Lena Gorelik

 4 Sterne bei 302 Bewertungen
Autorin von Die Listensammlerin, Lieber Mischa und weiteren Büchern.
Autorenbild von Lena Gorelik (© Gerald von Foris / Graf Verlag)

Lebenslauf

Lena Gorelik wurde am 1. Februar 1981 in Leningrad geboren. Sie emigrierte im Aler von 11 Jahren zusammen mit ihrer russisch-jüdischen Familie als sog. Kontingentflüchtling nach Deutschland. Sie Journalistenausbildung erhielt sie an der Deutschen Journalistenschule in München, anschließend studierte sie Osteuropastudien an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie veröffentlicht sowohl wissenschaftliche als auch belletristische Werke sowie Reiseliteratur. Gorelik wurde bereits mehrfach für ihre Arbeit ausgezeichnet, darunter auch mit dem Bayerischen Kunstförderpreis und dem Ernst-Hoferichter-Preis. Lena Gorelik lebt in München.

Neue Bücher

Cover des Buches Gegenwehr im Jetzt (ISBN: 9783103977066)

Gegenwehr im Jetzt

Neu erschienen am 27.05.2026 als Gebundenes Buch bei S. FISCHER.

Alle Bücher von Lena Gorelik

Cover des Buches Die Listensammlerin (ISBN: 9783499238444)

Die Listensammlerin

(80)
Erschienen am 27.02.2015
Cover des Buches Mehr Schwarz als Lila (ISBN: 9783499218347)

Mehr Schwarz als Lila

(33)
Erschienen am 19.09.2018
Cover des Buches #herzleer (ISBN: 9783789104954)

#herzleer

(21)
Erschienen am 20.03.2017
Cover des Buches Wer wir sind (ISBN: 9783499005282)

Wer wir sind

(22)
Erschienen am 16.08.2022
Cover des Buches Null bis unendlich (ISBN: 9783499270598)

Null bis unendlich

(20)
Erschienen am 17.02.2017
Cover des Buches Hochzeit in Jerusalem (ISBN: 9783453352537)

Hochzeit in Jerusalem

(21)
Erschienen am 04.09.2008
Cover des Buches Meine weißen Nächte (ISBN: 9783453351066)

Meine weißen Nächte

(17)
Erschienen am 07.08.2006
Cover des Buches Alle meine Mütter (ISBN: 9783498007621)

Alle meine Mütter

(10)
Erschienen am 13.03.2026

Neue Rezensionen zu Lena Gorelik

Cover des Buches Alle meine Mütter (ISBN: 9783498007621)
Seitenmusiks avatar

Rezension zu "Alle meine Mütter" von Lena Gorelik

Seitenmusik
Vielfältige Facetten von Mutterschaft

Mit "Alle meine Mütter" widmet sich Lena Gorelik einer der prägendsten Beziehungen unseres Lebens: der zwischen Müttern und Kindern. Der im März 2026 bei Rowohlt erschienene Roman verbindet persönliche Erinnerungen mit gesellschaftlichen Fragen und betrachtet Mutterschaft nicht als festgelegte Rolle, sondern als vielschichtige Erfahrung zwischen Nähe, Überforderung, Liebe und Verlust.

Gorelik schreibt über Mütter und Nicht-Mütter, über biologische und gewählte Familien, über Kinderwunsch, Abbrüche, Krankheit, Behinderung und die Erwartungen, die an Frauen gestellt werden. Dabei geht es weniger um eine klassische Handlung als um eine literarische Annäherung an die Frage, wie sehr unsere Mütter unsere Identität prägen. „Wir setzen unsere Schritte auf das, was wir dank oder trotz unserer Mütter wurden. Tragen sie darin für immer mit uns.“ (S. 10)

Meine Meinung

Sehr angesprochen hat mich die feministischen Perspektiven des Romans. Gorelik zeigt, wie Mutterschaft gesellschaftlich idealisiert wird und wie wenig Raum oft für widersprüchliche Gefühle bleibt. Sie hinterfragt Vorstellungen von „richtiger“ Mutterschaft und macht sichtbar, dass Fürsorge nicht ausschließlich durch biologische Verbindung entsteht. Auch Sprache spielt dabei eine wichtige Rolle: Begriffe wie „Frauendinge“ stehen für Themen, über die Frauen häufig lernen zu schweigen. „«Frauendinge» klingen groß, und weil sie groß und geheimnisvoll und auch nicht gut klingen, lernen wir Töchter, dass wir besser nicht fragen.“ (S. 20)

