Die Listensammlerin

von Lena Gorelik 
3,8 Sterne bei68 Bewertungen
Die Listensammlerin
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Konnte mich nicht vollständig überzeugen, anstrengender Schreibstil, unüberschaubare Zeitsprünge. Das Thema ist aber interessant!

M

Interessanter Schreibstil. Für Listen-Fans ein tolles Buch... werde ich wieder lesen.

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Inhaltsangabe zu "Die Listensammlerin"

Sofia liebt Listen - Listen über Schokoladensorten oder peinliche Hundenamen. Die Sammlungen bringen Ordnung in ihr bewegtes Leben: An das Dasein als Mutter hat sie sich noch nicht gewöhnt, und ihre Großmutter dämmert dement vor sich hin. Eines Tages macht sie in der großmütterlichen Wohnung eine Entdeckung: eine andere Listensammlung in kyrillischer Schrift - die Familie hat in den Siebzigern die Sowjetunion verlassen. Über diesen Fund stößt Sofia auf einen geheimnisvollen Onkel: ein Querkopf, der sich im Untergrund betätigt hat. Anhand der Listen spürt sie Onkel Grischas dunkler Geschichte nach und entdeckt, was die Vergangenheit für sie bedeuten kann.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783499238444
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:352 Seiten
Verlag:ROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum:27.02.2015
Das aktuelle Hörbuch ist am 26.09.2013 bei Argon erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    buchstabentraeumerins avatar
    buchstabentraeumerinvor 21 Tagen
    Kurzmeinung: Konnte mich nicht vollständig überzeugen, anstrengender Schreibstil, unüberschaubare Zeitsprünge. Das Thema ist aber interessant!
    Interessante Charaktere und spannende Einblicke in die Sowjetunion

    Die Listen gaben mir Kraft und Ruhe wie anderen das Gebet, Alkohol, Drogen, ein Therapeut, die Zigaretten und das Shoppen. Ich wusste, dass sowohl Drogen wie auch Psychotherapeuten gesellschaftlich weit anerkannter sind als Listen. (Seite 57)

    Schreibt ihr Listen? Wenn ja, warum? Ich schreibe Listen, um die Gedanken in meinem Kopf zu sortieren und anstehende Aufgaben im Blick zu haben. Eine schlichte Notwendigkeit. Sofia hingegen schreibt Listen mit bedingungsloser Leidenschaft. Listen sind ihr Leben – sie ordnen und katalogisieren weit mehr als ihre Gedanken. Sie beruhigen sie, wenn das Leben zu viel von ihr fordert, wenn sie unruhig wird. Und Unruhe empfindet sie wahrlich genug. Denn da wäre die Sorge um ihre Tochter, die mit halbem Herzen zur Welt kam und der eine lebensgefährliche Operation bevorsteht. Da wäre ihr Mann Flox, der ihre Sorgen nicht auf die gleiche Weise zu teilen scheint. Da wäre ihre Großmutter, die mit Demenz in einem Pflegeheim lebt und um die sie sich kümmern soll. Und da wäre ihre Mutter, die nie viel von ihren Listen gehalten hat und ihr viel zu wenig über die Identität ihres Vaters verrät. Das alles thematisiert Lena Gorelik (Autorin von „Mehr Schwarz als Lila“, 2017) in ihrem 2016 erschienenen Roman „Die Listensammlerin“.

    Hin und wieder flossen die Verzweiflung, die Angst, die Wut und die Machtlosigkeit und all die anderen Gefühle, die der Krankenhauspsychologe erwähnt hatte, aus mir heraus, als hätte ich ein Leck. (Seite 35)

    Während ihre Großmutter, die in der damaligen Sowjetunion aufwuchs, immer mehr ihre Erinnerungen verliert, beginnt Sofia im Trubel vor der OP ihrer Tochter damit, Nachforschungen über ihre Familie anzustellen. Sie ist es leid, von ihrer Mutter hingehalten zu werden, als psychisch gestört stigmatisiert zu werden, und permanent in Sorge um ihre Tochter zu sein. Auswege aus ihrer Misere bilden ihre Listen und ein überraschender Fund in der Wohnung ihrer Großmutter – denn anscheinend ist sie nicht der einzige Mensch, der Listen führte. Jemand anders hat eben solche Listen wie sie geführt und diese in einem Kästchen aufbewahrt. Was hat es damit auf sich? Und wer war der Autor? Was haben diese Listen mit ihrer Familie zu tun?

