Lena Muchina

 4.1 Sterne bei 18 Bewertungen
Autor von Lenas Tagebuch.

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Lenas Tagebuch
Lenas Tagebuch
 (18)
Erschienen am 08.03.2013

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Midnights avatar

Rezension zu "Lenas Tagebuch" von Lena Muchina

Berührt und schockt
Midnightvor 5 Jahren

Inhalt:

Das 16-jährige Mädchen Lena Muchina, lebte während der großen Leningrader Blockade 1941 – 1944 in der besetzten und unterversorgten Stadt und schrieb fast täglich ihren Tagesverlauf, ihre Gedanken, Ängste und Wünsche in ihr Tagebuch.

Meine Meinung:

Erst viele Jahre nachdem Lena Muchina ihr Tagebuch geschrieben hatte, wurde es in einem sowjetischen Archiv wiedergefunden. Nach einigen Recherchen wurde es schließlich an einen Verlag weitergegeben und dank der gleichnamigen Übersetzerin Lena Gorlik können auch wir dieses historische Tagebuch jetz lesen.

Lenas Tagebuch hat mich sehr beeindruckt. Anfangs noch völlig vom Schulalltag, ihrer Freundin und der ersten Liebe eingenommen, verlor Lena nach und nach immer mehr von ihrer naiven, kindlichen Art zu Schreiben. Das Tagebuch wurde ein Kriegstagebuch, in das sie jeden Tag die Fliegeralarme, die Beschüsse, die harte Arbeit und vor allem den Hunger eintrug. Die Besetzung Leningrads zeichnete sich vor allem durch den Hunger und die Kälte ab, die über 800 000 Menschen Leningrads das Leben gekostet hat. In dem informativen Nachwort erfährt man, dass es sogar das ausgemachte Ziel der Deutschen war, die Bevölkerung verhungern zu lassen. Kein Wunder, dass das Beschaffen von Nahrung und der elende, quälende Hunger, sowie die systematische Unterernährung Lenas Hauptthemen waren.

Lena, die ihre jugendliche Art bereits in den ersten Kriegsmonaten fast vollkommen einbüßte, zeichnete sich durch eine recht kühle Art zu Schreiben und ihre konsequente Ehrlichkeit aus. Sie schmiedet Pläne, verwirft sie, hofft und bangt und versinkt manchmal auch in ihrer Trauer und Angst. Mich hat ihr Text zutiefest bewegt und mir ein Stück grauenvolle Geschichte offenbart.

Fazit:

Der Vergleich zu Anne Frank ist, meiner Meinung nach, nicht zu weit hergeholt. Ich kann dieses Buch nur jedem weiterempfehlen.

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fcbfroschs avatar

Rezension zu "Lenas Tagebuch" von Lena Muchina

Bewegendes Tagebuch über Monate während der Leningrad-Blockade
fcbfroschvor 5 Jahren

Meine Bewertung:

Das Tagebuch der Anne Frank haben wir damals in der Schule, 8. Klasse, gelesen und es ist bis jetzt das einzige Buch, das mich so sehr bewegt hat, sodass ich es mehrmals lesen musste und bestimmt noch häufiger in Zukunft lesen werde. Es ist ein einzigartiges Dokument, dass das Leben der verfolgten Juden während der Nazi-Herrschaft so nahe bringt, wie ich es mir sonst nicht vorstellen kann. Die Gefühle, die Gedanken, den Tagesablauf und das Geschehen aus der Feder einer damals Verfolgten zu lesen, ist ein sehr emotionaler Weg in die Zeit vor und während des 2. Weltkrieges nachzuvollziehen. Das Tagebuch der Lena Muchina ebnet einen weiteren Weg um die Historie zu verstehen, das Leid der Menschen nachzufühlen und sich ein Leben im umschlossenen Leningrad während der Blockade ab 1941 vorzustellen.

Aber einfach gesagt: Man kann es sich nicht vorstellen, wenn man so etwas (zum Glück) nicht erleben musste. Zu Beginn der Aufzeichnungen mit dem ersten Eintrag am 22. Mai 1941 berichtet Lena fast täglich von ihren Erlebnissen. Bis zu den ersten Bomben dominieren typische Gedanken eines 16jährigen Mädchens die Texte, die sie niederschreibt. Es gibt einen Jungen, der ihr sehr gefällt und der die gleich Klasse besucht. Und so finden sich zum Beginn vor allem Lenas Empfindungen seinem Verhalten gegenüber, Vorstellungen über Liebe und Freundschaft und auch selbstreflektierende Abschnitte.

Mit Kriegsbeginn in Leningrad und dem Abschnitt der Nahrungszufuhr jedoch werden Hunger und Leid von Tag zu Tag größer. Teilweise muss Lena zu den schlimmsten Zeiten, Ende des Jahres 1941, am Tag mit 125g Brot auskommen und neben vielen anderen Leningradern auch verlieren die beiden nahestehenden Verwandten Lenas ihr Leben. Es ist hart zu lesen, was Lena über das Ableben der älteren Dame, die mit ihr und ihrer Mutter zusammen lebte (Aka), schreibt (S.177):

Aka ist nur ein überflüssiger Esser. Ich weiß selbst nicht, wie ich diese Zeilen schreiben kann. Aber mein Herz ist jetzt wie aus Stein. Ich habe keine Angst. Ob Aka stirbt oder nicht, ist mir egal. Aber wenn sie stirbt, sollte es nach dem 1. geschehen, dann bekommen wir noch ihre Lebensmittelkarte. Wie herzlos ich bin.

Am Ende ihrer Zeit in Leningrad, Lena gelingt es im Mai 1942 aus der Stadt evakuiert zu werden, ist sie ganz allein und musste Mutter, Tante (bei der sie während der Tagebuchführung wohnte, und die sie als „Mama“ bezeichnete, weil ihre eigene Mutter aufgrund von Krankheit sich nicht mehr selbst um ihr Kind kümmern konnte), und Freundin der Familie (Aka) dem Krieg überlassen. Ihren Weg durch den harten Winter 41/42 bis zur Evakuierung kann man dank ihres Tagebuches nachvollziehen und durchlebt mit ihr die Zeiten von Hunger, Verlust und Angst. Zudem verschafft es einen Eindruck von den Propaganda-Meldungen, die sich in ihren Einträgen wiederfinden, den kommunistischen Gedanken, nach denen sich das Leben in Russland richtete und den gesellschaftlichen Strukturen, die Nahrungsverteilung oder Evakuierungspläne bestimmten.

Es ist ein sehr bewegendes, trauriges Buch, ein Zeitzeuge, das dokumentiert, was man kaum noch von Lebenden erfahren kann. Neben ihren Einträgen findet sich zu Beginn ein sehr schönes, rührendes Vorwort, das für das Kommende sehr gut zu sensibilisieren vermag. Dem schließt sich eine Biografie mit wichtigsten Daten und Lebensumständen Lena Muchinas an. Zum Schluss erfolgt eine historische Einordnung ihrer Niederschrift, um das Geschehene im Überblick vor Augen zu haben.

 

Fazit:

Man kann das Buch nicht mit den üblichen Noten bewerten, außer mit einer unbedingten Leseempfehlung: Lena Muchinas Tagebuch gibt einen traurigen, bewegenden Eindruck aus der Zeit der Leningrader Blockade über den Winter 41/42 und lässt Hunger, Leid und Not lebendig werden. Ich finde es sehr wichtig, ähnlich wie Anne Franks Tagebuch, denn es vermittelt das Leben während des zweiten Weltkrieges und gibt einem Opfer, einem von vielen dieser todbringenden Umstände, eine Stimme.

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