Sehr berührend sind die Passagen über Mütter, deren Kinder nicht gesellschaftlichen Normen entsprechen. Gorelik richtet den Blick auf Familien, die mit Diagnosen, Barrieren und bürokratischen Hürden leben, ohne die Kinder auf diese Herausforderungen zu reduzieren. Gleichzeitig zeigt sie, wie groß der Druck auf Mütter ist, immer selbstverständlich und bedingungslos zu lieben: „Es ist nicht vorgesehen, dass Mütter erst lernen müssen, ihre Kinder zu lieben.“ (S. 71)

Trotz dieser starken Themen hatte ich Schwierigkeiten mit dem Roman. Ich habe ihn einmal begonnen, wieder weggelegt und später neu gestartet. Erst nach etwa einem Drittel konnte ich einen besseren Zugang finden. Die fragmentarische, poetische Struktur erzeugt viele emotional berührende Momente, hat mich aber stellenweise auch etwas verloren, weil manche Gedanken eher wie einzelne Essaysplitter wirken als wie ein zusammenhängendes Erzählen. Besonders gegen Ende nahm die Wirkung für mich wieder etwas ab.

Gleichzeitig zeigt Gorelik große Stärke darin, persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlichen Fragen zu verbinden. Der Versuch, über die eigene Mutter zu schreiben, wird auch zu einer Suche nach der eigenen Identität: „Ich suche nach Wörtern, um über sie, meine Mutter, zu schreiben, über uns, über Kinder und Mütter. Ich stecke meine Mutter mit Worten ab und vermutlich fest.“ (S. 136)

Fazit

"Alle meine Mütter" ist ein anspruchsvoller, stellenweise sehr poetischer Roman über Mutterschaft in all ihren Widersprüchen. Besonders Leser:innen, die sich für feministische Literatur, Familienbeziehungen und gesellschaftliche Rollenbilder interessieren, werden hier viele Denkanstöße finden. Die Stärke des Buches liegt für mich klar in der Offenheit des Themas und den klugen Beobachtungen zu Frauen, Körpern, Care-Arbeit und Generationen. Die sehr fragmentarische Erzählweise kann jedoch auch Distanz schaffen. Für mich war der Roman deshalb eine wechselhafte Lektüre: mit vielen starken Passagen, aber auch Momenten, in denen ich mich verloren fühlte. Am Ende bleibt vor allem die Erkenntnis, dass die Beziehung zu unseren Müttern niemals vollständig abgeschlossen ist. Gorelik selbst bringt diese Unabgeschlossenheit auf den Punkt: „Ich denke schon, antworte ich, weil ich eingesehen habe, dass ich nie fertig bin.“ (S. 172). Danke an netgalley.de & den Rowohlt Verlag für das digitale Leseexemplar.

Cover des Buches Alle meine Mütter (ISBN: 9783498007621)
renees avatar

Rezension zu "Alle meine Mütter" von Lena Gorelik

renee
Einblicke in weibliche Lebenswelten

Alle meine Mütter. Jede Frau, die in unser Leben tritt, prägt uns irgendwie. Die Mutter und weitere mütterliche Figuren um so mehr. Männliche Wesen tun dies auch. Väter insbesondere. Aber sie tun dies anders. Meiner Meinung nach. Frauen haben auf uns Frauen eine andere Wirkung. Auch aus dem Aspekt eines ähnlichen Erlebens. Eines ähnlichen Lebens. Ähnlicher Sichten. Einer ähnlichen Stellung in unserer nun doch männlich orientierten Gesellschaft. Die Schwesternschaft mag da schon eine gewisse Rolle spielen. Eine gewisse Rolle. Nicht die ausschließliche Rolle. Ich weiß. Lena Gorelik schaut in ihrem Buch auf die Thematik der Mütter, der Mutterschaft. Aus der Sicht der Töchter. Aber ebenso dann folglich auf die eigene mögliche Stellung als Mutter. Sie zieht Vergleiche in ihrem Buch. Wie auch wir dies tun in unseren jeweiligen Leben. In unseren verschiedenen Altersstufen. Vergleiche, die nicht immer gut tun. Kommt auf die Intensität dieser Vergleiche an. Und auf die Stellung, die wir selbst in unseren Leben für uns einnehmen. Wie wichtig wir uns selbst für uns sind. Denn was macht eine Frau in unserer männlich orientierten Gesellschaft aus? Unsere jeweilige Bindungssituation? Unsere Mutterschaft? Unsere Herkunft und die damit verbundene Sozialisation? Was ist stärker? Die Faktoren, die Wünsche, die Vorstellungen, die auf uns von außen einprasseln? Oder unsere eigene Vorstellung von einem gelungenen Leben. Denn dieses Egalsein, dieses sich Abgrenzen von den Wünschen von außen. Wann lernen wir das? Wann lernen wir das in unserer patriarchal orientierten Gesellschaft? In unserer Gesellschaft, die uns schon in unserer Kindheit mit den patriarchal verordneten Grundsätzen eines perfekten weiblichen Lebens bombardiert. Schon die Märchen, die wir unseren Kindern darbieten sind eigentlich eine Zumutung für weibliche Geschöpfe. Die Rollen, die uns schon als Kind, als Tochter dargeboten werden, sind ebenso etwas fragwürdig. Doch als junge Frau schon dagegen aufbegehren, ein schwieriges Unterfangen. Das lernt man dann nach und nach. Und wird dann zu dieser unbequemen Alten. Nach und nach. Also manche von uns. Manche. Nicht alle. 

