Leo Perutz Die dritte Kugel

(7)

Lovelybooks Bewertung

  • 6 Bibliotheken
  • 0 Follower
  • 0 Leser
  • 1 Rezensionen
(3)
(3)
(0)
(1)
(0)

Inhaltsangabe zu „Die dritte Kugel“ von Leo Perutz

Zum 50. Todestag des Autors: Der elfte und letzte Band der Leo-Perutz-Edition bei dtvEs ist das Jahr 1547 und die Spanier kämpfen unter General Cortez erbittert um die Eroberung des Aztekenreichs. Mitten drin steckt Graf Grumbach, der noch vor Cortez mit seinen Truppen nach Amerika aufgebrochen ist und sich dort in die schöne Indianerin Dalila verliebt. In faszinierenden Bildern schildert Perutz die Zerstörung einer grausamen Welt durch eine noch grausamere und das Schicksal des Grafen, der inmitten des Grauen sein Gedächtnis verliert. »Es ist eine wilde Geschichte, mit vielen wundervollen Einzelheiten, und was daran Literatur ist, das gibt sich so anspruchsvoll und bescheiden, daß man den Dichter über dem Gedichteten vergißt, und das ist schließlich die Hauptsache.« Kurt Tucholsky

Stöbern in Klassiker

Stolz und Vorurteil

einer meiner liebsten Romane!

sirlancelot

Der Steppenwolf

Der Spiegel, der die 'Fratze' der Wahrheit zeigt, wird von den Dummen gehasst.

Hofmann-J

Die schönsten Märchen

Ich liebe es. Kindheitserinnerungen wurden wieder wach.

Sasi1990

Der Hobbit

"Gäbe es solche nur mehr, die ein gutes Essen, einen Scherz und ein Lied höher achten als gehortetes Gold, so wäre die Welt glücklicher."

Ibanez25

Der alte Mann und das Meer

Großartige Erzählung eines großen Dichters!

de_schwob

Das Fräulein von Scuderi

Man mag es, oder nicht. E. T. A. Hoffmann hat jedoch den ersten Kriminalroman geschrieben, in welchem eine Frau die Hauptrolle spielt.

AnneEstermann

  • Rezensionen
  • Leserunden
  • Buchverlosungen
  • Themen
  • Rezension zu "Die dritte Kugel" von Leo Perutz

