Leon de Winter Geronimo

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Inhaltsangabe zu „Geronimo“ von Leon de Winter

»Geronimo« lautete das Codewort, das die Männer vom Seals Team 6 durchgeben sollten, wenn sie Osama bin Laden gefunden hatten. Doch ist die spektakuläre Jagd nach dem meistgesuchten Mann der Welt wirklich so verlaufen, wie man uns glauben macht? Ein atemberaubender Roman über geniale Heldentaten und tragisches Scheitern, über die Vollkommenheit der Musik und die Unvollkommenheit der Welt, über Liebe und Verlust.

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  • Eine Achterbahn der Gefühle

    Geronimo
    LolitaBuettner

    LolitaBuettner

    19. February 2017 um 17:59

    Dieses Buch bescherte mir Albträume. Das passiert in der Regel selten. Hier war es leider gleich zweimal der Fall. Das lag an der Figur des Osama bin Laden. Einzutauchen in seine Gedanken- und Gefühlswelt - sei sie auch fiktiv - hat mir nicht gefallen. Leon de Winter ist ein herausragender Schriftsteller und sein Werk GERONIMO war für mich eine Achterbahn der Gefühle. Teilweise fand ich die Geschichte spannend, teilweise war ich genervt und enttäuscht. Die Idee des Buches ist es, dass Osama bin Laden in seinem Versteck nicht getötet, sondern gegen ein Double ersetzt und verschleppt wird. Eine Idee ausgerechnet der Männer, die Amerikas Terroristen Nummer 1 schnappen sollten. (Interessante Idee, die Verschwärungsliebhaber jubeln) Mit diesem Ereignis verknüpfen sich wiederum die Schicksale der anderen Hauptfiguren. Gleich zu Beginn nervte mich vor allem, dass in den meisten Absätzen amerikanische Phrasen oder Begriffe standen. Auf Seite 64 zum Beispiel beschreibt der Autor das "klassische amerikanische Haus" mit "sidnings", "family room" und "man cave". Come on! Muss das sein? Selbst wenn die Figuren Amerikaner sind? Finden wir dafür keine Übersetzungen? Enttäuscht war ich am meisten von dem Bild, dass Leon de Winter von Barack Obama zeichnet. In Kapitel 7 liest der Leser mehr oder weniger die Rede, welche der Ex-Präsident von Amerika damals führte, als die Operation zur Ergreifung Bin Ladens abgeschlossen war. Der Leser erfährt, dass Obama die Rede unbedingt selbst schreiben möchte. Er hält sich für unglaublich rhetorisch und kommt dabei sehr überheblich und ordinär daher. Zum Beispiel betitelt er Ex-Präsident Carter als einen "Loser" und G. W. Bush als "dummen Loser". Man mag von diesen Männern und ihrer Politik halten, was man möchte, aber ich bin wenig davon überzeugt, dass der wahre Barack Obama das so ausgedrückt hätte. Ich halte diesen Mann für klüger, ehrfürchtiger und respektvoller. Dagegen ist das Netz an schicksalhaften Begegnungen und Momenten und Fantasie sehr intelligent gestrickt. Der Roman liest sich schnell und flüssig. Das Ende war unbefriedigend. Da schmückt Leon de Winter seinen Roman mit solch bekannten Persönlichkeiten und vergisst das Ende. Warum denn so schmerzlich traurig mit noch einer Offenbarung, die nichts ändert? Auch wenn das wahre Leben mit Happy Ends des Öfteren spart, das Schicksal des Mädchens Apana in diesem Buch war für meinen Geschmack übertrieben traurig. Vielleicht schreibt der wunderbare Leon de Winter bald wieder eine Geschichte ohne Bekanntheiten, dafür mit Figuren, wie du und ich. Denn zwischen Krieg, Terror, Globalisierung und Digitalisierung ereignen sich Einzelschicksale, die leider immer öfter untergehen, obwohl sie sich direkt am helllichten Tag, vor den Augen der Anderen abspielen. Und um den "De Volkskrant" zu zitieren: "Kein Autor der Niederlande traut sich so viel wie er."