    Ich schrie sie [meine Mutter] an, weil ich genervt war von Anna, die ich nicht anschreien durfte, von meinem Leben, von ständigen Arztbesuchen, vom Schreiben, vom Nicht-Schreiben, von Flox, von mir selbst. (Seite 104)
    An diesem Punkt teilt sich die Erzählung in zwei Zeitebenen – die der Gegenwart und die der Vergangenheit, beginnend mit der Kindheit der Großmutter in der früheren Sowjetunion. Zu dieser Zeit bestimmte die Kommunistische Partei über alles, was im Land passierte. Die meisten Menschen fügten sich diesen strengen Vorgaben, doch Grischa, der Sohn von Sofias Großmutter, war ein Freigeist. Ihn lernt der Leser in den Rückblicken kennen, seine Wünsche und Träume, seine Ziele, seine Liebe. Man taucht ein in einen Lebensalltag, der unserem heutigen nicht fremder sein könnte. Ein faszinierender Einblick, der mich sehr fesselte. Auch das Schicksal von Sofia und Grischa berührte mich tief – vor allem Sofias Überforderung und Grischas sensible und gleichzeitig bockige Art.

    Ich ging davon aus, dass mir „Die Listensammlerin“ bis zum Ende weiterhin so ausnehmend gut gefallen würde, allerdings war dem leider nicht so. Das hatte subjektive Gründe: Ich verlor zusehends den Überblick über die Zeitebenen. Ich driftete daher für meinen Geschmack zu orientierungslos durch die Geschichte, ohne zu wissen, wo (und wann) ich mich gerade befinde. Hinzu kam ein nüchterner Schreibstil, der anfangs sehr charmant war, am Ende aber dazu beitrug, dass ich keinen emotionalen Bezug zum Geschehen mehr herstellen konnte. Hinzu kam, dass hinsichtlich der Frage nach der Identität von Sofias Vater eine gewisse Spannung aufgebaut wurde. Andeutungen häuften sich und alles schien möglich, doch anstatt mit einer Auflösung zufriedengestellt zu werden, bleibt Gorelik vage. Hier wurde meine Erwartungshaltung leider enttäuscht.

    Fazit

    „Die Listensammlerin“ von Lena Gorelik konnte mich persönlich leider nicht vollständig überzeugen, obwohl der Anfang äußerst vielversprechend war. Ich tauchte ein in das herausfordernde Leben von Sofia, das von Sorgen und Ärgernissen geprägt ist. Ich mochte ihren Charakter und ihre Eigenart, ihr Leben durch das Anfertigen von Listen eine gewisse Ordnung und sichere Struktur zu verleihen. Auch mochte ich die Verknüpfung mit der Vergangenheit ihrer Familie in der ehemaligen Sowjetunion. Allerdings verlor die Autorin mich auf dem Weg. Der Schreibstil wurde anstrengend, die Zeitsprünge zu unüberschaubar. Für andere Leser aber sicherlich trotzdem eine anregende Lektüre!

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    Bibliomanias avatar
    Bibliomaniavor 10 Monaten
    Wie schön, wenn man einen Seelenverwandten findet

