Leo N. Tolstoi Die Kreutzersonate

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Inhaltsangabe zu „Die Kreutzersonate“ von Leo N. Tolstoi

Tolstois Erzählung "Die Kreutzersonate" entstand 1891 und gehört zu seinen berühmtesten Arbeiten. Das Werk handelt, nach den Worten des Autors, von ehelichen Beziehungen und geschlechtlicher Liebe. Der Titel der Erzählung leitet sich von der Violinsonate Beethovens her, die an der zentralen Stelle der Erzählung gespielt wird, repräsentativ für die sinnliche Verführungskraft der Musik.

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  • Rezension zu "Die Kreutzersonate" von Leo N. Tolstoi

    Die Kreutzersonate
    Sokrates

    Sokrates

    05. December 2011 um 10:22

    Die Kreutzersonate ist eines jener Werke Tolstois, die nach wie vor ihre Leserschaft polarisieren. So auch mich. . Auf einer der vielen langen Zugfahrten quer durch Russland trifft der Erzähler den Mann Posdnyschew, der seine Ehefrau ermordet hat. Es entspinnt sich zunächst eine breite Unterhaltung über Ehe und moralische Werte unter den Zuginsassen; nachdem die meisten ausgestiegen sind, bleibt nur der Erzähler und Posdnyschew zurück. Zwischen beiden entspinnt sich eine Unterhaltung, bei der Posdnyschew seine Ehegeschichte erzählt und berichtet, wie es zu dem Mord kam. – Die Handlung ist klassisch: vermuteter Ehebruch, jahrelange Aufreibungen zwischen den Partnern, Hass, Ablehnung und schließlich eine Handlung mit Tötungsabsicht, offensichtlich noch nicht einmal im Affekt, sondern völlig absichtlich. Tolstois Beschreibungen des Ehealltags sind nichts Ungewöhnliches: nur der Umgang der Beteiligten mit ihr wirkt hilflos. Zunächst einmal hat Posdnyschew seine Frau scheinbar aus der bloßen Anwandlung heraus geheiratet, sie sexuell attraktiv gefunden zu haben. Sexuelle Attraktivität muss er mit Liebe verwechselt haben. Entsprechend tief ist seine Enttäuschung, als das Gefühl „Liebe“ nicht lange anhält. Sein vorheriges Leben war bestimmt von sexueller Ausschweife; die Ehe soll nun diesem Drang einen legalen Rahmen geben. Dass er jedoch auch während der Ehe nicht von seiner Frau lassen kann, bezeugen fünf Kinder und sein beginnender Hass gegenüber allem Körperlichen, vor allem in Form seiner Frau selbst. Da er mit seinem eigenen sexuellen „Übermaß“ (Ob es so viel mehr als das „Normale“ ist, sei einmal dahingestellt. Tolstoi hing einer sehr restriktiven Sexualmoral an; schon hier kann „normal“ eigentlich für „wenig“ stehen.) nicht klarkommt, fokussiert er seine Abscheu vor sich selbst und seiner mangelnden Triebsteuerung auf seine Frau – sie wird gleichsam als die Verführung ausgemacht. Irgendwann taucht sogar der Gedanke auf, der Fortpflanzungsakt sei überhaupt etwas Animalisches und müsse abgeschafft werden. Als eines Tages seine Frau vom Arzt erfährt, der eigenen Gesundheit wegen keine Kinder mehr zu bekommen, ist es Schluss mit sexuellem Verkehr. Dies scheint jedoch allein seiner Frau gut zu tun: sie blüht gesundheitlich auf; kann sich von den stetigen Entbehrungen und körperlich-gesundheitlichen Anstrengungen während der Schwangerschaften und Geburten erholen und blüht förmlich auf. Posdnyschew beginnt eifersüchtig zu werden – und diese Eifersucht steigert sich zur Manie, die ihren Höhepunkt in der Verdächtigung erfährt, der Geigenlehrer wäre der Liebhaber der eigenen Frau. Dazwischen ist die Handlung immer wieder von Tobsuchtsanfällen, schweren Auseinandersetzungen, Beleidigungen und tief empfundenem Hass der Eheleute füreinander durchsetzt, jeweils beendet von Leidenschaft und offensichtlich auch körperlicher Nähe (jedenfalls solange, wie der Arzt es der Ehefrau noch nicht verboten hat). – An dem Roman haben mich zweierlei Dinge abgestoßen: einerseits Tolstois artikulierte restriktive Ehe- und Sexualmoral, die offensichtlich allein daraus hervorgeht, dass es ihm (und seinem Protagonisten Posdnyschew) nicht gelingt, ihren eigenen Sexualtrieb zu bändigen. Diese Hilflosigkeit vor den eigenen Emotionen schafft Wut, die sich gegenüber anderen entlädt (v.a. gegenüber den Frauen). Das jugendliche Verhalten des Posdnyschew erinnert stark an Tolstois eigene Jugendzeit. Der andere Aspekt ist die der Frau aufgezwängte, unterwürfige, dann aber auch verführende Rolle, die – hier kombiniert mit Eifersucht – die Handlung sich zuspitzen lässt. Die Frau ist der verkörperte Dämon. Sie ist diejenige, die den Mann stetig der Verführung aussetzt; sie sei sein Eigentum, er könne über ihren Körper verfügen. Das gesamte Eheklima schreit eigentlich nach Trennung, doch in Tolstois konservativem Wertekanon wird eine Ehe eben nicht geschieden, sondern durchlitten. Dass im vorliegenden Fall der Mann jedoch mit seiner Eifersucht nicht mehr klarkommt, sie unreflektiert in ein Verbrechen mündet, setzt der Absurdität der Handlung und der Unfähigkeit der Handelnden, ihre Probleme ernsthaft lösen zu wollen/können, die Krone auf. . Die Kreutzersonate bleibt für mich das Werk, welches am Besten kurz und knapp in Tolstois Wertekanon und Eheverständnis einführt; ein bisschen auch in sein Religionsverständnis. Man wird sehen, dass in Tolstois Brust zwei Herzen schlagen: einerseits das des Logikers, des von Vernunft gesteuerten Menschenkenners. Dies wird sehr deutlich an der überaus klaren Erzählweise, der von menschlicher Reife kündenden Charakterisierung der Personen, und der im Text immer wieder eingewobenen Fähigkeit zur Dialektik: Tolstoi kann sehr gut zwischen der eigenen restriktiven Weltsicht auch die Gegenmeinung formulieren und der seinigen gegenüberstellen. Andererseits wird deutlich, wie sehr Tolstoi mit seiner eigenen emotionalen Seite gekämpft hat – und das sich Vieles dieser Seite eben nicht hat bändigen oder vom Verstand leiten lassen. Diese Machtlosigkeit verkehrt sich in Wut und kanalisiert sich Schluss letztendlich in einer rigiden Sexualmoral, in einer Verteufelung der Frau sowie einer seltsam archaisch anmutenden Gottesfrömmigkeit (hierzu liest man in anderen Texten des Autors mehr).

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