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  • Wir werden es wohl nie wissen

    Geronimo
    Stylefluesterin

    Stylefluesterin

    20. December 2016 um 22:02

    Inhalt: Geronimo lautet das Codewort, das die Männer vom Seals Team 6 durchgeben sollten, wenn sie Osama bin Laden gefunden hatten. Doch ist die spektakuläre Jagd nach dem meistgesuchten Mann der Welt wirklich so verlaufen, wie man uns glauben macht? Ein atemberaubender Roman über geniale Heldentaten und tragisches Scheitern, über die Vollkommenheit der Musik und die Unvollkommenheit der Welt, über Liebe und Verlust. Meine Meinung: Leon de Winter behält zu jedem Zeitpunkt die Fäden der Handlung fest in der Hand und führt den Leser geschickt von Spannungsbogen zu Spannungsbogen. Jede Person ist klar und verständlich dargestellt und UBL wird in einem ganz anderen Licht gezeichnet. Sicherlich hat die Handlung auch einige grausame Momente, die jedoch von der Liebe in ihrer unterschiedlichsten Facetten überstrahlt werden. Sei es die Liebe zu klassischen Musik von Bach und den Goldberg-Variatione, sei es die unschuldige Liebe zwischen zwei Kindern. Leon de Winter spinnt eine Verschwörungstheorie, die durchaus im Bereich des Möglichen ist. Und er verkauft die Geschichte glaubhaft und schlüssig – so bleiben am Ende doch tatsächlich Zweifel, was Realität und was Fiktion ist. Fazit:  Eine absolute Leseempfehlung. Jede Zeile ist lesenswert.

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  • Die Jagd auf Usama bin Laden

    Geronimo
    leserattebremen

    leserattebremen

    17. October 2016 um 16:30

    Mit dem Codewort „Geronimo“ sollen die Seals bestätigen, dass sie Usama bin Laden erwischt haben und eine jahrelange Jagd zu Ende geht. Der amerikanische Präsident kann vor sein Volk treten und die gute Nachricht verkünden. Doch die Welt ist nicht so einfach, sie ist nicht immer schwarz und weiß. Das muss auch Tom feststellen, dessen Ehe gescheitert ist und der als ehemaliger Seal nicht mehr an dem Einsatz teilnehmen kann, aber viele der Soldaten kennt. Gleichzeitig verbindet er mit Afghanistan eine sehr persönliche Geschichte, ein junges Mädchen, dass er schützen wollte und das von den Taliban verschleppt wurde. Ob er das Mädchen wiederfinden und in Sicherheit bringen kann, während seine ehemaligen Kollegen Jagd auf „Geronimo“ machen?Leon de Winters Roman „Geronimo“ ist bei weitem keine einfache Kriegsgeschichte oder eine fiktive Darstellung der Jagd nach einem Top-Terroristen. Mit sehr viel Feingefühl für Stimmungen und Charaktere beschreibt er mit Tom einen Mann, der sich auf einem schmalen Grat zwischen Hoffnung und Verzweiflung bewegt, zwischen seiner Vergangenheit, die ihn quält, und einer möglichen Zukunft. Er will das Mädchen Apana unbedingt retten, weil er vor Jahren seine eigene Tochter nicht retten konnte. Diese Schuld prägt sein ganzes Handeln und zerstörte seine Ehe. Apana und Tom verbindet die Liebe zu Bachs Goldberg-Variationen, und diese Liebe zur Musik lässt sie nicht mehr los. Die Musik bildet das Gegengewicht zur Gewalttätigkeit des Krieges und ist wie ein überraschend schönes Element in der Umgebung von Terror und Verzweiflung. Diese sensible Charakterisierung der Hauptfiguren und der Situation macht das Buch zu etwas ganz Besonderem. Mit „Geronimo“ ist Leon Winter ein ausgezeichneter Roman gelungen, der die Jagd nach dem Terroristen Usama bin Laden mit den großen Fragen der Menschen nach Liebe, Schuld und Vergebung verbindet. 