    "Lena Gorelik ist brilliant", so zumindest behauptet die Süddeutsche Zeitung. Dem kann ich mich allerdings nicht wirklich anschließen.
    In Lena Goreliks Roman geht es vor allem um Sofia. Sie ist eine junge Mutter, dessen Kind einen Herzfehler hat. Doch das ist nur eine Sache, mit der sie schlecht umgehen kann. Das Verhältnis zu ihrer Mutter ist ebenfalls schwierig und ihre geliebte Großmutter leidet an Demenz und verbringt den Rest ihres Lebens in einem Altersheim.
    Nur ihre Listen helfen ihr durch den Tag. Schon jahrelang schreibt sie verschiedene Kuriositäten, Aufzählungen, die sie beruhigen, oder sie Dinge klarer werden lassen auf. Alle anderen scheint es teilweise zu belustigen oder zu verärgern. Bis Sofia die Wohnung ihrer Großmutter ausräumt und auf Hinterlassenschaften eines lang verschwiegenen Onkels trifft: Onkel Grischa. Auch er hat Listen geschrieben und sie setzt nach und nach das Leben dieses kuriosen Mannes zusammen.
    Ein Buch über Familie und Liebe, über Verlust, Vertrauen und Zusammenhalt. Doch irgendwie konnte das Buch mich nicht richtig packen. Eigentlich dachte ich, die selbst gerne Listen schreibt, das dieses Buch genau zu mir passen würde, aber wie es leider immer wieder mit Erwartungen ist, werden sie eher enttäuscht, wenn sie zu hoch sind. Ich hatte auch einen gewissen Witz erwartet, aber der findet sich hier nicht. Stattdessen Trauer, Hoffnungslosigkeit, Taumeln im eigenen Leben, Unzufriedenheit und Verlust. Aber gleichzeitig wird das Ganze nicht so richtig emotional erzählt.
    Schön fand ich die Zweiteilung im Buch, die auch noch durch die unterschiedliche Schrift verstärkt wurde. So wusste man immer, in welcher Geschichte man sich befand.
    Für mich leider nur ganz nett, wahrscheinlich bleibt es meine einzige Gorelik.

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    abuelitas avatar
    abuelitavor einem Jahr
    Listen über Listen....

    Sofia liebt Listen – Listen von Schokoladensorten oder peinlichen Hundenamen. Diese Sammlungen bringen Ordnung in ihr Leben: An das Dasein als Mutter hat Sofia sich noch nicht gewöhnt, ihre Großmutter dämmert dement vor sich hin, und auch sonst läuft wenig rund. Eines Tages macht Sofia in der großmütterlichen Wohnung eine Entdeckung: eine andere Listensammlung, in kyrillischer Schrift – die Familie hat in den Siebzigern die Sowjetunion verlassen. Über diesen Fund stößt Sofia auf einen geheimnisvollen Onkel: ein lustiger, schräger Querkopf, der sich aber auch im Untergrund betätigt hat. Sofie spürt Onkel Grischas dunkler Geschichte nach und entdeckt, was die Vergangenheit für sie bedeutet.(amazon)

    Eine sehr schöne, aber auch traurige Familiengeschichte, die mich in ihren Bann gezogen hat. Der Schreibstil war anfangs für mich eigentümlich, aber je mehr ich gelesen habe, desto besser gefiel es mir.

    Allerdings wird das nicht jeder mögen; so was ist auch immer Geschmackssache. Mir hat es so gut gefallen, dass ich immerhin drei Sterne vergeben kann. 

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    leseleas avatar
    leseleavor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein schöne, zugleich anspruchsvoll erzählte Geschichte, die jedoch nicht immer das richtige Maß findet.
    Leben mit Listen

    Seit sie klein ist, schreibt Sofia Listen. Keine schnöden To-Do-Listen, sondern Listen mit so tollkühnen Namen wie „Das sowjetische Erbe meiner Mutter“, „Gute erste Sätze für einen Roman“, „Filmreife Szenen aus meinen Leben“. Die Listen helfen Sofia den Überblick zu halten: wenn das Dasein als Mutter sie mal wieder überfordert, wenn die Demenz ihrer geliebten Großmutter nicht mehr auszuhalten ist, wenn die Angst vor dem Tod ihrer kleinen Tochter Anna, die an einem Herzfehler leidet, überhandnimmt. Listen bringen Struktur und Ordnung in Sofias Leben, auch wenn das keiner aus ihrer Familie nachzuvollziehen scheint. Doch dann stößt Sofia eines Tages auf Listen eines anderen Familienmitgliedes: Auch ihr Onkel Grischa hat eins Listen über sein Leben geführt. Doch was ist mit Grischa geschehen? Warum hat nie einer Sofia von ihm erzählt? Mit dem Finden der Listen stößt Sofia auch auf ein lang bewahrtes Familiengeheimnis…

