Leona Stahlmann

 3,9 Sterne bei 19 Bewertungen
Autor von Der Defekt.

Lebenslauf von Leona Stahlmann

Leona Stahlmann, geboren 1988, lebt in Hamburg und arbeitet als Autorin, Journalistin und Veranstalterin. 2017 gewann sie den Hamburger Förderpreis für Literatur, 2018 war sie Stipendiatin der Romanwerkstatt des Literaturforums im Brecht-Haus in Berlin und gewann den ersten Wortmeldungen-Förderpreis. »Der Defekt« ist ihr Debütroman.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Leona Stahlmann

Cover des Buches Der Defekt (ISBN: 9783036958217)

Der Defekt

 (19)
Erschienen am 11.02.2020

Neue Rezensionen zu Leona Stahlmann

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Rezension zu "Der Defekt" von Leona Stahlmann

B wie Brennessel
reneevor 21 Tagen

"Der Defekt" ist ein Blick auf das Anderssein, nicht auf ein augenfälliges Anderssein, aber auf ein Anderssein im Empfinden, im Fühlen, im sexuellen Sinn gemeint. Ein Blick auf eine Frau, auf Mina, die den Schmerz erregend findet, die gedemütigt werden will, die sich selbst erkundet und findet. Sie trifft auf Vetko, der sie versteht und ähnlich denkt und fühlt. Was bedeutet dies für die Betroffenen? Alleinsein in einer Masse von Menschen, die eben nicht so empfinden. Gebrandmarkt oder stigmatisiert zu sein, wenn man sich öffnet. Oder ist dies gar nicht so, weil der Schmerz irgendwie zum Leben gehört und ihn jeder in seinem eigenen Maße forciert und/oder lenkt? Das Buch "Der Defekt" gibt sprachlich wunderschöne Antworten auf diese Fragen, auf diesen Defekt, auf die Sichten darauf. Und gleichzeitig betrachtet es auch eine sich verändernde Welt eines Dorfes im Schwarzwald. Denn Veränderung heißt auch Zukunft und Stagnation bedeutet ein baldiges Ende. Was ist eigentlich Heimat? Die alte und bekannte oder auch die neue und sich findende Welt? Und ebenso ist es ein Blick auf die Natur und ihr Grollen. Wie auch auf den Menschen als einen Teil von dieser Mutter Erde. Auch die Menschen mit Defekten. Denn Defekte sind uns doch alle zu eigen, nur halt unterschiedliche. Ist ja auch irgendwie langweilig, wenn jeder den gleichen Defekt hätte. Dieses Buch ist vielleicht kein Buch zum Sinnieren. Aber interessant und spannend ist es allemal. Und wichtig und mutig. Ein "Shades of Grey" in einer anderen Art, deutlich gehobener im Anspruch und differenzierter in der Betrachtung. 

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Rezension zu "Der Defekt" von Leona Stahlmann

Ein sehnsüchtiger Griff in die Brennessel
LadyRosewoodvor einem Jahr

Ist das eine Brennessel? Das Cover lässt ahnen was beim Lesen auf einen zukommt. Die Brennessel, die die noch kindliche Mina in die Hand nimmt und zudrückt, ohne Handschuh, einem ihr selbst noch unheimlichen Begehren folgend.

Ihre Begegnung mit dem zwei Jahre älteren Vetko, sie ist nun 16, lässt sie ihr eigenes, anderes, den Schmerz und Folgsamkeit suchende, Begehren zu entdecken. Mit Vetko ist normal, was sich vor allen anderen verbergen muss. Das Kürzel BDSM findet sich nicht einmal im Buch, es geht nicht um ein Label, sondern um das Finden der eigenen, scheinbar so anderen sexuellen Identität.

Dass "normal" nicht gleichzeitig "erfüllt" heißt, zeigt sich in Gestalt von Minas bester Freundin Malene, deren ersten heterosexuellen Erlebnisse mit Ekel, Demütigung und der ratlosen Frage was denn ein Orgasmus sei, enden.

Die Sprache des Buches ist gewöhnungsbedürftig, viel Naturbeschreibungen spiegeln das erdige, gewaltige, von Minas Begehren, stehen aber auch für die uralten Regeln, die im Schwarzwalddorf der Handlung gelten. 

Beeindruckend.


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Rezension zu "Der Defekt" von Leona Stahlmann

Mina
Booklove91vor 2 Jahren

Meine Meinung und Inhalt

"Aber Körper sind dafür gemacht, dass wir sie abnutzen. Bearbeiten. Leben darin aufbewahren. Wir können Gefühle haltbar machen, nur mit unseren Körpern.“ (ZITAT)

In dem Sommer, in dem Mina dem achtzehnjährigen Vetko näherkommt, verändert sich für sie alles: Sie merkt, dass sie anders ist als der Rest des Dorfs. Was sich anfühlt wie ein Defekt, ein Fehler im System, wird für Mina bald der Punkt, um den sich ihr Leben dreht. Während Vetko und sie eine Verbindung zwischen Lust und Schmerz herstellen und Vetkos Forderungen immer existenzieller werden, sieht sie sich zusehends vor die Entscheidung gestellt, wie weit sie noch gehen soll. Duldet der Weg, den sie eingeschlagen hat, überhaupt einen Kompromiss?

Stahlmann hat meiner Meinung nach einen ganz außergewöhnlichen Schreibstil, der mich gleich zu Beginn gefesselt hat. Sie schreibt sehr sinnlich und flüssig vom Aufwachsen mit einer von der Norm abweichenden Sexualität und von den Rissen in unseren Begriffen von Heimat und Identität. Sie erzählt von Mensch und Natur und von der Wucht, wenn sie in ihrer Rohheit aufeinandertreffen. Zeitgleich sind viele Passagen auch hart geschildert.Nicht nur das, was an verletzenden Körperlichkeiten zwischen den beiden geschieht. Was ihren Roman zum Leseerlebnis macht, ist nicht die Drastik der Geschehnisse, die sie beschreibt, sondern der diametrale Kontrast ihrer Sprache zum Geschehen.

Das Cover gefällt mir wirklich ausgesprochen gut.

Klare Leseempfehlung meinerseits.

"Bestimmte Wörter ziehen Mina schon als Kind an, als sie das Lexikon ihrer Eltern aufschlägt: Wörter wie ORDNUNG, STRAFE, DISZIPLIN. Jahre später werden sie ihr, in Variationen und Rekombinationen, in der Abkürzung BDSM wiederbegegnen: Bondage & Discipline, Dominance & Submission, Sadism & Masochism." (ZITAT)

Leona Stahlmann, geboren 1988, lebt in Hamburg und arbeitet als Autorin, Journalistin und Veranstalterin. 2017 gewann sie den Hamburger Förderpreis für Literatur, 2018 war sie Stipendiatin der Romanwerkstatt des Literaturforums im Brecht-Haus in Berlin und gewann den ersten Wortmeldungen-Förderpreis. »Der Defekt« ist ihr Debütroman.

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