Lena Andersson Widerrechtliche Inbesitznahme

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Inhaltsangabe zu „Widerrechtliche Inbesitznahme“ von Lena Andersson

Wie bereit sind wir, uns selbst zu betrügen, in unserer Sehnsucht, geliebt zu werden?
Wer verlässt, spürt keinen Schmerz. Wer verlässt, braucht nicht zu reden. Wer verlässt, ist fertig. Das ist der große Schmerz. Wer verlassen wird, muss dagegen bis in alle Ewigkeit reden. Und dieses ganze Gerede ist nur der Versuch, dem anderen zu sagen, dass er sich geirrt hat. Wenn er nur einsähe, wie die Dinge wirklich liegen, würde er sich nicht so verhalten, dann würde er den anderen lieben. Bei dem Gerede geht es nicht darum, sich Klarheit zu verschaffen, was der Redende behauptet, sondern darum, zu überzeugen und zu überreden.« Ester Nilsson ist 31 Jahre alt. Sie ist Dichterin und Essayistin, eine vernünftige Person mit einer vernünftigen Beziehung. Eines Tages erhält sie den Auftrag, einen Vortrag über den Künstler Hugo Rask zu halten. Im Publikum sitzt der Meister höchstpersönlich, und danach treffen sie sich zum ersten Mal. Dieser Augenblick verändert alles. Eine auf den ersten Blick völlig harmlose, unverbindliche Kommunikation nimmt ihren Anfang, in deren Verlauf es zu einer Kette von Ereignissen kommt, die katastrophal für die liebesblinde Ester enden.

Dieses Buch hat mich umgehauen - eine absolute Leseempfehlung!

— SinaHolm

Ein sprachliches Juwel auf hohem Niveau mit vielen tollen Aussagen. Kein Buch, was einfach mal nebenbei liest. 4,5 Sterne!

— eulenmatz

Ein etwas anderes Buch über die Liebe. Über einseitige Liebe. Genial und anspruchsvoll geschrieben. Kein Buch für nebenbei

— Fleur91

Ein Werk, das die Augen öffnet, doch mir das Herz schwer machte.

— literaturELLE

Auf höchst intelligente Weise analysiert dieses Buch das irrationale Hoffen und Leiden in einer unerwiderten Liebe. Großartig geschrieben!

— Bookmarked

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  • Unerfüllte Liebe und all die verbundenen Qualen

    Widerrechtliche Inbesitznahme

    Fleur91

    11. March 2017 um 12:43

    Ester verehrt den Künstler Hugo Rask. Als sie eines Tages einen Vortrag über ihn halten darf und sie so mit ihm in Kontakt kommt, ändert sich ihre ganze Welt. Sie gibt ihre Beziehung auf und legt all ihre Wünsche, Hoffnungen und LIebe in Hugos Hände. Leider vergeblich. Mich hat das Thema der unerfüllten Liebe und was sie mit einem Menschen machen kann sehr interessiert. Das Buch ist nicht sehr dick und das fand ich auch gut. Andernfalls hätte ich es vielleicht nie beendet. Das Buch war für mich sehr anspruchsvoll. Man kann nicht einfach darin versinken, sondern muss wirklich aufmerksam lesen. Einmal kurz abgeschweift mit den Gedanken und ich musste einige Sätze doppelt lesen um zu verstehen und den Anschluss nicht zu verlieren. Der Schreibstil der Autorin ist einmalig. Die Characktere sind zum Kopfschütteln, aber gleichzeitig erkennt man sich wieder. Einerseits möchte man Ester mal an der Schulter packen und kräftig schütteln, aber andererseits denkt man im nächsten Moment, dass man warscheinlich selbst so gehandelt hätte. Ein wirklich gutes Buch über dieses Thema, das einen schonungslos einen Spiegel vorhält. Vorausgesetzt, man hat schon einmal einseitig geliebt.

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  • Eine wunderbare Liebesgeschichte

