Lena Schnabl

 4.4 Sterne bei 9 Bewertungen

Lebenslauf von Lena Schnabl

Lena Schnabl ist freie Journalistin in Deutschland, Japan und der Welt. Sie fühlt sich in Megastädten wie Tokyo und São Paulo zu Hause, besitzt keinen Regenschirm und schreibt über Menschen, die durchfallen, durchkommen und durchknallen: Ein Mann, der 48 Jahre lang unschuldig im Todestrakt sitzt und dann frei kommt. Lastwagenfahrer, die im verstrahlten Fukushima gegen Atomkraft demonstrieren. Berliner Wrestler, die einander für Geld, Ruhm und das eigene Ego verdreschen. Sie studierte Japanologie, Sinologie und Politik in München und Sapporo und besuchte die Zeitenspiegel-Reportageschule. Ihre Reportagen erscheinen unter anderem bei Neon, Spiegel, Süddeutsche Zeitung, brand eins, das Magazin.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Lena Schnabl

Cover des Buches Meine Suche nach dem Nichts (ISBN:9783442159802)

Meine Suche nach dem Nichts

 (9)
Erschienen am 20.05.2019

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Rezension zu "Meine Suche nach dem Nichts" von Lena Schnabl

Sehr gelungener Erfahrungsbericht
YukBookvor 4 Monaten

Das Schöne an Büchern ist, dass man Dinge 'erleben' kann, die einem im realen Leben zu gefährlich, zu verrückt oder zu strapaziös sind. Letzteres trifft sicher auf diesen Erfahrungsbericht zu. Die Journalistin und Japanologin Lena Schnabl schildert darin ihren über tausend Kilometer langen Marsch auf dem japanischen Pilgerweg rund um die Insel Shikoku.


Auslöser war eine längere Krankheit, die sie zu Beginn sehr ausführlich schildert, so dass ich schon ein wenig ungeduldig wurde, wann die Pilgerreise endlich beginnt. Eine Strecke, die an 88 Tempeln vorbeiführt, stellte ich mir sehr idyllisch und naturnah vor, doch schnell wurde ich eines Besseren belehrt. Ein Großteil der Strecke ist asphaltiert und führt mitunter durch stickige Tunnel, wo die Pilgerin vorbeirauschenden LKWs ausweichen muss. Auch die Begegnungen mit Einheimischen und anderen Pilgern ist nicht immer angenehm, besonders wenn man in eine Unterkunft gerät, die es auf alleinreisende Frauen abgesehen hat. 


Von romantischer Verklärung also keine Spur, dafür lässt uns Lena Schnabl den Marsch durch verlassene Gegenden bei sengender Hitze, den mühsamen Auf- und Abstieg von Bergen, die entspannenden Momente in einem Onsen oder den Genuss verschiedenster Snacks aus den Convenience Stores, den Combinis, hautnah miterleben. Sie gibt auch Einblick in typisch japanische Eigenschaften wie die Koketterie, erläutert sprachliche Eigenheiten und verschiedenen Legenden wie die über Winkekatzen, so dass nicht nur Pilger-, sondern auch Japaninteressierte auf ihre Kosten kommen. 


Spannend fand ich nicht nur ihre Eindrücke und Erlebnisse während der einzelnen Etappen, die sie auch fotografisch festgehalten hat, sondern auch ihre philosophischen Gedanken über das Leben und über sich selbst und ihre Veränderung. Die permanenten körperlichen Schmerzen und Erschöpfungszustände zwingen sie, ihren Körper neu kennenzulernen und ihre Grenzen auszuloten. Eine wertvolle Erkenntnis, die ich aus diesem Buch gewonnen habe, lautet: Es gibt kein Erreichen. Es liegt wohl in der Natur des Menschen, dass man ständig Dinge, ob Routineaufgaben oder große Projekte, zum Abschluss bringen möchte, und allmählich begreift, dass man sich in einem ewigen Kreislauf befindet, in dem nur der gegenwärtige Moment von Bedeutung ist – ähnlich wie dieser Pilgerweg, der in Tokushima von neuem beginnt.