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  • Wie es wirklich gewesen ist, wird die Welt nie erfahren

    Geronimo
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    26. September 2016 um 11:24

    Der niederländische Schriftsteller Leon de Winter, der für seine klare Haltung gegenüber den radikalen Islam nicht nur in seiner Heimat oft angefeindet wurde, gehört zu den Autoren, die mit jedem weiteren Roman nicht nur literarisch besser werden, sondern sich mit ihren Themen mutig immer weiter vorwagen.So hat er in seinem neuen Roman in einer wahnsinnigen Mischung aus Realität und Fiktion jene Aktion des amerikanischen CIA hinterfragt, bei der am 2.Mai 2011, fast zehn Jahre nach dem Anschlag auf das World Trade Center, eine Eliteeinheit Usama Bin Laden (im Buch nur UBL genannt) in seinem Unterschlupf im pakistanischen Abbottabad getötet hat.Weltweit gab es klammheimlichen Beifall für diese Aktion, doch es kamen auch immer wieder Fragen auf, warum man den gesuchten Chef von Al Kaida nicht lebend gefangen nahm bzw. warum man seinen Leichnam so schnell über dem Arabischen Meer in der Tiefe verschwinden ließ?Ohne jegliche Verschwörungsmethaphern hat Leon de Winter sich diesen Fragen mit einer genial erzählten Geschichte genähert. Hauptpersonen sind der amerikanische ehemalige Agent Tom Johnson, der nach einer schlimmen Verletzung in Afghanistan nicht mehr im Kampf eingesetzt werden kann. Dort hatte er auch das afghanische Flüchtlingsmädchen Apana kennengelernt und sie gleichsam adoptiert. Die Musik Bachs, insbesondere die Goldberg-Variationen, die das Mädchen durch Tom kennenlernt, verändert das Leben des Kindes radikal. Ihr schreckliches Schicksal und die Verantwortung, die Tom für das Kind übernimmt bis an die Grenzen seiner Kraft, ist ein wesentlicher, sehr bewegender und theologisch interessanter Strang der Handlung. Hier wird etwas deutlich von der Phantasie des jüdischen Autors, wie es sein könnte, wenn die Religionen der Welt jene Vorstellung und Dimension des Göttlichen, die in den Goldberg-Variationen aufscheint, annehmen und aufnehmen würden.Ein zweiter Strang erzählt von den Vorbereitungen und der Durchführung der Aktion „Neptune`s Spear“, von der Begegnung Apanas mit UBL in Abbottabad, und gibt einen angedeuteten Hinweis darauf, warum UBL nicht am Leben gelassen wurde.Der Roman ist spannend erzählt und entwickelt sich bald für den Leser zum regelrechten Pageturner. Das angedeutete Geheimnis, mit dem UBL angeblich Obama bedrohte, ist nach einigem Nachdenken über bestimmte Auswüchse im gegenwärtigen Wahlkampf in den USA so ganz abwegig nicht.Wie es wirklich gewesen ist, wird die Welt nie erfahren. Leon de Winter hat aber aus einem historischen Geschehen eine lesenswerte Geschichte gemacht, deren menschliche und spirituelle Dimensionen lange in mir nachgewirkt haben.

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  • Eine interessante Verschwörungstheorie!