    Die Listensammlerin von Lena Gorelik stand schon lange auf meiner Wunschliste, da ich selber auch unheimlich gerne Listen schreibe. Zwar musste ich im Laufe der Lektüre von Sofia lernen, dass die von mir gefertigten To-Do-Listen, Einkaufslisten, Inventarlisten etc. etwas für Amateure sind; trotzdem kann ich diesen charmanten Spleen gut nachvollziehen und fand die leicht neurotische Protagonistin des Romans auf Anhieb sympathisch. Überhaupt habe ich mich im Roman direkt wohlgefühlt: Ich mochte die Figuren, fand sie gut umrissen, aber auf eine Weise, die meiner eigenen Fantasie genügend Spielraum ließ. Zudem lese ich gerne Bücher über Russland resp. die Sowjetunion: Ich unternehme gerne literarische Reisen in diese Region, in diese Zeit und versuche nachzuvollziehen, wie es gewesen sein muss, in so einem System zu leben, das ich selber nur aus Geschichtsbüchern kenne. Hinzu kommt, dass Lena Gorelik einfach eine sehr gute Schreibe hat: In durchaus anspruchsvoller Syntax und mittels diverser  Zeit- und Perspektivwechseln erzählt sie von Sofia, Grischa und der gemeinsamen Familie. Der Erzählton ist dabei auf treffende Weise nüchtern und ehrlich, oftmals sehr direkt und fordernd. Gleichzeitig liegt in der Geschichte etwas Melancholisches, nahezu etwas Nebulöses, was dem Roman Ruhe, zugleich aber auch eine gewisse Spannung  verleiht.

    Insgesamt kann ich Die Listensammlerin absolut positiv bewerten; an meine hohen Erwartungen kam der Roman aus verschiedenen Gründen jedoch nicht ran, sodass ich letztlich nicht die volle Punktezahl vergeben kann. Das beginnt bei der Struktur des Romans: Lena Gorelik erzählt abwechselnd von Sofia und Grischa, mit nahezu jedem Kapitel geht ein Zeiten- und Perspektivwechsel einher. Ich mag diese Art zu erzählen, bringt sie doch Dynamik in eine Geschichte, auf knapp 350 Seiten waren mit die Wechsel aber manchmal zu viel: Immer wenn ich das Gefühl hatte, in einem Erzählstrang angekommen zu sein, wurde ich aus diesem wieder rausgerissen. Des Weiteren verliert der Roman leider über die Zeit seine Spannung: Das Familiengeheimnis ist ab der Hälfte doch ziemlich vorhersehbar, der große Knall, der einen überrascht, schockiert, aufrüttelt, bleibt aus. Das Ende ist zwar absolut stimmig und auch realistisch, mir blieben aber doch zu viele Fragen offen.

    Gerade der letzte Punkt ist meiner Meinung darauf zurückzuführen, dass Die Listensammlerin zu viele Themen behandelt und gleichzeitig in den Mittelpunkt stellen will: Demenz, Mutterschaft, Krankheit, Schreibblockade, Sowjetzeit, politischer Aktivismus, Homosexualität etc. Dabei wird vieles nur angerissen, interessante Gedanken bzw. Handlungen bleiben fragmentarisch, sodass man bei diesem Roman definitiv sagen muss, dass weniger mehr gewesen wäre. Nichtsdestotrotz habe ich das Buch sehr gerne gelesen und kann es trotz der genannten Schwächen (die ja wie immer auch im Auge des Betrachters liegen) weiterempfehlen.

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    walli007s avatar
    walli007vor 4 Jahren
    Onkel Grischa

    Listen geben ihr Halt, die Familie findet das eigenartig, aber irgendwie sind doch alle daran gewöhnt. Sofia schreibt schon immer Listen, besonders jetzt, da ihre liebe Großmutter alt geworden und an Alzheimer leidet und Sofias kleine Tochter Anna schon zum dritten Mal am Herzen operiert werden muss. Kann Sofia dem allen gerecht werden und kommt nicht ihr Mann zu kurz oder der Rest der Familie. Vor Wochen musste sich Sofia damit beginnen, die Wohnung ihrer Großmutter aufzulösen. Dabei findet sie eine alte Schatulle gefüllt mit Listen. Listen? Sie ist nicht die Einzige.