    Widerrechtliche Inbesitznahme

    LeseKatze

    18. February 2017 um 16:12

    Inhalt: Wer verlässt, spürt keinen Schmerz. Wer verlässt, braucht nicht zu reden. Wer verlässt, ist fertig. Das ist der große Schmerz. Wer verlassen wird, muss dagegen bis in alle Ewigkeit reden. Und dieses ganze Gerede ist nur der Versuch, dem anderen zu sagen, dass er sich geirrt hat. Wenn er nur einsähe, wie die Dinge wirklich liegen, würde er sich nicht so verhalten, dann würde er den anderen lieben. Bei dem Gerede geht es nicht darum, sich Klarheit zu verschaffen, was der Redende behauptet, sondern darum, zu überzeugen und zu überreden.« Ester Nilsson ist 31 Jahre alt. Sie ist Dichterin und Essayistin, eine vernünftige Person mit einer vernünftigen Beziehung. Eines Tages erhält sie den Auftrag, einen Vortrag über den Künstler Hugo Rask zu halten. Im Publikum sitzt der Meister höchstpersönlich, und danach treffen sie sich zum ersten Mal. Dieser Augenblick verändert alles. Eine auf den ersten Blick völlig harmlose, unverbindliche Kommunikation nimmt ihren Anfang, in deren Verlauf es zu einer Kette von Ereignissen kommt, die katastrophal für die liebesblinde Ester enden. Meine Meinung: Die Autorin hat einen wunderbaren Schreibstil  der mir besonders gut gefallen hat sie beschreibt die Momenten in ihrer ganz eigenen poetischen und unverbrauchten Sprache auf literarisch sehr hohem Niveau, das Buch hat zwar knappe 200 Seiten jedoch lies ich mich komplett in die Geschichte hineinfallen und habe diesen schönen Schreibstil genossen und mit extra jeden Satz langsam gelesen um alles auf mich wirken zu lassen. Ich konnte mich mit der Protagonistin Ester teilweise infizieren ich fand sie recht sympatisch und hätte an ihrer Stelle genau so gehandelt was das Thema Liebe betrifft. Als sie sich eingestehen will das sie doch für Hugo Gefühle hat und sie sich  immer näherkommen und die erste gemeinsame Nacht verbringen, verhält er sich sehr rätselhaft, verschwindet oft für mehrere Tage, meldet sich dann nicht bei ihr und vertröstet sie immer wieder.Ich an Ester Stelle würde genau so skeptisch sein und darüber Nachdenken was mein Partner wohl machen mag nachdem er sich Tage lang sich nicht mehr meldet. Jedoch ist sie abhängig von Hugo trotz sein Verhalten  Ihr Dasein besteht ausschließlich aus dem sehnsüchtigen Warten auf eine Nachricht.Sie hofft sehr das er ihre Gefühle genau so erwidert.   Hugo fand ich vom Charakter am Anfang etwas merkwürdig er ist dieses typische Männerbild der genießt es von Ester vergöttert zu werden, hält sich für was besseres da er von Ester so sher bewundert wird, aber mit ihren Gefühlen spielt. Diese Story hat mich richtig packen können, und gezeigt das wir Menschen voller Gefühle sind, und man gegen seine Gefühle einfach nicht ankämpfen kann auch wenn man es versuchen mag, oder sich dagegen wert. Ich bin komplett in diese Geschichte abgetaucht es war wunderbar, und werde das Buch definitiv noch einmal Lesen wollen. Ich kann dieses Buch an die Leute an Herz legen die Liebesgeschichten mögen Verliebt sind oder in einer ähnlichen Situation wie Ester sind oder waren. Fazit:Ein wunderschöner Liebesroman ich kann es wirklich nur weiter empfehlen.

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  • Widerrechtliche Inbesitznahme

    Widerrechtliche Inbesitznahme

    Bookmarked

    26. January 2017 um 11:56

    Zum Inhalt:Die 31-jährige Protagonistin Ester Nilsson ist intelligent, lebt in Schweden und arbeitet dort als Dichterin und Essayistin. Sie analysiert ihre Umwelt sowie die Menschen in ihrem Leben sachlich und präzise und macht es sich zur Aufgabe, das Leben in all seinen Feinheiten zu erfassen und mit den richtigen Worten zu beschreiben.Doch dann erhält sie den Auftrag einen Vortrag über den schwedischen Künstler Hugo Rask zu halten und beschäftigt sich daraufhin intensiv mit dessen Leben und Schaffen. Als Hugo dann am Tag des Vortrags persönlich anwesend ist und sie für ihren hervorragenden Vortrag lobt, verliebt sich Ester Hals über Kopf in den faszinierenden Hugo und gerät in eine ganz unglückliche Liebe.Meine Meinung zum Buch:Im Normalfall kann ich mit reinen Liebesgeschichten, also Büchern in denen eine Liebesbeziehung im Zentrum der Geschichte steht, nicht viel anfangen. Auch klingt der Plot in diesem Buch nicht besonders innovativ und dennoch konnte mich dieses Buch unheimlich begeistern und wird mit großer Sicherheit ein Lesehighlight 2017. Die Autorin legt den Fokus auf die genaue Analyse und Beschreibung der Gedanken- und Gefühlswelt von Ester. Sie seziert die Situation der unglücklich Verliebten geradezu, ist dabei wertfrei und schonungslos. Der Schreibstil ist entsprechend nüchtern und erschreckend präzise. Jeder der selbst einmal in dieser Situation war oder jemanden kennt, wird die typischen Verhaltensweisen erkennen. Trotz Esters Intelligenz und Vernunft ist sie gegen ihre Gefühle machtlos und manövriert sich immer tiefer in das Leid zwischen Hoffnung und Angst. Dabei ist es fast grausam, dass Ester ihre Schwäche und Irrationalität in vollem Umfang begreift und es trotzdem nicht schafft dieser Abhängigkeit zu entkommen und sich stattdessen immer mehr verliert. Fazit:Eine schonungslose Analyse der Liebe und ihrer Auswirkungen auf Menschen. Mit sprachlicher Präzision und Finesse aber ganz ohne Kitsch und Romantik beschreibt Lena Andersson das ganze Leid der Gedanken und Gefühle einer unglücklich Verliebten. Eine Situation in der Intelligenz und Vernunft machtlos sind. Eine absolute Leseempfehlung!