    Geronimo
    renie

    renie

    24. August 2016 um 15:42

    Im Mai 2011 fand in Abbottabad, Pakistan, die "Operation Neptune's Spear" statt - die erfolgreiche Erstürmung des Verstecks des Terroristenführers Osama bin Laden, Codename Geronimo. Bei dieser Operation ist bin Laden ums Leben gekommen. Die Umstände seiner Erschießung sind jedoch fragwürdig. Auch wenn die Nachricht über die Tötung bin Ladens von der Öffentlichkeit mit Erleichterung gern akzeptiert worden ist, tauchen doch viele Zweifel an den Umständen seines Todes auf. Immer wieder erscheinen Publikationen, u. a. von Teilnehmern der Operation, die die offizielle Darstellung der US-Regierung in Frage stellen.Warum ist ein Terrorist mit einem unerschöpflichen Wissensschatz über Al Kaida und die internationale Terrorismusszene liquidiert worden, ohne die Gelegenheit zu ergreifen, sich sein Wissen zunutze zu machen? Warum ist bin Laden umgebracht worden? Hat die Erstürmung tatsächlich so stattgefunden, wie es der Öffentlichkeit Glauben gemacht wurde? Galt es, damals sowie heute ein Geheimnis zu verbergen, von dem bin Laden wusste? Alles ist möglich. Leon de Winter greift diese Fragen auf und entwickelt in seinem Roman eine gar nicht mal so abwegige Verschwörungstheorie. Und am Ende kann man sich sehr gut vorstellen, dass damals alles etwas anders gelaufen ist. Klappentext:"Geronimo" lautet das Codewort, das die Männer vom Seals Team 6 durchgeben sollten, wenn sie Osama bin Laden gefunden hatten. Doch ist die spektakuläre Jagd nach dem meistgesuchten Mann der Welt wirklich so verlaufen, wie man uns glauben macht?Ein atemberaubender Roman über geniale Heldentaten und tragisches Scheitern, über die Vollkommenheit der Musik und die Unvollkommenheit der Welt, über Liebe und Verlust. Spannend wie ein Thriller und berührend wie eine Liebesgeschichte, bringt Geronimo die Grenzen zwischen Realität und Phantasie ins Wanken. (Quelle: Diogenes) "Leute wie ich sehen in dieser offiziellen Geschichte nichts als Lücken. Und ich bin mir sicher, Hope, dass Leute wie du auch Fragen gestellt haben, als sie die Geschichte hörten, als der Präsident der Welt triumphierend erzählte, dass sie UBL abgemurkst hätten. Sie hatten ihn nicht lebend, sondern tot. Es gab praktisch keine Gegenwehr, und trotzdem mussten sie ihn eliminieren. Warum? Warum musste UBL zum Schweigen gebracht werden?" (S. 318) Was bei Leon de Winter als Polit-Thriller beginnt, entwickelt sich im weiteren Verlauf zu einem mitreißenden Roman, der die Schicksale unterschiedlicher Charaktere zum Mittelpunkt hat, die mehr oder weniger mit dem Tod bin Ladens zu tun hatten. Erzählt wird aus unterschiedlichen Perspektiven, hauptsächlich aus der Sicht von Osama bin Laden, Tom - einem Agenten der CIA - sowie Jabbar, einem Jungen aus der Nachbarschaft bin Ladens in Pakistan. Seine Familie gehört dem Christentum an. Osama bin LadenDie Darstellung Osama bin Ladens ist gewöhnungsbedürftig. Leon de Winter zeigt einen der gefürchtetsten Terroristen der damaligen Zeit mit menschlichen Seiten. Er dichtet ihm Eigenschaften wie Mitgefühl an. Das liest sich eigenartig. Es fällt schwer, jemandem, der den Tod 1000er Menschen zu verantworten hat, Menschlichkeit zuzusprechen. Als Leser ist man irritiert und will gar nicht so recht glauben, was man über bin Laden liest. Doch Leon de Winter bekommt noch rechtzeitig die Kurve. Bevor der Leser Mitgefühl für bin Laden empfindet, lässt der Autor auch die bösartigen Seiten des Terroristenführers durchklingen. Und schon ist man als Leser wieder versöhnt. "Wie sie am 11. September 2010 von UBL mitgenommen worden war, als wie fürsorglich sich UBL erwiesen hatten - die Fürsorglichkeit eines Ungeheuers. Sogar UBL konnte menschlich sein. Ein unerträglicher Gedanke." (S. 392) Tom JohnsonTom ist Mitglied der CIA, seine Karriere begann in der US Army. Eigentlich war er gar nicht an dem Angriff auf das Versteck bin Ladens beteiligt. Da er jedoch einen engen Kontakt zu den Männern der Einheit hatte, die mit diesem Auftrag betraut waren, hat er Kenntnis von dem Plan erhalten. Die Spezialkräfte der US Army, die derartige Sonderaufgaben übertragen bekommen, scheinen in einer Parallelwelt zu leben. Töten ist ein Job, Tötungsaufträge werden mit einer routinierten Selbstverständlichkeit durchgeführt. Dass die Mitglieder dieser Spezialkräfte selbst ständig der Gefahr ausgesetzt sind, ermordet zu werden, gehört zu deren Dasein dazu. Ihr Alltag ist von Misstrauen und Vorsicht