Leonardo Padura Das Havanna-Quartett

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Inhaltsangabe zu „Das Havanna-Quartett“ von Leonardo Padura

Havanna im Jahr 1989: Im Paradies der Revolution steht nicht alles zum Besten. Schicht um Schicht legt der Polizist Mario Conde die kubanische Realität frei und misst sie an den Illusionen und Träumen seiner Jugend. »Großartig sind die Kriminalromane des Kubaners Leonardo Padura. Seine Tetralogie um Teniente Mario Conde besteht aus raffinierten Sozialrecherchen in einem Milieu, das der Öffentlichkeit meist verborgen bleibt: Homosexuelle, vom Staat enteignete Bürgerliche, unangepasste Künstler. Kein Wunder, dass Paduras Bücher im maßgeblichen Ranking, der KrimiWelt-Bestenliste, ganz oben stehen.« Steffen Richter, Der Tagesspiegel

Eine Gegenrede zu meinen Vorrezensenten!

— Joachim_Tiele
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  • Als Krimis "verkleidete" Literatur einer tiefverwurzelten Humanität

    Das Havanna-Quartett
    Joachim_Tiele

    Joachim_Tiele

    Zwischen Krimi und Weltliteratur - der kubanische Existenzialist und Humanist Leonardo Padura, dessen Romanzyklus Havanna-Quartett jetzt vollständig auf Deutsch erschienen ist*), verbindet die Suche nach Mördern mit der Suche der Generation der mittleren Siebziger des vorigen Jahrhunderts nach individuellen und gleichzeitig gesellschaftlich wegweisenden Lebensentwürfen und beschreibt die Trauer über ihr Scheitern. Den Zugang zum Werk des kubanischen Journalisten und Schriftstellers Leonardo Padura, Jahrgang 1955, kann man auf unterschiedlichen Wegen finden. Ist man von Haus aus Krimifreund, stößt man auf eine - auf den ersten Blick - exotische Variante des literarischen Kriminalromans etwa in der Tradition Dashiell Hammets. Für Literaturkenner ist es die gekonnte Weiterführung der großen Topoi der europäischen Aufklärung: Die femme fatale trifft auf lateinamerikanischen Machismo, der Homosexuelle in der Tradition Genets auf die adretten Uniformhemden und virilen Bärte der kubanischen Revolutionshelden. In dieser Perspektive geht es um Außenseiter, wie sie etwa Hans Mayer in seinem gleichnamigen literaturhistorischen Großessay analysiert hat, und ihre individuellen Daseinsrechte und -bedingungen. Der Kriminalroman wird dann zur Metapher, das who dunnit zur Marginalie. Und es gibt einen weiteren verblüffenden Zugang. Padura, ebenso wie seine Hauptfigur Mario Conde, der gleichzeitig von Selbstzweifeln zerfressene und höchst effiziente Ermittler in Havannas Morddezernat, sind Abiturjahrgang 1975 und damit Protagonisten jener Generation, die als erste den Versuch machte, die intellektuellen Entwürfe der Sechziger in reale Lebensentwürfe zu gießen, Studium, Beruf und Partnerschaften in Richtung einer Verbesserung der Welt auszurichten. Viele von Ihnen traten den vielzitierten Marsch durch die Institutionen an, manche blieben moralisch integer und scheiterten, andere spielten das Spiel der kontrollierten Anpassung, bis sich der Kontakt mit den Herrschenden zunächst zum Infekt und später zum Krankheitsbild der Korrumpiertheit entwickelte. Denn nach wie vor gibt es kein richtiges Leben im falschen, um Theodor W. Adorno zu zitieren, den hassgeliebten Hausphilosophen der Achtundsechziger und vieler ihrer Nachfolger. Was Padura en passant leistet, ist eine soziologisch präzise Innenansicht dieser Generation, die von manchen als die verlorene, von anderen als die verdorbene bezeichnet wurde. Diesen über Kontinente und ideologische Machtblöcke hinweg gleichzeitigen Aufbruch in eine vermeintlich lichtere Zukunft und sein