Leo N. Tolstoi Die Kreutzersonate

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Inhaltsangabe zu „Die Kreutzersonate“ von Leo N. Tolstoi

Auf einer nächtlichen Bahnreise durch das winterliche Russland entspinnt sich zwischen wechselnden Fahrgästen ein langes Gespräch über Liebe, Ehe, Moral und Gesellschaft. Gegen Ende erzählt der ehemalige Gutsbesitzer Posdnyschew einem Mitreisenden vom tragischen Verlauf seiner Ehe und legt ein erschütterndes Geständnis ab: Zunehmend enttäuscht und von unbegründeter Eifersucht zerfressen hat er seiner Frau das Leben genommen. Meisterhaft setzt Leo Tolstoi die authentische Geschichte in Literatur um und entfaltet subtil das innere Drama seiner Figuren. Zugleich ist dieses bedeutende Alterswerk Ausdruck der eigenen sozialkritischen und moralischen Positionen.

Pflichtlektüre, mit hohem Genusswert.

— Provinzpoet
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  • Rezension zu "Die Kreutzersonate" von Leo N. Tolstoi

    Die Kreutzersonate
    winter-chill

    winter-chill

    08. July 2012 um 23:36

    Lesenswert. Tolstoi hatte zu jener Zeit sehr erstaunliche und moderne Ansichten.

  • Rezension zu "Die Kreutzersonate" von Leo N. Tolstoi

    Die Kreutzersonate
    Sokrates

    Sokrates

    Die Kreutzersonate ist eines jener Werke Tolstois, die nach wie vor ihre Leserschaft polarisieren. So auch mich. . Auf einer der vielen langen Zugfahrten quer durch Russland trifft der Erzähler den Mann Posdnyschew, der seine Ehefrau ermordet hat. Es entspinnt sich zunächst eine breite Unterhaltung über Ehe und moralische Werte unter den Zuginsassen; nachdem die meisten ausgestiegen sind, bleibt nur der Erzähler und Posdnyschew zurück. Zwischen beiden entspinnt sich eine Unterhaltung, bei der Posdnyschew seine Ehegeschichte erzählt und berichtet, wie es zu dem Mord kam. – Die Handlung ist klassisch: vermuteter Ehebruch, jahrelange Aufreibungen zwischen den Partnern, Hass, Ablehnung und schließlich eine Handlung mit Tötungsabsicht, offensichtlich noch nicht einmal im Affekt, sondern völlig absichtlich. Tolstois Beschreibungen des Ehealltags sind nichts Ungewöhnliches: nur der Umgang der Beteiligten mit ihr wirkt hilflos. Zunächst einmal hat Posdnyschew seine Frau scheinbar aus der bloßen Anwandlung heraus geheiratet, sie sexuell attraktiv gefunden zu haben. Sexuelle Attraktivität muss er mit Liebe verwechselt haben. Entsprechend tief ist seine Enttäuschung, als das Gefühl „Liebe“ nicht lange anhält. Sein vorheriges Leben war bestimmt von sexueller Ausschweife; die Ehe soll nun diesem Drang einen legalen Rahmen geben. Dass er jedoch auch während der Ehe nicht von seiner Frau lassen kann, bezeugen fünf Kinder und sein beginnender Hass gegenüber allem Körperlichen, vor allem in Form seiner Frau selbst. Da er mit seinem eigenen sexuellen „Übermaß“ (Ob es so viel mehr als das „Normale“ ist, sei einmal dahingestellt. Tolstoi hing einer sehr restriktiven Sexualmoral an; schon hier kann „normal“ eigentlich für „wenig“ stehen.) nicht klarkommt, fokussiert er seine Abscheu vor sich selbst und seiner mangelnden Triebsteuerung auf seine Frau – sie wird gleichsam als die Verführung ausgemacht. Irgendwann taucht sogar der Gedanke auf, der Fortpflanzungsakt sei überhaupt etwas Animalisches und müsse abgeschafft werden. Als eines Tages seine Frau vom Arzt erfährt, der eigenen Gesundheit wegen keine Kinder mehr zu bekommen, ist es Schluss mit sexuellem Verkehr. Dies scheint jedoch allein seiner Frau gut zu tun: sie blüht gesundheitlich auf; kann sich von den stetigen Entbehrungen und körperlich-gesundheitlichen Anstrengungen während der Schwangerschaften und Geburten erholen und blüht förmlich auf. Posdnyschew beginnt eifersüchtig zu werden – und diese Eifersucht steigert sich zur Manie, die ihren Höhepunkt in der Verdächtigung erfährt, der Geigenlehrer wäre der Liebhaber der eigenen Frau. Dazwischen ist die Handlung immer wieder von Tobsuchtsanfällen, schweren Auseinandersetzungen, Beleidigungen und tief empfundenem Hass der Eheleute füreinander durchsetzt, jeweils beendet von Leidenschaft und offensichtlich auch körperlicher Nähe (jedenfalls solange, wie der Arzt es der Ehefrau noch nicht verboten hat). – An dem Roman haben mich zweierlei Dinge abgestoßen: einerseits Tolstois artikulierte restriktive Ehe- und Sexualmoral, die offensichtlich allein daraus hervorgeht, dass es ihm (und seinem Protagonisten Posdnyschew) nicht gelingt, ihren eigenen Sexualtrieb zu bändigen. Diese Hilflosigkeit vor den eigenen Emotionen schafft Wut, die sich gegenüber anderen entlädt (v.a. gegenüber den Frauen). Das jugendliche Verhalten des Posdnyschew erinnert stark an Tolstois eigene Jugendzeit. Der andere Aspekt ist die der Frau aufgezwängte, unterwürfige, dann aber auch verführende Rolle, die – hier kombiniert mit Eifersucht – die Handlung sich zuspitzen lässt. Die Frau ist der verkörperte Dämon. Sie ist diejenige, die den Mann stetig der Verführung aussetzt; sie sei sein Eigentum, er könne über ihren Körper verfügen. Das gesamte Eheklima schreit eigentlich nach Trennung, doch in Tolstois konservativem Wertekanon wird eine Ehe eben nicht geschieden, sondern durchlitten. Dass im vorliegenden Fall der Mann jedoch mit seiner Eifersucht nicht mehr klarkommt, sie unreflektiert in ein Verbrechen mündet, setzt der Absurdität der Handlung und der Unfähigkeit der Handelnden, ihre Probleme ernsthaft lösen zu wollen/können, die Krone auf. . Die Kreutzersonate bleibt für mich das Werk, welches am Besten kurz und knapp in Tolstois Wertekanon und Eheverständnis einführt; ein bisschen auch in sein Religionsverständnis. Man wird sehen, dass in Tolstois Brust zwei Herzen schlagen: einerseits das des Logikers, des von Vernunft gesteuerten Menschenkenners. Dies wird sehr deutlich an der überaus klaren Erzählweise, der von menschlicher Reife kündenden Charakterisierung der Personen, und der im Text immer wieder eingewobenen Fähigkeit zur Dialektik: Tolstoi kann sehr gut zwischen der eigenen restriktiven Weltsicht auch die Gegenmeinung formulieren und der seinigen gegenüberstellen. Andererseits wird deutlich, wie sehr Tolstoi mit seiner eigenen emotionalen Seite gekämpft hat – und das sich Vieles dieser Seite eben nicht hat bändigen oder vom Verstand leiten lassen. Diese Machtlosigkeit verkehrt sich in Wut und kanalisiert sich Schluss letztendlich in einer rigiden Sexualmoral, in einer Verteufelung der Frau sowie einer seltsam archaisch anmutenden Gottesfrömmigkeit (hierzu liest man in anderen Texten des Autors mehr).