    Die dritte Kugel
    Leserrezension_2009

    Leserrezension_2009

    30. September 2009 um 09:21

    Eingereicht von Wilhelm 83: Wenn man seine Bücher heute liest, hat man beinahe das Gefühl, es mit einem Zeitgenossen zu tun zu haben. Seine Themen sind aktueller denn je und sein bevorzugtes Genre, der historische Roman, erlebt momentan eine gigantische Popularität. Stapelweise kann man die Geschichtsabenteuer liegen sehen, wenn man in das nächste Buchgeschäft geht. Freilich hält vieles davon nicht, was es verspricht. Die nötige Tiefe, die so große Geschichten über historisch wichtige Zeiten bräuchten, ist nicht immer gegeben. Immerhin war aber auch einer der Kritikerlieblinge der letzten Jahre ein historischer Roman: Daniel Kehlmanns „Vermessung der Welt“. Wie dort aus historischem Material und freier Fantasie eine intelligente Geschichte gezimmert wird, faszinierte ein breiteres Publikum und machte den Autor berühmt. So ist es in den 1920er Jahren auch Leo Perutz geschehen, als er mit seinen fantasievollen Werken an die Öffentlichkeit trat. Der Versicherungsangestellte konnte sein Hobby schon bald zum Beruf machen. Seine Bücher waren Bestseller und wurden von berühmten Kollegen, wie Tucholsky und Torberg, gelobt. Erst mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus und dem Anschluss Österreichs an das Dritte Reich war es vorbei mit seinem Erfolg. Der Jude Perutz musste flüchten und seine Werke wurden verbrannt. Nach dem Krieg hatten sich die literarischen Trends gewandelt und das geplante Comeback gelang ihm nicht mehr. Erst in letzter Zeit ist sein Name wieder einem breiteren Kreis bekannt. Seine Renaissance im 21. Jahrhundert ist sicherlich kein Zufall. Perutz Bücher lesen sich auch heute noch gut. Man merkt ihnen ihr Alter kaum an. Der klare schnörkellose Stil treibt die Spannung voran, wie es sich der moderne Thrillerfan wünscht und bietet doch genügend Platz für interessante Details, die selbst den abgebrühtesten Kenner zu überraschen vermögen. Perutz Romane sind eine Welt voller geheimer Türen und doppelter Böden, doch gerade darin liegt der Reiz für den Leser. Bei aller hintergründiger Komplexität bleiben sie doch vor allem lustvolles Spiel mit dem Geheimnisvollen. In ihnen steckt der romantische Geist und erschafft wundersame Figuren und Ereignisse, wie man sie sonst höchstens von absoluten Größen wie E.T.A. Hoffmann kennt. Das geschickte Spiel mit dem Märchenhaften macht Perutz zum Joker der Zwischenkriegsliteratur. Stets spielt das Fantastische bei ihm eine Rolle, aber der Leser bekommt auch immer eine raffinierte psychologische Erklärung für den ganzen Spuk geliefert. Wo aber soll man seine Reise durch den perutzschen Wunderkosmos am besten beginnen? Mehr als zehn Romane umfasst sein Werk. Sicherlich nicht die schlechteste Wahl ist jenes Buch, das auch der Startpunkt des Autors ins eigene Werk war: Sein erster Roman, „Die dritte Kugel“. Für diesen Prototyp seines Schaffens hat der junge Perutz über vier Jahre gebraucht und tatsächlich sind in dem reichhaltigen Werk schon alle wichtigen Elemente enthalten, die ihn später zu einem richtigen Star des alten Wiens machen sollten. „Die dritte Kugel“ ist ein Roman über den Kampf des Menschen mit seinen Schattenseiten. Gier, Rachsucht und Gewalttätigkeit, Laster von denen die Hauptfiguren trotz aller guter Ratschläge nicht lassen können, treiben die Handlung voran. Als Hintergrund für diesen Kampf mit dem inneren Dämonen hat Perutz den Feldzug des spanischen Generals Cortez gegen die Azteken im 16. Jahrhundert gewählt. Wer allerdings bisher unter Indianern und Amerika in der Literatur nur Karl May verstanden hat, wird von Perutz in Lichtjahre entfernte Dimensionen katapultiert werden. Bei ihm gibt es keine strahlenden Helden, die alles richtig machen. Selbst die Guten in diesem Roman sind von ihren vielen Schwächen schwer gezeichnet. Auf der einen Seite ist da Cortez und seine großartige spanische Armee, die sich bei näherem Hinsehen allerdings als nichtsnutziger Haufen entpuppt. Aufgebrochen nach Amerika um die Zivilisation dorthin zu bringen, halten sie sich selber kein bisschen an die so schön klingenden Predigten ihrer geliebten katholischen Kirche. Die Spanier werden von viel egoistischeren Interessen angetrieben. Ihre hervorstechendste Eigenschaft ist die Goldgier, die alle höheren Gefühle mühelos zum Verschwinden bringt. Es geht allein darum den eigenen Beutel möglichst voll zu bekommen. Ein spanischer Hauptmann schickt zwei seiner besten Kameraden in den sicheren Tod, um noch mehr gestohlenes Indianergold auf sein Boot laden zu können! Die Verhandlungen des Cortez mit den Azteken dienen nur scheinbar zum Aufbau