geprägt, selbst wenn sie mittlerweile schon längst aus der Army ausgetreten sind und einen Job in einer privaten Sicherheitsfirma angenommen haben. Einmal Soldat, immer Soldat. Während seiner Zeit in Afghanistan baut Tom eine Beziehung zu einem kleinen muslimischen Mädchen auf. Beide verbindet die Leidenschaft zur klassischen Musik, insbesondere die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit saugen sie Musik förmlich in sich auf. Diese Momente der Begeisterung und Harmonie erscheinen merkwürdig in dieser kriegsgebeutelten Umgebung. Die Liebe zur Musik wird dem Mädchen in dem islamischen Land zum Verhängnis. Tom fühlt sich verantwortlich für ihr Schicksal. "Sie trat ein paar Schritte auf mich zu, nein, sie schritt, muss ich sagen, und dann blieb sie minutenlang reglos stehen, als hätte sie Angst, als sträubte sie sich gegen etwas, was sie mitriss, dieses dünne Mädchen, dunkel wie ihr Vater, glänzend gebürstetes schulterlanges Haar, lange Wimpern, gelbe Strickjacke über wadenlangem geblümten Kleid, leichte Hose, schmutzige weiße Pantoffeln - eine kleine afghanische Version von Vermeers Mädchen mit dem Perlenohrring. Schutzlos stand sie in Bachs Universum, in dem sich eine Note wunderbar natürlich zur anderen fügte und einen harmonischen Fluss bewirkte, der über die Natur hinausragte." (S. 133) JabbarEin Jugendlicher, der mit seiner Mutter in Abbottabad in Pakistan lebt. Eine christliche Familie unter Muslimen. Jabbar träumt davon, mit seiner Familie nach Amerika auszuwandern. Doch leider fehlen die Mittel, um diesen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Eines Tages tut sich ein Hoffnungsschimmer auf. Anfangs scheint es kaum Verbindungen zwischen den einzelnen Charakteren zu geben. Erst mit der Zeit beginnen sich ihre Wege zu kreuzen, und ihre Schicksale verflechten sich zu einem logischen Ganzen. Leon de Winter konzentriert sich zu Beginn seines Romanes auf bin Ladens Tage vor dem Angriff sowie auf den Angriff selbst. Dabei schildert er diese Operation mit all ihrer militärischen Präzision. Man ist versucht, diesen Roman als Politthriller einzuordnen. US Army, CIA, Terroristen, das Weiße Haus, alles deutet darauf hin. Der damalige (und jetzige) Präsident der USA wird im Übrigen von Leon de Winter mit sehr unfeinen Eigenschaften ausgestattet, allen voran Skrupellosigkeit und Machthunger. Das ist amüsant, zumal seinem Pendant in der Terrorismusbranche menschliche Eigenschaften angedichtet worden sind. Hier lässt Leon de Winter die Grenzen zwischen den guten Jungs und den bösen Jungs geschickt verwischen. "Im Frühjahr 2011 war Obama in Militärkreisen keine sonderlich beliebte Figur. Wir wählten zwar nicht alle die Republikaner, in unseren Augen befassten sich nur Weicheier mit Politik, aber wir fanden, der jetzige Präsident sei ein elitärer Universitätsprofessor, der kein Feeling für die Machtverhältnisse in der Welt habe und auch kein Feeling dafür, welche Opfer wir, die Kämpfer und ihre Familien, für das Land brächten." (S. 64) Mit der Zeit entwickelt sich der vermeintliche Politthriller zu einem Roman über menschliche Schicksale. Der Charakter bin Laden gerät in den Hintergrund und auf einmal stehen die berührenden Schicksale einer christlichen Familie und eines muslimischen Mädchens im Mittelpunkt. Dies war der erste Roman, den ich von Leon de Winter gelesen habe, aber mit Sicherheit nicht der letzte. Ich war von Anfang an gefesselt. Der niederländische Schriftsteller ist ein Meister der Spannung, wobei es keinen Unterschied macht, ob er über militärische Aktionen schreibt oder über den Alltag in einem islamischen Land und dem Schicksal eines kleinen Mädchens. Es fällt nicht leicht, diesen Roman aus der Hand zu legen, insbesondere durch die unvorhergesehenen Wendungen, die die Handlung nimmt. Einmal begonnen, will man wissen, wo die literarische Reise hinführt. Genauso muss spannende Unterhaltung sein! FazitEin Roman, der es in sich hat: ein menschlicher Topterrorist, eine militärische Parallelwelt, Johann Sebastian Bach im Krieg, Christen in Pakistan, eine Verschwörungstheorie. Es ließe sich bestimmt noch mehr finden. Man kommt als Leser aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Fantasie des Autors ist grenzenlos. Und er versteht es, seine Geschichte glaubhaft zu verkaufen. Und am Ende bleiben die Zweifel an dem, was damals in Pakistan geschehen ist. De Winters Version erscheint nicht abwegig. Genauso könnte es gewesen sein. Klare Leseempfehlung!