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Rezension zu "Meine Suche nach dem Nichts" von Lena Schnabl

Interessant
EifelBuecherwurmvor 4 Monaten

Gesponserte Produktplatzierung - Rezensionsexemplar
Preis: € 14,00 [D]
Verlag: Goldmann
Seiten: 416
Format: Paperback, Klappenbroschur
Reihe: -
Erscheinungsdatum: 20.05.2019

Inhalt:

Nach einer längeren Krankheit lässt die junge Journalistin Lena Schnabl ihr altes Leben hinter sich und macht sich auf den Weg ins japanische Hinterland, um dort einmal im Kreis zu laufen. Im Gepäck das Versprechen, die Leere und damit das höchste Glück zu finden. Auf Shikoku, dieser entrückten Insel abseits der Megastädte und Shinkansen-Trassen, verläuft der japanische Jakobsweg, der älteste Pilgerpfad der Welt: ein Auf und ab von 1.300 Kilometern und 88 Tempeln. Die Pilgerin wird über Berge klettern und an der Küste entlanglaufen, ihre Lehrmeister in Sachen Nirwana werden Mönche, Einheimische und andere Pilger sein, denen sie auf ihrer Reise begegnet. Wird es Lena gelingen, das glücksbringende Nichts zu finden?

Design:

Mich hat das Cover sofort angesprochen. Ich mag Japan und daher ist die Gestaltung voll mein Fall. Die zarten Kirschblüten, der Tempel und der rote Punkt der Flagge - man kann das Buch sofort einsortieren. Die drei Fotos in der Mitte unterstützen das noch. Und spätestens bei dem Untertitel hatte mich das Cover überzeugt. Eine perfekte Umsetzung, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

Meine Meinung:

Als Fan von Pilgerwegen und Erfahrungsberichten sprang mir dieses Buch sofort entgegen und wollte von mir gelesen werden. Japan finde ich grundsätzlich sowieso interessant, daher war es die perfekte Mischung für mich. Immer nur den Jacobsweg in Spanien zu thematisieren ist irgendwann auch langweilig. Daher freute ich mich auf eine ganz andere Kultur und Religion.

Der Einstieg in das Buch fiel mir etwas schwer. Es geht relativ lang (für mein Gefühl jedenfalls) um ihre Erkrankung an dem Pfeifferschen Drüsenfieber. Die Antriebslosigkeit und Kraftlosigkeit kann ich total nachvollziehen, denn auch mich hat diese Krankheit schon aus den Socken gehauen. Das war die schlimmste Zeit meines Lebens. Im Gegensatz zur Autorin hat bei mir der heftigste Part allerdings (zum Glück!) nur zwei Monate gedauert, nach denen ich mich langsam aber stetig regeneriert habe.

Der Schreibstil war für mich recht gewöhnungsbedürftig. Die Sätze sind entweder sehr kurz, oder mit sehr vielen Kommata voneinander getrennt. Alles wirkt abgehackt, wie in diesem Beispiel:

"An John mag ich unter anderem, dass ich mich nicht groß erklären muss. Wir haben uns ein Jahr nicht gesehen, und ich sitze auf seinem Teppich, trinke Tee, und alles ist wie immer. Einsilbig, entspannt." Seite 48

So einsilbig, wie sie mit ihren Freunden gerne ist, so einsilbig kommt oftmals auch der Schreibstil daher. An vielen Stellen kam es mir außerdem so vor, als wolle die Autorin gewollt cool klingen. Die gewählte Ausdrucksweise passte einfach nicht. Im Laufe des Buches gewöhnte ich mich allerdings an den Schreibstil und später fiel es mir nicht mehr auf.

Inhaltlich ist das Buch sehr interessant. Ich habe mir sogar einige besonders schöne Stellen mit Post-its markiert. Das fing schon bei dem 80% vollen Magen an (das Geheimnis des zufriedenen Lebens, Seite 80). Gerade ihre Erfahrungen mit anderen Pilgern und Personen am Rande des Weges gefielen mir besonders.