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  • Lena Andersson - Widerrechtliche Inbesitznahme

    Widerrechtliche Inbesitznahme

    ClaudiasWortwelten

    31. March 2016 um 19:39

    Inhalt: "Wir streben die Liebe an, um zu spüren, dass jemand uns sieht." Ester Nilsson ist 31 Jahre alt, erfolgreiche Dichterin und Essayistin und lebt in einer funktionierenden, vernünftigen, wenn auch eingefahrenen und wenig inspirierenden Beziehung. Eines Tages erhält sie den Auftrag, über den berühmten Künstler Hugo Rask einen Vortrag zu halten; und schon während sie bei ihren Vorbereitungen und der Recherchearbeit in dessen Lebenswerk eintaucht, ist sie überaus fasziniert und gefangen von ihm und seiner Arbeit. Als der bedeutende Künstler ihrem Vortrag dann sogar selbst beiwohnt, lernt sie ihn persönlich kennen, kommt mit ihm ins Gespräch und erhält die Einladung, ihn in seinem Atelier zu besuchen. Ester verliebt sich Hals über Kopf in den charismatischen Hugo und trifft sich immer häufiger mit ihm. Die intensiven Gespräche über Kunst und Philosophie beflügeln sie, sodass sie ihm regelrecht verfällt, sich emotional immer mehr von ihrem Freund Per entfernt und ihn schließlich verlässt. Von nun an klammert sie sich mit aller Kraft an die Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft mit Hugo, der sich von der jungen Frau verstanden fühlt, ihre Bewunderung genießt, aber stets unverbindlich bleibt. "Hugo bezog sich nie auf das, was Ester gesagt hatte. Ester bezog sich immer auf das, was Hugo gesagt hatte. Sie interessierten sich beide nicht sonderlich für Ester, aber sie interessierten sich beide sehr für Hugo." Doch auch nachdem sie sich immer näherkommen und die erste gemeinsame Nacht verbringen, verhält er sich sehr rätselhaft, verschwindet oft für mehrere Tage, meldet sich dann nicht bei ihr und vertröstet sie immer wieder. Er genießt es, von Ester bewundert und vergöttert zu werden, bleibt aber dennoch unzugänglich und verliert sich immer häufiger in Ausflüchte. Obwohl die Ungewissheit sie innerlich fast zerfrisst und sie auch die Existenz einer anderen Frau vermutet, stellt Ester zunächst keine Fragen, die ihm unangenehm sein könnten, will nicht fordernd erscheinen oder ihm gar lästig werden. Sie gibt sich selbstbestimmt, obwohl sie ihre Autonomie längst eingebüßt hat, ist emotional vollkommen abhängig von Hugo und lebt nur noch für die Momente, die sie mit ihm verbringen kann. Ihr Dasein besteht ausschließlich aus dem sehnsüchtigen Warten auf eine Nachricht oder die nächste Begegnung und der Hoffnung, dass er ihre Gefühle eines Tages erwidert. Der narzisstische Künstler, der stets auf der Suche nach Bestätigung ist und bewundert werden will, fühlt sich geschmeichelt und nutzt die Macht, die er über Ester hat, schamlos aus. Doch da sie zunehmend fordernder wird, distanziert sich Hugo immer mehr von ihr, entzündet aber dennoch immer wieder kleine Funken der Hoffnung, auf die sich Ester verzweifelt stürzt. Diese Hoffnung droht sie zu verschlingen und steht im ständigen Widerstreit mit der Erkenntnis, dass Hugo sie nicht liebt und ihre Beharrlichkeit ihm Angst macht, weil ein Narzisst wie er, so viel Nähe gar nicht erträgt. Auch der immer wieder auftretende “Freundinnenchor”, der, wie der Chor im klassischen griechischen Drama, räsoniert, kommentiert und Ester beharrlich zur Vernunft mahnt, vermag es nicht, zu ihr durchzudringen und ihre Hoffnung zu zerstören. Obwohl sie erkennt, dass Hugo mitnichten dem Idealbild entspricht, das sie auf ihn projiziert hat, kann sie nicht loslassen und erniedrigt sich immer wieder. Doch Hugo schweigt, kümmert sich nicht um die seelischen Verletzungen, die er Ester mit seinem Verhalten zufügt, denn ihre Gefühle sind nicht sein Problem. Als sie ihm zunehmend lästiger wird, distanziert er sich vollends – jedoch wieder ohne ein Wort der Erklärung, denn: "Wer verlässt, spürt keinen Schmerz. Wer verlässt, braucht nicht zu reden. Wer verlässt, ist fertig. Das ist der große Schmerz." Meine persönliche Meinung: Für ihren Roman Egenmäktigt förfarande, der 2015 unter dem deutschen Titel Widerrechtliche Inbesitznahme erschien, wurde die schwedische Schriftstellerin Lena Andersson 2013 mit dem renommierten August-Preis in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet. Zurecht, wie