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  • Großartiger Roman!

    Geronimo
    Petris

    Petris

    22. August 2016 um 10:40

    Immer, wenn man denkt, Leon de Winter hat seinen Zenit erreicht, da geht einfach nicht noch mehr, kommt zwei Jahre später sein nächster Roman heraus und wieder lässt er die Leser schon nach den ersten Seiten mit offenem Mund stehen. Für Leon de Winter gibt es keine Grenzen, ihm gelingt es, sich bei jedem weiteren Roman nochmal zu steigern und wieder aufs Neue zu überraschen. So auch hier. Für diesen Roman bräuchte ich einen Stern mehr, denn er spielt in einer eigenen Liga!Wie der Titel schon verrät, steht Usama bin Laden, UBL genannt, im Mittelpunkt des neuen Romans, aber nicht nur er, auch die Spezialeinheit, die an der Aktion „Geronimo“ beteiligt war, ein ehemaliger Kollege von ihnen, der nach einer Verletzung aus dem Dienst ausgeschieden ist und eine junge, von den Taliban verstümmelte Afghanin, sowie deren pakistanische Retter. Es geht um Spionage, Gegenspionage, Befehle und die Menschen dahinter. Und dahinein passen noch wie ein roter Faden Bach und die Goldberg-Variationen. Das schafft auch nur Leon de Winter!Es gibt kein Schwarz-Weiß, dafür alle Schattierungen dazwischen, UBL wird nicht nur als Monster gezeichnet, sondern auch als Mensch, ebenso wie die amerikanischen Kämpfer. Es gibt kein Happy End, selbst wenn das bei ein paar Handlungssträngen sehr verlockend gewesen wäre, aber das Leben hätte die Geschichte wohl nicht anders zu Ende geschrieben als der niederländische Autor.Leon de Winter verliert in keinem Moment die vielen Handlungsfäden, er hält sie fest in der Hand und verknüpft sie zu immer neuen überraschenden Gebilden, alles bleibt verständlich und einleuchtend und ist dabei so unglaublich spannend, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Dass darin auch noch Bach und die Goldberg-Variationen Platz haben, ist für mich als Hobbypianistin und Musikbegeisterte ein Extra über das ich mich besonders gefreut habe.Ich kann nur mit leuchtenden Augen schwärmen und jedem nahe legen, dieses Buch zu lesen. Es ist einfach perfekt, wie von einem anderen Planeten. Dieses Jahr ist ein großartiges Bücherjahr, ich habe schon viele sehr, sehr gute Neuerscheinungen gelesen, aber Geronimo schlägt sie alle, ich glaube nicht, dass noch etwas Größeres nachkommen wird. Unbedingt lesen!

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