Irgendwie hatte ich an einigen Stellen das Gefühl, dass sie unwichtige und eher uninteressante Dinge aufführt, nur um etwas berichten zu können. Dafür wird die letzte Präfektur leider viel zu kurz behandelt. Gerade darauf hatte ich mich gefreut. Und was ist aus R. geworden? Das lässt uns Leser neugierig zurück.

Fazit:

1300 km pilgern, das muss man erst einmal schaffen. Hut ab vor dieser Leistung! Den Bericht dieser Reise habe ich gerne gelesen, auch wenn er sich manchmal etwas gezogen hat. Ich vergebe vier Sterne.

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Rezension zu "Meine Suche nach dem Nichts" von Lena Schnabl

1300 Kilometer zu Fuß durch Japan
lesefreude_bookvor 7 Monaten

Lena Schnabl erzählt in „Meine Suche nach dem Nichts“ von ihrer eigenen Suche nach dem glücksbringenden Nichts. Eine schwere Krankheit hat sie monatelang mehr oder weniger an ihre Wohnung gefesselt. Die Ängst von einem Rückschlag, aber auch eine gewisse Planlosigkeit machen sich in Lena breit.

Lena hat Japanologie studiert und bereits für längere Zeit in Japan gelebt. Insofern spricht sie die Sprache und kennt die Kultur. Auch wenn das ihre Vorhaben eine winzige Spur einfacher macht, ist es dennoch eine Mamutaufgabe, die auf die junge Journalistin wartet.

Da Lena selbst noch nie eine derartige Weitwanderung bzw. Pilgerreise unternommen hat, bekommen wir auch Einblicke in die Vorbereitung. Lediglich mit einem Rucksack durch die Gegend zu ziehen, will geplant sein. Denn einerseits möchte man gut ausgerüstet sein, andererseits spürt man jedes zusätzliche Gramm entsetzlich schwer auf den Schultern.

Einen Pilgerpfad zu erwandern ist keineswegs immer nur schön. So taucht gerade zu Beginn oft die Frage, warum sie sich das ganze überhaupt antut. Aber auch unter den anderen Pilgern findet sich kaum jemand, der die ersten Kilometer voller Freude zurücklegt. Obwohl ein derartiges Abenteuer für mich durchaus reizvoll ist, ist es schwer bei diesen Schilderungen nicht den Mut zu verlieren.

Doch ähnlich wie es Lena geht, hat man dann als Leser selbst immer wieder diese Lichtblicke. Diese herrlichen Moment in denen sich einzigartige Landschaften vor dem inneren Auge auftun und man plötzlich versteht wozu das Ganze. Sehr gut kann man immer wieder den mehr als berechtigten Stolz von Lena spüren – nach jeder schweren Etappen und immer wenn das Wandern aufgrund von beispielsweise Wetterbedingungen oder Blassen erschwert wurde und sie es trotzdem geschafft hat.

Die 88 Tempeln klingen wirklich verlockend. Auch die ein oder andere Strecke durch den Welt oder entlang der Küste, klingt traumhaft. Doch lediglich 150 Kilometer der knapp 1300 sind NICHT Asphalt. Entlang der Straßen oder durch lange, dunkle Tunnels, in denen die Autos dicht an den Pilgern vorbei rasen klingt hingegen gar nicht verlockend.

Am Ende sind es trotz der Suche nach dem Nichts und der vielen Gelegenheiten in sich zu gehen und zu sich zu finden, doch die Menschen, die eine derartige Wanderung einzigartig machen. Je weiter der Weg umso mehr werden die Pilger zu einer Gemeinschaft. Ein faszinierendes Phänomen.

So detailliert die Erzählungen der ersten beiden Präfekturen sind, werden diese immer kürzer. Vor allem die vierte Präfektur wird auf gerade mal 20 Seiten abgehandelt. Das fand ich sehr schade, da es hier doch bestimmt auch noch einiges zu erzählen gegeben hätte.

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