freundschaftlicher Beziehungen, eigentlich aber nur zur Beschaffung von Gold für die spanische Krone. Inmitten dieser Wirren gibt es noch einen kleinen, standhaften Trupp deutscher Soldaten, die schon lange vor den Spaniern im Land waren. Ihr Anführer, Graf Grumbach, ist mit den katholischen Spaniern bis aufs Blut verfeindet. Er selber hat sich gegen die Kirche aufgelehnt, die zu jener Zeit ebenso goldgierig wie die Krone war und ihre ärmsten Untertanen gnadenlos zur Kassa bat. Deshalb musste er aus seinem geliebten Heimatland fliehen und sich in der neuen Welt vor seinen Feinden verstecken. Bei den vielen Gefechten hat Grumbach viele Kameraden und auch sein linkes Auge verloren. Seitdem muss er sein Antlitz immer zur Hälfte verdecken, um seine Mitmenschen mit seinem schrecklichen Aussehen nicht zu erschrecken. Für all das will er seinen Widersachern die Rechnung präsentieren. Als Grumbach die Spanier in das Aztekenreich eindringen sieht, machen er und seine Männer gemeinsame Sache mit den Indianern, um die Zerstörung des Paradieses aufzuhalten und sich endlich an der verhassten Kirche und den Spaniern zu rächen. Das größte Problem dabei: Die Deutschen besitzen keine Feuerwaffen mehr. Als Graf Grumbach in Gefangenschaft des Cortez gerät, lässt er sich in seiner Verzweiflung zu einer verhängnisvollen Tat hinreißen. Sein Gesicht hinter einer Kapuze versteckt, macht er ein Geschäft mit dem Teufel. Für nur eine Pistole verspricht er ihm sein linkes Auge. Der Teufel verschafft ihm die Pistole, doch muss feststellen, dass er schändlich betrogen worden ist, als Krumbach lachend seine Kapuze lüftet und ihm zeigt, dass er sein Auge schon vor langer Zeit im Kampf verloren hat. Doch der Teufel schwört bittere Rache. Er verwickelt die Deutschen in dunkle Machenschaften. Derartig verführt, werden auch sie von ihren eigenen Schwächen überwältigt. Grumbach sieht untätig zu, als ein Unschuldiger seinetwegen gehängt wird und zieht einen bösen Fluch auf sich. Nur drei Kugeln hat er für seine Feuerwaffe auftreiben können. Mit diesen drei Schuss will er die gesamte spanische Armee auflösen, indem er ihre wichtigsten Mitglieder tötet. Die ersten beiden treffen nicht die gewünschten Ziele. Wird die dritte Kugel ihm doch noch zum Erfolg führen? Bei dieser abenteuerlichen Mantel und Degengeschichte, die entfernt an den „Freischütz“ erinnert, verliert Perutz dennoch nie das Gespür für die Feinheiten. Ist Grumbach wirklich der Teufel erschienen, oder ist dieser nur Opfer seiner eigenen Rachsucht? Immer lässt sich Perutz ein Hintertürchen offen. Der vermeintliche Teufel könnte auch einfach nur der zwielichtige Henker der Spanier sein, der ohnehin jedem im Lager verdächtig ist. Auch ist nicht immer ganz klar ob der Verstand des viel geschundenen Grumbach nicht schon längst kaputt gegangen ist und sich die ganze Szene nur ausgedacht hat. Das Auftauchen der Pistole könnte schließlich auch nur ein glücklicher Zufall sein. Unmissverständlich klar wird jedoch, dass der Teufel auch in den Menschen selber schlummert. Grumbach, Cortez und all die anderen Figuren sind mit all ihren Schwächen selber die Architekten ihres Unglücks. Ihre egoistischen Triebe machen sie blind für alles andere. In den berührendsten Momenten erinnern sich Grumbach und seine Kameraden an ihre Jugend und längst gestorbenen Freunde und fragen sich vergeblich, wozu all der Wahnsinn des ewigen Tötens gut sein soll. Auch Wehmut und Zweifel machen den Menschen aus und lassen ihn einhalten in seinem eitlen Tun. Die Protagonisten von „Die dritte Kugel“ sind keine eindimensionalen Figuren. Sie haben eine Seele und schaffen es so den Leser Mitleid empfinden zu lassen. Perutz liest sich wie ein Zeitgenosse. Die Sinnlosigkeit von Gewalt und Goldgier waren ihm schon lange vor dem Zweiten Weltkrieg und der Krise des Kapitalismus bekannt. Sie stehen im Zentrum seines ersten Romans. Am Ende zeigt uns „Die dritte Kugel“ wie schnell man seine eigenen Prinzipien verlieren kann und sich letztlich in nichts mehr unterscheidet von den so verhassten Feinden. Grumbach wird immer mehr zu einem Geisteskranken, dem es nur noch um die eigene Rache geht. Er ist nicht weniger selbstsüchtig als die Spanier, die er bekämpfen wollte. Nur eine letzte Chance hat er vielleicht doch noch... Indem wir Leser dem Werk des genialen Leo Perutz zu einer Renaissance verhelfen, erinnern wir uns auch daran, dass der Mensch schon immer seine Fehler hatte und es gilt, ihnen auch weiterhin standhaft zu begegnen. Goldgier und Rachsucht hat es immer schon gegeben. Will man nicht ebenso von ihnen überwältigt werden, wie die Figuren in „Die dritte Kugel“, muss man sich auf anderes besinnen.

    Mehr