ich finde, denn sie hat einen ganz wunderbaren philosophischen Roman über die Liebe, bzw. das Leiden an unerwiderter Liebe geschrieben. Dabei ist die Geschichte nicht besonders originell, denn Romane über verschmähte Liebende gibt es viele; außergewöhnlich ist jedoch, wie präzise und analytisch die Autorin das Leiden an unerfüllten Sehnsüchten und die zerstörerische Kraft der Hoffnung, die Liebende überhaupt in solch emotionale Abhängigkeiten geraten lässt, beschreibt. Das Buch ist so voller kluger und wunderschöner Sätze, dass man sie am liebsten alle anstreichen möchte. Die Sprache ist lakonisch, schlicht und äußerst einfühlsam, zieht den Leser vollkommen in seinen Bann und macht Esters Verletzungen ebenso nachfühlbar wie ihre immer wieder aufkeimende Hoffnung. Der recht ungewöhnlich Titel Widerrechtliche Inbesitznahme bezieht sich gleichermaßen auf beide Hauptprotagonisten, denn nicht nur Hugo, sondern auch Ester werden widerrechtlich in Besitz genommen. Hugo, indem Ester unnachgiebig versucht, ihn für sich einzunehmen, und Ester, indem Hugo sie für seine Zwecke benutzt, sie zwar nicht liebt, aber auch nicht gehen lässt, weil er ihre Bewunderung braucht. Ester weiß: "Hugo Rask schuldete ihr keine Liebe. Es gab kein Recht darauf, geliebt zu werden." Ihrer Logik folgend hat sie aber zumindest das Recht auf eine Erklärung, um zu verstehen, was er empfindet, denn: "Das Schlimmste war, dass sie nicht verstand, was sie da erlebte, das, was von ihr verlangt wurde. Kein Schmerz ist so wie der, nicht zu verstehen." Auch wenn sie weiß, dass Hugo nicht für sie verantwortlich ist, leitet Ester aus den intimen Gesprächen und sexuellen Annäherungen eine moralische Verpflichtung zur Erklärung ab. Ein klares Nein könnte sie akzeptieren, könnte ihr helfen, sich von ihm zu befreien, aber stattdessen verharrt Hugo in seiner Unverbindlichkeit und verweigert, in der Annahme, ihr nichts schuldig zu sein, jedes klärende Gespräch. Ihr Leiden ist nicht sein Problem – für ihn besteht kein Klärungsbedarf. Kommunikation über Gefühle sind ihm fremd, machen ihm Angst, weil sie Intimität schaffen und er Nähe nicht ertragen kann. Er folgt einem ganz anderen System – dem der Ignoranz und Gleichgültigkeit gegenüber den Gefühlen anderer. Ester und Hugo leben in unterschiedlichen Welten, in denen vollkommen verschiedene Spielregeln gelten – Ester in einer Welt mit einem unbedingten Absolutheitsanspruch an die Liebe und Hugo in einer Welt, die jegliche verbindliche Form von Liebe und Nähe ausschließt. Dass dies fatal enden muss, ist nur logisch. Blind für die Gefühle und Bedürfnisse anderer, aber getrieben von dem unbedingten Wunsch nach Bewunderung, versteht es Hugo aber sehr geschickt, Esters Hoffnung wiederholt neue Nahrung zu geben. Man kann ihm nicht vorwerfen, dass er sie nicht liebt, offenbar überhaupt nicht zur Liebe fähig ist, aber man darf ihm vorwerfen, dass er ihr stets gerade so viel Aufmerksamkeit schenkt, wie notwendig ist, um ihre hingebungsvolle Liebe am Leben zu erhalten, statt aufrichtig und offen zu sein. Und so hofft Ester weiterhin, erniedrigt sich immer wieder, aber für sie ist es keine Erniedrigung, denn in ihrer Welt, in ihrem System, ist das Leiden an und das Kämpfen für die Liebe eine noble Sache. Sie glaubt, dass sie nur lange und intensiv genug leiden muss, um sich Hugos Liebe zu verdienen. Als Leser ist man häufig versucht, in den Freundinnenchor einzustimmen, der unablässig versucht, sie zu Vernunft zu bringen, aber jeder, der schon in Esters Situation war, weiß, wie hilflos man der Liebe ausgeliefert sein kann und Liebe ein Phänomen ist, dem mit Rationalität und gutgemeinten Ratschlägen nicht beizukommen ist. Der Roman Widerrechliche Inbesitznahme ist eine präzise Analyse der Welt, in der unglücklich Verliebte leben und die einer eigenen Logik folgt. Gekonnt, erbarmungslos und völlig jenseits von Romantik und Kitsch seziert die Autorin die verborgenen Winkel menschlichen Fühlens und Liebens. Jeder, der schon verliebt war und das zweifelhafte Vergnügen hatte, dabei ausgerechnet an einen egozentrischen Narzissten wie Hugo geraten zu sein, wird sich in diesem Buch wiederfinden. Ein wunderbarer und intelligenter Roman über das Unglück der Liebe, Selbstbetrug, Autonomieverlust und die zerstörerische Kraft der Hoffnung.

