Lea Singer Konzert für die linke Hand

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Inhaltsangabe zu „Konzert für die linke Hand“ von Lea Singer

»Für alle leidenschaftlichen Leser!« Elke HeidenreichPaul Wittgenstein hatte seine rechte Hand im Ersten Weltkrieg verloren. Seine Willensstärke und Konsequenz machten ihn dennoch zu einem der prominentesten Virtuosen seiner Zeit. So schrieb Maurice Ravel für ihn das ›Konzert in D-Dur für die linke Hand‹, Prokofjew sein viertes Klavierkonzert, und auch Strauss, Hindemith und Britten komponierten für ihn.

Eine gelungene Romanbiografie, die überzeugt!

— Marjuvin
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  • Rezension zu "Konzert für die linke Hand" von Lea Singer

    Konzert für die linke Hand
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    25. October 2011 um 11:21

    Dieser nun in einer Taschenbuchausgabe vorliegende Roman der in München lebenden Schriftstellerin Lea Singer erzählt die Geschichte eines Mannes, der in der Musikwelt zu einiger Berühmtheit gelangte. Paul Wittgenstein, Sohn der bekannten Familiendynastie der Wittgensteins und Bruder des später berühmt gewordenen Sprachphilosophen Ludwig Wittgenstein, hat im Ersten Weltkrieg seinen rechten Arm verloren und gibt dennoch seinen Traum, Pianist zu werden, nicht auf. In der Folge werden viele berühmte Komponisten auf seine Bitten hin "Konzerte für die linke Hand" für ihn komponieren. Der Roman ist nicht nur eine bewegende und faszinierende Familiengeschichte einer Familie, die Anfang des 20. Jahrhunderts in Österreich zu den wichtigen Häusern zählte. Es ist auch eine Geschichte Österreichs dieser Zeit und eine Geschichte der Juden in Österreich. Lea Singer dokumentiert romanhaft ein Familiensystem, in dem der mächtige Vater und Unternehmer Karl Wittgenstein eine derart dominierende und unnachgiebige Rolle spielt, dass auch die Tatsache, dass drei seiner Söhne Selbstmord verüben, ihn keinen Augenblick über seine Philosophie nachdenken lässt. Paul, die Hauptfigur in diesem voluminösen und ausführlich recherchierten Roman, versucht sich diesem Vater zu entziehen, obwohl er sein Leben lang der Dominanz und der Tradition der Familie und der Rolle der verschiedenen Frauen darin verhaftet bleibt. "Ich will mein Leben nicht zerstören", sagt er und kämpft sein Leben lang mit seiner Familiengeschichte. Lea Singer erzählt die Geschichte dieses später weltberühmten Pianisten über insgesamt 34 Jahre und bannt den Leser in einen unwiderstehlichen Sog, indem sie Menschen und Familientraditionen schildert und gleichzeitig eine Zeitgeschichte erzählt von der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen und dem Schicksal der österreichischen Juden. An einer Stelle des Buches resümiert sie: "Der Krieg im Hause Wittgenstein war ein Kampf um Liebe, obwohl keiner zu sagen gewusst hätte, was das war." Ja, das ist das eigentlich Erschütternde an dieser Geschichte, wie lieblos und gefühllos die Menschen in dieser Familie auf die Welt kommen, sich in ihr bewegen und wieder aus ihr verschwinden. Ich hätte mir am Ende des Buches gewünscht, dass die Autorin aufzeigt, welche Quellen sie benutzt hat für die zum Teil sehr intimen und privaten Informationen. Ich habe keinen Zweifel an der Gründlichkeit ihrer Recherchen, dennoch hätte mir weiter geholfen zu wissen, wem sie sie verdankt.

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  • Rezension zu "Konzert für die linke Hand" von Lea Singer

    Konzert für die linke Hand
    Gruenente

    Gruenente

    28. December 2009 um 15:45

    Paul Wittgenstein, Sohn aus sehr gutem Hause, spielt auf hohem Niveau Klavier. Da verliert er im ersten Weltkrieg seine rechte Hand. Und er spielt weiter. Für mich als Klavierlehrling, sehr spannend und interessant, einmal einigen berühmten Komponisten aus der Zeit ins Wohnzimmer schauen zu können. Vom Thema abgesehen ist das Buch aber auch gut geschrieben und bietet einen Einblick in das Leben der oberen Zehntausend zwischen den Kriegen. Geld ist im Überfluss vorhanden, aber Gefühle und Glück kaum.