Scheitern in der Perspektive des von vielen aus dieser Generation nach wie vor hochgeschätzten kubanischen Gesellschaftsexperiments zu zeigen, dabei durch das karibische Lokalkolorit seine Universalität noch unterstreichend, ist Paduras größter literarischer Verdienst. Obwohl zwischen 1990 und 1998 verfasst, zeigen die vier Romane des Havanna-Quartetts - Ein perfektes Leben, Handel der Gefühle, Labyrinth der Masken und Das Meer der Illusionen - die Jahreszeiten eines einzigen Jahres, 1989, das Jahr der faktischen Auflösung der Sowjetunion alter Prägung, in Kubas Hauptstadt. Verbunden sind die einzelnen Kriminalfälle, das Verschwinden eines hohen Tieres aus dem Wirtschaftsministerium, die Ermordung einer jungen Chemielehrerin mit blütenweißer Parteibiografie, das Auffinden einer männlichen Leiche in Frauenkleidern, durch die Person des Teniente Mario Conde, ein als Jugendlicher desillusionierter angehender Literat, der völlig unpolizeilich denkt und tickt, und Täter und Opfer häufig im Milieu seiner früheren Schulkameraden entdeckt. Hintergründe der Kriminalfälle sind die Alltagskorruption in Staatshandelsländern, die Gier nach Besitz und sozialem Aufstieg und das Vertuschen von Skandalen. Die Geschichten spielen im Bereich der Tadellosen und Perfekten, wie Padura es einmal ausgedrückt hat, und es sind Lügengeschichten im Interesse einer höheren Wahrheit. Conde ist weniger Polizist als Zeitzeuge, zügellos in seiner persönlichen Lebensführung, aber durch und durch unbestechlich. Sein auch beim schlimmsten Kater unvernebelter Blick verbindet Politik, Freundschaft, Sexualität und Alltagsbewältigung. Der Fall, das Verbrechen, ist eher lästig, kündigt sich durch einen Telefonanruf im Morgengrauen an, und wird ihm, dem Undisziplinierten, zugeteilt, weil die Verbindungen nach ganz oben gehen. Die Aufklärung des Verbrechens wird damit zur gesellschaftlichen Aufklärung und ihre Darstellung zu Literatur, zu einer Literatur, die der Gleichheit verpflichtet ist, das aufspürt, was einige gleicher als die anderen sein lässt, und Gleichmacherei ablehnt, weil es die Individualität der Abweichung von der Norm ist, die den Menschen zum Menschen macht. Es ist die Literatur einer tiefverwurzelten Humanität. ______________________________ *) Diese Rezension erschien ursprünglich im Jahr 2005, dem Jahr der vollständigen Übersetzung des Havanna-Quartetts auf Deutsch, unter meinem richtigen Namen (Joachim Tiele ist ein Pseudonym) in einer Zeitschrift, die seinerzeit bundesweit im Kioskhandel erhältlich war. Der Anlass, sie jetzt - bis auf minimale redaktionelle Korrekturen unverändert - hier bei LovelyBooks zu posten, ergab sich aus einer Leserunde zu einem aktuellen Kriminalroman, Inselfeuer von Sylvia B. Lindström, Aufbau Taschenbuch, 2016, in der eine Teilnehmerin recht fassungslos postete, das sei ja gar kein Krimi, sondern ein Roman (sic!). Daraus ergab sich eine spannende Debatte, was ein Krimi eigentlich sei und darstellen dürfe, bis hin zu der grundsätzlichen Frage, ob Unterhaltungsliteratur dazu da sei, die reale Welt in Klischees und Vorerwartungen zu packen und auszublenden, oder auch dazu (beziehungsweise ob es ihr prinzipiell gestattet sei, denn einige der frühen Rezensionen zu Inselfeuer gingen durchaus in Richtung verbaler Bücherverbrennungen und damit weit über Fragen des Geschmacks oder literarischer Vorlieben hinaus), den Lesern zu zeigen, wie es zugeht auf der Welt (etwa: http://www.welt.de/print/die_welt/hamburg/article106223136/Wie-es-so-zugeht-auf-der-Welt.html), womit es im Bereich der Krimis durchaus auch um Padura gehen könnte).