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  • Großartiges Buch!

    Widerrechtliche Inbesitznahme

    Devona

    05. January 2016 um 15:45

    Lena Anderson ist mit “Widerrechtliche Inbesitznahme” ein wunderbar intelligentes Buch über eine intellektuelle Frau, die Liebe im Allgemeinen und im Besonderen gelungen, welches auf sprachlich hohem Niveau fasziniert und dank Wertungsfreiheit auch ab und an lächeln lässt. Mit Sicherheit ein Buch, welches bei wiederholtem Lesen neue Facetten bietet. Ester ist eine sympathische Protagonistin, hochintelligent, gebildet, als Dichterin von, mit und durch Sprache lebend, analytisch und reflektiert. Sie hat ihr Leben im Griff, bis sie Hugo Rask begegnet und sich Hals über Kopf in ihn verliebt. Sie verliebt sich in den Künstler – die Idee, dass selbiger und der Mensch dahinter nicht unbedingt eine Personalunion bilden, kommt ihr nicht und liegt sicher auch anfänglichen außerhalb ihrer Wahrnehmungsfähigkeit. Ester selbst ist absolut und unbedingt, beseelt von der Suche nach Wahrhaftigkeit: diesen hohen Anspruch hat sie auch an andere Menschen. In diesem Buch passiert nicht viel: ein paar Treffen zwischen Hugo und Ester nach dem Vortrag von ihr und nachdem sie von einer Freundin die Gelegenheit für ein in der Presse veröffentlichtes Interview mit ihm erhalten hat und ihn deshalb aufsucht. Diese Treffen sind zwar intensiv und inhaltsschwer: es geht um Kunst, Philosophie, Wissenschaft und Weltanschauung. Sie sind aber letztendlich auch sehr einseitig: “Jedes Mal, wenn sie etwas kommentierte, kehrte Stille ein. Hugo bezog sich nie auf das, was Ester gesagt hatte. Ester bezog sich immer auf das, was Hugo gesagt hatte. Sie interessierten sich beide nicht sonderlich für Ester, aber sie interessierten sich beide sehr für Hugo.” Und während Ester bereits lichterloh brennt, bekommt der Leser schon eine Ahnung, in welche Kategorie Mann Hugo gehört: »Man sollte sich davor hüten, Gefühle zu schildern«, sagte Hugo. »Es geht doch immer nur darum, das Gegenüber so zu manipulieren, dass es das empfindet, was man es empfinden lassen will. Und das geschieht nicht, indem man die Gefühle zeigt, sondern indem man sie hervorruft. Was ganz andere Mittel erfordert.« Ester flirtet nicht unter Einsatz typischer weiblicher Reize, Ester flirtet mit Sprache und Intellekt, jedes ihrer intensiven Gespräche ist für sie “erotisch aufgeladen”. Hugo ist und bleibt zwischenmenschlich unverbindlich. Und nach dreimaliger sexueller Begegnung war`s das dann für ihn. So wenig Lena Andersson auch über Hugo schreibt, so deutlich kann der Leser genau das spüren. Auch Ester spürt das, nur will sie es nicht wahr haben. Zwischen ihnen herrschte eine absolute Kontaktlosigkeit, eine unbehagliche Entfremdung. Er saß neben ihr in einem öffentlichen Lokal, verleugnete sie also nicht. Er frühstückte mit ihr, wenn auch kärglich, am Morgen danach. Das hätte also ein Fortschritt sein müssen. Aber sie waren Fremde füreinander. Diese Begegnung war nur eine Form. Ihr fehlte der Inhalt, und sie war deshalb bis zum Bersten gefüllt mit einem anderen Inhalt. Sie hatten in dem Moment, in dem ihre Körper einander berührten, aufgehört zu sprechen. Die Liebe braucht Wörter. Für einen kurzen Moment kann man dem wortlosen Gefühl vertrauen. Aber auf Dauer gibt es keine Liebe ohne Worte und keine Liebe mit nur Worten. Die Liebe ist eine hungrige Bestie. Sie lebt von Berührung, wiederholten Versicherungen und dem Auge, das in ein anderes Auge schaut. Im Folgenden wird Esters Odyssee mit der rosaroten Liebesbrille beschrieben und zwar so gekonnt und fein nuanciert, dass es jedem Leser/in möglich ist, der schon mal unglücklich verliebt war, eine Stelle zu finden, an der er sich wieder erkennt. Und genau an diesen Stellen zaubert Lena Andersson uns ein Lächeln ins Gesicht, obwohl wir ansonsten schon mit Ester mitleiden oder uns zumindest gut in sie hinein versetzen können. Immer und immer wieder blockiert sie den eigenen Erkenntnisprozess, immer und immer wieder analysiert sie en Detail mit scharfem Verstand das eigene Fehlverhalten, nur um sich unmittelbar nach der Erkenntnis bewusst wieder falsch zu verhalten. Sie WILL diese Liebe, sie WILL die Beziehung mit diesen Menschen, den sie eigentlich wegen seiner Unverbindlichkeit und Rückgradlosigkeit zutiefst verachtet. Hugo Rask ist es nicht einmal in der direkten Auseinandersetzung, die von Ester mehrfach zu endgültiger Klärung gesucht wird, möglich, eindeutig Stellung zu beziehen. Ester könnte mit einem klar ausgesprochenen “nein” einen Schlussstrich ziehen, Hugo vermeidet dieses klare “nein”, für ihn ist Ester Projektionsfläche. Sie muss sich alleine quälen, denn auch der mahnende “Freundinnenchor” verkündigt ihr doch nur, was sie längst weiß. Folgendes hatte Ester Nilsson klar vor Augen: Hugo Rask schuldete ihr keine Liebe. Es gab kein Recht darauf, geliebt zu werden. Es gehörte zu einer einengenden Ehrenkultur, dass man Verpflichtungen erwarb, wenn man eine Frau umwarb oder mit ihr schlief, und noch mehr, wenn man nach dem ersten Beischlaf noch zu zwei weiteren Nächten in fleischlicher Gemeinschaft zurückkehrte. Und doch argumentierte sie auf diese Weise. Klar und deutlich sah sie, dass ihre Logik so funktionierte. Floh sie in eine alte und für ihr Ziel besonders untaugliche Geschlechterrolle, um mit ihrer Enttäuschung fertigzuwerden? Sollte sie nicht erhaben sein über diese törichten alten Vorstellungen von den männlichen Verpflichtungen gegenüber dem schwachen Geschlecht? Ein langer Weg für Ester, großartig beschrieben von Lena Andersson. Ich habe mir noch nie so viel Leseeindrücke angestrichen wie in diesem Buch. Fazit: ein großartiges Buch über Liebe, Hoffnung und Menschsein, absolut empfehlenswert!