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  • Rezension zu "Konzert für die linke Hand" von Lea Singer

    Konzert für die linke Hand
    HeikeG

    HeikeG

    01. September 2008 um 20:19

    Spurensuche Die angesehene Familie der Wittgensteins war in Österreich des beginnenden 20. Jahrhunderts so etwas wie die "Krupps der Habsburger Monarchie". Das Familienoberhaupt Karl Wittgenstein führte das häusliche Regime mit fester, seelenloser Hand. Drei Brüder werden sich durch Freitod diesem Drangsal entziehen, zwei noch zu Lebzeiten des übermächtigen Vaters. Paul, der sensible, künstlerisch ambitionierte Sohn wagt einen Ausbruch. "Ich will mein Leben nicht zerstören." Er will weg von den perfekt geschliffenen Manieren im Hause, an denen man sich ohne Mühe schneiden, ja Glas ritzen konnte. "Manchmal wuchs in Pauls Träumen ein Stammbaum aus dem Boden, dunkel, an allen Ästen behängt mit schweren kupfernen Namensschildern, die im Wind klirrten und ihn, der unter einem Baum stand, bedrohten. Jedes von ihnen konnte ihm den Schädel spalten, stürzte es herab." Der zerrissene junge Mann trägt sich mit einer tiefgreifenden Lebensentscheidung. Pianist will er werden. Der Vater tut den "Spleen" seines Sohnes als Marotte ab. Ein Wittgenstein prostituiert sich nicht mit Musik. Zwar gilt Kunst zu sammeln und auf höchstem Niveau zu musizieren als selbstverständlich, aber eine öffentliche Zurschaustellung der Kunst, nein danke. "Diese musischen Interessen waren als Krawattennadel zu tragen, Schmuck ohne Notwendigkeit." Der Hass auf den Vater wächst. "Der Wunsch, den Vater zu ermorden, ist erfreulicherweise in der Wirklichkeit seltener als in Romanen, Dramen und den Mythen." Diese Worte wählt kein geringerer als Thomas Mann bei einer zufälligen Begegnung der Beiden am Strand. "Mythen. Uranus wurde von seinem Sohn Saturn entmannt, Saturn, der seine Kinder aus Angst vor ihnen verschlang. Zwei Söhne hatte Karl Wittgenstein bereits aufgefressen. Die älteste Tochter des Saturn, Vesta, blieb ewig Jungfrau. Hermine, die Älteste, die Männerlose. Der einzige überlebende Sohn nötigte Saturn, die verschlungenen Kinder auszuspucken." Die Mutter - eine Frau ohne Stimme und mit geneigtem Haupt, wenn der Patriarch in der Nähe weilt -, die Kinder auf ihre Art alle mit psychischen und seelischen Problemen. "Oft war es Paul, als bewohne er die luxuriöseste Irrenanstalt Wiens, wahrscheinlich der Monarchie. (...) Die Choreographie der Familie Wittgenstein war ohnehin kompliziert. Jeder gab vor, die Gemeinschaft zu suchen, und trachtete ihr zu entkommen. Was die Fluchtversuche meist vereitelte, konnte Paul nicht benennen. Oft dachte Paul, in einer Familie, die Trinker, Mörder oder Vergewaltiger in ihren Reihen wusste, müsse eine ähnliche Anspannung herrschen, die ständige Angst, eine Verderben bringende Neigung könne erneut ausbrechen. " Zwei von ihnen gelingt zumindest ein versuchter Ausbruch. Beide gelangten zu großem Ruhm, der sich nicht auf den Millionen ihres Vaters stützt. Der eine ist der jüngste Sohn Ludwig, der ein berühmter Philosoph wird und ebenfalls ausführliche Erwähnung im Buch findet. Dem anderen hat Lea Singer dieses Buch gewidmet. Die Autorin erzählt über einen Zeitraum von 34 Jahren, das Leben des Mannes, der zum Weltklasse-Pianist avancieren soll, obwohl er zu Beginn des Ersten Weltkrieges seinen rechten Arm verlor. Doch ein ungebrochener Lebensmut lässt ihn daran nicht verzweifeln, sondern gar noch wachsen. Damals aufwärtsstrebende junge Komponisten wie Hindemith, Britten, Prokofjew, aber auch solche, die bereits einen angesehenen Namen besaßen (Ravel, Strauss) schrieben für ihn extra Klavierstücke für die linke Hand. Das Buch verströmt einen permanenten Lesesog, dem man sich nicht entziehen kann. In einer wunderschönen, atmosphärisch dichten Sprache gelingt Lea Singer nicht nur eine einfühlsame Biografie der Familie Wittgenstein im Allgemeinen und Pauls im Besonderen, sondern ebenso ein eindrucksvolles Zeitzeugnis der sterbenden k.u.k.-Monarchie und der zerrissenen Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Auch wenn die Autorin jedes Jahr mindestens zwei Bücher veröffentlicht, so ist von Oberflächlichkeit in dieser "Abhandlung" nichts zu spüren. Akribische Recherchen lassen ein in sich stimmiges und vor allem spannend einfühlsames Bild einer tragischen Familiengeschichte vor den Augen des Lesers entstehen. "Man kann, glaube ich, kaum einen Menschen aus seiner Familie herausreißen", sagt Lea Singer in einem Interview. "Jeder ist auch, wenn er seine Familie verlässt, durch sie definiert. Und diese Familie war ein besonders dramatischer Haufen und beweißt die Binsenweisheit, dass Geld nicht glücklich macht." Fazit: "Der Krieg im Hause Wittgenstein war ein Kampf um Liebe, obwohl keiner zu sagen gewusst hätte, was das war."

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