    Zwei Geschichten werden parallel erzählt, zwei Listenschreiber, Sofia und Grischa, der Onkel, über den niemand spricht. Sofia zwischen den beiden Polen Großmutter und Tochter. Die Großmutter, um die sie sich kümmern möchte, die aber so fremd geworden ist und ihre Enkelin nicht mehr erkennt, dass es schwer fällt, sich dem auszusetzen. Die Tochter Anna, mit einem schweren Herzfehler geboren und nun vor der dritten Operation stehend. Die Todesgefahr, in der Anna schwebt, verlässt nie das Bewusstsein Sofias. Jeder Schnaufer löst beinahe Alarm aus. Wird die nächste Operation gelingen und eine gewisse Normalität bringen. Für Sofia ist es eine Erleichterung, die Listen zu finden, etwas, was nicht nur ihr Kraft gibt. Doch wer ist Onkel Grischa? Warum redet niemand von ihm? Grischa, der schon als Kind anders war und allen kaum etwas anderes als Sorgen bereitet hat und der deshalb vergessen wurde.


    Eine Konstellation, die zu berühren verspricht, die allerdings nicht jeden Leser erreicht. Mitfühlen wollte man, doch liest man die Geschichte eher unbeteiligt wie man einen Bericht lesen würde. Wo bleibt die Verbindung zu den Charakteren, die irgendwie nicht für sich einnehmen. Da ist beim Lesen fast das gleiche schlechte Gewissen, das Sofia empfindet, weil sie sich ihrer Großmutter nicht zuwenden kann, diese nicht mehr erreichen kann und sie am Liebsten nicht mehr besuchen würde. Und so bleibt das schlechte Gewissen, das Buch in Teilen nur überflogen zu haben, weil sich nicht so viel Verständnis und Mitempfinden einstellen wollte, wie anhand der Beschreibung und der Kenntnis des eigenen Interesses zu erwarten gewesen wäre.


    Eine Familiengeschichte, die anrühren soll, aber leider nicht jeden Leser erreicht, aber sicher zu Überlegungen anregt, über das eigene ich und warum Empfindungen so sind. Empfindungen zu einer erfundenen Romanhandlung sind in jedem Fall immer subjektiv und somit letztlich kein Urteil über die Qualität des Geschriebenen, die durchaus herausragend sein kann.

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    abas avatar
    abavor 5 Jahren
    Rezension zu "Die Listensammlerin" von Lena Gorelik

    Listen als Lebensinhalt

    Es gibt viele Arten von Macken, Fimmeln, Marotten, Zwängen. Ich denke, jeder Mensch hat bestimmte Eigenarten, die er am liebsten verheimlicht, aus Angst, von anderen als verrückt abgestempelt zu werden.

    In Lena Goreliks neuestem Roman schreibt Sofia, die geplagte Protagonistin, Listen. Listen über alle möglichen und unmöglichen Themen. Das ist für sie nicht nur Gewohnheit und Leidenschaft, das gibt ihr Halt in allen Lebenslagen und Sicherheit in kritischen Phasen. Manche Menschen kauen an ihren Nägeln, andere essen den Kühlschrank leer, Sofia schreibt neue Listen und bearbeitet und aktualisiert alte Listen.

    Sofia und ihre Listen waren für mich ein Leseerlebnis in diesem noch jungen Jahr 2014.
    Lena Gorelik erzählt in "Die Listensammlerin" die wunderbare Geschichte einer russischen Familie zwischen Vergangenheit und Gegenwart, als Verbindung Listen, die Familiengeheimnisse verbergen und sonderbare Geschichten erzählen, und die Sofia nach und nach entziffert. Und dabei macht sie eine große Entdeckung: ihre eigene Herkunft.

    Lena Gorelik berichtet über Sofias Familie in der alten Sowjetunion und parallel, aus Sofias Sicht, in der heutigen Zeit.
    Sofia, in Deutschland aufgewachsen, eine Frau ohne Selbstwertgefühl, nachdenklicher Natur, Antagonist ihrer resoluten russischen Mutter und Großmutter, ist mir ans Herz gewachsen. Diese Sympathie ist noch größer geworden, nachdem sie in so kurzer Zeit so viel durchmachen musste und plötzlich mit schwierigen Aufgabenstellungen konfrontiert wurde. Sie zeigte sich nicht als Heldin, als starke Frau, nein, sie hat nur fleißig ihre Listen bearbeitet, das einzig Beständige in ihrem Leben.