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  • Die Hoffnung ist grausam

    Widerrechtliche Inbesitznahme

    JoBerlin

    Warum ruft er nicht an? Äußerst plausible Gründe sind : Er muss so viel arbeiten, er hat die Telefonnummer verloren, er muss seinem kleinen Bruder bei den Hausaufgaben helfen, er will mich nicht mit Anrufen nerven, er muss erst noch nachdenken, sein Telefon ist kaputt …. Dass er eine Beziehung nicht will, darauf kommt Lena Anderssons Protagonistin Ester Nilsson, Essayistin, nicht, denn was nicht sein darf, kann auch nicht sein. „Sie drehte und wendete alle Perspektiven, nur die nicht, dass sie keine Rechte hatte.“ Nach der widerrechtlichen Inbesitznahme des Auserkorenen findet sie doch immer wieder kleinste Hinweise, warum er eigentlich doch will, nur jetzt eben nicht kann. Sie muss ihm nur zur Seite stehen, ihm helfen sich zu ihr zu bekennen….. Dazu kommt noch ihr Freundinnenchor, der "deutete, tröstete, linderte, ermahnte und zeigte neue Marschrichtungen auf ….. und eines Tages steht er vielleicht mit einem Blumenstrauß vor deiner Tür, man weiß ja nie". So gibt sich Ester weiter der Hoffnung hin … eines Tages , später, vielleicht … Diese fatale Gedanken- und Verhaltenskette schildert die Autorin auf sehr hohem Niveau (intelligent, exzellent geschrieben, spannend, tragisch-komisch, dramatisch) und hat mich mit diesem Roman restlos begeistert.

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    • 3
  • "Beginnende Liebe tanzt auf Messers Schneide"

    Widerrechtliche Inbesitznahme

    Ginevra

    16. August 2015 um 09:15

    Ester Nilsson ist 31 Jahre, Essayistin und fest liiert, als sie Hugo Rask kennenlernt, der ihr Leben komplett aus den Fugen wirft. Hugo Rask ist Künstler, er arbeitet immerzu an neuen und aufwändigen "Projekten", umgibt sich mit Freidenkern und Existenzialisten, führt ein ungebundenes und freies Leben - soweit zumindest die schillernde Fassade (nicht umsonst ist Rask fasziniert von der Trompe l'oeuil- Malerei!). Ester fühlt sich geehrt, als sie einen Vortrag über Rask halten soll - was bedeutet, dass sie ihn ausgiebig interviewen und kennenlernen "darf". Sie verfällt mit Leib und Seele seinem Charme - und verfasst einen brillianten Vortrag. Noch nie habe jemand Außenstehendes ihn mit solcher Tiefe und Präzision verstanden, lobt er - und "es sauste und brauste" in ihr... Die Beziehung zwichen Ester und Hugo wird zwar auf der intellektuellen Ebene intensiver, aber sie bleibt lange Zeit platonisch: Hugo Rask blockt Ester ab, was ihre Sehnsucht nur noch steigert. Bald erkennt sie, dass eine tiefgreifende Veränderung in ihr stattfindet - und sie ihr bisheriges Leben nicht mehr weiterführen kann. Sie trifft eine Entscheidung und begibt sich in die Untiefen einer verrückten, ummöglichen Liebe, der "Hölle, in der sie von innen heraus verbrennt"... Lena Andersson wurde 1970 geboren, schreibt Literaturkritiken für das Sveska Dagbladet und wurde für ihren vorliegenden Roman mit dem höchsten schwedischen Literaturpreis (dem August-Preis) ausgezeichnet. In Schweden war das Buch ein wochenlanger Bestseller. Mich hat dieses Buch sehr fasziniert, da es einen direkt auf eine turbulente Reise in die Tiefe der Seele mitreißt. Zumindest ging mir das so, obwohl ich eigentlich" aus dem Alter raus" bin, wo man sich so stürmisch und vorbehaltlos verlieben sollte! Aber so geht es der Heldin Ester ja auch: eigentlich verläuft ihr Leben in geordneten Bahnen, ihre Vernunft bestimmt ihre tagtäglichen Handlungen, doch auf einmal eröffnet sich ihr eine ganz andere Dimension. *** ACHTUNG SPOILER!! *** Psychologisch finde ich die Handlung überzeugend: Hugo Rask hat die blendend verführerische Fassade eines narzisstischen Menschen, dem die Bespiegelung und Bewunderung anderer schmeichelt - doch eine verantwortungsvolle, tiefe Beziehung zu einem anderen Menschen kann und will er nicht eingehen. Ester erkennt zunehmend, was sie in ihn hineininterpretiert; dass es ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse sind, die sie sich bisher nicht eingestanden hat. Und doch bleibt der tiefe Schmerz über diese "widerrechtliche Inbesitznahme" eines Egoisten, der letztlich selbst im emotionalen Gefängnis steckt. Mir persönlich hat die eindimensionale Erzählperspektive nicht so gut gefallen: Ester wirkte auf mich streckenweise ziemlich selbstmitleidig und vorwurfsvoll, da hätte ich mir zur Auflockerung mal einen Perspektivenwechsel gewünscht, z.B. aus Sicht von Hugo, oder aus Sicht der Freundinnen, die immer nur vereint "im Chor" auftreten. Aber das ist Geschmackssache - so ist das Buch natürlich intensiver und dichter an Esters Gefühlen dran. Fazit: ein lesenswertes Buch über die Liebe - und gegen ein allzu vernunftbetontes Leben! 4 von 5 Sternen.