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  • Rezension zu "Kreutzersonate" von Leo Tolstoi

    Die Kreutzersonate
    Moni 3007

    Moni 3007

    30. July 2010 um 00:08

    Auf einer nächtlichen Bahnreise durch das winterliche Russland entspinnt sich zwischen den Fahrgästen ein langes Gespräch über Liebe, Ehe, Moral und Gesellschaft. Gegen Ende erzählt der ehemalige Gutsbesitzer Posdnyschow einem Mitreisenden vom tragischen Verlauf seiner Ehe und legt ein erschütterndes Geständnis ab: Zunehmend enttäuscht und von unbegründeter Eifersucht zerfressen hat er seine Frau mit einem Dolch erstochen. Grenzwertig finde ich nur seine diesbezüglichen Aussagen wie zum Beispiel: "Ja, die Weiber muss man beizeiten kurz halten, sonst geht die Sache schief! Ansonsten hat er für mich die Ehe sowie die Eifensucht des Ehemannes überaus gut beschrieben. Ich liebe ja sehr solche klassischen Dramen. Ich kann das klassische Drama nur empfehlen. Wegen der Kritik gibt es einen Sternenabzug. Im übrigen hat die "Kreutzersonate" der gute alte Beethoven komponiert.

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  • Rezension zu "Die Kreutzersonate" von Leo N. Tolstoi

    Die Kreutzersonate
    Penelope1

    Penelope1

    12. January 2010 um 22:23

    In der "Kreutzersonate" offenbart Tolstoi sehr altmodische und eigensinnige Vorstellungen über die Frauen, die Ehe, und das Verhältnis zwischen Mann und Frau ... Was ist Liebe, gibt es sie überhaupt, wenn ja - warum? Aber immerhin wurde diese Erzählung ja auch bereits vor rund 150 Jahren geschrieben. Ein Zugreisender erzählt einem Mitreisenden seine Lebensgeschichte bzw. die Geschichte seiner Ehe, die von Enttäuschung, Misstrauen und Eifersucht geprägt ist und auch das bittere Ende verheimlicht er nicht... Tolstoi vermittelt dem Leser seine persönliche Meinung und Wertung über den Sinn des Lebens im Allgemeinen, über die Frauen und ihre "Aufgaben" im Besonderen und kennt kein Tabu. Er nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es darum geht, die Fehler und Schwächen der Gesellschaft zu beleuchten und aufzudecken und er meint, endlich erkannt zu haben, wie man den Versuchungen trotzen kann. Ideale braucht der Mensch, das Streben nach der Erfüllung der christlichen Lehre ist das einzige Mittel, um dem Untergang zu entgehen... Eine sehr philosphische Erzählung mit einem persönlichen Nachwort von Leo Tolstoi, in dem er selbst auf Wunsch vieler Leser eine Interpretation und Erläuterung zum Inhalt des Buches gibt. Absolut lesenswert -allerdings muss ich jetzt erst einmal die teilweise düsteren Erkenntnissen und Ansichten Tolstoi 's nachwirken lassen...

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  • Rezension zu "Die Kreutzersonate" von Leo N. Tolstoi

    Die Kreutzersonate
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    04. October 2008 um 13:03

    Ich kann mir nicht helfen: Der große Moralist, Tolstoi, kommt bei mir nicht mehr so toll an. Seine ziemlich konstruierte Schuld ist in meinen Augen und nach heutigen Maßstäben zeilich.
    Wir leben nicht in einem Zeitalter, wo Maßstäbe der Moral nicht hinterfragbar sind. Hier jedo habe ich meine zweifel, ob man heute noch so unerbittlich urteilen würde.

    Nichts für ungut.