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    • 7
  • Ein reifer, abgeklärter, man möchte sagen, sozialpsychologischer Kriminalroman

    Inselfeuer
    Joachim_Tiele

    Joachim_Tiele

    Einen Prolog, der einem die Gänsehaut gefrieren lässt, gibt es hier nicht. Stattdessen wird von der ersten Seite an die Soziographie einer südschwedischen Insel über einige Generationen hinweg bis in feinste Verzweigungen aufgedröselt, verbunden mit der Darstellung einer Serie von Kriminalfällen bis hin zu ihrer logischen und glaubwürdig folgerichtigen Auflösung. Das ist klassisch-moderne Krimischule, die die Spitzfindigkeiten und Irreführungen etwa einer Agatha Christie getrost hinter sich lassen kann, ohne in den Hyperrealismus kalifornischer (oder inzwischen auch mancher schwedischer) Großstadtkrimis zu verfallen. Moderne Menschen auf der Grenze zwischen den Metropolen, in denen sie studiert haben oder zur Schule gegangen sind und der ländlichen Gegend, aus der sie stammen und in der ihre Vorfahren gelebt haben und teilweise noch leben. Schweden, okay, die deutsche Verfasserin lebt seit fast fünfundzwanzig Jahren dort in ihrer Wahlheimat Öland, zu der Pferde gehören wie Rentiere zu Lappland, aber grundsätzlich finden wir in ihrem Ormöga die gleichen sozialen Verhältnisse wie etwa in einem Ort in einer rheinland-pfälzischen Abwanderungsregion, der sich inzwischen touristisch etwas über Wasser halten kann, aber eine lange historische Auswanderungsbewegung, etwa nach Nordamerika, kennt. Dem Verlag sei die auf's Cover aufgeklebte Schwedenfahne verziehen, denn Schwedenfreunde kommen sicherlich auf ihre Kosten, aber hier geht es um die universelle conditio humana, die Verbrechen einschließt, aber ebenso alle anderen Aspekte des menschlichen Lebens von den Schwierigkeiten der Kindheit bis hin zu denen eines sehr hohen Alters und allen Lebensabschnitten dazwischen. Für ein Debut ungewöhlich, lässt sich Inselfeuer alle Zeit, die es braucht, um die Dinge zunächst nachvollziehen (und später verstehen) zu können, die in diesem komplexen Kriminal- und Gesellschaftsroman eine Rolle spielen. Dennoch spielt die Verfasserin nicht mit der Geduld der Leser. Folgerichtig, Baustein für Baustein, setzt sich die Geschichte zusammen, mit ihren Haupt- und teilweise in ihrem Handeln nicht weniger entscheidenden Nebenfiguren. Nichts wird am Ende überflüssig gewesen sein, und selbst die Pferdeflüsterin des Romans wird eher einen flüsterleisen Dialog mit dem minderjährigen Sohn der Hauptprotagonisting geführt haben, der schließlich ganz alleine sich selbst, seine Mutter und mit Sachverstand drei Pferde aus einem brennenden Stall rettet. Um Brandstiftung geht es, um eine Anwältin, die eher die Nebenklägervertretung von Opfern übernimmt, einen smarten Strafverteidiger, der auch den Bösen - teilweise wissentlich - zu Freisprüchen verhilft, um lüsterne Greise, kindliche Verletzungen und ihre Folgen bis ins hohe Alter, aber auch um gewöhnliche Gier, falschverstandene sexuelle Rollenmuster und emotionale Abhängigkeiten. Und die Verhältnisse zwischen den Beteiligten werden so ausgeleuchtet, dass man nicht einfach von einem psychologischen (das kann heute ja fast jeder), sondern von einem sozialpsychologischen Krimi sprechen kann. Und es ist ein inhaltliches Tableau vorbereitet, auf dem noch viele Kriminalfälle denkbar sind, die in den unterschiedlichsten Kombinationen aus Anwälten, Polizisten, deren Freunden und Familienmitgliedern präsentiert und gelöst werden können. Dass die Verfasserin auf alle Spannung suggerierende vordergründige Knistereffekte ebenso verzichten kann wie auf kalkulierte Irreführungen der Leser oder tumultartige Verwicklungen nach etwa drei Vierteln des Romans ;-), spricht für sie. Eine erwachsene Frau, die alle Spielchen und deren Regeln kennt, und die meisten von ihnen wohl auch schon gespielt hat, kann hier, in ihrem Roman, auf sie verzichten. Ich nenne es Reife und Abgeklärtheit als die Grundlagen eines erwachsenen Kriminalromans für erwachsene Leser. Man kann jetzt schon den - beispielsweise - siebten Teil der Krimiserie um die öländische Anwältin Alasca Rosengren phantasieren, was Abnutzungserscheinungen erahnen lassen könnte, aber bei dieser Autorin freue ich mich darauf, und auf jedes einzelne Buch bis dorthin...

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    • 10
  • Rezension zu "Das Havanna-Quartett" von Leonardo Padura