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  • Ein kluges Buch über die unglückliche Liebe und die Hoffnung

    Widerrechtliche Inbesitznahme

    Arizona

    27. July 2015 um 08:18

    Ester Nilsson, Dichterin und Essayistin, 31 Jahre alt, bekommt einen neuen Auftrag, sie soll einen Vortrag über den Künstler Hugo Rask halten. Sie stürzt sich in die Arbeit, wird geradezu besessen von dem Künstler und seinem Werk. Sie treffen sich ein paar Wochen lang, sie führen tiefgründige Gespräche, und es entwickelt sich eine Liebesbeziehung. Doch diese Beziehung wird für Ester immer mehr zur Besessenheit... Ich mag eigentlich keine Liebesromane, oft sind mir diese zu kitschig. Dies ist hier ganz anders, diese Liebe ist nicht rosa-rot, sondern eher in Grautönen erzählt. Hier wird eine einseitige, unglückliche Liebe beschrieben. Es ist interessant zu lesen, wie eine eigentlich emanzipierte Frau hier zu einer willenlosen Person wird, die sich nur nach dem extrovertierten Künstler ausrichtet. Die schwedische Autorin erzählt sehr klug über die Mechanismen der Liebe, vor allem über die Hoffnung, dass doch noch alles gut werden kann. Und das alles auf einem sprachlich sehr hohem Niveau, noch dazu unterhaltsam und teils sogar amüsant. Allein den Titel des Buches find ich genial, wobei ich mich schon die ganze Zeit frage, wer hier eigentlich wen widerrechtlich in Besitz genommen hat...

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  • Widerrechtliche Inbesitznahme

    Widerrechtliche Inbesitznahme

    sofie

    25. July 2015 um 15:17

    „Ihr Gefühlsleben war jetzt Objekt für die Unzufriedenheit der steigenden Erwartungen. Der einzige Vorteil daran ist, dass die Enttäuschung nach einiger Zeit ein anderes Naturgesetz aktivieren kann, die Freude der sinkenden Erwartungen über jede Kleinigkeit.“ (S. 74) Ich hab mich vor allem am Anfang etwas schwer getan mit „Widerrechtliche Inbesitznahme“. Die Protagonistin Ester bewegt sich hauptsächlich in einem sehr intellektuellen Umfeld und das spiegelt sich auch in der Sprache des Romans wider. Ich finde, das Zitat oben gibt einen sehr guten Einblick in den Sprachstil. Dadurch hab ich mich an manchen Stellen etwas „abgehängt“ gefühlt, aber leider auch nicht unbedingt dazu animiert, dass ich mehr über die Dinge erfahren wollte, die ich nicht kannte. Im Laufe des Buchs wurde das besser, denn immer mehr geht es um die Gefühle von Ester zu Hugo Rask. Der Untertitel lautet ja auch „Ein Roman über die Liebe“, auch wenn ich in diesem Zusammenhang nicht unbedingt von Liebe sprechen würde. Es gibt einige interessante Gedanken zum Verliebt sein und all den Problemen, die damit zusammenhängen. Am besten gefiel mir der „Freundinnenchor“, der Ester immer wieder Tipps gibt. Insgesamt ein sehr anspruchsvoller und ungewöhnlicher Liebesroman, für den man sich etwas Zeit nehmen muss.  

