedrich identifizieren. Doch schnell wird der Malerin klar, dass sie sich entscheiden muss … wenn sie weiterhin Goethes Gunst haben möchte, muss sie Friedrich verleugnen. „Wenn Friedrich sich müde gesehen hatte an den Gesichtern der Menschen, verdorben vom Alleshaben, bis zu den Rändern voll mit Unddankbarkeit, dann wandte er seinen Blick zu den Wolken. Musste doch jeden dankbar machen, was die Wolken taten und tun würden in alle Ewigkeit. Regen spenden und Schatten. Der Phantasie neue Bilder schenken und den Gedanken Freiheit.“ (Seite 37) Mir hat dieses Buch ganz gut gefallen. Der Schreibstil ist etwas gewöhnungsbedürftig, da ich ihn irgendwie als „unrund“ empfand. Manches war etwas zu abgeklärt und die Protagonisten nicht wirklich greifbar. Goethe ist in meinen Augen und so wie er im Buch dargestellt wird ein selbstverliebter und notgeiler Kotzbrocken. Sorry … aber ehrlich … dieser Mann denkt wahrhaftig die Welt dreht sich nur um ihn. Das was er sagt ist Gesetz. Und somit haben Menschen wie Friedrich kaum eine Chance etwas zu werden. Mir war nie bewusst, welche Macht und welchen Einfluss Goethe hatte. Alle hofieren ihn und verehren ihn. Sicherlich hebt da manch einer bei ab, und wie mir scheint Goethe auch. Mir ist Friedrich da schon näher. Er ist ein Träumer und Philosoph. Seine Gedanken berühren mein Herz und seine Bilder faszinieren mich. Friedrich ist ein Mensch, der mit dem wenigen was er hat auskommt und dennoch dabei glücklich ist. Er hat Visionen von seinen Bildern und daran hält er sich fest, und lässt sich nicht verbiegen. Er träumt sich ein Leben in den Wolken. Vielleicht fühle ich mich Friedrich näher, weil auch ich gerne den Wolken zuschaue. Sie lassen mich zur Ruhe kommen, meine Gedanken können sich frei bewegen/ reisen … Als Kind und auch heute noch, liege ich im Sommer oft auf dem Rücken und schaue in die Wolken … versuche zu erraten was für Wolkengebilde ich sehe … „Verstand sie das nicht? Horizont war doch mehr als die Linie, die Himmel und Erde schied. Horizont war ein Schlüsselwort. Trennte Diesseits vom Jenseits, Menschliches und Göttliches, Beschränktes und Weises. Das, was er verheiraten wollte in jedem Bild.“ (Seite 32) Lea Singer war mir bisher als Autorin unbekannt. Sie hat aber schon einige Bücher über große Künstler der Zeitgeschichte geschrieben. „Anatomie der Wolken“ ist ein Buch der Gegensätze … der „große“ Goethe/ der „unbekannte“ Friedrich … Klassisch/ Romantisch … spannend/ langatmig …

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    • 6
  • Klassik versus Romantik