    Das Havanna-Quartett
    BertieWooster

    BertieWooster

    07. September 2009 um 22:42

    In diesem Band sind vier Romane zusammengefasst. "Ein perfektes Leben (Winter), "Handel der Gefühle (Frühling)", Labyrinth der Masken (Sommer)" und "Das Meer der Illusionen (Herbst). Formal sind die Romane unter die Rubrik "Krimi" einzuordnen. Denn die Hauptfigur Mario Conde ist Polizist und ermittelt in Mordfällen. Wie im angehängten Interview mit dem Autor ausgeführt wird, wird das Krimigenre lediglich benutzt. So sind die Lösungen der Mordfälle, auch wenn diese anfangs auch kompliziert erscheinen, manchmal ziemlich banal. Padura benutzt die Krimis, um durch die Befragungen von Zeugen ein Gesellschaftsbild Kubas im Jahr 1989 wiederzugeben. Die Mordfälle werden jedoch auch genutzt, um sie mit den Erinnerungen von El Conde an seine Kindheit und Jugend zu verbinden. So ist der erste Ermordete mit ihm auf die gleiche Schule gegangen. Während dieser jedoch sein ganzes Leben geplant hat (ein echter Streber) und so zum Vorzeigegenossen wurde, kann sich Mario auf die Frage seines Vorgesetzten Major Rangel, warum er Polizist geworden ist, eigentlich keine plausible Antwort geben. Er ist einfach so hineingerutscht, weil er Geld verdienen musste. Im zweiten Krimi wird eine Lehrerin der Schule ermordet, die er selbst besucht hat. Auch diese war auf den ersten Blick eine Vorzeigegenossin. Wer hätte einen Grund so jemanden zu töten? Erst die recherchen von Conde und seinem Assistenten Sagento Palacios zeigen den wahren Charakter der Ermordeten aber auch einen Abdruck der Gesellschaft. In allen vier Romanen zeigt sich, dass es in Kuba zwar dem Namen nach ein kommunistisches Regime ist, dass das Land regiert. Aber im Endeffekt wurde lediglich eine Cliquenwirtschaft durch eine neue ersetzt. Wenn man zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Position war, konnte man schön leben, während die einfache Bevölkerung mit Lebensmittelmarken und Versorgungsengpässen kämpfen muss. Letztere haben sich aber offensichtlich damit abgefunden und versuchen mit kleinen Tricks über die Runden zu kommen, wie sich insbesondere abei der Mutter seines besten Freundes, dem Dünnen, der jetzt nicht mehr Dünn ist, zeigt. Während für mich der zweite Roman der schwächste war, konnte der dritte wieder eine Steigerung verzeichnen. Das lag wohl daran, dass Conde als bekennender Macho im Homo- bzw. Transsexuellenmillieu ermitteln muss. Er wird mit seinen eigenen Vorurteilen konfrontiert. Nur wenn er diese ablegen kann, kann er auch den Fall eines ermordeten Transsexuellen lösen. Behilflich ist ihm dabei ein ehemaliger Theaterregisseur und Schriftsteller, der Anfang der siebziger Jahre jedoch von Parteifunktionären kaltgestellt wurde, weil er nicht die Parteilinie vertrat. Witzig war für mich besonders, als Conde in einem Literaturclub einen Schulfreund trifft und dort zufällig eine Diskussion anderer Schriftsteller mit anhört, in der diese über einen Krimischriftsteller herziehen, der zur Zeit Erfolg hat. Damit ist offensichtlich Padura selbst gemeint. Überhaupt zieht sich die Schriftstellerei durch alle vier Bände. Bereits im ersten wird gezeigt, wie es die Partei geschafft hat, ihn durch die Zensur der Schülerzeitung von der Schriftstellerei abzuhalten. Insoweit ergeben sich Parallelen zu dem Theaterregisseur. Im letzten Band kommt es zum großen Befreiungschlag. Ein Exilkubaner wird ermordert und verstümmelt. Dieser war vor seiner Flucht bei der staatlichen Enteignungsbehörde tätig. War diese Tätigkeit für die Ermordung die Ursache oder vielleicht die hübsche Ehefrau? Überhaupt die Frauen. Für meinen Geschmack werden sie zu sehr als Lustobjekte aus der Sicht von Conde dargestellt. Auch seine ausführlichen erotischen Darstellungen sind wohl eher Geschmachssache, vielleicht gehört es sich auch einfach für einen lateinamerikanischen Autor. Gefallen hat mir die Darstellung des etwas morbiden Kubas des Jahres 1989 und des Freundeskreises von Conde.

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  • Rezension zu "Das Havanna-Quartett" von Leonardo Padura

    Das Havanna-Quartett
    ude

    ude

    25. October 2008 um 14:33

    Tja. Eigentlich mag ich ja Philip Marlowe und all seine vielen Söhne. Auch die kubanische Variante des melancholischen, grob-zarten Ermittlers ist erst mal sympathisch. Wenn nur der Autor über ein bisschen mehr literarische Gestaltungskraft verfügen würde! Dann würden etwas weniger Passagen so klischeehaft sein. Dann würde das verfallende und doch so lebendige Havanna vor dem lesenden Auge erstehen und nicht nur behauptet sein. Und leider zeichnen sämtliche Frauen, die Padura vorkommen lässt, sich entweder durch Kochkünste aus oder durch den Besitz von Busen und Hintern. Das ist ein bisschen wenig, finde ich. Weniger aus moralischen Gründen, denn dies ist ein Roman, sondern eben aus literarischen Gründen. Abziehbilder, wenn auch mit Kurven, sind nämlich schlicht und einfach langweilig.

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