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  • Liebe macht blind

    Widerrechtliche Inbesitznahme

    HarIequin

    25. June 2015 um 12:38

    „Ich kann dagegen nur anführen, dass die Freiheit des einen Menschen bisweilen das Leiden des anderen ist.“ (S.149) Als Ester Nilsson den Auftrag bekommt, über den Künstler Hugo Rask einen Vortrag zu halten, ist es anfangs ein Job wie jeder andere für sie. Während sie an ihrer Rede schreibt, empfindet sie jedoch schnell Faszination für den Mann hinter den Werken und der Abend des Vortrages soll schließlich ihr Leben verändern, denn der Künstler selbst sitzt auch im Publikum. Aus einer lockeren Unterhaltung danach entsteht bei Ester schnell eine Besessenheit für Hugo, die sie vollkommen blind für die Realität werden lässt. Der Ton, in dem Lena Andersson schreibt, ist sehr sachlich und nüchtern. Damit steht er in komplettem Kontrast zu Esters Gefühlswelt, was mir persönlich gut gefallen hat. Sprachlich ist der Roman außerdem sehr differenziert und ausgesucht. Ester als Protagonistin ist eine eher kühle und kultivierte Frau, weshalb ihre Leidenschaft öfter nur verwundern kann. Sie ist völlig resistent gegenüber der Wirklichkeit, erfindet ständig neue Ausreden wieso er nicht anruft und ist der festen Überzeugung, dass er sie auch lieben müsse. Die allgemeine Herangehensweise der Autorin und die Umsetzung der Themen Liebeskummer und Besessenheit haben mich sehr beeindruckt - teilweise richtig überzogen, wo ich mir als Leserin dann auch dachte "Ester was machst du?", es gleichzeitig aber auch irgendwie nachempfinden konnte. Ich glaube, dass jeder sich irgendwie in dem Roman wiederfinden kann, denn hinter all der Überspanntheit steckt doch ein Fünkchen Wahrheit.

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  • intellektueller Liebeskummer

    Widerrechtliche Inbesitznahme

    Gruenente

    Liebesromane sind nicht so mein Ding. Zu seicht, zu schnulzig, zu unrealistisch. Dieser Liebesroman ist anders. Dieses Buch beschreibt die Liebe einer intellektuellen Frau. Dies Buch ist nie kitschig, sondern immer anspruchsvoll. Wenn auch die beschriebenen Gefühle auch zu einem Teenager passen würden. Ester Nilsson ist einunddreißig Jahre alt, lebt in einer festen, guten Beziehung und lebt von Veröffentlichungen von Artikeln, Essays und Gedichten. Als sie den Auftrag erhält auf einer Veranstaltung einen Vortrag über den Künstler Hugo Rask zu halten sagt sie sofort zu, denn sie schätzt seine Werke ungemein. In einer Woche intensiver Vorbereitung meint sie Hugo schon sehr gut zu kennen, ohne ihn je getroffen zu haben und ist eigentlich schon verliebt, bevor sie den Mann überhaupt kennenlernt. Dabei spricht er vor allem ihren Intellekt an. Sie bewegt sich in einem Kreis von Intellektuellen, Künstlern, Autoren, Journalisten; Und das Buch spiegelt das Milieu, in dem es spielt mit jedem Satz wieder. Aber Hugo Rask gegenüber benimmt sie sich wie ein (gesitteter) Groupie. Sie kommt mit ihm ins Gespräch, sie treffen sich ein paarmal in seinem Atelier, gehen zusammen essen. Sie führen viele intensive Gespräche. Vor allem über Kunst, Literatur, Politik, Ethik, die Gesellschaft. Und diese selbstbewusste Frau, die bisher immer stringent ihren Weg gegangen ist verwandelt sich in ein hilfloses Anhängsel und stört sich nicht mal daran. Hugo wird von ihr grenzenlos angehimmelt. Ester ist sich der Ungleichheit in dieser „Beziehung“ bewusst. Ihre Freundinnen verscuhen sie wieder in normale Bahnen zu lenken. Klappt aber nicht. Wie eine Süchtige wartet Ester ununterbrochen, immer und überall auf Zeichen, Anrufe, eMails, SMS von Hugo. Und immer wieder wird sie enttäuscht und leidet. Sie kommt zum Ziel: sie schlafen miteinander. Ester ist endgültig im siebten Himmel. Aber leider allein. Es herrscht Funkstille. Hugo hat wohl gemerkt wie ernst es Ester ist und kontaktiert sie nicht mehr. Er flüchtet. Da beginnt Ester jedes Zeichen, jede Geste, jedes Wort, jedes Fehlen derselben zu interpretieren und zu analysieren. Sie läuft ihm hinterher wie eine läufige Hündin. Aus der stolzen Frau wird eine Bettlerin. Sie bettelt um Aufmerksamkeit. Immer wenn sie es schafft, sich wieder ein wenig auf sich selbst zu besinnen, passiert etwas und sie ist ihm wieder total verfallen. Ester vernachlässigt sich und ihre Arbeit, trennt sich von ihrem langjährigen Partner lebt nur für ihn, während er sie ignoriert und vor ihr flüchtet. Ester bekommt etwas Abstand. Sie telefonieren wieder, Ester ist ihm wieder total verfallen. Esters „Liebesblindheit“ sorgt auch für feinen Humor, der sich für den unbeteiligten Betrachter quer durch das Buch zieht. Die Autorin, Lena Andersson, erhielt für dieses Buch den Augustpreis, renommiertester Literaturpreis Schwedens (außer dem Nobelpreis…). Dort stand dieses Buch lange auf der Bestsellerliste. Für den deutschen Markt wurde es von Gabriele Haefs übersetzt.   hier eine ausführlichere Rezension:  http://leckerekekse.de/wordpress/widerrechtliche-inbesitznahme/

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