Lena Gorelik schaut in ihrem Buch nicht völlig differenziert auf dieses Thema. Alle Aspekte kommen nicht in diesem Buch vor. Aber einige. Und so kommt man dennoch als Frau, als Tochter und vielleicht auch als Mutter, als Großmutter in dem Buch zum Sinnieren. Was ja von mir durchaus gewollt, gewünscht ist. Nun müssen nicht alle Aspekte weiblichen Lebens/Erlebens in diesem Buch vereint sein. Meiner Meinung nach! Dies kann kein Kritikpunkt sein. Was allerdings von mir ein Kritikpunkt ist, dieses Buch ist für meinen Gusto etwas zu zerrissen aufgebaut. Die Autorin springt etwas zu sehr in ihren Darbietungen. Da gibt es Einblicke in das sowjetische Leben als Frau, Einblicke in vergangene Zeiten. Obwohl ich bezweifele, dass vieles von diesen damaligen Sichten im russisch/ukrainisch/weißrussischen Gebiet vorbei ist. Wenn wir uns in Deutschland über unsere Stellung als Frau aufregen, ist das immer berechtigt, aber, das geht woanders sicher schlimmer. Darf man nicht vergessen als Deutsche. Bei allem Meckern. Da gibt es verschiedene Frauen, verschiedene Frauenrollen, verschiedene Mütterrollen. Aber auch biographische Sichten der Autorin. Alles miteinander verwoben und/oder auch etwas abgehackt aneinandergereiht. Die Vielfalt der Frauenrollen ist gut gewählt. Gerade das ermöglicht ja auch dieses darüber nachdenken können, dieses Sinnieren, dieses Abschweifen zu sich und ins eigene Umfeld. Aber das etwas abgehackt aneinander Gereihte fand ich als etwas zu viel. Aber nicht so viel, dass es an meiner Bewertung spürbar war. Denn 4 Sterne sind ja durchaus eine gute Bewertung für ein gutes Buch, welches eine Reflexion ermöglicht. Und dies ist in der Psychologie/Psychiatrie essentiell. Aber nicht nur da. Dies sollte in unserem Leben eine Wichtigkeit besitzen. Diese Reflexion eigenen Verhaltens. Manchmal lebenswichtig!

Cover des Buches Alle meine Mütter (ISBN: B0GMWC486C)
Apfelmauss avatar

Rezension zu "Alle meine Mütter" von Lena Gorelik

Apfelmaus
Ein poetisches, vielschichtiges Hörbuch über das Muttersein in all seinen Formen

„Alle meine Mütter“ ist ein intensives und vielschichtiges Hörbuch über die Beziehung zwischen Müttern und Kindern. Es geht um Liebe, Zweifel, Verlust, Nähe und alles dazwischen.

Die vielen verschiedenen Perspektiven haben mir gut gefallen, weil sie zeigen, wie unterschiedlich Mutterschaft erlebt wird. Gleichzeitig war es für mich im Hörbuch manchmal schwierig, den Überblick zu behalten, da die Übergänge nicht immer klar waren und ich dadurch öfter aus dem Flow gekommen bin.

Die Sprecherin Inka Löwendorf liest sehr angenehm und ruhig, was gut zur poetischen Sprache passt.

Fazit: Ein sehr wichtiges und berührendes Buch, das im Hörformat durch seine Struktur etwas anspruchsvoll ist, aber inhaltlich definitiv überzeugt.

Gespräche aus der Community

Cover des Buches Mehr Schwarz als Lila
Damis avatar
Dami

Parallel zu Coffee & Books der JVM München wollen wir hier über "Mehr schwarz als lila" von Lea Gorelik diskutieren. Eine prima Gelegenheit auch für alle, die nicht am Termin teilnehmen können. 

Am 29.09. diskutieren wir dann bei Kaffe und Kuchen gemeinsam über das Buch.

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aba



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Lena Gorelik wurde am 31. Januar 1981 in Leningrad (Russland) geboren.

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