    Lena Gorelik hat mich mit "Die Listensammlerin" tief berührt.
    Sofias Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, die Vergangenheit zu kennen, um die Gegenwart zu verstehen, um sich selbst zu verstehen, und letztendlich auch, um sich selbst zu akzeptieren mit all den eigenen Eigenarten.

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    NiWas avatar
    NiWavor 5 Jahren
    Ausgesammelt

    Sofia - eine junge Mutter mit schriftstellerischen Ambitionen - hat eine Neurose. Sie schreibt Listen. Nein, nicht bloß schnöde Einkaufs- und To-do-Listen sondern zum Beispiel Listen mit Sätzen, die sie niemals sagen wollte. Daneben muss sich Sofia mit einem harten Schicksal abfinden. Ihre Großmutter leidet unter Demenz und ihre kleine Tochter kam nur mit einem halben Herzen zur Welt, was lebensgefährliche Operationen nach sich zieht. Und je beängstigender ihr Leben wird, umso mehr flüchtet sie sich in das Verfassen ihrer Listen. 

    Ein zweiter Erzählstrang berichtet aus der Vergangenheit von ihrem Onkel Grischa in der UdSSR. Könnte die Listenschreibwut ein Familienerbe sein? 

    Die Protagonistin Sofia hat mir sehr gut gefallen. Sie ist gut ausgearbeitet, man ängstigt und ärgert sich mit ihr und versucht gemeinsam mit ihr, ihre Beweggründe zu verstehen. 

    Aber die Geschichte an sich kommt mir unfertig vor. Es ist fast so, als handelt es sich um ein erstes Skript aus dem erst eine richtige Geschichte entstehen wird. Die Handlungen reihen sich aneinander, manche sind banal, andere einschneidend, und trotzdem entsteht keine Dynamik. 

    Im Endeffekt bleibt ein mittelmäßiger Roman, mit ernsten Themen, der wohl zum Nachdenken anregen sollte. 

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    OelemannCs avatar
    OelemannCvor 5 Jahren
    Meisterwerk der leisen Töne

    Ordnung sei das halbe Leben, behauptet ein altes Sprichwort. Sofia, die Protagonistin in Lena Goreliks wunderbarem, neuem Roman, hat es sich zu Herzen genommen, denn ihr halbes Leben besteht aus Listen, die sie anfertigt, um sich auf Spur zu halten. Sie sammelt Listen wie andere Bierdeckel oder Briefmarken, aber wohlgemerkt: selbst angefertigt müssen sie sein.
    Die peinlichsten Kosenamen, die filmreifsten Situationen, die witzigsten Neurosen oder aber Dinge, die sie niemals sagen will, sammelt Sofia in Listen, an denen sie sich festhält, weil es sie sonst womöglich zerreißen würde.
    Ja, ihre Nerven liegen blank, weil sie heillos überfordert ist. Ihre demente Großmutter, die früher jeden Tag einen Kuchen backte, ist soeben aus dem Pflegeheim ausgebüxt und Anna, Sofias kleine Tochter, muss sich einer dritten, vermutlich alles entscheidenden Herzoperation unterziehen.
    Beim Ausmisten der großmütterlichen Wohnung macht Sofia eine umwerfende Endeckung: Listen nämlich, die den ihren verblüffend ähneln, was ihren Inhalt betrifft. Allerdings sind sie in Russisch verfasst.
    Sofia erfährt bei ihren Nachforschungen von ihrer Familiengeschichte in der ehemaligen Sowjetunion und von einem bislang nie erwähnten Onkel Grischa, der längst gestorben ist. Wohl wusste Sofia, dass ihre Mutter vor vielen Jahren aus der Sowjetunion geflohen war; darüber hatte aber nicht geredet zu werden. Vehement weigert sie sich, über ihren Bruder Grischa, Sofias Onkel, zu sprechen. Dank ihrer Beharrlichkeit findet Sofia dennoch etwas heraus und notiert es in einer ihrer Listen: "Was ich über Onkel Grischa weiß“: Von Verrat und Verhaftung ist die Rede, von Arbeitslager und Verfolgung der ganzen Familie.
    Aus diesem Grund also war Sofias Mutter mit ihr damals aus der Sowjetunion geflohen.
    Lena Gorelik kann wunderbar humorvoll sogar von ernsten Begebenheiten erzählen, beispielsweise wie der Onkel in der Sowjetunion zum Dissidenten wurde, weil er als Künstler und Homosexueller ein selbstbestimmtes Leben führen wollte.
    Die Listensammlerin ist kein autobiographischer Roman, auch wenn Lena Gorelik bis zu ihrem zwölften Lebensjahr Sowjetrussin gewesen war. Viel mehr geht es ihr darum, über die alltägliche Unterdrückung in Diktaturen (in diesem Fall die sowjetische) nachzudenken.
    Sie erzählt so gekonnt gegen das Vergessen an, dass Nachgeborene, die sie Sowjetunion nicht mehr erlebt haben, ein Gefühl für die Geschichte entwickeln können. Das ganze geschieht bei Lena Gorelik allerdings nicht mit der düsteren Schwermut eines Uwe Tellkamp (Der Turm), sondern hat den Charme eines glänzend unterhaltenden Schelmenromans.