    Anatomie der Wolken
    Ginevra

    Ginevra

    Weimar, im Jahre 1810: der alternde Goethe gilt als echte Koriphäe in allen möglichen Gebieten, doch eines fehlt ihm noch: er will auch als Naturwissenschaftler Weltruhm erreichen und beschäftigt sich neuerdings mit dem Wetter, insbesondere mit den Wolken. Seine "Farbenlehre" war leider ein "Flop": sie wurde von dem Physiker Newton widerlegt - für Goethe eine unglaublich Unverschämtheit!  Und auf einmal berichten seine jungen Damenbekanntschaften schwärmerisch von einem Künstler der ganz anderen Art: Caspar David Friedrich, ein junger, ungebildeter, genialer Maler feiert im hohen Norden Deutschlands seine ersten Erfolge. Seine melancholischen Bilder entbehren jeglicher Realität, sie drücken Stimmungen aus, sind eigenartig leer und dennoch imposant. Goethe kann es nicht fassen: was finden junge Damen, was findet sogar der Königssohn an diesem Hochstapler? Teils aus Interesse, teils aus Mitleid holt Goethe den jungen Maler nach Weimar, um sich von ihm porträtieren zu lassen, und um vielleicht gemeinsam ein Werk über die wahre Beschaffenheit der Wolken zu verfassen. Doch die Begegnung verläuft ganz anders als geplant... Lea Singer, aka Eva Gesine Baur, geb. 1960, ist Kulturhistorikerin und Autorin. Ihre historischen Romane sorgten für Furore, weil sie auf unkonventionelle Weise berühmte Personen in neuem Licht zeigen, z.B. "Die Zunge" über Grimaud (den "Erfinder" der Restaurantkritik!). Mich hat dieser Roman sehr gut und auf hohem Niveau unterhalten. Goethes Zipperlein, Friedrichs dramatische Gefühle, die Launen der höheren Damen - all das sorgt für amüsante und intelligente Unterhaltung. Auch wenn man wenig über Goethe und Caspar David Friedrich weiß, ist der Roman leicht verständlich, da immer wieder Fakten eingefügt sind, ohne dass es belehrend wirkt. Ich hätte die beiden Kontrahenden zu gerne einmal live erlebt, und hoffe sehr auf eine Verfilmung! Fazit: 5 von 5 Sternen für diese rundum lesenswerte Lektüre!

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    • 4
  • Worpswede Sommer 2015

    Konzert ohne Dichter
    JoBerlin

    JoBerlin

    Es wird voll werden in Worpswede im Sommer 2015. Warum? Klaus Modick hat einen großen Roman über die Künstlerkolonie geschrieben. Inspiration hierzu lieferte das Heinrich Vogeler Bild "Das Konzert " und das hängt eben im HeinrichVogelerHaus in Worpswede und jeder Leser, jede Leserin will es nun sehen. Wie haben Sie dort gelebt, Modicks Protagonisten? Der Autor schildert in stilistisch äußerst gelungenen Rückblenden die Geschichte der Künstlerkolonie aus der Sicht des Malers Heinrich Vogeler. Wir erleben mit ihm den jungen Dichter Rilke - knauserig, wehleidig, egomanisch, manieriert. Er hat gerade seinen Gedichtband “Mir zur Feier” veröffentlicht und - so schreibt Modick - stellte sich selbst “hemmungslos unter Genieverdacht”. - So ein bißchen affektiert waren wohl alle, man gab den Künstler und kostümierte sich geradezu entsprechend. Rilke hatte Vogeler zunächst sehr bewundert, ihn aber später nur noch als "Dekorateur" bezeichnet, der Maler entfernte ihn nach weiterer Entfremdung einfach aus dem Bild - nun also ein Konzert ohne Dichter. Die Bildhauerin und Rilke-Ehefrau Clara, Martha Vogeler und das Künstlerpaar Modersohn-Becker erscheinen im Bild und Roman um so deutlicher. Wir erleben Anfang und Ende der Ehen dieser “Gesamt-Familie” und natürlich die Idee und Gründung der Künstlerkolonie selbst. Und was war das für ein Paradies! Man lebte zusammen, man arbeitete zusammen, man war frei von verstaubten Konventionen, die Frauen trugen Reformkleider ganz ohne Mieder und posierten als Maler-Modelle. Doch waren sie nicht selbst Künstlerinnen? Ja doch schon, allerdings wurden die “Malweiber” zur Zeit um 1900 eher belächelt als gefeiert, eher geduldet als anerkannt. “Die Dichter hatten das Sagen, die Maler das Zeigen, und den Frauen blieb das Sein. Insbesondere das Da-Sein, das ständige Bereit-Sein für die Dichter und die Maler”. Am Ende jedoch wird auch für Heinrich Vogeler das idyllische Worpswede zum goldenen Käfig, es fehlt an Inspiration, es fehlt an Neuem. Weit, weit will er fliehen, "nur weg von hier, das ist mein Ziel". Für mich jedoch ist dieser Roman noch lange nicht zuende, denn er regt an, sich mit dem Werk der Worpsweder zu beschäftigen: Bilder ansehen, Gedichte lesen, recherchieren.

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