    Ich muss gestehen, dass ich nach der Lektüre von Die Listensammlerin wochenlang für andere Bücher blockiert war, denn Goreliks Diktion macht süchtig. Vielmehr vertrieb ich mir die Zeit mit dem Erstellen von Listen. Eine davon heißt „Schriftsteller, die mir viel gegeben haben“. Welchen Namen man darauf unter einigen anderen findet, dürfte nicht allzu schwierig zu erraten sein.

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    sofies avatar
    sofievor 5 Jahren
    Worte sind ihr Metier

    „Die Listensammlerin“ von Lena Gorelik ist für mich eines der Bücher des Jahres. Eine wunderbare und wunderbar traurige Familiengeschichte, die einen nicht kalt lässt.

    Es geht zum einen um Sofia, eine junge Mutter, deren Tochter kurz vor einer wichtigen Herzoperation steht. Aus der Ich-Perspektive berichtet Sofia von ihrem Alltag mit ihrem Mann, ihrer Tochter und vor allem mit ihrer russischen Mutter und der Großmutter, die an Alzheimer leidet und im Pflegeheim ist. Sie berichtet von ihren Ängsten und Problemen und wie sie diese teilweise bewältigt, in dem sie Listen schreibt. Zum Beispiel über die Fehler ihrer Mutter im Deutschen, Szenen ihres Lebens, die auch in einem Film hätten stattfinden können, Sätze, die sie nie sagen wollte.

    Zum anderen geht es um Grischa, Sofias Onkel, den sie aber nie kennengelernt hat und von dem sie auch nichts weiß. Die Geschichte von Grischa beginnt in seiner Jugend und man lernt ihn als Leser sehr gut kennen. Grischa kommt mit dem System in der Sowjetunion nicht zurecht, er wehrt sich dagegen und wird so zum Sorgenkind der Familie. Auch Grischa schreibt Listen, zum Beispiel darüber, was er seiner Mutter wünscht.

    Durch diese beiden Perspektiven lernt man als Leser die Familie ganz besonders kennen und vor allem verstehen. Man kennt die Großmutter zum einen als alte Frau mit Alzheimer, aber auch als Mutter von Grischa, wie sie mitten im Leben steht. Manchmal muss man sich wieder ins Gedächtnis rufen, dass es sich hier tatsächlich um dieselbe Person handelt. Sofias Mutter lernt man auch als Schwester von Grischa kennen, als junges Mädchen und junge Mutter. Und man lernt das Leben in den verschiedenen Systemen, also in der Sowjetunion und in der BRD, kennen und sieht, wie es auch die Menschen verändert und prägt. Sofia beschreibt immer wieder das "sowjetische Erbe" ihrer Mutter, was mir auch sehr gut gefallen hat.

    Die Protagonistin Sofia ist Schriftstellerin und verzweifelt öfter, wenn ihr in ihrem Leben die Worte fehlen, denn Worte sind schließlich ihr Metier, wie sie immer wieder sagt. Dasselbe kann auf jeden Fall von der Autorin gesagt werden. Lena Gorelik kann wunderbar mit Worten umgehen, sie schafft tolle Bilder und transportiert die Gefühle ihrer Figuren meisterhaft. Mich hat das Buch auf jeden Fall gefangen genommen, ich habe mit Sofia und Grischa gelitten und darf „Die Listensammlerin“ auf meine Liste der Bücher, die mich zum Weinen gebracht haben, setzen.

    Von mir also eine klare Leseempfehlung und 5 von 5 Sternen!

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    AddictedToBookss avatar
    AddictedToBooksvor 5 Jahren
    Ein schöner Familienroman

    In "Die Listensammlerin" erzählt Lena Gorelik von Sofia, einer jungen Frau mit einem ungewöhnlichen Hobby: Sie schreibt und sammelt Listen. Eines Tages findet sich im Schrank ihrer Großmutter eine Kiste mit vielen Listen, die alle mit kyrillischen Buchstaben geschrieben sind. Wem gehören diese Listen? Und während sich Sofia auf die Suche nach der Familienvergangenheit macht, was passiert in ihrem Leben?

    Der Roman ist sehr, sehr schön geschrieben. Es war das erste Buch von Lena Gorelik, das ich gelesen habe und ich war sehr positiv überrascht. Das Buch war von den ersten Seiten an richtig toll und ich hatte wundervolle Lesestunden damit verbracht. Nur das Ende fand ich etwas unvollständig.
    Die Geschichte selbst ist etwas anderes und sicherlich interessant. Die Hauptprotagonistin Sofia ist eine sehr ungewöhnliche Persönlichkeit, die ich manchmal geliebt und manchmal gehasst habe. Sie ist etwas ganz Besonderes und ich glaube ich kenne keine Protagonistin, die ihr auch nur ähnelt.

    Alles in allem fand ich das Buch sehr schön. Nur wegen des nicht ganz so tollen Endes musste ich leider einen Stern abziehen. Deshalb bekommt die Listensammlerin von mir 4 Sterne.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    ROZUBIs avatar

    Der neue mitreißende Familienroman von Lena Gorelik!

    In Sofias Leben haben nur ihre Listen, die sie leidenschaftlich gerne schreibt, Struktur und Ordnung. Um sich von ihren Problemen abzulenken, vergrößert sie ihre Listensammlung ständig um Themen wie "Momente, die sich bedeutungsvoller anfühlen sollten, als sie es tun", "Typische Großmutter-Sätze" oder "Filmreife Szenen aus meinem Leben".

    Sofia hat es tatsächlich nicht leicht: sie selbst ist oft in der Rolle als Mutter überfordert, ihre kleine Tochter muss erneut am Herzen operiert werden, ihre Großmutter leidet an Demenz und ihre Mutter verschweigt ihr bis heute den Grund für die Flucht aus der Sowjetunion nach Deutschland in Sofias früher Kindheit.

    In der Wohnung ihrer Großmutter findet Sofia eines Tages eine andere Listensammlung, in kyrillisch geschrieben und verfasst von einem Onkel Grischa. Von diesem hat Sofia noch nie gehört, in der Familie wird nicht über ihn gesprochen. Sofia beginnt, Grischas Geschichte nachzuspüren und merkt bald, wie die Vergangenheit die Gegenwart verändern kann.


    Wer hat ebenfalls Lust, das Geheimnis von Grischa und Sofias Familie zu erfahren und bei dieser Leserunde mitzumachen?


    Wir verlosen 10 Exemplare unter allen Bewerbern. Bewerben könnt ihr euch bis einschließlich 11. September, in dem ihr folgende Frage beantwortet: schreibt ihr auch manchmal Listen, wie Sofia es tut? Wenn ja, zu welchen Themen?


    Ich wünsche euch viel Erfolg und Spaß bei dieser Runde. Auch diejenigen, die nicht unter den glücklichen Gewinnern sind, sind natürlich herzlich zum Mitlesen eingeladen!


    Liebe Grüße

    Leonie

    AddictedToBookss avatar
    Letzter Beitrag von  AddictedToBooksvor 5 Jahren
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    Pressestimmen

    Lena Gorelik ist brillant.

    Ein komischer und ernster Familienroman.

    Ein in jeder Hinsicht umwerfender Roman

    Spannend und aufwühlend.

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